Bonndorf im Schwarzwald

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bonndorf im Schwarzwald
Bonndorf im Schwarzwald
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bonndorf im Schwarzwald hervorgehoben
Koordinaten: 47° 49′ N, 8° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Waldshut
Höhe: 845 m ü. NHN
Fläche: 75,93 km²
Einwohner: 6836 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 90 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79848
Vorwahl: 07703
Kfz-Kennzeichen: WT
Gemeindeschlüssel: 08 3 37 022
Stadtgliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Martinstraße 8
79848 Bonndorf im Schwarzwald
Webpräsenz: www.bonndorf.de
Bürgermeister: Michael Scharf
Lage der Stadt Bonndorf im Schwarzwald im Landkreis Waldshut
Aare Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Landkreis Lörrach Landkreis Konstanz Landkreis Tuttlingen Schwarzwald-Baar-Kreis Albbruck Bad Säckingen Bernau im Schwarzwald Bonndorf im Schwarzwald Dachsberg (Südschwarzwald) Dettighofen Dogern Eggingen Görwihl Grafenhausen Häusern Herrischried Höchenschwand Hohentengen am Hochrhein Ibach (Schwarzwald) Jestetten Klettgau (Gemeinde) Küssaberg Lauchringen Laufenburg (Baden) Lottstetten Murg (Hochrhein) Rickenbach (Hotzenwald) St. Blasien Stühlingen Todtmoos Ühlingen-Birkendorf Waldshut-Tiengen Wehr (Baden) Weilheim (Baden) Wutach (Gemeinde) Wutöschingen Schweiz RheinKarte
Über dieses Bild
Ortsteil Brunnadern auf einer Luftaufnahme vom 31. Januar 2015

Bonndorf im Schwarzwald ist eine Stadt im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg. Sie ist bekannt für ihr Schloss mit den Narrenstuben und dem Japanischen Garten. Sie beherbergt die zweitälteste Sparkasse Deutschlands, die 1765 von Fürstabt Martin II. Gerbert gegründet wurde. Bonndorf trägt den Titel Löwenstadt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonndorf liegt in Südwestdeutschland in 600 m bis 1050 m Höhe im Nordosten des Landkreises Waldshut. Die Stadt liegt südlich der Wutach, zu der sie über die Wutachschlucht im Ortsteil Boll Zugang hat, etwa 18 Kilometer von der Schweizer Grenze (Stühlingen/Schleitheim) entfernt. Der Schluchsee liegt etwa 15 Kilometer westlich von Bonndorf. Der Bonndorfer Hausberg ist der Lindenbuck (898 m).

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Bonndorf liegt auf einer Anhöhe aus Muschelkalk das an den Buntsandstein anschließt. Das Grundgebirge ist bei Wellendingen angeschnitten, dort findet man den Wellendinger Granit. Bei Bonndorf verläuft eine variskische Verwerfung, der Bonndorfer Graben.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Bonndorf grenzt im Westen an die Gemeinde Schluchsee, im Nordwesten an die Gemeinde Lenzkirch und im Norden an die Gemeinde Löffingen (alle Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald). Im Osten grenzt sie an die Gemeinde Wutach, im Südosten an Stühlingen und im Süden an Grafenhausen (alle Landkreis Waldshut).

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt Bonndorf im Schwarzwald mit den bis in die 1970er Jahre selbstständigen Gemeinden Boll, Brunnadern, Dillendorf, Ebnet, Gündelwangen, Holzschlag, Wellendingen und Wittlekofen gehören die Stadt Bonndorf im Schwarzwald und 24 weitere Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.

