Bonn – Alte Freunde, neue Feinde

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Fernsehserie
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Genre Drama
Erscheinungsjahr 2023
Länge 48 Minuten
Episoden 6 in 1 Staffel
Produktions-
unternehmen
Odeon Fiction, Wilma Film
Idee Gerrit Hermans
Regie Claudia Garde
Drehbuch Claudia Garde, Peter Furrer, Martin Rehbock
Musik Florian Tessloff
Kamera Andreas Köhler
Erstausstrahlung 17. Jan. 2023 auf Das Erste
Besetzung

Bonn – Alte Freunde, neue Feinde ist eine sechsteilige historische Miniserie in der ARD aus dem Jahr 2023. Die Serie thematisiert die Konkurrenz im Jahre 1954 zwischen dem Bundesverfassungsschutz und dem Auslandsgeheimdienst Organisation Gehlen sowie den institutionellen Umgang mit ehemaligen NS-Größen in der jungen Bundesrepublik. Erzählt wird die fiktive Geschichte der Spionin Antonie (genannt Toni) Schmidt, die zwischen diese Fronten gerät und dabei auf dunkle Geheimnisse auch in ihrer eigenen Familie stößt. Die Drama-Serie greift vielfältige politische (sich anbahnender Ost-West-Konflikt, Entnazifizierung, Wiederbewaffnung) und soziale Spannungsfelder (Umgang mit Kriegsschuld in den Familien) in der unmittelbaren Nachkriegszeit auf.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie spielt im Jahr 1954 in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Das politische Klima ist geprägt vom Kalten Krieg. Die 20-jährige Toni Schmidt kehrt nach einem Sprachaufenthalt in London zurück nach Bonn. Tonis Vater Gerd ist ein erfolgreicher Bauunternehmer und ihre Familie hat den Zweiten Weltkrieg scheinbar gut überstanden. Man genießt den neuen Wohlstand zu Zeiten des „deutschen Wirtschaftswunders“.

Toni will arbeiten gehen und sie bekommt eine Stelle als Fremdsprachensekretärin bei der Organisation Gehlen, dem Auslandsgeheimdienst und Vorläufer des späteren Bundesnachrichtendienstes (BND). Aber auch Otto John, der als Leiter des Bundesverfassungsschutzes unter anderem untergetauchte Kriegsverbrecher aufspürt, wird auf Toni aufmerksam.

John ist überzeugt, dass Tonis Chef Reinhard Gehlen ehemalige Nazis unterstützt und seine Arbeit massiv behindert. Kurzentschlossen setzt John seinen besten Mitarbeiter Wolfgang Berns auf Toni an, um sie als Spionin für seinen Nachrichtendienst anzuwerben. Die ambitionierte junge Frau gerät zwischen die Fronten der Geheimdienste. Sie stößt nicht nur auf skrupellose Machenschaften und dunkle Geheimnisse, sie kommt auch Wolfgang emotional immer näher.

Folge 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ardennenschlacht, Silvesternacht 1944/45: Beim Versuch zu desertieren, wird ein junger Soldat erschossen.

London, Silvesterabend 1953/54: Die 20-jährige Toni kümmert sich um die Kinder einer wohlhabenden Londoner Familie, in deren Stadthaus sie den Jahreswechsel verlebt. Hier kommt sie bereits kurz mit Lucie John und ihrem Mann Otto John, dem Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), in Kontakt.

Bei ihrer Rückkehr nach Deutschland wird Toni herzlich von ihrer Mutter Else, ihrem Vater Gerd, ihrer Schwester Ingrid und auch von ihrem Verlobten Hartmut begrüßt. Die Freude über das Wiedersehen ist riesig. Die Familie hat vom Wirtschaftswunder profitiert: Die Geschäfte des Baustoffhofs von Tonis Vater Gerd laufen gut und ihr Vater ist ein angesehener Unternehmer. Doch Stefan, der einzige Sohn, ist nicht aus dem Krieg zurückgekehrt und gilt als verschollen.

