Boltzmann-Gehirn

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Ludwig Boltzmann, Namensgeber des Boltzmann-Gehirns (1902)

Das Boltzmann-Gehirn (auch Freak-Beobachter[1]) ist eine nach dem österreichischen Physiker Ludwig Boltzmann benannte Hypothese, die besagt, dass das von der Menschheit als Realität empfundene nichts anderes als die Fantasie eines Gehirns sein könnte, das durch zufällige, kurzzeitige Fluktuation des Vakuums entsprungen ist (wobei damit keine Vakuumfluktuationen aus der erst später entwickelten Quantenfeldtheorie gemeint sind).[1][2] Das Leben und das Universum könnte nach dieser Hypothese ein einziger Gedanke sein.[2]

Der englische Mathematiker Roger Penrose hat die Wahrscheinlichkeit dafür abgeschätzt, dass das Universum, in dem wir leben, genau so beschaffen ist, wie wir es gerade sehen:[3] Sie beträgt 1 zu .[3] Dagegen scheint die Wahrscheinlichkeit für ein durch Fluktuation des Vakuums entstandenes Boltzmann-Gehirn mit Erinnerungen an nicht stattgefundene Ereignisse und falschen Sinneseindrücken mit 1 zu um ein Vielfaches höher.[3] Auch wenn die meisten Wissenschaftler diese Theorie anzweifeln, kann sie mit derzeitigen Mitteln und Methoden der Wissenschaft nicht ausgeschlossen werden.[3]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch im Vakuum entstehen durch Fluktuation Teilchen-Antiteilchenpaare, die sich sofort wieder gegenseitig vernichten.[3] Diese Fluktuationen können überall im Universum auftreten und sind meist nur auf einzelne Paare von Materie und Antimaterie beschränkt.[3] Basierend auf der Annahme, dass das Universum bereits unendlich lange existiert bzw. unendlich lange existieren wird und unendlich groß ist bzw. unendlich groß sein wird, entstehen durch die zufällige Erzeugung mehrerer Paare zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort im Universum jedoch auch deutlich komplexere Gebilde,[4] wie beispielsweise ein funktionierendes Gehirn mit Erinnerungen an nie stattgefundene Ereignisse und falschen Sinneseindrücken.[3]

Feststellen, ob man selbst ein Freak-Beobachter ist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Szenarien mit Boltzmann-Gehirnen ist das Verhältnis von Boltzmann-Gehirnen zu „normalen“ Beobachtern sehr groß. Fast jede relevante Untergruppe von Boltzmann-Gehirnen, wie zum Beispiel solche, die in funktionierenden Körpern eingebettet sind oder solche, die bestimmte Erinnerungen haben, übertreffen in der Anzahl die „normalen“ Beobachter bei weitem. Daher ist es in den meisten Theorien des Bewusstseins nicht mit Sicherheit möglich festzustellen, ob man selbst ein Boltzmann-Hirn ist oder nicht, da Boltzmann-Gehirne das Universum dominieren.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dennis Overbye: Big Brain Theory: Have Cosmologists Lost Theirs? In: The New York Times. 15. Januar 2008, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 16. Oktober 2019]).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Boltzmann-Hirne, Teil 1: Warum es Dich höchstwahrscheinlich gar nicht gibt. In: scienceblogs.de. 6. August 2019, abgerufen am 16. Oktober 2019 (deutsch).
  2. a b Werner Stangl: Boltzmann-Gehirn. In: lexikon.stangl.eu. Abgerufen am 16. Oktober 2019.
  3. a b c d e f g Riedochse: Boltzmann-Gehirne | Das Introversum. In: introversum.de. 3. April 2016, abgerufen am 16. Oktober 2019 (deutsch).
  4. Dennis Overbye: Big Brain Theory: Have Cosmologists Lost Theirs? In: The New York Times. 15. Januar 2008, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 16. Oktober 2019]).
  5. Carroll, S. M., "Why Boltzmann brains are bad" (Ithaca, New York: arXiv, 2017).