Bonzo Dog Doo-Dah Band

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Die Bonzo Dog Doo-Dah Band war eine vielköpfige Underground-Beatband aus dem Norden Londons, die mit satirischen Texten und ausgefallenen musikalischen und optischen Arrangements zwischen 1967 und 1972 Pop-Art-Geschichte machte. Zwischen 1966 und 1970 nahm die Band vier Studioalben und mehrere Singles auf. Ein weiteres Album veröffentlichten sie 1972 aus vertraglichen Gründen. Die Indie-Pop-Band Death Cab for Cutie benannte sich nach einem ihrer Songs.

Gründung[Bearbeiten]

Die Geschichte der „Bonzo Dog Doo-Dah Band“ begann auf einer englischen Kunsthochschule. Dort gründeten Rodney Slater, Vivian Stanshall und Roger Ruskin Spear 1962 eine Band unter dem Namen The Bonzo Dog Dada Band.

Musik[Bearbeiten]

Zu Anfang spielte man anarchische Versionen von Songs aus den Anfangsjahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Mit der stetig wechselnden Besetzung änderte sich auch die Bandbreite der Musik. Man bediente sich stilistischer Mittel verschiedenster Musikrichtungen. Eine Konstante waren allerdings die Texte, die stets von schrägem Humor gekennzeichnet waren.
1966 wurden bei Parlophone die ersten zwei Singles aufgenommen, die ohne nennenswerten Erfolg blieben. 1967 fand der Wechsel in Gerry Brons Hände auf dem Liberty Label mit dem ersten Album „Gorilla“ statt.
Seither betrachtete man die Bonzos als musikalisches Gegenstück der legendären Monty Pythons, mit denen sie bereits vor deren Gründung in der TV-Show „Do not adjust your set“ auftraten. Stücke wie "Hello Mabel", "Rhinocratic Oaths" oder "Trouser Press" prägen den tiefgründigen Nonsense-Humor, den eine innige Wesensverwandtschaft mit den Protagonisten der Neuen Frankfurter Schule (Pardon, Titanic) verbindet. Einzig geldbringender Ausflug in die Pop-Charts auf der britischen Insel war das von keinem Geringeren als Paul McCartney unter dem Pseudonym "Apollo C. Vermouth" produzierte "I'm The Urban Spaceman" aus dem Jahr 1968.[1]
Eine weitere Verbindung zu den Beatles gab es durch einen Auftritt der "Bonzos" im Film Magical Mystery Tour. In ihrer Szene begleitet die Band eine Striptease-Vorführung.

Während „Gorilla“ von 1967 noch (aufgrund des Einflusses von Slater und Spear) jazzorientiert war, gab sich „The Doughnut in Granny’s Greenhouse“ rock-orientierter. „Tadpoles“ ging wieder (zurück?) zum Jazz, „Keynsham“ zeigte wieder die rockige Seite der Band. Das letzte Album „Let’s Make Up and be Friendly“ war nicht mehr als eine Vertragserfüllung. Neben ein paar gefälligen Songs von Innes und Stanshall Halbgares von Smith und Spear.

Auflösung und Wiedervereinigung[Bearbeiten]

1970 lösten sich die Bonzos auf. Nach einer desaströsen US-Tour, die für Stanshall der Anfang seiner Krankheit wurde, zogen sie den Schlussstrich. Vertraglich blieben sie an ihre Plattenfirma gebunden, denen sie ein weiteres Album schuldeten. Stanshall, Cowan und Innes nahmen 1972 mit Gastmusikern das Album Let's Make Up And Be Friendly auf. Spear und Smith lieferten eigene aber musikalisch unbedeutende Beiträge, Slater wurde nur erwähnt In Spirit.