Als Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz verfolgt Otto John untergetauchte Kriegsverbrecher und kämpft gegen ein erneutes Erstarken ehemaliger Nazis in Deutschland. Einer von Johns größten Widersachern ist Reinhard Gehlen, der Chef des nach ihm benannten Auslandsgeheimdienstes „Organisation Gehlen“. John ist überzeugt, dass Gehlen die Jagd auf ehemalige Naziverbrecher aktiv behindert, handfeste Beweise hat er dafür aber nicht. Ganz oben auf Otto Johns Fahndungsliste steht Alois Brunner, der im Krieg die Deportation hunderttausender Juden verantwortete. Auch Wolfgang Berns (Max Riemelt), einer von Johns besten Agenten, will Brunner aufspüren. Auf der Suche nach ihm folgt Wolfgang einer Spur zu dem Fälscher Viktor Heimann, der mit falschen Papieren ehemaligen Nazis zur Flucht verhilft. Als er in Heimanns Wohnung einbricht, überrascht er den vermeintlichen Waisenjungen Schwarte, der verspricht, ihn über Heimanns Rückkehr zu informieren. Doch der Zugriff wird vereitelt und Heimann kann fliehen.

Der Zuschauer wird Zeuge, wie Reinhard Gehlen dem ehemaligen NS-Verbrecher Alois Brunner, der unter falschem Namen als Bergmann arbeitet, einen Fluchtplan nach Damaskus und eine neue Identität verschafft.

Entgegen dem Willen der Familie will Toni ihren eigenen Weg gehen und nicht im Fernsehgeschäft ihres Verlobten arbeiten. Überraschenderweise unterstützt Gerd seine älteste Tochter und verhilft ihr zu einem Posten als Fremdsprachensekretärin bei Reinhard Gehlen. Kurz darauf trifft sie im Foyer des Innenministeriums Otto John wieder. Für ihn könnte Toni der Schlüssel sein, um an brisante Informationen aus dem innersten Zirkel um Gehlen zu kommen. Er setzt seinen Agenten Wolfgang Berns auf Toni an.

Nach Tonis Vorstellungsgespräch bleibt Tonis Vater Gerd Schmidt noch einen Moment mit Gehlen allein im Raum und es wird deutlich, dass beide in irgendeiner Form an einem gemeinsamen Projekt arbeiten.

Gegenüber seiner Frau berichtet Otto John von einem Geheimprojekt, welches in großer Zahl Waffen nach Deutschland schmuggelt, welche die zum damaligen Aufbau der Bundeswehr benötigten bei weitem übersteigt. Für Otto ist Gehlen zentral daran beteiligt.

In einem vertraulichen Gespräch zwischen Otto John, dessen Sekretärin Ursula und Wolfgang Berns trägt Johns Sekretärin die Informationen vor, die sie im Auftrag ihres Chefs über Gerd Schmidt gesammelt hat: Die Firma wurde ihm demnach erst 1927 überschrieben und gehörte bis dahin der Familie seiner Frau, Schneider, gemeinsam mit der jüdischen Familie Berret, die damals auswanderte. Mit Reinhard Gehlen ist Gerd Schmidt persönlich bekannt, seit er im Krieg in der Abteilung Fremde Heere Ost unter Leitung von Gehlen Militärspionage gegen Russland betrieben hatte.

Folge 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Prozess gegen den Kriegsverbrecher Joseph von Waidburg begleitet Toni ihren Chef Gehlen. Sichtlich geschockt hört sie von den Gräueltaten des Angeklagten, doch trotz klarer Beweislage wird dieser freigesprochen. Eine herbe Niederlage für John. Er sucht das Gespräch mit Toni und auch Wolfgang macht erste Avancen: Der Plan, Toni als Agentin anzuwerben, nimmt konkrete Formen an.

Tonis Zweifel an ihrer bevorstehenden Hochzeit mit Hartmut werden stärker. Toni und Ingrid beobachten, wie ihre Mutter aus dem Auto eines ihnen unbekannten Mannes aussteigt: Sie trifft heimlich Noah, den sie gegenüber ihren Töchtern als ehemaligen Nachbarn vorstellt.

Tonis Misstrauen gegenüber Gehlen wächst, als sie ein brisantes Telefonat zur Geheimsache „Scipio“ mithört, in die Kanzleramtsminister Globke involviert ist. Auch ihr Vater hat seine Hände im Spiel. Gehlen vertraut Toni einen Umschlag an, den sie Globke persönlich übergeben soll. Auf dem Weg wird Toni von Wolfgang überrascht, der sie zu einem Kaffee überredet. Dabei verschüttet er scheinbar aus Versehen Kaffee auf Tonis Bluse. Während diese auf die Toilette eilt, um sich zu säubern, kann Wolfgang unbemerkt die Unterlagen fotografieren: Es handelt sich um Material zu „Scipio“.

