Bombardier Talent 3

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Seitenansicht des Talent 3 für die ÖBB auf der InnoTrans 2018
Triebkopfansicht des Talent 3

Talent 3 (Eigenschreibweise TALENT 3) heißt eine Familie von Triebzügen des Herstellers Bombardier Transportation. Der in der dritten Generation gebaute Talent (Talbot leichter Nahverkehrs-Triebwagen) wurde in erster Generation 1996 von der Aachener Waggonfabrik Talbot gebaut. Der Triebzug ist im Gegensatz zum Bombardier Talent 2 keine Neuentwicklung, sondern eine Weiterentwicklung des Talent 2, welchem der Talent 3 optisch ähnelt. Im Gegensatz zur zweiten Generation entspricht der Talent 3 nicht nur den deutschen, sondern auch den europäischen Normen.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Talent 3 sind elektrische Triebzüge, welche neben der Stromzufuhr über Oberleitung für den Betrieb auf nichtelektrifizierten Strecken auch mit Akkumulatoren und Brennstoffzellen ausgerüstet werden können. Die Einheiten können sowohl als S-Bahn-, Regional- oder Fernverkehrszüge geliefert werden, dabei sind unterschiedliche Wagenlängen und Türanordnungen möglich. Zudem ist die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h oder 200 km/h wählbar. Die Züge sind für alle vier europäischen Stromsysteme (1,5 und 3 kV Gleich- sowie 15 kV, 16,7 Hz und 25 kV, 50 Hz Wechselspannung) sowie als Mehrsystemtriebzüge bestellbar. Die Fußbodenhöhe kann an verschiedene Bahnsteighöhen (550, 760 und 960 mm) angepasst werden. Die Triebzüge können mit dem europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS ausgerüstet werden, sie entsprechen den TSI- und europäischen Normen.[1]

Wie bei den vorigen beiden Generation haben die Wagenkästen nach außen gewölbte Seitenwände und damit einen ovalen Querschnitt.

Bestellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ÖBB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer Ausschreibung der ÖBB über einen Rahmenvertrag von 300 elektrischen Triebwagen konnte sich Bombardier Transportation mit dem Talent 3 gegen den Stadler Flirt und den Siemens Mireo durchsetzen. Der Rahmenvertrag beinhaltet jeweils zur Hälfte 75 und 100 Meter lange Einheiten. Der Rahmenvertrag, welcher am 27. Dezember 2016 geschlossen wurde, hat bei Abruf aller Einheiten einen Wert von 1,8 Mrd. Euro. Die Züge werden im Cityjet-Design der ÖBB geliefert.

Im Zuge der Unterzeichnung des Rahmenvertrags erfolgte der erste Abruf von 21 Triebzügen in der Langversion für die S-Bahn Vorarlberg, welche ab 2019 zum Einsatz kommen sollen und als Baureihe 4758 bezeichnet werden. Diese sollen die Kapazität in Vorarlberg erhöhen, um den stetigen Fahrgastzuwachs bewältigen zu können. Um einen ebenerdigen Einstieg zu garantieren, werden die Talent-3-Triebzüge mit einer Einstiegshöhe von 550 mm geliefert. Die Züge werden im deutschen Hennigsdorf gefertigt[2] und kosten etwa 150 Millionen Euro.[3]

Im März bestellten die ÖBB 25 weitere Talent in der Langversion für den Einsatz in Tirol und Südtirol ab 2019. Diese Züge werden weniger Türen als die Vorarlberger Einheiten aufweisen. Für den Betrieb auf der zukünftig umsteigefrei bedienten Relation Innsbruck HauptbahnhofBrennerBozenMeranMals werden sechs Einheiten für 15 kV bei 16,7 Hz sowie 25 kV bei 50 Hz Wechsel- und 3 kV Gleichspannung ausgerüstet. Sie sollen zusammen mit dem Stadler Flirt von SAD Nahverkehr und Trenitalia zwischen Österreich und Italien verkehren. Wie bei den Einheiten für Vorarlberg wird die Einstiegshöhe 550 mm betragen.[4]

vlexx[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für dem Betrieb im Los 2 des E-Netz-Saar-RB wurden vom privaten Verkehrsunternehmen vlexx 21 dreiteilige Triebzüge des Typs Talent 3 bestellt. Die mit drei Fahrgasttüren pro Seite ausgestatteten Regionalzüge sollen 160 Personen in der ersten und zweiten Klasse Platz bieten. Die Züge sollen ab 2019 auf den RB-Linien Saarbrücken – Neubrücke, Saarbrücken – Neunkirchen/Saar – Homburg und Homburg – Illingen und ab 2024 nach der Elektrifizierung auf der RB-Linie Saarbrücken – Lebach-Jabach zum Einsatz kommen.[5]

SWEG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Gewinnes der Ausschreibung des Freiburger Y der Breisgau-S-Bahn mit den Linien S2 Freiburg Hbf – Elzach, S3 Bad Krozingen – Münstertal (Schwarzwald) und der S5 Riegel-Malterdingen – Breisach, wird die SWEG Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG ab Dezember 2019 dort Talent-3-Triebzüge einsetzen.

Batterieantrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Innotrans 2018 wurde ein Talent 3 mit Batterieantrieb vorgestellt. Der Triebwagen verfügt über MITRAC-Traktionsbatterien auf Lithium-Ionen-Basis. Zur Zeit reicht die Kapazität für 40 Kilometer Fahrt, angestrebt sind 100 Kilometer. Ein Ladevorgang an Ladestellen oder unter Oberleitung dauert zehn Minuten. Auch die beim Bremsen gewonnene Energie kann zum Nachladen genutzt werden. Nach Probefahrten soll 2019 ein zwölfmonatiger Testbetrieb bei DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee stattfinden.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. TALENT 3 Electric Multiple Unit (EMU) Platform. Abgerufen am 20. September 2017.
  2. Bombardier und die Österreichischen Bundesbahnen unterzeichnen Rahmenvertrag für bis zu 300 TALENT 3-Züge. 29. Dezember 2016, abgerufen am 20. September 2017.
  3. Österreich: Bombardier und ÖBB unterzeichnen Vertrag zum Talent 3. Eurailpress, 30. Dezember 2016, abgerufen am 7. Januar 2016.
  4. ÖBB to order more Talent 3 EMUs for Tyrol. 24. März 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  5. Bombardier und vlexx unterzeichnen Vertrag über die Lieferung von 21 TALENT 3 Zügen für den Betrieb im Saarland. 31. März 2017, abgerufen am 24. März 2017.
  6. TALENT3 mit Batterie-Antrieb. In: eisenbahn-magazin. Nr. 12, 2018, ISSN 0342-1902, S. 35.