Man Booker Prize

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Preis für internationale Literatur siehe Man Booker International Prize.

Der Man Booker Prize (umgangssprachlich Booker Prize, offizieller Name Man Booker Prize for Fiction) ist der wichtigste britische Literaturpreis. Ausgezeichnet wird seit 1969 jährlich der beste englischsprachige Roman, der im Vereinigten Königreich veröffentlicht wurde.[1] Von 1969 bis 2013 war die Auszeichnung Autoren aus dem Vereinigten Königreich, Irland oder dem Commonwealth vorbehalten.[2] Der Preisträger erhält 50.000 Pfund Sterling.

Der Preis wurde ursprünglich von der Firma Booker plc, ein britischer Lebensmittelgroßhändler, verliehen. Seit 2002 zeichnet die Stiftung Booker Prize Foundation verantwortlich für die Vergabe. Hauptsponsor ist seither Man Group plc.

Strukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gewährleistung hoher Qualitätsstandards wird ein vergleichsweise kompliziertes Verfahren angewandt. Zunächst wird von der Bookerpreisstiftung ein Beirat berufen, der einzig die Aufgabe hat, die jedes Jahr neu zu bestimmenden Juroren zu küren. In diesem Beirat sitzen obligatorisch: ein Vertreter der Schriftsteller, zwei Verleger, ein Literaturagent, ein Buchhändler, ein Bibliothekar sowie ein Moderator und Vorsitzender aus der Stiftung selbst. Die Juroren werden ausgewählt unter den Meinungsführern der Literaturkritiker, Schriftstellern, Literaturwissenschaftlern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Mehrfache Nominierungen als Jurymitglied sind über die Jahre eher die Ausnahme als der Regelfall geblieben.

Wirtschaftliche Bedeutung für den Buchmarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den hohen Aufmerksamkeitswert des Preises, dessen Verleihung live im Fernsehen übertragen wird, schneiden Booker-Ausgezeichnete bereits im Sommer und erst recht im vorweihnachtlichen Buchhandel in aller Regel hervorragend ab.

Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Preisträger/-in Titel Deutscher Titel
1969 Percy Howard Newby Something to Answer for nicht bekannt
1970 Bernice Rubens The Elected Member nicht bekannt
1971 V. S. Naipaul In a Free State In einem freien Land
1972 John Berger G G
1973 J. G. Farrell The Siege of Krishnapur Die Belagerung von Krishnapur
1974 Nadine Gordimer The Conservationist Der Besitzer
Stanley Middleton Holiday nicht bekannt
1975 Ruth Prawer Jhabvala Heat and Dust Hitze und Staub
1976 David Storey Saville nicht bekannt
1977 Paul Scott Staying On Nachspiel
1978 Iris Murdoch The Sea, the Sea Das Meer, das Meer
1979 Penelope Fitzgerald Offshore nicht bekannt
1980 William Golding Rites of Passage Äquatortaufe
1981 Salman Rushdie Midnight’s Children Mitternachtskinder
1982 Thomas Keneally Schindler’s Ark Schindlers Liste
1983 J. M. Coetzee Life & Times of Michael K Leben und Zeit des Michael K.
1984 Anita Brookner Hotel du Lac Hotel du Lac
1985 Keri Hulme The Bone People Unter dem Tagmond
1986 Kingsley Amis The Old Devils nicht bekannt
1987 Penelope Lively Moon Tiger Moon Tiger
1988 Peter Carey Oscar and Lucinda Oscar und Lucinda
1989 Kazuo Ishiguro The Remains of the Day Was vom Tage übrigblieb
1990 A. S. Byatt Possession Besessen
1991 Ben Okri The Famished Road Die hungrige Straße
1992 Michael Ondaatje The English Patient Der englische Patient
Barry Unsworth Sacred Hunger Das Sklavenschiff
1993 Roddy Doyle Paddy Clarke Ha Ha Ha Paddy Clarke Ha Ha Ha
1994 James Kelman How Late it was, How Late Spät war es, so spät
1995 Pat Barker The Ghost Road Die Straße der Geister
1996 Graham Swift Last Orders Letzte Runde
1997 Arundhati Roy The God of Small Things Der Gott der kleinen Dinge
1998 Ian McEwan Amsterdam Amsterdam
1999 J. M. Coetzee Disgrace Schande
2000 Margaret Atwood The Blind Assassin Der blinde Mörder
2001 Peter Carey The True History of the Kelly Gang Die wahre Geschichte von Ned Kelly und seiner Gang
2002 Yann Martel Life of Pi Schiffbruch mit Tiger
2003 DBC Pierre Vernon God Little Jesus von Texas
2004 Alan Hollinghurst The Line of Beauty Die Schönheitslinie
2005 John Banville The Sea Die See
2006 Kiran Desai The Inheritance of Loss Erbin des verlorenen Landes
2007 Anne Enright The Gathering Das Familientreffen
2008 Aravind Adiga The White Tiger Der weiße Tiger
2009 Hilary Mantel Wolf Hall Wölfe
2010 Howard Jacobson The Finkler Question Die Finkler-Frage
2011 Julian Barnes The Sense of an Ending Vom Ende einer Geschichte
2012 Hilary Mantel Bring up the Bodies Falken
2013 Eleanor Catton The Luminaries Die Gestirne
2014 Richard Flanagan The Narrow Road to the Deep North Der schmale Pfad durchs Hinterland
2015 Marlon James A Brief History of Seven Killings nicht bekannt

Sonderpreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1993, zum 25-jährigen Bestehen des Preises, vergab eine Jury unter Leitung Malcolm Bradburys die Auszeichnung Booker of Bookers unter allen bisherigen Booker-Preisträgern. Der Gewinner war Salman Rushdies Midnight’s Children (Mitternachtskinder), der Booker-Preisträger des Jahres 1981.[3]
  • 2008 kam es unter dem Titel Best of the Booker erneut zu einer Wahl des besten Booker-Preisträgers. Eine dreiköpfige Jury um das frühere Jurymitglied Victoria Glendinning stellte unter allen bislang ausgezeichneten Romanen eine Shortlist zusammen, über die die Allgemeinheit in einer Online-Abstimmung entschied. Erneut gewann Rushdie mit Midnight’s Children:[4]
Jahr Best of the Booker (2008) Titel Deutscher Titel
1981 Salman Rushdie Midnight’s Children Mitternachtskinder
1973 J. G. Farrell The Siege of Krishnapur Die Belagerung von Krishnapur
1974 Nadine Gordimer The Conservationist Der Besitzer
1988 Peter Carey Oscar and Lucinda Oscar und Lucinda
1995 Pat Barker The Ghost Road Die Straße der Geister
1999 J. M. Coetzee Disgrace Schande
  • Aufgrund einer Änderung bei den Vergabekriterien konnten im Jahr 1970 veröffentlichte Romane nicht für den Booker Prize nominiert werden. In einer vom 25. März bis 30. April 2010 veranstalteten öffentlichen Internetabstimmung wurde daher unter sechs auf einer Shortlist vertretenen Romane der Lost Man Booker Prize vergeben. Diesen gewann postum J. G. Farrell für Troubles, der bereits 1973 für Die Belagerung von Krishnapur einen regulären Booker Prize gewonnen hatte.
  • Von Februar bis April 2011 wurde in einer Online-Abstimmung The Man Booker Best of Beryl ermittelt.[5] Zur Auswahl standen die zwischen 1973 und 1998 auf der Shortlist vertretenen Werke der britischen Schriftstellerin Beryl Bainbridge (1932–2010). Bainbridge war am häufigsten auf der Shortlist vertreten (fünfmal), ohne aber den Preis jemals zu gewinnen. Unter den nominierten Werken The Dressmaker (1973), The Bottle Factory Outing (1974, dt. Titel: Der Ausflug), An Awfully Big Adventure (1990), Every Man for Himself (1996, dt. Titel: Nachtlicht) und Master Georgie (1998, dt. Titel: Master Georgie) wählte das Internetpublikum letztgenannten Roman als bestes für den Booker Prize nominiertes Werk von Bainbridge aus.[6]

Internationale Ableger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1992 wurde in Russland erstmals der sogenannte Russische Booker-Preis vergeben, der – nach dem Vorbild des auf das Commonwealth bezogenen Booker Prize modelliert – jährlich für die beste Roman-Neuerscheinung in russischer Sprache ausgelobt wird.

2008 wirkte die Booker Prize Foundation in London unterstützend bei der erstmaligen Verleihung des International Prize for Arabic Fiction mit. Obwohl keine direkte Verbindung besteht, wird dieser Preis auch häufig in der Berichterstattung als „Arabischer Booker-Preis“ bezeichnet.

Von 2007 bis 2012 wurde von der Man Group für den asiatischen Raum der Man Asian Literary Prize gesponsert.

Siehe auch (höchste nationale Literaturpreise)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Man Booker Prize – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anna Auguscik: Lost in Translation. Literaturpreise im nationalen Literaturbetrieb. In: Philipp Theisohn, Christine Weder (Hrsg.): Literaturbetrieb. Zur Poetik einer Produktionsgemeinschaft. Fink, Paderborn 2013, S. 97–112. ISBN 978-3-7705-5296-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hintergrund bei themanbookerprize.com (englisch; abgerufen am 13. Oktober 2015).
  2. Erlanger, Steven: The Backlash to the American Invasion of the Booker Prize. In: New York Times, 21. September 2013, S. C1.
  3. Scully, Rob (Press Association): Rushdie wins 'Booker of Bookers' Award. 21. September 1993 (abgerufen via Nexis).
  4. Best of the Booker bei themanbookerprize.com (abgerufen am 11. November 2015).
  5. Dex, Robert: Honour at last for a 'Booker bridesmaid' . In: The Independent, 8. Februar 2011, S. 16.
  6. Timeline 2011 athemanbookerprize.com (englisch; abgerufen am 15. November 2015).