In einem Postamt gelingt Wolfgang trotz Schusswechsels endlich die Festnahme des Fälschers Heimann. Auch Schwarte, die in Wirklichkeit ein Mädchen ist, trifft er wieder. Sie übergibt Wolfgang eine verschlüsselte Liste aus Heimanns Wohnung. Eine wertvolle Spur für Otto John, denn diese könnte Aufenthaltsorte und Fluchtrouten der gesuchten NS-Verbrecher enthalten.

Wolfgang lädt als Entschuldigung für sein Missgeschick Toni zum Abendessen ein. Dabei taucht plötzlich ein Fremder auf und erzählt Toni, dass er als Soldat ihren Bruder Stefan auf Befehl erschossen habe, als dieser desertieren wollte. Toni ist geschockt. Wolfgang bringt sie nach Hause und kann das Vertrauen von Tonis Vater gewinnen. Während im Hause Schmidt eine Beerdigungsfeier für Stefan geplant wird, steht Noah vor der Tür und will Else trösten. Gerd ist außer sich. Noah behauptet, in Wahrheit Stefans Vater gewesen zu sein.[1]

Folge 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Beerdigungsfeier von Stefan Schmidt stimmen einige anwesende Männer das Lied „Der gute Kamerad“ an. Gerd hat nämlich verschwiegen, dass Stefan desertieren wollte. Der ebenfalls anwesende Gehlen unterbindet den Gesang, den er als pathetisch und aus der Mode gekommen bezeichnet, und hält eine Ansprache: Der Nationalsozialismus sei Vergangenheit, für die Zukunft gelte alle Konzentration dem Russen als „neuen Feind“.

Im Innenministerium findet ein Treffen zwischen John, Gehlen, Kanzleramtsminister Hans Globke und Innenminister Schröder statt. John wird wegen Wolfgangs „unsanften“ Verhörmethoden bei Fälscher Heimann zur Rede gestellt. Wohlweislich erzählt er nichts von der verschlüsselten Liste aus Heimanns Wohnung. Kurz darauf wird Heimann mit einer Zyankali-Kapsel, die ihm ein Aufseher gegeben hatte, im Mund tot in seiner Zelle aufgefunden.

Toni wird Gehlen gegenüber immer misstrauischer. Heimlich durchsucht sie Gehlens Büro nach Hinweisen. Aufgeregtes Treiben auf dem Hof ihres Vaters lässt sie zusätzlich stutzig werden. In einem unbeobachteten Moment öffnet sie eine der Kisten und findet dort anstelle von Baustoffen eine Vielzahl an Waffen.

Nach langem Ringen berichtet Toni John von ihrer Entdeckung. John sieht seinen Verdacht, Gehlen und andere Ultra-Konservative planten den Aufbau einer Schatten-Armee, bestätigt. Johns Ehefrau Lucie, deren Familie im KZ getötet wurde, beschwört Toni, sich auf keinen Fall etwas anmerken zu lassen.

Die Stimmung in der Familie Schmidt ist schlecht: Gerd entdeckt Liebesbriefe zwischen seiner Frau Else und Noah und betrinkt sich. Als Toni einen lautstarken Streit ihrer Eltern schlichten will, wird Gerd handgreiflich und stößt unbeabsichtigt Else die Treppe herunter, die daraufhin schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert wird.

Unterdessen trifft Wolfgang in Antwerpen seinen Kontaktmann vom Mossad, der die „Heimann-Liste“ entschlüsseln konnte. Mit dem israelischen Agenten handelt er einen Deal aus: Der Verfassungsschutz bekommt Brunner, der Mossad alle anderen Kriegsverbrecher auf der Liste.

Für die Rückfahrt aus Belgien wird Wolfgang von einem Fahrer mitgenommen. Als dieser in seine Tasche greift, um etwas zu trinken, entdeckt Wolfgang dort auch einen Revolver. Im Affekt ersticht Wolfgang den Fahrer kurzerhand von hinten mit einem Messer. Den Wagen mit dem toten Fahrer versenkt Wolfgang später im Rhein.

