Boogie Nights

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Film
Deutscher TitelBoogie Nights
OriginaltitelBoogie Nights
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1997
Länge149 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegiePaul Thomas Anderson
DrehbuchPaul Thomas Anderson
ProduktionPaul Thomas Anderson
MusikMichael Penn
KameraRobert Elswit
SchnittDylan Tichenor
Besetzung
Synchronisation

Boogie Nights ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Paul Thomas Anderson aus dem Jahre 1997. Der Film ist eine Adaption von Andersons eigenem Kurzfilm The Dirk Diggler Story aus dem Jahre 1988.[2] Er porträtiert Aufstieg und Fall eines Pornodarstellers während der Golden Age of Porn im kalifornischen San Fernando Valley Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre aus Sicht des jungen Pornostars Dirk Diggler, gespielt von Mark Wahlberg, der zum Superstar in der Porno-Szene aufsteigt, jedoch letztlich scheitert. Tragende Rollen sind mit Burt Reynolds und Julianne Moore besetzt.

Boogie Nights markierte den künstlerischen Durchbruch für Regisseur und Drehbuchautor Paul Thomas Anderson sowie für Hauptdarsteller Mark Wahlberg, der bis dato vornehmlich als Model und Sänger Erfolge feiern konnte.[3] Burt Reynolds wurde für seine Rolle als Pornoproduzent Jack Horner bei den Golden Globe Awards 1998 als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Paul Thomas Anderson war auf der Oscarverleihung 1998 in der Kategorie „Bestes Originaldrehbuch“ nominiert, Burt Reynolds sowie Juliane Moore in der Kategorie „Bester Nebendarsteller(in)“.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1977: Der junge Eddie Adams hat vor Kurzem die Highschool abgebrochen. Er jobbt in einem Nachtclub, wo er den Porno-Produzenten Jack Horner sowie die Pornodarstellerin „Rollergirl“ kennenlernt. Nach einem Streit mit seiner Mutter zieht Eddie in Jack Horners Villa im San Fernando Valley ein. Eddie nennt sich "Dirk Diggler" und wird aufgrund seines guten Aussehens, seiner jugendlichen Ausstrahlung und seines ungewöhnlich großen Penis schnell zum Star der Branche. Sein Erfolg ermöglicht es ihm, ein neues Haus sowie eine Corvette C3 zu erwerben. Mit seinem Freund und Kollegen Reed Rothchild tritt Dirk in einer Reihe von Pornofilmen mit Actionelementen auf.

Auf einer Silvesterparty in Horners Villa im Jahre 1980 entdeckt der Regieassistent „Little“ Bill Thompson seine Frau beim Sex mit einem anderen Mann. Er erschießt beide und anschließend sich selbst. Währenddessen nimmt Dirk auf dieser Silvesterparty das erste Mal Kokain zu sich. Von da an nimmt er regelmäßig Kokain zu sich, was bei ihm jedoch zunehmend Erektionsstörungen verursacht. Er ist verärgert über den neuen Pornostar Johnny Doe, der kürzlich von Jack rekrutiert wurde. 1983 wird Dirk nach einem Streit mit Jack gefeuert. Er versucht daraufhin mit Reed eine Musikkarriere zu starten, scheitert jedoch. Weil die Beiden ihr Geld für Drogen ausgegeben haben, können sie zudem nicht die Demobänder des Aufnahmestudios bezahlen. Jack lehnt das Angebot des Pornokino-Magnaten Floyd Gondolli ab, der plant, die Kosten durch Direct-to-Video-Produktionen zu senken. Jack ist jedoch überzeugt, dass dies die Qualität seiner Filme beeinträchtigt werde. Nachdem sein Freund und Finanzier, Colonel James, wegen Besitzes von Kinderpornografie inhaftiert wurde, arbeitet Jack dennoch mit Gondolli zusammen und ist enttäuscht über die geplanten Projekte. Eines dieser Projekte beinhaltet, dass Jack und Rollergirl in einer Limousine fahren und zufällig nach Fußgängern suchen, mit denen sie Sex hat, während sie von der Crew gefilmt werden. Als ein Mann Rollergirl als eine ehemalige Klassenkameradin aus der Highschool erkennt, beleidigt er sie und Jack. Der junge Mann wird daraufhin von Jack und Rollergirl auf dem Bürgersteig zusammengeschlagen.