Zur ehemaligen Gemeinde Boll gehören das Dorf Boll, das Gehöft Badhof (Bad Boll) und die Häuser Tiefental. Zur Stadt Bonndorf im Schwarzwald in den Grenzen von vor der Gemeindereform der 1970er Jahre gehören die Stadt Bonndorf im Schwarzwald, der Weiler Sommerau, das Gehöft und Haus Öttiswald und die Häuser Männleswald, Steinabad, Steinasäge und Walke. Zu den ehemaligen Gemeinden Brunnadern und Ebnet gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zur ehemaligen Gemeinde Dillendorf gehören das Dorf Dillendorf und das Haus Dillendorfer Säge. Zur ehemaligen Gemeinde Gündelwangen gehören das Dorf Gündelwangen und die Häuser Hebsack. Zur ehemaligen Gemeinde Holzschlag gehören das Dorf Holzschlag, der Weiler Glashütte und das Gehöft Klausenhof. Zur ehemaligen Gemeinde Wellendingen gehören das Dorf Wellendingen und das Haus Wellendinger Säge im Steinatal. Zur ehemaligen Gemeinde Wittlekofen gehören das Dorf Wittlekofen, der Weiler Dobel, das Gehöft Welschberg und das Haus Roggenbach.
Im Stadtgebiet liegen die abgegangenen Burgen Boll auch Neu-Tannegg und Burg Tannegg auch Alt-Tannegg und die Wüstung Oberhalden (ehemalige Gemeinde Boll); der in Bonndorf im Schwarzwald aufgegangene Weiler Waldeck und die Wüstung Gündlingen (im Gebiet der früheren Stadt Bonndorf im Schwarzwald); die Wüstungen Hornberg, Kohlhalden, Rohrhof und Saubach (ehemalige Gemeinde Ebnet); die Wüstungen Gündlingen und Weiler (ehemalige Gemeinde Wellendingen); die Burgruinen Roggenbach, Steinegg und die Wüstungen Schweighof und Simonsreute im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Wittlekofen.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus der Stadt Bonndorf mit den Wappen aller Ortsteile
Die evangelische Pauluskirche von Bonndorf, Neubau von 1953
Das Bonndorfer Schloss
Die alte Bonndorfer Sparkasse
Japanischer Garten

Das Gebiet um Bonndorf war schon in der Steinzeit besiedelt, worauf Funde in der Gemarkung Bonndorf hinweisen.

Nach der Besiedelung durch Kelten und Germanen wurde um 260 das Gebiet von den Alemannen in Besitz genommen. 1877 wurde in Bettmaringen, das heute zur Stadt Stühlingen gehört, eine Fibel aus dieser Zeit gefunden, daneben wurden alemannische Plattengräber mit Grabbeilagen entdeckt.

496 gerieten die Alemannen in die Abhängigkeit fränkischer Könige, woraufhin ihre Stammesgebiete in Gaue unterteilt wurde. Bonndorf gehörte zum Albgau, dessen Gaugrafen von Gurtweil aus regierten.

Die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1223 befindet sich heute im Staatsarchiv in Basel. Im Sankt Galler Stiftsarchiv findet sich daneben eine Urkunde aus dem Jahr 800, in der ein Pondorf erwähnt wird. Es wurde bisher angenommen, dass damit der Überlinger Ortsteil Bonndorf gemeint war, was jedoch seit 1998 zumindest angezweifelt wurde. Der St. Galler Stiftsarchivar Peter Erhart hält einen Bezug auf Bonndorf im Schwarzwald für wahrscheinlicher, da es um die gleiche Erwähnungen der nahen Orte Löffingen (819), Rötenbach (819), Weizen (787), Schwaningen (766) und Grimmelshofen (809) gibt. Daneben habe das 797 erwähnte Ewattingen sogar eine Galluskirche.[3][4]

Die Gaugrafen waren mit den Herren von Bonndorf, die ihren Sitz auf dem Lindenbuck hatten, durch das Lehnswesen verbunden. Nach 1290 ging Bonndorf durch Heirat oder Verkauf in den Besitz verschiedener fremder Herren über. Mit dem Aussterben des Geschlechts derer von Lupfen 1582 entstand eine Erbstreitigkeit über das Gebiet, die schließlich von Kaiser Rudolf II. entschieden wurde.

