Bon Iver

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Justin Vernon beim Primavera Sound Festival (2019)
Konzert von Bon Iver in Washington, D.C.

Bon Iver ist eine US-amerikanische Indie-Folk-Band. Hauptfigur ist der Sänger, Gitarrist und Organist Justin Vernon (* 30. April 1981 in Eau Claire, Wisconsin). Der Name Bon Iver leitet sich aus dem Französischen Begriff „Bon hiver“ („guter Winter“) ab. Bekannt wurde Bon Iver durch das 2007 veröffentlichte Album For Emma, Forever Ago, das Vernon alleine in einer Jagdhütte im US-Bundesstaat Wisconsin aufgenommen hat.[1] 2009 folgte die EP Blood Bank. 2011 erschien das zweite Studioalbum Bon Iver, Bon Iver, welches bei den 54. Grammy Awards im Jahr 2012 die Auszeichnung als bestes Alternativ-Album erhielt. Außerdem wurde Bon Iver als bester neuer Künstler geehrt.[2]

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die melancholischen Songs von Bon Iver sind sehr schlicht strukturiert, bestehen meistens aus wenigen, dezenten Gitarrenakkorden. Der Sänger wechselt zwischen emotionaler Brust- und hoher Kopfstimme. Im Studio spielt Vernon alle Instrumente selbst ein. Er wurde live zuerst von drei weiteren Musikern, Mike Noyce, Sean Carey und Matthew McCaughan, begleitet. Für die Songs seines zweiten Albums Bon Iver, Bon Iver vergrößerte er seine Bühnenmannschaft auf fast ein Dutzend Musiker, darunter Bläser und zusätzliche Gitarristen.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2007 veröffentlichte Vernon sein erstes Album For Emma, Forever Ago unter dem Künstlernamen Bon Iver mit eigenen Mitteln. Einige wenige hunderte CDs kursierten in regionalen Musikgeschäften Wisconsins, bevor Vernon Anfang 2008 ein Angebot von dem Independent-Label Jagjaguwar erhielt, das das Album einem größeren Publikum zuführen wollte. So wurde Vernon schließlich zuerst bei Jagjaguwar, später noch bei 4AD Records unter Vertrag genommen. Das Album erzielte große Erfolge beim Publikum und bei Kritikern, und sowohl das Album als auch die Single-Auskopplung Skinny Love erreichten Gold-Status in den USA. Auf der Seite Metacritic hat das Album eine Wertung von 88 Punkten.[3]

Das zweite Album, Bon Iver, erschien in den USA im Juni 2011. An der Produktion des Albums waren mehr Musiker beteiligt als noch beim Debütalbum, darunter der Bass-Saxonophist Colin Stetson und Gitarrist Greg Leisz. Die musikalische Weiterentwicklung wurde von Kritikern und Fans positiv aufgenommen und das Album landete auf mehreren Jahresbestenlisten, unter anderem auf Platz 1 der Besten 50 Alben 2011 der Website Pitchfork.[4] Auch der Musikexpress wählte Bon Iver in seiner Bestenliste auf Platz 4.[5]

Nach einer längeren Auszeit veröffentlichte die Band im Herbst 2016 ihr drittes Album, 22, A Million. Justin Vernon gab in Interviews an, dass er zuvor an Panikattacken und Depressionen gelitten habe.[6] Die Musik auf dem Album stellte eine erneute musikalische Weiterentwicklung dar. Unter anderem verwendet Vernon verstärkt ein Harmonizer-Effektgerät, mit dem man – allein – mehrstimmige Gesangssätze realisieren kann. Einige Rezensenten führen das auf den Einfluss von Kanye West zurück, mit dem Vernon mehrfach zusammengearbeitet hat, und der ebenfalls Harmonizer verwendet.[7] 22, A Million erhielt ebenfalls überwiegend positive Kritiken, unter anderem 8 von 10 Punkten bei Plattentests.de.[8]

Am 30. August 2019 wurde das Album I, I veröffentlicht. Bereits am 31. Juli gab die Band eine elfminütige Kurzdokumentation mit dem Namen Bon Iver: Autumn heraus, in welcher sie über das kommende Album und die geplante Herbst-Tour sprechen. Außerdem gab es Prelistening-Parties, auf denen einer kleinen Fangemeinde das Album vorgestellt wurde. Das Album beendet nach eigener Aussage einen Zyklus, in dem die vier Jahreszeiten dargestellt werden[9]. 22 Tage vor dem Release des Albums wurden die restlichen Songs stündlich veröffentlicht.

Im März 2020 wurde eine Neuausgabe der EP Blood Bank veröffentlicht, in der sowohl Originalsongs als auch Live-Versionen vorkamen[10]. Darauf folgte am 4. April die Premiere von Things Behind Things Behind Things auf einem Event von Bernie Sanders[11]. 13 Tage später am 17.04. veröffentlichten sie einen weiteren Song mit dem Namen Please Don't Live in Fear, von dem alle Einnahmen an die Organisation Direct Relief gingen zur Unterstützung der Ressourcen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie[12].

