Bonaventure Soh Bejeng Ndikung

Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (* 20. März 1977 in Yaoundé, Kamerun) ist ein Kurator, Kunstkritiker, Autor und Kulturmanager sowie seit 2023 Intendant und Chefkurator des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin.[1][2] Zu seinen Projekten zählen SAVVY Contemporary, die documenta 14, sonsbeek 20→24, die Rencontres de Bamako und die 36. Bienal de São Paulo.[3]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ndikung wurde 1977 in Yaoundé geboren und kam 1997 nach Berlin, wo er an der Technischen Universität Berlin Lebensmitteltechnologie studierte.[4] Nach seiner Promotion in Düsseldorf über Mutationsmechanismen, die zu Leukämie führen, setzte er sein Studium in Biophysik in Montpellier fort, während er zugleich im Kunstbereich arbeitete.[4] 2009 gründete er in Berlin SAVVY Contemporary, einen Projektraum und Diskursort, der sich als Ideenlabor in einer Kontaktzone westlicher und nicht-westlicher Kulturen versteht.[5] Im Oktober 2020 erhielt Ndikung den Verdienstorden des Landes Berlin, der seinen Beitrag zum interkulturellen Dialog und zur Dekolonisierung der Kunstszene würdigte.[6][5] Seit 2020 ist Ndikung Professor an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin.[7] Zum 1. Januar 2023 übernahm er als Nachfolger Bernd Scherers die Leitung des Hauses der Kulturen der Welt.[8] Mit seiner Berufung wurde er die erste schwarze Leitung des HKW.[9]
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kuratorische Arbeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ndikungs kuratorische Arbeit umfasst zeitgenössische Kunst und postkoloniale Debatten.[10] Als Kurator, künstlerischer Leiter oder Berater hat Ndikung für verschiedene internationale Ausstellungsprojekte oder Festivals in Deutschland, Frankreich, England und Kamerun gearbeitet und diverse Ausstellungskataloge publiziert. Er wirkte an Projekten der Tensta Konsthall in Schweden, dem Goethe-Institut, dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien und dem Arsenal Berlin mit. Als Leiter von SAVVY Contemporary machte er den Berliner Projektraum zu einem Ort für postkoloniale Diskurse und zeitgenössische afrikanische Kunst.[5] Ndikung war von 2009 bis 2022 künstlerischer Leiter des von ihm gegründeten Kunstraums Savvy Contemporary Berlin.[11][10] 2011 kuratierte er die Ausstellung Combler les lacunes de la mémoire: le passé composé du futur im Centre Culturel Français in Algier, Algerien. 2012 fanden unter anderem Kooperationen mit der 7. Berlin Biennale und der Berlinischen Galerie statt.[12] 2015 bis 2018 übernahm Ndikung zusammen mit Solvej Helweg Ovesen die künstlerische Leitung der städtischen Galerie Wedding in Berlin.[12] 2017 kuratierte er im Rahmen der Wiener Festwochen gemeinsam mit Pauline Doutreluingne The Conundrum of Imagination. 2017 war er Curator at Large der documenta 14 in Athen und Kassel.[13] 2018 war er Gastkurator der Dakar Biennale of Contemporary African Art. 2019 kuratierte er den finnischen Pavillon auf der 58. Biennale von Venedig.[14] 2020–2024 übernahm er die Rolle des Künstlerischen Leiters der 12. Ausgabe des Sonsbeek-Kunstfestivals im niederländischen Arnhem.[15][16][17] Für sonsbeek 20→24 im niederländischen Arnhem übernahm er die künstlerische Leitung einer traditionsreichen Stadtkunstausstellung.[10] 2020–2022 war er Künstlerischer Leiter der 14. Rencontres de Bamako, Mali.[18] Weitere Stationen seiner kuratorischen Arbeit waren die Dak’Art – Biennale de l’Art Africain Contemporain in Dakar, der finnische Pavillon der Biennale Venedig 2019 und die Rencontres de Bamako in Mali.[3]
Haus der Kulturen der Welt und São Paulo
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am HKW eröffnete seine Intendanz 2023 nach Umbauarbeiten mit Musik, Debatten und Ausstellungen unter dem Leitmotiv O Quilombismo.[19] 2024 wurde bekannt, dass Ndikung die 36. Bienal de São Paulo kuratieren werde; die Ausgabe trug den Titel Not All Travellers Walk Roads und wurde 2025 im Pavilhão Ciccillo Matarazzo im Parque Ibirapuera gezeigt.[3][20]
Autor und Herausgeber
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ndikung ist Chefredakteur der Zeitschrift SAVVY art.contemporary.african,[21] eines zweisprachigen E-Journals für kritische Texte zur zeitgenössischen afrikanischen Kunst. Für die Position The Citizen des Fotografen Tobias Zielony im Deutschen Pavillon auf der Biennale di Venezia 2015 verfasste Ndikung einen Essay über die Selbstermächtigung der Geflüchteten, die ab 2012 die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule besetzt hatten. Der Text mit dem Titel The Penultimate Dance on the Roof wurde in der sudanesischen Zeitung The Citizen veröffentlicht[22] und die Doppelseite als migrierendes Bild im Pavillon ausgestellt.[23]
Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2019. That, Around Which The Universe Revolves. On Rhythmanalysis of Memory, Times, Bodies in Space, Elena Agudio, Anna Jäger, Saskia Köbschall und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Hg.) Archive Books (i. E.)
- 2019. We Have Delivered Ourselves from the Tonal. Of, with, towards, on Julius Eastman, Antonia Alampi, Federica Bueti und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Hg.), Archive Books (i. E.)
