Booßen

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Booßen
Koordinaten: 52° 22′ 21″ N, 14° 28′ 11″ O
Höhe: 77 m ü. NHN
Fläche: 2,7 km²
Einwohner: 1453 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 538 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 15234
Vorwahl: 033605
Karte
Gebietsgliederung der Stadt Frankfurt (Oder), Lage Booßens hervorgehoben

Booßen ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder) in Brandenburg.[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Booßen liegt sieben Kilometer nordwestlich des Stadtgebietes von Frankfurt (Oder) zwischen den Ausläufern der Lebuser Platte und dem circa 104 Hektar[3] großen Naturschutzgebiet Booßener Teiche, etwa 75 Kilometer östlich von Berlin.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Östlich von Booßen liegt fünf Kilometer entfernt Kliestow, ein Ortsteil von Frankfurt (Oder), sechs Kilometer westlich Treplin, eine Gemeinde im Landkreis Märkisch Oderland, und elf Kilometer nördlich das Amt Lebus.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Booßen wird von der Stadt Frankfurt (Oder) verwaltet, zu der auch die Ortsteile Güldendorf, Lossow, Lichtenberg, Markendorf-Siedlung, Markendorf, Hohenwalde, Rosengarten/Pagram und Kliestow gehören.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Booßen wurde Anfang des 13. Jahrhunderts durch die Besiedlungswelle der Askanier gegründet und mit 64 Hufen ausgestattet. Es waren nur wenige wendische Bauern und Fischer ansässig. Die neu angesiedelten Bauern mussten Feldsteine von gerodeten Feldern an den Ort bringen, wo man 1250 die erste Kirche als Wehrkirche erbaute.

Markgraf Waldemar übereignete der Stadt Frankfurt (Oder) am 7. Juli 1317 das Dorf Boz, das ist die erste urkundliche Erwähnung des Ortes.1432 wurde Frankfurt durch die Hussiten belagert, Booßen wurde geplündert.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Booßen 1636 völlig zerstört.

Auf dem Wiener Kongress wurde Preußen 1815 in zehn Provinzen aufgeteilt. Mit der Provinz Brandenburg entstanden die Regierungsbezirke Potsdam, Berlin und Frankfurt (Oder). Im Zuge der Verwaltungsreform wurde das Dorf Booßen der Stadt Frankfurt (Oder) zugeordnet, die gleichzeitig auch Hauptstadt des Regierungsbezirkes war und mit den umliegenden Dörfern den eigenen Kreis Frankfurt bildete.

Am 1. Januar 1827 wurde Frankfurt (Oder) kreisfrei, der Kreis Frankfurt wurde aufgelöst und Booßen an den Landkreis Lebus abgegeben.[4]

Grabmal von Bertha Schulz-Booßen geborene von Ricaud-Tiregale und Rudolph Schulz-Booßen an der Dorfkirche Booßen

Mitte des 19. Jahrhunderts besiedelten Bergarbeiter den Ort. Vom Kohlebergbau zeugen heute noch Abraumhalden.

Das Rittergut Booßen gehörte von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1925 der Familie Schulz. Die Familie Schulz ist eine alte märkische Gutsbesitzersfamilie, die schon seit mehreren Generationen zu den größten Grundbesitzerfamilien der Gegend gehört. Zur Familie gehören Bertha Schulz-Booßen geborene von Ricaud-Tiregale (* 23. Juli 1834 in Landsberg an der Warthe; † 22. Februar 1922 in Booßen), Tochter des Oberstleutnant von Ricaud-Tiregale, Vicomte d'Almanon und ihr Mann Rudolph Schulz-Booßen (auch Rudolf) (* 7. Januar 1827 in Berlin; † 8. Januar 1899 in Berlin), Reichstags- und Landtagsabgeordneter für die National-Liberale Partei,[5] Rittergutsbesitzer auf Booßen und Eigentümer von vier anderen Gütern, darunter dem Gut Sembten (Semtyń).[6]

1925 wurde die Landgesellschaft Eigene Scholle Eigentümerin des 2000 Morgen großen Rittergutes Booßen.

Am 1. August 1926 wurde die Eisenbahnverbindung zwischen Frankfurt (Oder) und Booßen freigegeben.

1931 erhielt die Besitzerin des Rittergutes Booßen, die Landgesellschaft Eigene Scholle, trotz der bestehenden Bergbauberechtsame der Berliner Bubiag die Genehmigung, die Grundstücke für eine Bebauung zu parzellieren. Die Bubiag hatte nach längeren Verhandlungen einen breiten Streifen beiderseits der Bahnstrecke zur Bebauung freigegeben. Etwa 300 Morgen der Flächen waren zuvor an die Großgärtnerei Böttner verpachtet gewesen. Die Grundstücke wurden in 28 Morgen große Parzellen für kleinbäuerliche Rinderspannstellen und in 2,5 Morgen große Parzellen für Arbeiter aufgeteilt. Am Vorwerk Hexenberg (heute Kliestow) waren acht Kleinbauernstellen vorgesehen. Am Bahnhof Booßen wurden 52 Kleinsiedlerstellen geplant. Das übrige Gut sollte in bäuerliche Stellen aufgeteilt werden. Die Schweinezucht auf der Schäferei wurde in einem Gestüt für schwarze und Edelschweine fortgeführt.[7]