Bon Iver Day[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2011 nahm der Bürgermeister von Milwaukee, Tom Barrett, den Beginn von Bon Ivers Welttournee zum Anlass, den 22. Juli zum offiziellen „Bon Iver Day“ der Stadt zu machen. Begründungen hierfür waren der internationale Erfolg beider Alben der Band, gekoppelt mit einer tiefen Verwurzelung derer mit Justin Vernons Heimatstaat Wisconsin. Kurze Zeit danach ernannte der Bürgermeister von Vernons Heimatort den 13. Dezember ebenfalls zum offiziellen „Bon Iver Day“.[13]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[14][15]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
DE DE AT AT CH CH UK UK US US
2008 For Emma, Forever Ago UK42
Platin
Platin

(12 Wo.)UK
US64
Platin
Platin

(21 Wo.)US
Jagjaguwar
2011 Bon Iver DE26
(6 Wo.)DE
AT34
(3 Wo.)AT
CH10
(5 Wo.)CH
UK4
Gold
Gold

(15 Wo.)UK
US2
Platin
Platin

(40 Wo.)US
Jagjaguwar
2016 22, A Million DE7
(3 Wo.)DE
AT8
(2 Wo.)AT
CH4
(3 Wo.)CH
UK2
Silber
Silber

(8 Wo.)UK
US2
(12 Wo.)US
Jagjaguwar
2019 I, I DE18
(3 Wo.)DE
AT21
(2 Wo.)AT
CH12
(4 Wo.)CH
UK11
(5 Wo.)UK
US26
(4 Wo.)US
Jagjaguwar

EPs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[14][15]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
UK UK US US
2009 Blood Bank UK37
(2 Wo.)UK
US16
Gold
Gold

(6 Wo.)US
Jagjaguwar

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008: Skinny Love (US: Doppelplatin×2Doppelplatin ; UK: GoldGold)
  • 2008: For Emma
  • 2008: Re: Stacks (US: GoldGold)
  • 2009: Blood Bank
  • 2011: Calgary
  • 2011: Holocene (US: PlatinPlatin; UK: SilberSilber)
  • 2012: Towers
  • 2012: Beth/Rest
  • 2016: 22 (Overseen)
  • 2016: 10 deathbreast
  • 2016: 33 God
  • 2019: Hey, Ma
  • 2019: U (Man Like)
  • 2019: Faith
  • 2019: Jelmore

Gastbeiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[14]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
AT AT CH CH UK UK US US
2010 Dark Fantasy
My Beautiful Dark Twisted Fantasy
US60
Gold
Gold

(1 Wo.)US
Monster
My Beautiful Dark Twisted Fantasy
UK
Silber
Silber
UK
US18
Doppelplatin
×2
Doppelplatin

(10 Wo.)US
Kanye West feat. Jay-Z, Rick Ross, Bon Iver & Nicki Minaj
2020 Exile
Folklore
AT56
(1 Wo.)AT
CH48
(2 Wo.)CH
UK8
Silber
Silber

(9 Wo.)UK
US6
Gold
Gold

(5 Wo.)US
Taylor Swift feat. Bon Iver
Folgende Lieder erschienen nicht als Single, wurden aber durch das Album zu Download und Streaming bereitgestellt und konnten somit eine Platzierung erlangen:
2020 Evermore
Evermore
US57
(… Wo.)Template:Charttabelle/Wartung/vorläufig/2020US
Taylor Swift feat. Bon Iver

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bon Iver – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rabea Weihser: Folk: Wenn die Kojoten heulen. In: Zeit Online. 21. Mai 2008, abgerufen am 27. März 2011.
  2. Grammy’s 2012 bei grammy.com
  3. For Emma, Forever Ago by Bon Iver. Abgerufen am 1. Oktober 2016.
  4. The Top 50 Albums of 2011 – Page 5 | Pitchfork. In: pitchfork.com. Abgerufen am 1. Oktober 2016.
  5. Katharina Lauck: Die 50 besten Alben von 2011: die Plätze 10 – 1. 20. Dezember 2011, abgerufen am 1. Oktober 2016.
  6. Laura Barton: Bon Iver: 'There are people who are into being famous. And I don’t like that'. In: The Guardian. 24. September 2016, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 1. Oktober 2016]).
  7. Daniel-C. Schmidt: Bon Iver :: 22, A MILLION. Abgerufen am 1. Oktober 2016.
  8. Kevin Holtmann, Plattentests.de: Bon Iver – 22, a million – Plattentests.de. Abgerufen am 1. Oktober 2016.
  9. Bon Iver: Neues Album "i, i" vorzeitig veröffentlicht – laut.de – News. Abgerufen am 6. November 2020.
  10. Jon Blistein, Jon Blistein: Bon Iver Preview 'Blood Bank' EP Reissue With Live Version of Title Track. In: Rolling Stone. 21. Januar 2020, abgerufen am 6. November 2020 (amerikanisches Englisch).
  11. Bon Iver unterstützt Bernie Sanders mit neuem Song. 7. April 2020, abgerufen am 6. November 2020 (englisch).
  12. Jon Blistein, Jon Blistein: Bon Iver Craft a COVID-19 Mantra With New Song 'PDLIF'. In: Rolling Stone. 17. April 2020, abgerufen am 6. November 2020 (amerikanisches Englisch).
  13. Bon Iver Day bei pitchfork.com
  14. a b c Chartquellen: DE AT CH UK US
  15. a b Auszeichnungen für Musikverkäufe: UK US