Bolzplatz

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Mädchen auf einem Bolzplatz

Ein Bolzplatz (im Fußballjargon bolzen: hart treten/schießen; derb/systemlos Fußballspielen) ist in Deutschland ein meist von der jeweiligen Stadt oder Gemeinde angelegter Fußballplatz, der zur Gemeinnutzung Kindern und Jugendlichen zur Verfügung steht.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Bolzplätze gibt es keine Standards für die Feld- oder Torgröße. Bolzplätze sind daher meist erheblich kleiner als genormte Fußballplätze oder andere Sportplätze. Da es keine festgelegten Regeln gibt, ist es möglich, von fast jeder Position auf dem Platz auf das gegnerische Tor zu schießen (bolzen), was dem Platz seinen Namen gab.

Als Bodenbelag kommen Granulat, Sand, Rasen, Kunstrasen, Asphalt, Tartan oder Stein zum Einsatz.

Bolzplätze sind oft umzäunt, damit Bälle nicht in die Umgebung (z. B. in anliegende Gärten) fliegen oder den Straßenverkehr gefährden. Die Umzäunung besteht in der Regel aus verschraubten Metallgittern. Selten ist über der Umzäunung auch ein Netz bespannt, damit der Ball nicht über die Umzäunung geschossen werden kann.

Einige Bolzplätze sind sogar beleuchtet, so dass auch abends und bei Dunkelheit gespielt werden kann. Unter bestimmten Umständen kann ein Bolzplatz unter die Sportanlagenlärmschutzverordnung fallen.

Spielweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gespielt wird auf einem Bolzplatz, wie man will (vgl. Streetball), mehr als sieben Spieler pro Mannschaft sind alleine auf Grund der Größe eines Platzes aber die Seltenheit. Die Regeln, die vor dem Spiel festgelegt werden, sind häufig modifizierte Fußballregeln – so wird beispielsweise die Abseitsregel normalerweise nicht angewendet.

Bekannte Spiele auf Bolzplätzen sind u. a. Elfmeterkönig (Elferkönig) und Hochball. Beim Elfmeterkönig wird pro verwandelter Elfmeter dem zu diesem Zeitpunkt im Tor stehenden Spieler ein Leben abgezogen. Hält der Torwart oder schießt der Schütze neben das Tor, muss dieser dann ins Tor. Eine Besonderheit ist der Lattenschuss. Hier gilt in der Regel der Satz „Latte rettet“ und der Schütze darf den Elfmeter wiederholen. Gewinner ist derjenige, der am Ende des Spiels noch Leben aufweisen kann.

Beim Hochball geht es darum, dass Tore nur aus der Luft erzielt werden dürfen, also nach einem Zuspiel eines anderen Mitspielers. Im Fünf-Meter-Raum bzw. in einem ähnlichen, vorher markierten Bereich vor dem Tor, gilt, dass nur Tore mit dem Kopf erzielt werden dürfen und besondere Tore. Der Torwart darf sich nur in seinem Raum vor dem Tor aufhalten, seine Grenze ist der Fünf-Meter-Raum. Dadurch wird sichergestellt, dass die Feldspieler bei den Zuspielen nicht behindert werden. Zu den besonderen Toren zählen Abschlüsse mit der Hacke, Oberschenkel, Schulter usw. Landet der Ball eines Spielers im Toraus, muss dieser daraufhin ins Tor. Der Schütze muss ebenso ins Gehäuse, wenn der Torwart seinen Schuss über die Latte köpft, das sogenannte Rüberköpfen. Es wird vor einem Spiel entschieden, ob die Regel Anwendung im Spiel finden soll. Der Torwart verliert pro gefangenes Tor ein Leben.

Beliebt ist auf Bolzplätzen beim Hochball auch das sogenannte Abwerfen eines Spielers. Wirft der Torwart einen Feldspieler an, und rollt der Ball von diesem Spieler ins Aus, kann der Torwart aus dem Tor kommen. Die Auswahl des Torwarts zu Beginn des Spiels wird durch das Lattenwerfen entschieden. Wer es nicht schafft, die Latte zu treffen - es kann werfen oder schießen vereinbart werden – muss ins Tor. Meldet sich jemand freiwillig, ins Tor zu gehen, bekommt dieser meist ein Zusatzleben. Feldspieler beginnen dann mit 10 Leben, der Torwart mit 11 bzw. 12 Leben. Hat ein Spieler zuerst 0 Leben, hat er das Recht auf das sogenannte „Gummi“. Es ist ein extra Leben und soll ihm verhelfen, eine weitere Chance zu bekommen. Gelingt es ihm nicht und er kassiert ein Tor, ist für ihn das Spiel beendet. Die letzten beiden übrig gebliebenen Spieler schießen den Gewinner im Elfmeterschießen aus. Oft gilt die Regel, dass beim letzten Leben mit dem schwächeren Fuß geschossen werden muss.

Weitere Regeln, die jedoch nicht auf jedem Bolzplatz angewendet werden, sind die sogenannte „Luftlinie“ und die Rettung des Balls eines anderen Mitspielers, der sich in Richtung Aus bewegt, das sogenannte „Retten ist Pflicht“. Luftlinie bedeutet, dass der Ball erst dann im Aus ist, wenn er dort auch den Boden berührt. Ein Ball kann also, obwohl er sich hinter dem Tor befindet, gerettet werden, wenn dieser sich noch in der Luft befindet. Retten ist Pflicht meint, dass die Feldspieler sich gegenseitig unterstützen müssen, und ins Aus gehende Bälle versuchen müssen, zu retten. Kommt ein Spieler dieser Pflicht nicht nach, wird er mit dem Spruch „Retten ist Pflicht“ ins Tor geschickt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Lärmentwicklung dürfen Bolzplätze in Wohngebieten in den meisten Gemeinden zum Schutze der Anwohner nur zu bestimmten Zeiten, z. B. werktags von 9 bis 19 Uhr, benutzt werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]