Folge 4[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Toni durchsucht heimlich Gehlens Büro nach weiteren Hinweisen für ihren Verdacht. In seinem Kalender findet sie einen Eintrag zu „Scipio“.

Else weigert sich, Gerd zum Ball der deutschen Wirtschaft zu begleiten. Stattdessen ergreift Toni ihre Chance und fährt mit ihrem Vater zum Fest. Auch Gehlen ist vor Ort und Toni beobachtet, wie er mit ihrem Vater und weiteren Männern zu einer geheimen Versammlung verschwindet. Sie folgt ihnen und kann das Treffen belauschen: Man bedankt sich für bisher erfolgreiche Projekt „Scipio“. Außerdem soll eine Gedenkfeier zu Ehren Adolf Hitlers am 20. April stattfinden. Doch Toni wird ausgerechnet von ihrem Vater entdeckt, der ihr unmissverständlich klarmacht, ihm nicht nachzuspionieren.

Toni will weiter in Richtung der Gedenkfeier ermitteln, um darüber an die Beteiligten von „Scipio“ zu gelangen. Mithilfe des Fahrtenbuchs von Gehlens Fahrer kann sie den Veranstaltungsort herausfinden. Wolfgang mischt sich in SS-Uniform unter die Gäste, wird jedoch von Gehlen und Gerd Schmidt entdeckt. Bei einem brutalen Verhör kann Wolfgang sie jedoch überzeugen, einer von ihnen zu sein.

Auf einer Party, auf die Toni mit ihrer Schwester Ingrid geht, trifft sie den Unbekannten wieder, der behauptet hatte, Stefan Schmidt im Krieg erschossen zu haben. Es stellt sich heraus, dass er Schauspieler ist und für seine Aussage engagiert wurde. Toni vermutet Wolfgang hinter der Aktion und zweifelt, ob sie ihm weiter vertrauen kann. Sie konfrontiert Wolfgang mit diesem Vorwurf, der jedoch mehrfach verneint. Plötzlich kochen ihre Gefühle hoch und sie schlafen miteinander.

Um sich einen eigenen Einblick über den Tod von Stefan zu verschaffen, besorgt sich Toni dessen Akte im Heeresarchiv. Es wird klar, dass Gerd als Oberstleutnant persönlich die Anweisung gegeben hat, Stefan zu erschießen, sollte dieser erneut versuchen, zu desertieren.[2]

Folge 5[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz Tonis Entdeckung, dass John sie gezielt angeworben hatte, um an ihren Vater zu gelangen, arbeitet sie weiterhin für Otto John. Dieser gibt Toni den Auftrag herauszufinden, wer „Scipio“ finanziell unterstützt.

Auf einem Bahnhof soll der Zugriff auf Alois Brunner erfolgen. Doch entgegen den Informationen der „Heimann-Liste“ sitzt dieser nicht im Zug. Mutmaßlich hat jemand den Verbrecher gewarnt. Bei der wöchentlichen Besprechung im Innenministerium erntet John für das Scheitern der Festnahme von Brunner Hohn und Spott. John macht sich auf den Weg nach Antwerpen, um sich mit dem israelischen Geheimdienst Mossad zu treffen und erfährt, dass die Daten auf der „Heimann-Liste“ absichtlich geändert wurden.

Im Büro ihres Vaters wird Toni fündig und stößt auf dubiose Zahlungen über eine Stiftung. Als auf dem Hof Lkw mit den mysteriösen Kisten beladen werden, legt Toni sich auf die Lauer. In einem unbeobachteten Moment springt sie auf die Laderampe eines LKW, der zu einer der geheimen Lagerhallen von „Scipio“ fährt.

Toni sagt Hartmut endgültig, dass sie ihn nicht heiraten will. Beide scheinen keine gemeinsame Basis zu haben. Else hat sich dazu entschieden, Gerd zu verlassen und mit Noah nach Israel zu gehen. Doch als Noah sie abholen will, bleibt sie schließlich doch. Toni hat dafür keinerlei Verständnis und konfrontiert ihren Vater vor der Familie damit, dass er den Schießbefehl gegen Stefan unterschrieben hat. Doch während Gerd alles abstreitet, wollen Else und Ingrid ihr nicht glauben. Als Toni in ihrem Zimmer nach der Kopie des Befehls sucht, ist diese verschwunden: Ingrid hat die Kopie verschwinden lassen, aus Angst, die Erkenntnis könnte die Familie zerstören.