1609 bereits wurde Bonndorf vom Kloster St. Blasien gekauft. Durch diesen Erwerb der reichsunmittelbaren Herrschaft Bonndorf wurde der Abt des Klosters weltlicher Herrscher und erhielt Sitz und Stimme im Schwäbischen Kreistag (1638).

1699 wurden die Herrschaften Bonndorf, Gutenburg (1480 von St. Blasien gekauft), Bettmaringen (1418 an St. Blasien verschenkt) und Blumegg (1433 durch St. Blasien gekauft) zur Grafschaft Bonndorf vereinigt.

1746 wurde der Abt von St. Blasien in den Reichsfürstenstand erhoben. Die Grafschaft Bonndorf wurde damit zum Fürstentum.

1803 wurde das Eigentum des Klosters St. Blasien säkularisiert. 1806 kam Bonndorf schließlich - nach kurzer Herrschaft des Malteserordens (1803–1805) und des Königreichs Württemberg (1805–1806) - an das Großherzogtum Baden.

1815 wurde Bonndorf Badisches Bezirksamt; die hierzu erforderlichen Ämter wie das Amtsgericht, das Notariat oder das Forstamt kamen in den folgenden Jahren hinzu und nahmen größtenteils ihren Sitz im Bonndorfer Schloss.

Erst 1924 wurde das Bezirksamt Bonndorf aufgelöst und dem Landkreis Hochschwarzwald zugeordnet. Dieser Landkreis wurde im Zuge der Gebietsreform (1967–1975) wieder aufgelöst; Bonndorf fiel an den Landkreis Waldshut. Gleichzeitig kamen die heutigen Ortsteile zu Bonndorf.

Der Name der Stadt kommt - der Legende zufolge - von den Bohnen, mit denen die Bürger des Ortes in Abstimmungen ihre Meinung bekundet haben sollen. Andere Quellen gründen den Namen der Stadt auf das keltische buona, welches entweder vom Wort baunos (gebaut, bewohnt) oder von den Wörtern boum, bôm, bôn (vom keltischen bona - Baum) herrühren soll. Nach der zweiten Deutung ist Bonndorf also das Dorf bei den Bäumen.

Das Stadtrecht bekam Bonndorf 1891 verliehen, 1935 wurde es wieder entzogen. 1951 erhielt Bonndorf das Stadtrecht vom badischen Staatspräsidenten Leo Wohleb zurück. Den Namensbestandteil im Schwarzwald führt die Stadt seit dem 19. Februar 1963.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden die folgenden bis dahin selbstständigen Gemeinden nach Bonndorf im Schwarzwald eingemeindet:

  • 1. Juli 1971: Boll
  • 1. Januar 1972: Ebnet
  • 1. Juni 1972: Wellendingen
  • 1. August 1973: Wittlekofen
  • 1. Oktober 1974: Dillendorf
  • 1. Januar 1975: Brunnadern, Gündelwangen und Holzschlag

Dillendorf gehörte vor der Eingemeindung bereits zum Landkreis Waldshut, alle anderen Gemeinden, einschließlich Bonndorf im Schwarzwald gehörten zum Landkreis Hochschwarzwald.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonndorf ist katholisch geprägt. Erst seit dem 19. Jahrhundert gibt es Protestanten, ab 1875 wurden Juden verzeichnet. Heute hat Bonndorf neben den beiden großen christlichen Gemeinden auch eine muslimische Gemeinde mit einem eigenen Gebetsraum. Zudem sind die Neuapostolische Kirche und die Zeugen Jehovas in Bonndorf vertreten.