Die Pornodarstellerin Amber Waves befindet sich in einem Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Ehemann. Das Gericht stellt fest, dass sie aufgrund ihrer Tätigkeiten in der Porno-Branche, ihrer Vorstrafen und ihrer Kokainsucht eine ungeeignete Mutter sei. Buck Swope heiratet die schwangere Darstellerin Jessie St. Vincent. Aufgrund seiner Tätigkeiten in der Pornobranche hat auch dieser mit Diskriminierungen zu kämpfen: Er bekommt kein Darlehen von der Bank und kann somit kein eigenes Geschäft für Musikanlagen eröffnen. In dieser Nacht wird er Zeuge eines Raubüberfalls in einem Donut-Laden, in dem der Angestellte, der Räuber sowie ein Kunde getötet werden. Buck flieht mit dem Geld, das der Räuber erbeuten wollte.

Dirk ist verzweifelt und versucht sich mit Prostitution, wird aber von drei Männern angegriffen und ausgeraubt. Dirk, Reed und Todd Parker versuchen, den örtlichen Drogendealer Rahad Jackson zu betrügen, indem sie ihm ein halbes Kilo Backpulver als Kokain verkaufen. Dirk und Reed wollen fliehen, während Rahads Bodyguard die Ware untersucht, aber Todd besteht darauf, Rahad zusätzliche Drogen und Geld zu stehlen. In einer Schießerei erschießt Todd Rahads Leibwächter und Todd wird von Rahad getötet. Dirk und Reed können entkommen und Dirk versöhnt sich daraufhin mit Jack.

Im Jahr 1984 bringen Buck und Jessie ihren Sohn zur Welt. Amber wird Regisseurin und dreht den Fernsehwerbespot für Bucks Ladeneröffnung. Reed arbeitet als Zauberer in einem Stripclub. Colonel James verbleibt im Gefängnis. Maurice eröffnet einen Nachtclub und Rollergirl versucht den Highschool-Abschluss nachzuholen. In der letzten Szene bereiten sich Dirk und Amber darauf vor, einen Pornofilm zu drehen.

Bemerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film behandelt die amerikanische Pornoindustrie in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren mit einer umfangreichen Filmmusik und detailgetreuen Requisiten.

Die Figur des Dirk Diggler spielt auf den realen Porno-Darsteller John Holmes an, der als „der Mann mit dem größten Schwanz der Welt“ galt und später an AIDS starb.

Die Endszene vor dem Spiegel, als man Digglers Penis in nicht erigiertem Zustand sehen kann, ist eine Anspielung auf den Scorsese-Film Wie ein wilder Stier.

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film feierte am 11. September 1997 Premiere beim Toronto International Film Festival und kam am 10. Oktober desselben Jahres in die US-amerikanischen Kinos. Der deutsche Kinostart erfolgte am 4. Juni 1998.[4]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Stilistisch versetzt sich der Film geschickt in die filmischen Moden jener Zeit und entwirft das schillernde Bild einer Epoche, die ein Leben in Libertinage außerhalb bürgerlicher Schranken propagierte. Ein in seiner Thematik und seiner Einlassung darauf gewiß kein unumstrittener, auf menschlicher Ebene aber durchaus bewegender Film, der bemüht ist, das Porno-Gewerbe weder zu diskreditieren noch zu verteidigen, sondern seine Macher mit ihren Lebensträumen nicht zuletzt als Symptome ihrer Zeit versteht.“

