Bootshafen der Marineschule Mürwik

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Bootshafen-Schild (2014)
Die Horst Wessel (heute Eagle), Schiff der Gorch-Fock-Klasse, beim Bootshafen vor der Marineschule 1937
Der Bootshafen mit Gorch Fock, Segelbooten und Segelschiffen der MSM im Juni 2015

Der Bootshafen der Marineschule Mürwik an der Flensburger Förde, jenseits des Flensburger Hafens entstand zusammen mit der Marineschule bis 1910. Heute wird er weiterhin als Hafen für kleine Boote und Schiffe der Marine genutzt. Mindestens einmal im Jahr liegt für kurze Zeit das Segelschulschiff der Schule, die Gorch Fock am Bootshafen. Wichtige Bestandteile des Bootshafens wurden als Kulturdenkmale Mürwiks eingetragen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bootshafen mit zugehörigen Bootstreppe entstand in den Jahren 1907 bis 1910 nach den Plänen von Adalbert Kelm.[2] Eine Abbildung der Schule mit einem frühen Entwurf des Bootshafens befindet sich heute noch im Fundus des Wehrgeschichtlichen Ausbildungszentrums.[3]

Der am Wasser liegende Bootsschuppen I wurde in den 1930er Jahren erweitert. Ungefähr 1937 wurde ein weiteres Gebäude, das Motorenwerk am Bootshafen errichtet.[4] Am 28. Mai 1936 besuchte Adolf Hitler mit der Aviso Grille den Hafen vor der Marineschule Mürwik. Der streng geheime und somit nicht öffentliche Besuch begann mit einer Besichtigung der Marineschule. Am Abend nahm Hitler am Nachttorpedoschießen des zeitgleich eingetroffenen Panzerschiffes Admiral Graf Spee teil.[5][6][7] Vier Jahre zuvor war Hitler schon einmal in Flensburg gewesen (Vgl. Wahlkampfauftritt von Adolf Hitler im Flensburger Stadion 1932). Nachdem am 23. Mai 1945 der Sonderbereich Mürwik vollständig besetzt worden war, wurden die Segelyachten der Marineschule Mürwik konfisziert und abtransportiert. Von diesen Schiffen kamen einige nach Kiel, wo sie anschließend unter dem Stander des British Kiel Yachtclub (vgl. Kieler Yacht-Club) segelten.[8] Das in Flensburg irgendwo ebenfalls liegende Segelschulschiff Albert Leo Schlageter (heute Sagres) wurde 1945 ebenso beschlagnahmt.[9]

Nach der Gründung der Bundeswehr 1955 begann im Jahr darauf wieder die Ausbildung von Marineoffizieren an der Marineschule.[10] 1958 und 1959 kaufte die Marine für die Schule zwei Zwölf-Meter-Rennyachten aus den 1930er Jahren, die die Namen Ostwind und Westwind erhielten und seitdem als Ausbildungs-Segelyachten dienten.[11][12][13] 1959 wurde zudem die Gorch Fock für die seemännische Grundausbildung der Schule in Dienst gestellt. Das Schiff der Schule erhielt seinen Heimathafen in Kiel. Die Gorch Fock vollzog ihren ersten Antrittsbesuch in Mürwik aber offenbar noch im Jahr ihrer Indienststellung.[14] Die Gorch Fock besuchte Flensburg des Weiteren 1961, 1962, 1971, 1974, 1984 (zur 700-Jahr-Feier der Stadt im Flensburger Hafen) sowie 1994.[15][16]

Ende September 2005 verkaufte die Marineschule die zwei Ausbildungs-Segelyachten Westwind und Ostwind auf Grund der Kosten für ihre Unterhaltung.[17] Heutzutage beherbergt der Bootshafen 27 Segelboote, neun Motorboote, Ruder- und Segelkutter, Zweimannsjollen vom Typ „Pirat“, Acht-Meter-Segelyachten vom Typ „Nadine 24“, Zehn-Meter-Segelyachten vom Typ „Hanseat 70B“ und drei über fünfzehn Meter große Yachten für die Ausbildung der Schule.[18]