1402 wurde der Stadt von Rudolf von Wohlfurt und seiner Gattin das Paulinerkloster Bonndorf gestiftet. Die Paulinerpatres übernahmen die Seelsorge der Stadtbürger. Das aus zehn bis zwölf Patres bestehende und zum Bistum Konstanz gehörende Kloster lag im heutigen Martinsgarten in Bonndorf. Der Konstanzer Bischof befreite das Kloster von allen Lasten und Dienstleistungen. Diese Entscheidung wurde vom auf der Konstanzer Konzil gewählten Papst Martin V. 1417 bestätigt. Nach dem Kauf der Herrschaft Bonndorf durch das St. Blasier Kloster übernahm der St. Blasier Abt auch die Herrschaft über das Bonndorfer Kloster. 1731 wurde das Klostergebäude neu gebaut und auch erweitert. Anfang des 19. Jahrhunderts war das schon traditionell arme Kloster auch zunehmender Klosterfeindlichkeit ausgesetzt. Schließlich wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation 1807 aufgelöst. Heute erinnern die Paulinerstraße, die vom ehemaligen Kloster zum Schloss führt, und das von 1975 bis 1977 erbaute Paulinerheim (Pfarrzentrum) oberhalb der katholischen Kirche an das Paulinerkloster. Enge Verbindungen bestanden zu dem Paulinerkloster Tannheim und dem Kloster Grünwald.

Die evangelische Gemeinde wurde 1873 gegründet und war die größte evangelische Diaspora-Gemeinde Deutschlands. Sie hielt ihre Versammlungen zunächst in der 1727 erbauten Schlosskapelle im Stadtgarten ab. 1934 wurde die Gemeinde zur Pfarrei erhoben, 1953 die heutige Pauluskirche mit Gemeindesaal und Pfarrhaus errichtet.

Bevölkerungsstruktur und Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1855 hatte Bonndorf 1.212 Einwohner. Diese Zahl stieg im Laufe der Jahre stetig an (1.600 im Jahr 1900, 2.100 im Jahr 1950, 3.400 im Jahr 1970, 5.364 im Jahr 1980).

Bevölkerung insgesamt (Stand: 23. Juli 2013): 6.800

Stadtteile mit Einwohnerzahlen
Wappen Bonndorf Wappen Bonndorf-Brunnadern Wappen Bonndorf-Boll Wappen Bonndorf-Ebnet Wappen Dillendorf Wappen Gündelwangen Wappen Holzschlag Wappen Bonndorf-Wellendingen Wappen Wittlekofen
Bonndorf Brunnadern Boll Ebnet Dillendorf Gündelwangen Holzschlag Wellendingen Wittlekofen
4.866 64 120 65 267 544 141 523 210

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bonndorf wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Bonndorf hat nach der letzten Wahl 25 Mitglieder (vorher: 24). Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis. Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
40
30
20
10
0
38,1 %
36,2 %
21,5 %
4,2 %
n. k.
BL
FWG/FDP
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
-20
-25
+12,2 %p
+0,5 %p
+5,0 %p
+2,5 %p
-20,2 %p
BL
FWG/FDP
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 38,1 10 25,9 6
BL Bürgerliste 36,2 9 35,7 9
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 21,5 5 16,5 4
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 4,2 1 1,7 0
FWG/FDP Freie Wählergemeinschaft/Freie Demokratische Partei 20,2 5
gesamt 100,0 25 100,0 24
Wahlbeteiligung 51,1 % 50,7 %

Bürgermeister seit 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1945: Fritz Göggel
  • 1. August 1945: Erwin Leser
  • 1946–1957: Leo Speck
  • 1958–1972: Oskar Stöckle
  • 1973–1992: Peter Folkerts (* 19. Oktober 1946; † 16. Juni 1992 bei einem Flugzeugabsturz nahe der Kemptner Hütte)
  • seit 1992: Michael Scharf (* 24. Mai 1964)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Blau ein aufgerichteter silberner Löwe.“

Die ursprünglichen Herren von Bonndorf verwendeten als Schild einen Stern über einem Dreiberg.