„In einem zweieinhalbstündigen Parforce-Ritt über Aufstieg und Fall eines Pornostars streift Anderson in einer Parabel auf die Filmindustrie und das Leben in Amerika durch die späten 70er und 80er Jahre und läßt überbordenden Witz und ‚Lust for life‘ auf eine Welle voller Gewalt und Destruktivität prallen.“

Blickpunkt Film

„Paul Thomas Anderson drehte einen ungewöhnlichen Streifen jenseits der Hollywood-üblichen Klischees. Leider hat der Film aber auch viele Längen. Obwohl diese das Vergnügen schmälern, handelt es sich immer noch um ein gekonntes Zeit-Porträt. Burt Reynolds – er ist hier so gut wie selten – und Julianne Moore waren als Nebendarsteller für den Oscar nominiert. Schade, dass die Sexszenen recht müde wirken und das, obwohl Pornodarstellerinnen wie Nina Hartley mitspielen.“

Prisma Online

„Boogie Nights ist ein drastischer, temporeicher und visuell komplett überzeugender Film der Vergleiche mit Filmen von Robert Altman oder Martin Scorsese nicht scheuen muss. Er verurteilt und beschönigt die Pornobranche in keinster Weise, sondern zeigt auf, welche Motive und Hoffnungen mit dem Golden Age Of Porn verbunden waren und wohin das alles führte.“

pornoklassiker.de[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde 1998 für drei Oscars nominiert. Für seine Rolle als Porno-Regisseur wurde Burt Reynolds als „Bester Nebendarsteller“ nominiert, und auch Julianne Moore erhielt eine Nominierung als „Beste Nebendarstellerin“ für ihre Verkörperung der Amber Waves. Ebenfalls Oscar-nominiert: das Drehbuch von Paul Thomas Anderson. Alle drei Nominierten gingen jedoch leer aus.

Hingegen wurde Burt Reynolds mit einem Golden Globe als „Bester Nebendarsteller“ ausgezeichnet, und Julianne Moore erhielt eine Nominierung für den Golden Globe als „Beste Nebendarstellerin“.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronisation übernahm die Neue Tonfilm München.[7]

Darsteller Deutscher Sprecher Rollenname
Mark Wahlberg Oliver Mink Eddie Adams/Dirk Diggler
Burt Reynolds Norbert Langer Jack Horner
Julianne Moore Katharina Lopinski Maggie/Amber Waves
William H. Macy Ulrich Frank Little Bill
Heather Graham Solveig Duda Rollergirl/Brandy
Thomas Jane Marcus Off Todd Parker
Don Cheadle Oliver Stritzel Buck Swope
Philip Seymour Hoffman Kai Taschner Scotty J.
John C. Reilly Ekkehardt Belle Reed Rothchild
Luis Guzmán Gudo Hoegel Maurice TT Rodriguez
Philip Baker Hall Norbert Gastell Floyd Gondolli
Robert Ridgely Hartmut Reck Colonel James
Nina Hartley Michèle Tichawsky Little Bills Frau
Alfred Molina Wolfgang Müller Rahad Jackson
Michael Jace Manfred Trilling Jerome

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Boogie Nights. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, April 2010 (PDF; Prüf­nummer: 79 468 V).
  2. Kristine McKenna: Knows It When He Sees It (en). In: Los Angeles Times, 12. Oktober 1997. 
  3. Ed Pilkington: Bigger, Louder, More Frogs – How Paul Thomas Anderson sets himself apart from Hollywood’s other wunderkinds. (en). In: The Guardian, 4. Januar 2008. 
  4. Boogie Nights. In: Cinema. Hubert Burda Media, abgerufen am 1. November 2018.
  5. Boogie Nights. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. März 2017.Vorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet 
  6. Kritik des Films bei pornoklassiker.de
  7. Boogie Nights. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 28. Oktober 2018.