Seit dem 1. Januar 1974 ist Booßens in die Stadt Frankfurt (Oder) eingemeindet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil Booßen besteht der unmittelbar gewählte Ortsbeirat aus fünf Mitgliedern.[8] Ortsvorsteher ist Eberhard Vetter.[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Booßen

Das Gebäude, welches zu den offenen Kirchen in Brandenburg gehört, wurde 1250 erbaut und um 1370 durch ein Langhaus sowie etwa 1480 durch einen Kirchturm erweitert. Die Sakristei ist circa 1545 entstanden. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche bis auf die Umfassungsmauern zerstört. Im Renaissancestil wurde sie 1671 wieder aufgebaut und eingeweiht. 1871 erhielt die Kirche einen neuen Altar und eine neue Kanzel. 1961 bekam die Kirche eine komplette Neugestaltung und wurde am 11. November 1962 wieder eingeweiht. 1989 erfolgte eine malermäßige Instandsetzung.

Bismarckturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bismarck-Säule auf dem Großen Kapberg in Booßen

Zu Ehren des 1890 entlassenen ersten deutschen Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck wurden seit 1868 an vielen Orten Deutschlands Bismarckdenkmäler errichtet. So auch der Turm in Booßen, der auf Initiative der dort ansässigen Rittergutsfamilie Schulz erbaut wurde. Das genaue Einweihungsdatum ist nicht schriftlich belegt. Es wird angenommen, dass der Bismarckturm anlässlich des 100. Geburtstages Fürst Otto von Bismarck am 1.  April 1915 eingeweiht wurde. 2006 wurde er saniert. Mit seiner 10 m Höhe ist er heute die höchste Erhebung der Stadt Frankfurt (Oder).

Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutshaus Booßen 2013

Das Schloss wurde 1848 im spätklassizistischen Stil erbaut und später erweitert. Vollständig genutzt wurde es bis 1993 als Senioren- und Pflegeheim. Bis 2013 nutzten eine Kindertagesstätte und ein Jugendclub Räumlichkeiten des alten Schlosses. Das Schloss wurde im Herbst 2013 an einen Unternehmer verkauft.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bus-Linie 981

Booßen liegt westlich von Frankfurt (Oder) an der Bundesstraße 5 nach Berlin weiterführend, an der Oder-Lausitz-Straße und an der Bahnstrecke Eberswalde–Frankfurt (Oder). Nach Booßen fährt die Buslinie 981 aus Frankfurt (Oder) und die Linie 967 aus Müncheberg kommend. Der Bahnhof Booßen wurde 1880 eröffnet, 1910 verlegt und 1996 für den Personenverkehr geschlossen. Das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1843 bis 1925 lebte der Ort Booßen vom Bergbau. Die heutige Wirtschaft ist geprägt durch Fischzucht, Agrarwirtschaft und privates Handwerk.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Booßen gibt es die zum Staatlichen Schulamt Frankfurt (Oder) gehörende Grundschule am Mühlenfließ.

Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1905 wurde in Booßen die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ortsverein Booßen e. V.
  • SV Union Booßen e. V.
  • Verein „Alte Brennerei“ e. V.
  • Carnevals-Club Booßen e. V.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl von Gerlach (1792–1863), Polizeipräsident in Berlin sowie Regierungspräsident in Köln und Erfurt
  • Rudolph Schulz (1827–1899), Reichstags- und Landtagsabgeordneter
  • Wieland Bruch (* 1961) Großmeister für Schachkomposition.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil VII – Lebus. Bearbeitet von Peter P. Rohrlach. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 18. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-84-6, S. 32 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Booßen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cathrin Knop, Henry Maus: Einwohner mit Hauptwohnsitz: Demografische Grundformel – Stadt Frankfurt (Oder) – Stadtgebiete – Jahr 2015. (PDF, 122 kB) Stadt Frankfurt (Oder), Einwohnermelderegister, Kommunale Statistikstelle, 26. Mai 2016, abgerufen am 17. Mai 2017.
  2. Kreisfreie Stadt Frankfurt (Oder) – Ortsteile nach § 45 Kommunalverfassung – Wohnplätze. In: service.brandenburg.de. Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg, abgerufen am 17. Mai 2017.
  3. Verordnung über das Naturschutzgebiet „Booßener Teichgebiet“@1@2Vorlage:Toter Link/www.landesrecht.brandenburg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. http://www.stadtarchiv-ffo.de/ Frankfurt-so wie es war
  5. René Schiller. Vom Rittergut zum Grossgrundbesitz: ökonomische und soziale Transformationsprozesse der ländlichen Eliten in Brandenburg im 19. Jahrhundert. Akademie Verlag 2003, ISBN 3050034491 und ISBN 9783050034492. S. 459
  6. Peter Furhmann und Elvira Furmann geb. Kreglinger. Johann Daniel Fuhrmann und Johanna geb. Bung zu Lennep und ihre Nachkommen. Eigenverlag zu Bloemendaal bei Amsterdam. S. 126
  7. Beginn der Besiedlung von Booßen. Ein neues Dorf entsteht. In: Frankfurter Oderzeitung. 13. Oktober 1931.
  8. Hauptsatzung der Stadt Frankfurt (Oder). 18. Februar 2009, § 11 Bildung von Ortsteilen (2), S. 7 (frankfurt-oder.de [PDF; 42 kB; abgerufen am 17. Mai 2017]).
  9. Politik – Ortsbeiräte. In: frankfurt-oder.de. Stadt Frankfurt (Oder), abgerufen am 17. Mai 2017.