Der silberne Löwe auf blauem Grund, der heute das Gemeindewappen darstellt, erschien erstmals im Jahr 1304. Zwischen 1434 und 1891 jedoch wurde als Siegel eine Puffbohne mit Schoten verwendet. Erst zur Verleihung der Stadtrechte 1891 erinnerte man sich wieder an das alte Wappen. Man nahm an, dass der Löwe von den Herren von Krenkingen komme, doch ein Löwe wurde von den Krenkingern in Wirklichkeit nie geführt. Vermutlich geht das Wappentier auf den Habsburger Löwen zurück.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1975 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Bains-les-Bains, die im Süden der Vogesen liegt.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Kirche von Bonndorf, Neubau von 1850
Die Schlosskapelle im Stadtgarten, Ort der frühen Versammlungen der Protestanten in Bonndorf

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die im Bonndorfer Schloss befindlichen Narrenstuben beherbergen eine große Ausstellung von Narrenfiguren und anderen Ausstellungsstücken aus der Narrenzeit.
  • Weiterhin existiert das Kulturzentrum Schloss Bonndorf, in dem das ganze Jahr über bedeutende Ausstellungen (Klassische Moderne und Gegenwartskunst), Konzerte (Cuarteto Casals, Mandelring Quartett, Leipziger Streichquartett, Bernd Glemser, Pieter Wispelwey u.v.a.) und Lesungen (Peter Bichsel, Wilhelm Genazino, Durs Grünbein, Adolf Muschg, Urs Widmer u.v.a.) stattfinden.
  • Im Ortsteil Boll findet sich eine Museumsmühle aus dem Jahr 1610, die einmal pro Woche und am Deutschen Mühlentag besichtigt werden kann.
  • Im Ortsteil Glashütte befindet sich seit Ende 2011 das Naturkundemuseum Professor Kalchreuter, das aus dem Museum des 1989 bis 2005 vom Jagdwissenschaftler und Wildbiologen Heribert Kalchreuter (1939–2010) geleiteten Europäischen Wildforschungsinstituts (EWI) hervorging. Dort sind Präparate des von ihm erlegten Wildes aus aller Welt zu sehen.[6]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Bonndorf wurde 1592/1594 als Wasserschloss errichtet und von 1723 bis 1726 durch den Fürstabt des Klosters St. Blasien barockisiert. Das Gebäude wurde in den 1970er-Jahren restauriert und beherbergt heute die Narrenstuben, das Notariat, Kulturzentrum Schloss Bonndorf - Kreismuseum, Stadtbibliothek und einen Konzertraum.

Dem Schloss gegenüber liegt die Alte Sparkasse. Das im 19. Jahrhundert erbaute Haus beherbergte bis zum Umzug des Geldinstituts in einen Neubau neben dem Rathaus die Sparkasse.

Die heutige katholische Kirche St. Peter und Paul ist die Nachfolgerin der Klosterkirche des Paulinerklosters. In der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 1842[7] brannte sie ab und wurde 1850 von Josef Berckmüller im Auftrag des Großherzogtums Baden im spätromanischen-frühgotischen Stil an anderer Stelle neugebaut. Die 1906 vollendete Inneneinrichtung von Franz Josef Simmler wurde von 1972 bis 1974 renoviert.[8] Die Kirche liegt oberhalb der Stadt im Norden Bonndorfs.

Die Schlosskapelle wurde 1727 von Abt Blasius III. in der Nähe des Schlosses erbaut und vom Konstanzer Bischof geweiht. Als Patrone gelten der heilige Blasius von Sebaste und der heilige Nikolaus. Die Kapelle wurde Anfang des 19. Jahrhunderts abgebaut und an ihrem heutigen Standort in der Nähe der Grundschule wiederaufgebaut. Ab 1873 bis zum Bau der Pauluskirche diente sie den Bonndorfer Protestanten als Raum für ihren Gottesdienst.