Folge 6[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem das von Wolfgang versenkte Feuerzeug aus dem Rhein geborgen wurde, will Otto John wissen, wieso Wolfgangs Feuerzeug bei dem ermordeten Fahrer lag und was dies zu bedeuten hat. Wolfgang ist daraufhin gezwungen, von seiner tatsächlichen Vergangenheit erzählen: Wolfgang war bei der SS Fahrer von Alois Brunner und daher bei vielen seiner Taten anwesend. Nachdem Wolfgang Personen vor ihrer Deportation gewarnt hatte, wurden Wolfgangs Frau und Tochter brutal von Brunner ermordet. Wolfgang will dafür Rache. Der gefundene Fahrer habe ihn an Brunner erinnert und seine Emotionen hätten ihn überwältigt.

Nachdem sie ihre Familie mit der Wahrheit über Stefans Tod konfrontiert hat, aber alles beim Alten bleibt, verlässt Toni mit ein paar Habseligkeiten ihr Elternhaus und steht am Abend vor Wolfgangs Tür. Doch mitten in der Nacht packt Wolfgang seine Sachen. Es stellt sich heraus, dass Wolfgang nach Bayern fährt, wo er auf Alois Brunner treffen will. Mithilfe von Schwarte findet Toni Wolfgangs Zielort heraus und reist diesem hinterher.

In Bonn präsentiert John die gesammelten Ermittlungen zu „Scipio“ schließlich Innenminister Schröder, der grünes Licht für einen Großeinsatz gibt, „Scipio“ hochzunehmen. Die Operation gelingt.

Bei den Feierlichkeiten zum „Tag des Widerstands“ hofft John, vor der Bundesregierung mit neu gewonnenen Informationen über Gehlen und seine Gruppe triumphieren zu können. Doch Kanzleramtschef Globke und der Vertreter der Alliierten reagieren anders als erwartet: „Scipio“ laufe mit Wissen der Regierung ab und werde von den Alliierten finanziell und logistisch unterstützt. Die Ermittlungen Johns seien unverzüglich einzustellen. John ist verzweifelt: Sein Kampf scheint verloren. Schließlich bestärkt seine Frau Lucie ihn, ein Treffen in Ost-Berlin wahrzunehmen, um dort berichten, was er über „Scipio“ weiß. John steigt in einen Wagen und macht sich auf den Weg zum Brandenburger Tor. Später sieht man den Ausschnitt einer Nachrichtensendung mit dem Bericht, dass der Chef des Verfassungsschutzes in Ost-Berlin aufgetaucht ist; es wird die Frage gestellt, ob er dort freiwillig ist oder entführt wurde.

Wolfgang will Alois Brunner an der Flucht hindern: Er überwältigt in einem Hotel den Fahrer, der Brunner über die deutsche Grenze bringen soll. Stattdessen holt nun Wolfgang Brunner als neuer Fahrer ab. Nachdem Brunner auf der Fahrt Wolfgang erkannt hat, zwingt Wolfgang ihn mitten auf der Fahrt mit angehaltener Waffe aus dem Wagen in einen Wald. Dort bringt Wolfgang Brunner dazu, eine Zyankali-Kapsel zu nehmen. Doch bevor Brunner die Kapsel schluckt, fällt ein Schuss und Wolfgang bricht zusammen. Brunner kann fliehen.

Als Toni in Bayern eintrifft, fährt Wolfgang im Wagen mit Brunner direkt vor ihren Augen vorbei. Bis zu einer Auseinandersetzung zwischen Wolfgang und Brunner im Wald kann Toni ihnen in einem Taxi folgen. Sie findet den angeschossenen und bewusstlosen Wolfgang im Wald. Er kann in letzter Sekunde in ein Krankenhaus gebracht werden.[3]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden vom 30. März 2021 bis zum 17. Juli 2021 an verschiedenen Orten in Tschechien und in Nordrhein-Westfalen statt. Unter anderem wurde in Prag, Bonn, Bad Godesberg, Köln, Euskirchen und in Leutesdorf gedreht. An Originalschauplätzen der ehemaligen Bundeshauptstadt konnten nur wenige Aufnahmen gemacht werden, denn „das historische Bonn kann man heute nicht mehr vor Ort drehen“, sagte Produzent Fabian Winkelmann auf dem Film Festival Cologne im Herbst 2022.[4] Gedreht wurde am Von-Sandt-Ufer und auf der Rheinfähre in Bad Godesberg. Drehorte waren auch das Schloss Bensberg oder das Wirtshaus Leyscher Hof in Leutesdorf.[5]