Neil Innes wurde zunächst Mitglied bei Monty Python’s Flying Circus, spielte unter anderem in Die Ritter der Kokosnuß mit und schrieb Filmmusiken. Neben einigen Soloalben veröffentlichte er 1976 das Album „Rutland Weekend Television“ zusammen mit Python-Mitglied Eric Idle. Idle war auch wichtiger Partner für das 1978 erschienene Album The Rutles: All You Need Is Cash, einer Beatles-Parodie. Er schrieb einen Großteil der Songs für den gleichnamigen Film und spielte den Ron Nasty (das Gegenstück zu John Lennon). Später folgten Fernsehserien (zum Beispiel The Innes Book of Records) im englischen Fernsehen, 1997 ein weiteres Rutles-Projekt Archaeology (in Anlehnung an die Beatles-Veröffentlichung Anthology).

Vivian Stanshall hatte einige kurzlebige Bandprojekte wie Big Grunt, Sean Head Showband, Gargantuan Chums und Kilgaron, die wegen Stanshalls labilem Gesundheitszustand nicht lange existierten. Er nahm vier Solo-Alben auf, zwei reine Musik-Platten, zwei größtenteils erzählte Werke. Er hatte die eigene Radio-Serie „Rawlinson Ends“, schrieb Bühnenstücke und Filme wie Crank und Stinkfoot. Auf Mike Oldfields Tubular Bells ist er als Master of Ceremonies zu hören. Seine psychischen Probleme ließen ihn Anfang der 90er vereinsamen und führten 1995 bei einem Brand in seiner Wohnung zu seinem Tod. Seine zweite Ehefrau Ki pflegt eine Internet-Seite zum Schaffen von Vivian Stanshall.

Roger Ruskin Spear nahm eine EP und zwei Soloalben auf, eine weitere Single 1978 unter dem Pseudonym Tatty Ollity. Nach Problemen mit seinem Gehör arbeitet er heute als Dozent am Chelsea Art College in London.

Rodney Slater wurde Sozialarbeiter, er tauchte bis zur Wiedervereinigung nicht mehr auf LP oder CD auf, spielte aber live mit den White’s Scandals, seiner New Titanic Band sowie mit Spear bei Bill Posters Will Be Band.

Legs Larry Smith verschwand nach lediglich einer obskuren Single (aus dem Mel-Brooks-Film The Producer). Er wirkte bei John Lennons und Yoko Onos Give Peace a Chance mit, trat im Rahmenprogramm von Elton John auf. In den 80ern sah man ihn im Umfeld von George Harrison, für den er das Cover für dessen Album Gone Troppo entwarf.

Dennis Cowan tauchte 1970 noch mal bei Stanshalls Big Grunt auf, danach schloss er sich Neil Innes’ Band The World an. Auch auf dem letzten Bonzo-Album Let’s Make Up and Be Friendly spielte er mit. Cowan wirkte 1973 bei der Londoner Bühnenfassung der „The Rocky Horror Show“ als Bassist mit. Danach wechselte er zur Band „Darien Spirit“, die ein Album namens Elegy to Marilyn aufnahm. Kurz nach der Veröffentlichung starb er 1973 an einer Bauchfellentzündung. Für ihn schrieb Vivian Stanshall den Text zu Vacant Chair, die Musik dazu schrieb Steve Winwood.

Dave Clague, der schon zuvor mit Kevin Coyne bei Siren mitspielte, tauchte noch bei Spears erstem Album auf, verschwand aber dann. Er brachte auf dem eigenen Label DJC später das erste Spear-Album auf CD heraus und stellte das Album Anthropolgy mit unveröffentlichten Bonzo-Aufnahmen zusammen.

Vernon Dudley Bohay-Nowell, Jahrgang 1933 und schon zu Bonzo-Zeiten relativ alt, nahm nur eine EP auf als Vernons Banjo Trio, stieg später zusammen mit Sam Spoons und Jim Strobes bei Bob Kerr’s Whopee Band ein.

Bob Kerr, Sam Spoons, Jim Strobes und auch Spear und Slater spielten ab 1983 in der Bill Posters Will Be Band. Kerr und Spoons spielen heute noch zusammen in Bob Kerr’s Whopee band.

Vom Verbleib der anderen Musiker ist wenig bzw. nichts bekannt.