Im Stadtteil Boll befindet sich die Mühle Boll, die bis 1972 in Betrieb war und heute ein Museum beherbergt.

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Renovierung des Schlosses wurde der Schlossgarten neu angelegt, der heute in den Japanischen Garten übergeht. Ferner gibt es in der Stadtmitte den Martinsgarten und in der Straßenverzweigung Lenzkirch – Rothaus, unmittelbar beim Schwarzwaldhotel, den Stadtgarten. Auf dem heutigen Martinsgarten stand das frühere Paulinerkloster mit der Kloster- und Pfarrkirche, welche 1842 einem Großbrand zum Opfer fielen. 1856 wurde von Franz Xaver Reich ein Denkmal für Fürstabt Martin Gerbert im unteren Teil des Gartens errichtet. Zwischenzeitlich ist das Denkmal aus dem Zentrum des Parks versetzt und der Martinsgarten zu einem Spielplatz umgestaltet worden. Der Stadtgarten war für wenige Jahrzehnte der Friedhof, weshalb auch die Schlosskapelle dorthin versetzt wurde. Als der Friedhof aufgelassen wurde, hat man die Fläche als Park ausgebildet und ein Kriegerdenkmal 1870/71 darin aufgestellt. Anfangs trug das Denkmal eine Germania-Figur, die dem nahe gelegenen, noch bestehenden Gasthaus seinen Namen gab. Sie wurde jedoch im Rahmen einer Metallspende eingeschmolzen.[9]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonndorfer Pflumeschlucker

Bonndorf ist eine Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Die Pflumeschlucker sind eine bekannte Narrenzunft und feiern die Bonndorfer Fasnacht besonders als Straßenfastnacht vom Schmutzige Dunschdig bis in die Nacht zum Aschermittwoch. Im Sommer findet das traditionelle Schlossfest, rund um das Schloss statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Bahnhof Bonndorf

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonndorf liegt an der Bundesstraße 315. Zwischen 1907 und 1976 hatte Bonndorf mit der Bahnstrecke Kappel Gutachbrücke–Bonndorf auch einen Bahnanschluss, der beim Bahnhof Kappel-Gutachbrücke von der Höllentalbahn abzweigte. Der ehemalige Bahnhof steht noch heute. Die Südbadenbus GmbH bietet Nahverkehrslinien nach Neustadt (Schwarzwald), Waldshut, Stühlingen, Donaueschingen und Grafenhausen/Seebrugg an. Ferner bestehen in den Sommermonaten durch Wanderbusse, Nahverkehrsverbindungen zur Wutachschlucht und zur Ferienregion Rothauser Land.

Industrielle Entwicklung und ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonndorf war zu Beginn des 20. Jahrhunderts rein landwirtschaftlich und handwerklich geprägt. Einen ersten Industriebetrieb gab es mit der Schuhfabrik Gebr. Kriechle ab 1872 und ab 1905 lieferte das städtische Elektrizitätswerk elektrische Energie (Gleichstrom 220/110V). In den 20er Jahren siedelte mit der Seidenweberei Stehli ein neuer Industriebetrieb an und bezog einen Shed-Hallenbau. Dieses Firmengebäude sollte eine wechselvolle Geschichte erleben: Dem Unternehmen Stehli folgt die Stumpenfabrik Villinger & Söhne und sowie die Rhodiaceta, Kunstseide AG. Nach dem Krieg zog bis 1955 die Spinnerei Ramie AG aus Emmendingen, gefolgt von der Frottee-Weberei Richter aus Ahaus, in das Gebäude ein. 1972 bis 1997 bezog die Firma Willi Studer mit einem Zweigwerk das Gebäude. Die bis zu 250 Beschäftigten fertigten im Werk Bonndorf vor allem Leiterplatten und Motoren für fast aller Revox-Produkte.