Historischer Kontext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie thematisiert das konflikthafte Verhältnis zwischen den beiden konkurrierenden Geheimdiensten Verfassungsschutz und Auslandsgeheimdienst in den 1950er Jahren der Bundesrepublik, das sich etwa in Person ihrer beiden Präsidenten Otto John, von 1950 bis 1954 Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, und Reinhard Gehlen, der den Auslandsnachrichtendienst „Organisation Gehlen“ aufbaute. Für Konflikte sorgte dabei insbesondere die Frage nach dem Umgang mit Personen, die bereits in der Zeit des Nationalsozialismus entscheidend tätig gewesen waren.

Der Jurist Otto John (1909–1997) ist zwischen 1950 und 1954 der erste Präsident des deutschen Inlandsgeheimdienstes Bundesamt für Verfassungsschutz. Als Teil der Gruppe um Graf Stauffenberg war er am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt und flüchtete nach dessen Scheitern nach London. Sein Bruder Hans, der ebenfalls der Widerstandsgruppe angehörte, wurde verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet. 1950 wurde Otto John ohne Geheimdiensterfahrung überraschend erster Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz. Er strebte nach Verbesserung demokratischer Strukturen. Über seine eigentliche Funktion hinaus klagte er öffentlich den wachsenden Einfluss früherer Nationalsozialisten in der Bundesrepublik an und widmete sich intensiv der Verfolgung untergetauchter Nationalsozialisten, auch mithilfe eigens eingesetzter Mitarbeiter (wie in der Serie gezeigt).

Reinhard Gehlen (1902–1979) leitete im Zweiten Weltkrieg die Abteilung Fremde Heere Ost (FHO) im Generalstab des Heeres. Kurz vor Kriegsende im März 1945 ließ Gehlen seine gesamten nachrichtendienstlichen Materialien auf Mikrofilm vervielfältigen und versteckte diese in Bergwiesen in Bayern. Nach seiner Verhaftung wurde er so zu einem wichtigen Gesprächspartner für die Alliierten. 1946 baute er seine Organisation unter Aufsicht der Amerikaner auf, die besonders interessiert waren, Informationen über die Aktivitäten der Sowjetunion zu sammeln. Doch Gehlen nutzte die Organisation auch als Auffangbecken für alte Seilschaften aus der SS, der Gestapo, der Wehrmacht – diese beschäftigte er als freie und teils auch als hauptamtliche Mitarbeiter. Gehlen hielt auch Verbindungen zu früheren NS-Größen wie Alois Brunner aufrecht, die bis heute jedoch nicht vollständig aufgeklärt werden können. 1956 wurde die Organisation Gehlen als Bundesnachrichtendienst (BND) in die Bundesverwaltung übernommen. Gehlen leitete den BND bis 1968.[6]

Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptfiguren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Schauspieler
Toni Schmidt Mercedes Müller
Wolfgang Berns Max Riemelt
Otto John Sebastian Blomberg
Reinhard Gehlen Martin Wuttke
Gerd Schmidt Juergen Maurer
Else Schmidt Katharina Marie Schubert
Lucie John Inga Busch
Ingrid Schmidt Luise von Finckh
Hartmut Redlich Julius Feldmeier

Nebenfiguren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Schauspieler
Viktor Heimann Moritz Führmann
Waisenkind Schwarte Selma Balthasar
Gerhard Schröder, Innenminister Christian Erdmann
Ursula Johanna Gastdorf
Edda Maike Elena Schmidt
Noah Berret Christian Harting
Alois Brunner André Eisermann
Albert Radke Daniel Drewes
Hans Globke, Kanzleramtsminister Sascha Nathan
Constantin Reeden Dirk Ossig
Frau Eisner Justine Hauer
Fahrer Erich Michael Meichßner
Joseph von Waidburg Carl Achleitner
Frau am Schalter Anežka Rusevová
Silvestergast London Christian Skibinski