Am 28. Januar 2006 gab es im Londoner Astoria ein Konzert mit den Originalmitgliedern Innes, Spear, Slater, Smith, Bohay-Nowell, Spoons, Kerr sowie Andy Roberts. Als Gastsänger traten auf Ade Edmondson, Phill Jupitus, Paul Merton und Stephen Fry; die DVD von diesem Konzert erschien im Mai. Im November 2006 hat sich die Band für eine England-Tour reformiert, es wurden 12 Konzerte gegeben. Im Sommer 2007 wurde in Suffolk ein Studio-Album aufgenommen, das im Dezember 2007 unter dem Titel Pour l’amour des chiens erschien.

Roger Ruskin Spear, Rodney Slater und Sam Spoons hatten wieder Spaß an der Zusammenarbeit gefunden und gründeten zusammen mit dem Pianisten Dave Glasson die Band Three Bonzos and a Piano. Bei mehreren Konzertserien im Süden Englands wurden sie mehrfach von Andy Roberts, Legs Larry Smith und/oder Vernon Dudley Bohay-Nowell begleitet. Im Februar 2010 erschien die CD Hair of the Dog. Im Sommer 2012 veröffentlichten Three Bonzos and a Piano ihr zweites Album Bum Notes. Legs Larry Smith hat sein Musical Call Me Adolf in Eigenproduktion wiederveröffentlicht (erhältlich über seine Website) und seit langem ein weiteres Soloprojekt Bats in the Attic angekündigt.

Neil Innes gründete 2011 zusammen mit Ade Edmondson, Rowland Rivron und Phill Jupitus die Idiot Bastard Band, mit der er seither auf Tour ist.

Mitglieder[Bearbeiten]

Die Bassisten variierten um die Stammbesetzung Innes, Stanshall, Spear, Slater und Smith.

  • Neil Innes (Gesang, Gitarre, Klavier u.a.)- in der Gruppe von 1966 - 1972 und 1987 (für die Reunion-Single)
  • Vivian Stanshall (Gesang, Ukulele, Tuba u.a.) - in der Gruppe von 1966 - 1972 und 1987 (für die Reunion-Single)(gestorben 1995)
  • Roger Ruskin Spear (Blasinstrumente, Roboter) - in der Gruppe von 1966 - 1972 und 1987 (für die Reunion-Single)
  • Rodney Desborough Slater (Blasinstrumente) - in der Gruppe von 1966 - 1970 und 1987 (für die Reunion-Single)
  • "Legs" Larry Smith (Schlagzeug) - in der Gruppe von 1966 - 1972 und 1987 (für die Reunion-Single)
  • Dennis Cowan (Bass)- in der Gruppe von 1968 - 1972 (gestorben 1972)
  • Joel Druckman (Bass) - in der Gruppe von 1967 - 1968
  • Dave Clague (Bass) - in der Gruppe von 1967 - 1968
  • Vernon Dudley Bohay-Nowell (Banjo, Bass) - in der Gruppe von 1966 - 1967
  • daneben in den frühen Formationen Sam Spoons (eigtl. Martin Ash), Wally Wilks, Tom Parkinson, Claude Abbo, Trevor Brown, Tom Hedge, Leon Williams, John Parry, Raymond Lewitt, "Big" Sydney Nicholls, Jim Strobes, Bob Kerr (später, bis heute in Bob Kerr's Whopee Band),
  • in späteren Formationen "Borneo" Fred Munt (ex-Roadie), Chalky Chalkey, Aynsley Dunbar, Jim Capaldi (Traffic), Anthony "Bubs" White, Andy Roberts (ex-Liverpool Scene, Scaffold, Grimms, heute Plainsong), Dave Richards, Dick Parry, Hughie Flint (McGuinnes-Flint), Glen Colson
  • sowie bei der Wiedervereinigung 2006 Stephen Fry, Ade Edmondson, Phill Jupitus und Paul Merton.