1921 erwarben Michael und Margarethe Adler eine Metzgerei samt Gaststätte, die Keimzelle der heutigen Hans Adler OHG. Die Firma Adler ist einer der wichtigsten Hersteller von Schwarzwälder Schinken und bietet mit über 200 Beschäftigten im Lebensmittelbereich Regionalprodukte aus dem Schwarzwald an.

Mit der Ansiedlung der Firma Dunkermotoren und Kienzle Feinbau im Jahr 1955 entstand ein nachhaltiger Wirtschaftszweig. Der Firma Dunkermotoren stellt vor allem Elektromotoren und dazugehörige Getriebe her und ist heute mit über 750 Arbeitsplätzen der größte Arbeitgeber am Ort. Das Unternehmen gehört zwischenzeitlich zur Unternehmensgruppe AMETEK. Die Firma Kienzle Feinbau fertigte vor allem Parkuhren und mechanische Preisrechner für Tankstellen. Später wurde das Produktspektrum auf elektronischen Tankstellensteuerungen erweitert. Zwischenzeitlich ist das Unternehmen als Firma Hectronic auf dem Markt vertreten und bietet mit rund 140 Angestellten Produkte in den Bereichen Parken (Parkscheinautomaten) und Tanken (wie z. B. Tankstellensteuerungen, Füllstand- und Grenzwert-Sonden) an.

Des Weiteren existieren mehrere Mittelstands- und Handwerksbetriebe aus den Bereichen Fahrzeug-, Landmaschinen- und Holztechnik, der Baubranche und Textilreinigung. Mit dem Breitenfeld wurde in den 1990er Jahren ein neues Baugebiet für Industrie- und Handwerksbetriebe erschlossen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonndorf ist Standort des Bildungszentrums. Hier sind die Grundschule, Werksrealschule und die Realschule unter einem Dach vereint. Die Grundschule verfügt über eine Vorbereitungs- und eine Integrationsklasse. Außerdem können Schüler mit pädagogischem Sonderbedarf an einer Außenstelle der E-Schule Lauchringen unterrichtet werden. In allen Schulstufen gibt es ein vielfältiges Nachmittagsangebot. Der Einzugsbereich umfasst die Gemeinden Bonndorf und Wutach sowie Teile der Gemeinden Grafenhausen und Ühlingen-Birkendorf. Der Versuch, einen Teil der Unterstufe des Gymnasiums Kolleg St. Blasien nach Bonndorf zu holen, scheiterte um das Jahr 2000.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ehrenbürgerwürde der Stadt Bonndorf erhielten bisher Theo Hany (1924–2012),[10] der Begründer der Schlossnarrenstuben, sowie der ehemalige katholische Stadtpfarrer Eugen Fleig.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ambrosius Eichhorn (1758–1820), Benediktiner, Lehrer, Historiker, Priester und Schriftsteller. Geboren in Wittlekofen.
  • Joseph Lukas Meyer (1774–1821), Benediktiner, Pfarrer, Lehrer und Heimatforscher. Geboren in Holzschlag.
  • Joseph Wiel (1828–1881), Arzt, betrieb die Badeanstalt Steinabad, wo er u.a. Friedrich Nietzsche behandelte
  • Constantin Fehrenbach (1852–1926), Politiker (Zentrum), Reichskanzler von 1920 bis 1921, wurde in Wellendingen, heute ein Ortsteil von Bonndorf, geboren.
  • Adolf Würth (1905–1997), nationalsozialistischer Rassentheoretiker, der am Völkermord an Sinti und Roma beteiligt war, wurde in Bonndorf geboren
  • Astrid Damerow (* 1958), Politikerin und Landtagsabgeordnete (CDU)
  • Clemens Binninger (* 1962), Politiker und MdB (CDU), wurde in Bonndorf geboren und wuchs im benachbarten Wutach-Ewattingen auf.
  • Bernadette Hörder (* 1972), Künstlerin
  • Lothar Böhler (* 1970), Gründungsmitglied der Feldberger, wurde in Bonndorf geboren und ist im Ortsteil Holzschlag aufgewachsen

