Bombardier-Doppelstockwagen

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Die Bombardier-Doppelstockwagen (englisch Bombardier Double-deck Coach) sind ursprünglich vom Waggonbau Görlitz konzipierte Doppelstockwagen, die nach dem Übergang zu Bombardier Transportation 1998 unter dessen Marke weitergeführt wurden, und in den jüngeren Generationen auch unter dem Namen Bombardier Twindexx vermarktet werden.

Bombardier-Doppelstockwagen in Dänemark

Begriffsbestimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum wird der Wagentyp vom Hersteller nur Bombardier-Doppelstockwagen genannt, da hier nur diese Typen im Einsatz sind. Die hier beschriebenen Bombardier-Doppelstockwagen sollten dabei nicht mit den BiLevel und den MultiLevel-Wagen (Mehr-Ebenen-Wagen) für die Märkte in Nordamerika verwechselt werden. Alle in den Produktbezeichnungen verwendeten englischen Begriffe BiLevel Coach (Zwei-Ebenen-Wagen), MultiLevel Coach (Mehr-Ebenen-Wagen) und Double-deck Coach (Doppelstockwagen) werden im Deutschen einheitlich mit Doppelstockwagen übersetzt. Zur Unterscheidung wird umgangssprachlich auch von Bombardier DD Doppelstockwagen gesprochen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppelstock-Stromlinien-Wendezugwagen LBE DW 8

Die ersten Doppelstockwagen am Standort Görlitz wurden 1935 durch die Waggon- und Maschinenbau Görlitz für den Doppelstock-Stromlinien-Wendezug der LBE hergestellt. Drei der insgesamt acht Wagen stammten von dieser Firma. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zwei- und vierteilige Doppelstockeinheiten nach dem Vorbild der LBE-Fahrzeuge sowie fünfteilige Doppelstockgliederzüge, jeweils in mehreren Versionen entwickelt. Aus den Erfahrungen mit den schlecht an schwankenden Bedarf anpassbaren, da im Betrieb nicht trennbaren mehrteiligen Einheiten entstand ab 1970 ein neuer Wagentyp, der »Doppelstock-Standard-Sitzwagen«. Zwei Prototypen wurden 1971 gebaut und auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1972 der Öffentlichkeit vorgestellt. Bei diesen beiden Wagen lagen die Einstiege erstmals im Unterstock. Damit ergab sich bei einer Bahnsteighöhe von 550 mm ein stufenloser Einstieg, bei 380 mm bzw. 760 mm ist nur eine Stufe zu überwinden. Zusätzlich wurden außenlaufende Schiebetüren vorgesehen. Der dadurch mögliche Verzicht auf Trittkästen und Türtaschen vereinfachte die Kastenkonstruktion bei gleichzeitig erhöhter Steifigkeit und geringerer Korrosionsanfälligkeit. 1974 begann die Serienproduktion von Mittel- und Steuerwagen. Im Produktionszeitraum wurden sie kontinuierlich weiterentwickelt, beispielsweise erhielt die Deutsche Reichsbahn ab 1986 Wagen mit Scheibenbremsen. Die Wagen wurden auch in die Tschechoslowakei, nach Polen und Rumänien in größeren Stückzahlen exportiert.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde bei Waggonbau Görlitz, nun als Teil der Deutschen Waggonbau AG (DWA), an den Nachfolgegenerationen gearbeitet.

Seit 2009 werden die Wagen unter dem Namen TWINDEXX vermarktet. 2010 bestellten die Schweizerischen Bundesbahnen mit dem SBB RABe 502 eine Triebzugvariante der Züge.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Generation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppelstocksteuerwagen der ersten Generation in Calau

Die erste Generation von Doppelstockeinzelwagen des Waggonbau Görlitz wurde in den Jahren 1974 (Vorserie, erkennbar an den Einstiegstüren mit asymmetrischen Kiekertschlössern) und 1976 bis 1991 gebaut, sie wurden an die Deutsche Reichsbahn und die Staatsbahnen Bulgariens, Polens, Rumäniens und der Tschechoslowakei geliefert. Steuerwagen wurden nicht exportiert. Die Wagen wurden in den ersten Baujahren mit Drehgestellen der Bauart Görlitz VI K-Do mit Klotzbremsen ausgeliefert, seit 1986 mit solchen der Bauart Görlitz VI S-Do und damit mit Scheibenbremsen.