Seit den 2000er Jahren lag die Gorch Fock mehrfach im Bootshafen, der sozusagen ihren „Kommandohafen“ darstellt. Zu Vereidigung der Marineoffizieranwärter, die alljährlich um den 20. Juli, dem Tag des Widerstandes gegen Hitler,[19][20] auf der Admiralswiese oberhalb des Bootshafens stattfindet, ist es heute Tradition, dass die Gorch Fock anwesend ist.[21] An Besuchertagen, beispielsweise dem Tag des offenen Denkmals oder dem Tag der offenen Tür, der mehrmals im Jahr ausgerichtet wird, werden beim Bootshafen zumeist kurze Pinassen-Rundfahrten angeboten.[22]

Anlagen des Bootshafens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Kulturdenkmale Mürwiks wurden der im Norden liegende Bootsschuppen I und das im Süden liegende Bootshaus, auch Bootsschuppen II genannt, eingetragen. Das zwischen den beiden Bootshallen liegende Motorenwerk wurde ebenfalls eingetragen. Außerdem wurde die Bootstreppe mit den Torbauten eingetragen. Die lange Freitreppe führt vom Bootshafen ostwärts zum 20 Meter höher gelegenen Plateau auf dem das Hauptgebäude der Schule steht.[23] Im Eingang des Wassertores steht des Weiteren die hölzerne Statue des Prinzen Adalbert von Preußen, nach dessen Gründungsplänen 1848 die Reichsflotte entstand, die erste gesamtdeutsche Marine der deutschen Marinegeschichte, welche bis 1853 existierte.[24] Seit dem Jahr 1853 war er Oberbefehlshaber der preußischen Marine.[25] Auch seine Statue wurde als Kulturdenkmal eingetragen.[26]

Unterhalb des Nordflügels der Schule liegt im nördlichen Bereich des Bootshafens die Nordmole mit dem Nordhafen. Direkt daneben unterhalb des Südflügels der Schule liegt die Südmole, auch Hansabrücke genannt, mit dem Südhafen. Mit der Schließung des benachbarten Marinehafens (vgl. Sonwik) wurde die dortige Alte Blücherbrücke aufgegeben. Die Blücherbrücke wurde in Folge vor die Marineschule südlich der Südmole verlegt (Neue Blücherbrücke).[27][28]