- 2019. Whose Land Have I Lit on Now?, Elena Agudio, Federica Bueti und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Hg.), Archive Books (i. E.)
- 2018. Those Who Are Dead Are Not Ever Gone, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Autor), Archive Books[24] (Übersetzungen auf Deutsch Die gestorben sind, sind niemals fort und Französisch Ceux qui sont morts ne sont jamais partis sind auch bei Archive Books erschienen.)
- 2017. The Incantation of the Disquieting Muse. On Divinity, Supra-Realities or the Exorcisement of Witchery, Federica Bueti und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Hg.), Green Box Books.
- 2015. Giving Contours To Shadows, Elena Agudio, Marius Babias, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Storm Janse van Rensburg (Hg.), Verlag der Buchhandlung Walther König.
- 2006. Lymphoid-Specific Gene-Rearrangement and –Mutation Mechanisms in Chronic Myeloid Leukemia Blast Crisis. Diss. TU Berlin, Prozesswissenschaften (online).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Bonaventure Soh Bejeng Ndikung im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- SAVVY Contemporary Berlin. Website des Kunstraums (englisch/deutsch)
- SAVVY art.contemporary.african. Website der Zeitschrift (englisch)
- HKW – Haus der Kulturen der Welt Webseite des HKW, Berlin
- HKW-Intendant Ndikung – Ein Raum für offene Debatten Portrait im Deutschlandfunk Podcast „Im Gespräch“ vom 25. Dezember 2025
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Haus der Kulturen der Welt Berlin: Zentrum für Kulturaustausch bekommt neue Leitung. In: Der Tagesspiegel. 16. Juni 2021, abgerufen am 27. Mai 2026.
- ↑ Ein Raum für offene Debatten. In: Deutschlandfunk Kultur. 25. Dezember 2025, abgerufen am 27. Mai 2026.
- 1 2 3 HKW-Intendant Ndikung kuratiert Biennale in São Paulo. In: Monopol. 2. April 2024, abgerufen am 27. Mai 2026.
- 1 2 Interview mit HKW-Intendant Bonaventure Soh Bejeng Ndikung: „Ich bin ein hoffnungsloser Optimist“. In: Der Tagesspiegel. 6. April 2026, abgerufen am 27. Mai 2026.
- 1 2 3 Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung bekommt den Verdienstorden des Landes Berlin. In: Monopol. 2. Oktober 2020, abgerufen am 27. Mai 2026.
- ↑ Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin 2020 ( des vom 8. Oktober 2020 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: berlin.de. 24. September 2020. Abgerufen am 2. Oktober 2020.
- ↑ Soh Bejeng Ndikung und Nasan Tur an der weißensee kunsthochschule berlin. In: art-in-berlin. 9. Oktober 2020, abgerufen am 23. Juni 2021.
- ↑ Bonaventure Ndikung wird HKW-Intendant. In: Monopol. 16. Juni 2021, abgerufen am 27. Mai 2026.
- ↑ As he takes the helm of Berlin's Haus der Kulturen der Welt, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung discusses cultural boycotts, racism in Germany and 'curatorial justice'. In: The Art Newspaper. 12. Mai 2023, abgerufen am 27. Mai 2026 (englisch).
- 1 2 3 Kurator über Kunst als Heilung: „Sie sollen in das Haus kommen“. In: taz.de. 27. Juni 2021, abgerufen am 27. Mai 2026.
- ↑ S A V V Y Contemporary. Abgerufen am 25. November 2023 (englisch).
- 1 2 Biographie Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (PDF; 151 kB). Website der Galerie Wedding, Berlin, abgerufen am 9. August 2016.
- ↑ Team – documenta 14. Abgerufen am 29. Juni 2017.
- ↑ Miracle Workers Collective to represent Finland at the 2019 Venice Biennale – Announcements – e-flux. Abgerufen am 25. November 2023 (englisch).
- ↑ Sonsbeek (Netherlands). Abgerufen am 25. November 2023 (englisch).
- ↑ Süddeutsche Zeitung: In Arnhem zeigt Bonaventure Ndikung seine Handschrift als Kurator. 11. Juli 2021, abgerufen am 25. November 2023.
- ↑ Bonaventure Soh Bejeng Ndikung appointed Artistic Director of sonsbeek 2020 – Announcements – e-flux. Abgerufen am 25. November 2023 (englisch).
- ↑ Prof. Dr. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung. Abgerufen am 25. November 2023.
- ↑ Eröffnung des HKW in Berlin: Im Bauch der Auster. In: taz.de. 4. Juni 2023, abgerufen am 27. Mai 2026.
- ↑ São Paulo biennale review – chanting trees and harmonal humming create a cacophony of art. In: The Guardian. 9. September 2025, abgerufen am 27. Mai 2026 (englisch).
- ↑ SAVVY art.contemporary.african. Website des E-Journals, abgerufen am 9. August 2016.
- ↑ Bonaventure Ndikung: The Penultimate Dance On The Roof – on spaces and currencies of negotiations. In: The Citizen. Band 28, Nr. 200. Khartum 22. April 2015 (englisch).
- ↑ Florian Ebner: Fabrik. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2015, ISBN 978-3-86335-765-8, S. 64.
- ↑ archivebooks.org/2018/12/25/pamphlet-1bonaventure-soh-bejeng-ndikung-die-gestorben-sind-sind-niemals-fort/ ( des vom 14. Februar 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ndikung, Bonaventure Soh Bejeng |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-kamerunischer Kurator |
| GEBURTSDATUM | 20. März 1977 |
| GEBURTSORT | Yaoundé, Kamerun |