Diskographie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

  • Gorilla (1967)
  • The Doughnut In Granny's Greenhouse (1968)
  • Tadpoles (1969)
  • Keynsham (1969)
  • The Beast Of The Bonzos (compilation 1970)
  • Let's make up and be friendly (1972)
  • History Of The Bonzos (compilation 1974)
  • Anthropolgy (unveröffentlichtes Material 1996)
  • The complete BBC Recordings (1996)
  • Wrestle Poodles and win! (2006, das komplette Live-Konzert aus dem Astoria im Januar 2006)
  • Pour l'amour des chiens (2007)

Singles[Bearbeiten]

  • My Brother Makes The Noises For The Talkies / I'm Going to Bring a Watermelon to my Girl Tonight (1966)
  • Alley Oop / Button up your Overcoat (1966)
  • The Equestrian Statue / The Intro And The Outro (1967)
  • I' m The Urban Spaceman / Canyons Of Your Mind (1968)
  • Mr. Apollo / Ready-Mades (1969)
  • I Want To Be With You / We Were Wrong (1970)
  • King Of Scurf / Slush (1972)
  • No Matter Who You Vote For The Government Always Gets In (Heigh Ho) (1992)

Soloveröffentlichungen[Bearbeiten]

Vivian Stanshall

  • Men Opening Umbrellas Ahead (1974)
  • Sir Henry At Rawlinson End (1978)
  • Teddy Boys Don't Knit (1981)
  • Sir Henry At Ndidi' s Kraal (1983)

Singles (nicht auf Alben enthalten):

  • Suspicion / Blind Date (1970)
  • Labio-Dental Fricative / Paper-Round (1970)
  • Lakonga / Baba Tunde (1974)
  • The Young Ones / Are You Having Any Fun / The Question (1976)

Roger Ruskin Spear

  • Rebel Trouser Suite (EP) (1971)
  • Electric Shocks (1972)
  • Unusual (1973)
  • als Mitglied von "Tatty Ollity": Punktuation/Never Swat a Fly (Single, 1978)
  • in verschiedenen Kollaborationen auf: Dave Glasson - Hernia Years (Kompilation 2003)

Neil Innes

  • als Mitglied von "The World": Lucky Planet (1970)
  • How Sweet To Be An Idiot (1973)
  • als Mitglied von "Grimms": Grimms (1972)
  • als Mitglied von "Grimms": Rocking Duck (1973)
  • als Mitglied von "Grimms": Sleepers (1976)
  • Eric Idle & Neil Innes: Rutland Weekend Songbook (1977)
  • Taking Off (1977)
  • als Mitglied von "The Rutles": The Rutles - All you need is cash (1978)
  • Innes Book Of Records (1979)
  • Off The Record (1982)
  • als Mitglied von "The Rutles": Archaeology (1996)
  • Recollections 1 (2003)
  • Recollections 2 (2004)
  • Recollections 3 (2004)
  • Works in progress (2005)
  • Live at Martyrs (2005)
  • Dogman (Kindergeschichte, erzählt von Phill Jupitus, 5 songs von Neil Innes)(2005)

Legs Larry Smith

  • Topo D. Bil: Witchi Tai To (Single 1970)
  • Springtime For Hitler (Single 1978)
  • Springtime for Hitler (neue Aufnahme, andere Stücke 2001)
  • Call me Adolf (Springtime for Hitler, Ausgabe 2001, mit einem Zusatz-Stück)

Three Bonzos and a Piano

  • Hair of the Dog (2010)
  • Bum Notes (2012)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Single erreichte Platz 3, vgl. Nugent, Stephen, Anne Fowler, Pete Fowler: Chart Log of American/British Top 20 Hits, 1955-1974. In: Gillett, Charlie, Simon Frith (Hrsg.): Rock File 4. Frogmore, St. Albans: Panther Books, 1976, S. 92. In Deutschland kam die Band im März 1969 mit dem Titel lediglich auf Platz 39, vgl. Ehnert, Günter (Hrsg.): Hit Bilanz. Deutsche Chart Singles 1956-1980. Hamburg: Taurus Press, 1990, S. 34

Weblinks[Bearbeiten]