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beim Bootshafen fließt die Osbek in die Förde.
  • Beim Bootshafen befand sich Anfang der 1950er Jahre ein Ruderbootverleih. Nördlich vom Bootshafen lag damals das Mürwiker Freibad.
  • Die Offiziersanwärter der Marineschule Mürwik, die früher einmal im Jahr mit ihren Segelbooten ein „Hot-Dog-Race“ zu Annies Kiosk veranstalteten, gaben ihrem Segelziel auf der anderen Fördeseite den Spitznamen Hotdoghavn (deutsch: Hotdoghafen).[29]
  • Der 2012 errichtete Gorch-Fock-Übungsmast steht nicht im Bootshafen, sondern oberhalb nahe dem Trampedachlager, sodass er über die Bootstreppe erreichbar ist.[30]
  • Hin und wieder wird die Einrichtung eines Wanderweges entlang des Bootshafens gefordert. Die Marine lehnt dies ab. Sie richtete als Alternative einen Wanderweg von Sonwik hoch zur Fördestraße ein.[31]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 536.
  2. Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2: Flensburg. Seite 532.
  3. Jörg Hillmann, Reinhard Scheiblich: Das rote Schloß am Meer. Die Marineschule Mürwik seit ihrer Gründung. Hamburg 2002, S. 130.
  4. Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 536.
  5. Flensburg Journal: Als Adelsby noch ein Dorf war, vom: 23. Februar 2018; abgerufen am: 23. Februar 2018
  6. Harald Sandner: Hitler – Das Itinerar (Band III): Aufenthaltsorte und Reisen von 1889 bis 1945 – Band III: 1934–1939. Berlin Story Verlag, 2017,
  7. Hitler bei der Marineschule Mürwik 1936 sowie Hitler bei der König Wilhelmbrücke 1936, jeweils abgerufen am: 28. Februar 2018
  8. Die letzten Tage der Dönitz-Regierung in Mürwik. Bei: GeZeiten.shz.de. 21. Dezember 2009, abgerufen am 6. Dezember 2015.
  9. Marine. Sagres. Abgerufen am 10. Dezember 2015.
  10. Brigitte Cleve: Aufgewachsen in Flensburg in den 40er und 50er Jahren. Gudensberg-Gleichen 2011, Seite 59.
  11. Yachtsportarchiv: „Westwind / Ostwind“ – 12 mR. Abgerufen am 6. Dezember 2015.
  12. Yachtarchiv 1940–1958, die deutschen Zwölfer. Abgerufen am 6. Dezember 2015.
  13. Die Welt: Die „Sphinx“ ist wieder auferstanden. (Memento des Originals vom 20. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fsc.de 8. Juni 2008, abgerufen am 6. Dezember 2015.
  14. Brigitte Cleve: Aufgewachsen in Flensburg in den 40er und 50er Jahren. Gudensberg-Gleichen 2011, Seite 60 f.
  15. Marine. Die Fahrten. Abgerufen am 10. Dezember 2015.
  16. Flensburg-Online: Gorch Fock. Abgerufen am 10. Dezember 2015.
  17. 2005: Marineschule Mürwik versteigert „Westwind“ und „Ostwind“. Abgerufen am 6. Dezember 2015.
  18. Marine. Bootshafen und Marine. Teamwork unter Segeln. 30. Mai 2011, jeweils abgerufen am 10. Dezember 2015.
  19. Deutsche Marine – Pressemeldung/Pressetermin: Vereidigung an der Marineschule Mürwik – Offizieranwärter aus ganz Deutschland im Blickpunkt der Öffentlichkeit. 3. August 2009, abgerufen am 6. Dezember 2015.
  20. Vereidigung an der Marineschule Mürwik. 29. Juli 2013, abgerufen am 6. Dezember 2015.
  21. Vereidigung der Offizieranwärter am „Roten Schloss am Meer“. 31. Juli 2015, abgerufen am 6. Dezember 2015.
  22. Marineschule Mürwik: Pinassen-Rundfahrt statt Gorch Fock. Abgerufen am 29. Juli 2015, abgerufen am 10. Dezember 2015.
  23. Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2: Flensburg. Seite 536 sowie: Liste der Kulturdenkmale in Flensburg-Mürwik.
  24. Jörg Hillmann, Reinhard Scheiblich: Das rote Schloß am Meer. Die Marineschule Mürwik seit ihrer Gründung. Hamburg 2002, Seite 15 f.
  25. Herman Granier: Adalbert (Heinrich Wilhelm A.). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 779–788.
  26. Vgl. Liste der Kulturdenkmale in Flensburg-Mürwik
  27. Jörg Hillmann, Reinhard Scheiblich: Das rote Schloß am Meer. Die Marineschule Mürwik seit ihrer Gründung. Hamburg 2002, Seite 19.
  28. Satzung der Stadt Flensburg über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Sonwik – Alter Marinestützpunkt Mürwik“ (VEP Nr. 12). 14. Juni 2002, abgerufen am 5. Dezember 2015.
  29. Flensburg Journal: Die Geschichte eines Kult-Kiosks. 31. Juli 2013, abgerufen am 11. Dezember 2015.
  30. Flensburger Tageblatt: Nur das Schaukeln fehlt. 25. April 2012, abgerufen am 12. Dezember 2015.
  31. Flensburger Tageblatt: Passage am Wasser: Kein Wanderweg an der Marineschule, vom: 23. Juni 2010; abgerufen am: 24. August 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bootshafen der Marineschule Mürwik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 48′ 52,3″ N, 9° 27′ 25,7″ O