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten beiden Episoden erreichten am 17. Januar 2023 3,83 Mio. Fernsehzuschauer und damit eine Quote von 14,1 Prozent.[7] Episoden 3 und 4 wurden am 18. Januar 2023 von 3,23 Mio. bzw. 3,03 Mio. Menschen gesehen, was Marktanteilen von 12 bzw. 11,5 Prozent entspricht.[8] Die Einschaltquoten der letzten beiden Episoden 5 und 6 am 24. Januar 2023 beliefen sich auf 2,44 Mio. Zuschauende bzw. 8,8 Prozent und 2,43 Mio. Zuschauende bzw. 9 Prozent Marktanteil.[9]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Judith von Sternburg von der Frankfurter Rundschau hat „zwar eine Schmonzette“ gesehen, das aber „in exzellenter Besetzung“. Es sei „im Einzelnen zwar alles vollgestopft und in der Überfrachtung vieles unwahrscheinlich bis ins Bizarre“, doch „politische und gesellschaftliche Grundstimmungen der 50er Jahre“ würden durchaus greifbar. Sie lobt die Besetzung, besonders Sebastian Blomberg, Martin Wuttke, Sascha Nathan und Mercedes Müller. Insgesamt sei „das ein sehr gutes Ensemble ..., [welches] über vieles, aber nicht über alles“ hinweghelfe.[10] Michael Hille vom Focus schreibt, die Serie sei „sensationell spannend, doch nicht ohne Schwächen“. Er zieht den Vergleich zu Babylon Berlin, denn auch hier würden „wahre Begebenheiten zu einem stimmigen und atmosphärischen Zeit- und Gesellschaftsporträt vermengt“, es sei „Unterhaltungs- und Aufklärungsfernsehen zugleich“, und das funktioniere „erstaunlich gut, [sei] toll besetzt und meist wirklich geistreich.“ Einen Schwachpunkt sieht Hille allerdings in der Hauptfigur Toni Schmidt. Das liege allerdings nicht an Mercedes Müller, „die ganz wunderbar diese zusehends empörte und verzweifelte Sekretärin“ verkörpere, sondern die Figur sei „plakativ“, „pure Fiktion“ und diene „letztlich einzig und allein dazu, einem heutigen Publikum die teils unerträglichen Wahrheiten über die eigene Vergangenheit schmackhaft zu verpacken und zu entschärfen.“[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bonn – Alte Freunde, neue Feinde (2). In: Das Erste. Abgerufen am 17. Januar 2023.
  2. Bonn – Alte Freunde, neue Feinde (3). In: Das Erste. Abgerufen am 17. Januar 2023.
  3. Bonn – Alte Freunde, neue Feinde (5). In: Das Erstr. Abgerufen am 21. Januar 2023.
  4. Maximilian Mühlens: Alle Infos zur Serie „Bonn - Alte Freunde, Neue Feinde“, General-Anzeiger, 17. Januar 2023, abgerufen am 23. Januar 2023
  5. Bonn – Alte Freunde, neue Feinde, femundo.de, 17. Januar 2023, abgerufen am 23. Januar 2023
  6. Alte Freunde, neue Feinde - Bonn – Alte Freunde, neue Feinde - ARD | Das Erste. Abgerufen am 16. Januar 2023.
  7. Fabian Riedner: Primetime-Check Dienstag, 17. Januar 2023, quotenmeter.de, 18. Januar 2023, abgerufen am 23. Januar 2023
  8. Laura Friedrich: Primetime-Check Mittwoch, 19. Januar 2023, quotenmeter.de, 19. Januar 2023, abgerufen am 23. Januar 2023.
  9. Fabian Riedner: Bonn endet mau, quotenmeter.de, 25. Januar 2023, abgerufen ebd.
  10. Judith von Sternburg: „Bonn. Alte Freunde, neue Feinde“ in der ARD: Unter Nazis, fr.de, 19. Januar 2023, abgerufen am 23. Januar 2023
  11. Michael Hille: Eventserie „Bonn“ in der ARD: Sensationell spannend, doch nicht ohne Schwächen, focus.de, 17. Januar 2023, abgerufen am 23. Januar 2023