Die zulässige Geschwindigkeit dieser Wagen betrug 120 km/h. Die Energieversorgung erfolge bei den Wagen der Baujahre bis 1985 durch Achsgeneratoren, danach über die Zugsammelschiene. Wegen des Einsatzgebietes wurden nur Einspannungsspeisegeräte eingebaut. Die Luftheizung konnte elektrisch oder mit Dampf betrieben werden, mit der Umstellung auf die zentrale Energieversorgung entfiel die Dampfheizmöglichkeit.

2. Generation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppelstocksteuerwagen der 2. Generation bei Auslieferung

Nach der Wende wurde der VEB Waggonbau Görlitz privatisiert und als GmbH weitergeführt. Die mittlerweile fast 20 Jahre alte Konstruktion der Doppelstockwagen wurde erneuert. Zwischen 1992 und 1993 wurden 100 mit 140 km/h einsetzbare Wagen der zweiten Generation für die Deutsche Reichsbahn und Deutsche Bundesbahn hergestellt. Die DB erhielt Mittelwagen nach dem Vorbild der Zürcher S-Bahn-Wagen mit Einstiegen in den Zwischenstock über den Drehgestellen, die DR Steuerwagen mit den schon bewährten Einstiegen in das Unterdeck. Den Steuerwagen dieser Baureihe wurde die Bauartnummer 760 zugeordnet.

Neu waren ein vergrößerter Wagenkastenquerschnitt, der die Kopffreiheit der Fensterplätze im Oberstock deutlich verbesserte, im geschlossenen Zustand außenwandbündige Schwenkschiebetüren für die bessere mechanische Außenreinigung und bei den Steuerwagen ein Führertisch nach dem Vorbild der DR-Baureihe 243 sowie die zusätzliche zeitmultiplexe Wendezugsteuerung. Bei deren Nutzung steht die volle Funktionalität der Steuerung in gleicher Weise wie beim Fahren von der Lok aus inklusive Geschwindigkeits- und Zugkraftvorwahl zur Verfügung.

3. Generation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppelstocksteuerwagen der 3. Generation in Gießen

Nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staatsbahnen zur Deutsche Bahn (DB AG) 1994 und der Umwandlung der Waggonbau Görlitz zum Werk DWA Görlitz der DWA AG 1995, wurden zwischen 1994 und 1997 89 Wagen der dritten Generation für die DB AG hergestellt, davon 31 in verbesserter Ausführung mit Klimaanlage.

4. Generation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppelstocksteuerwagen der 4. Generation in Ribnitz-Damgarten Ost

1997 wurde die DWA AG durch Bombardier übernommen. Die in diesem Jahr entwickelte teilweise bis zu 160 km/h zugelassene vierte Generation der Doppelstockwagen wurde bis 2008 verkauft.

5. Generation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Twindexx Vario in Leipzig (Schönefelder Gruppe) während der Personalschulung im November 2015
Hauptartikel: Bombardier Twindexx

2008 führte Bombardier mit den in Deutschland Dosto 2010 genannten Wagen die fünfte Generation Görlitzer Doppelstockwagen ein. International bezeichnet der Hersteller Züge mit diesen Wagen, für den Regional- oder Fernverkehr als TWINDEXX Vario, und einen abgeleiteten Hochgeschwindigkeitszug als „TWINDEXX Express“.[1] Dieser wurde mit modifizierten Wagenkästen für die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) unter dem Namen SBB RABe 502 als Triebzug entwickelt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Driving double-decker carriages of Germany 1st headshape – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Driving double-decker carriages of Germany 2nd headshape – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Driving double-decker carriages of Germany 3rd headshape – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Driving double-decker carriages of Deutsche Bahn 4th headshape – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bombardier Transportation: TWINDEXX - Eine neue Ära des Bahnfahrens. (Memento des Originals vom 3. Oktober 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/bombardier-transportation.ch Produktbroschüre (PDF, 9,5 MB)