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dominikus Kuenzer (1793–1853), römisch-katholischer Priester, Abgeordneter im Badischen Landtag und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, war bis 1836 Pfarrer, Dekan und Schulvisitator in Bonndorf
  • Friedrich Faller (1856–1905), Gastwirt, Feuerwehrkommandant und Mitglied des Deutschen Reichstags[11]
  • Ralf Dahrendorf, Baron Dahrendorf KBE (1929–2009), gelegentlich unter dem Pseudonym Wieland Europa, deutsch-britischer Soziologe, Politiker und Publizist, wohnte in London, Köln und Bonndorf (OT Holzschlag)
  • Heribert Kalchreuter (1939–2010), Jagdwissenschaftler und Wildbiologe, lebte im Ortsteil Glashütte und gründete dort 1977 die Arbeitsstelle für Wildforschung in Baden-Württemberg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadt Bonndorf im Schwarzwald (Hrsg.): Bonndorf. Stadt auf dem Schwarzwald. Verlag Karl Schillinger, Freiburg, Bonndorf im Schwarzwald 1980, ISBN 3-921340-11-X
  • Karl Ebner: Ein Bonndorfer blickt zurück, Stadt Bonndorf im Schwarzwald, 1993
  • Dietzenschmidt. Bonndorf, mein Bonndorf: Bonndorfs Gang durch die Geschichte. Ein Festspiel. Reprint der Erstausgabe von 1951 zum hundertsten Jahrestag der Verleihung des Stadtrechts. Bonndorfer Texte Nr. 1. Herausgeber: Stadt Bonndorf im Schwarzwald, 1991. ISBN 3-925016-84-8
  • Albert Kürzel: Der Amts-Bezirk oder die ehemalige sanktblasische Reichsherrschaft Bondorf, Freiburg 1861
  • Ulrich Werner Schulze, Günter Hany: Bonndorf - wie es war, wie es sich verändert hat, Moog Druck, Hüfingen 2014 (2. Auflage 2015)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 967–974
  3. Ulrich Werner Schulze: Bonndorf: Ist Stadt Bonndorf älter als gedacht? Badische Zeitung, 2. Oktober 2015, abgerufen am 14. Januar 2016.
  4. Ulrich Werner Schulze: Bonndorf 1223 - pondorf 800. Recherchen zur Ersterwähnung Bonndorfs schon zur Karolingerzeit. Die Stadt ist vierhundert Jahre alter als bisher beschrieben. Moog-Druck, Hüfingen 2016.
  5. ot-bains-les-bains.fr: Jumelage. Archiviert vom Original am 2. März 2009, abgerufen am 15. Januar 2016 (französisch).
  6. Regina Folkerts: Bonndorf: Museum für Wildbiologie, Badische Zeitung, 20. Dezember 2011, Zugriff am 8. Januar 2012
  7. Bonndorf, 18. Juli. In: Freiburger Zeitung. 19. Juli 1842, abgerufen am 17. Januar 2016.
  8. Hans Jakob Wörner: Katholische Pfarrkirche Bonndorf im Schwarzwald als Werk des 19. Jahrhunderts wiederhergestellt. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 5. Jg. 1976, Heft 4, S. 152–154 (PDF)
  9. Juliane Kühnemund: Bonndorf: Das Denkmal wackelt. Badische Zeitung, 16. Juli 2010, abgerufen am 20. März 2016.
  10. Juliane Kühnemund:Bonndorf: Ein Mann der "bsundere Sorte", Badische Zeitung, 29. November 2012, abgerufen am 27. Juli 2013
  11. Ulrich Werner Schulze: Bonndorf: Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr, Badische Zeitung, 5. Oktober 2013, abgerufen am 20. Dezember 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bonndorf im Schwarzwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien