Bootsunglück vor Lampedusa 2013

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Lampedusa

Am 3. Oktober 2013 ereignete sich ein großes Bootsunglück vor Lampedusa. Vor der Küste der Insel Lampedusa sank ein mit etwa 545 Flüchtlingen aus Somalia und Eritrea beladener 20 Meter langer Kutter, der aus der libyschen Hafenstadt Misrata kam. Die italienische Küstenwache und einheimische Fischer retteten 155 Überlebende.[1] Ca. 390 Menschen ertranken.[2] Das Unglück löste in der Europäischen Union eine heftige Diskussion über die Flüchtlingspolitik aus und führte zur Einrichtung der Operation Mare Nostrum.

Strafrechtliche Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die italienische Staatsanwaltschaft leitete gegen die Überlebenden ein Ermittlungsverfahren wegen illegaler Einwanderung ein.[3] Der tunesische Kapitän wurde wegen mehrfachen vorsätzlichen Totschlags und Havarie festgenommen.[4] Die Ermittlungen begannen kurze Zeit nach der Bootsunglück. Namentlich soll der Äthiopier Ermias Ghermay die überfüllten Boote über das Mittelmeer los geschickt haben.[5] Seine „Kunden“ waren hauptsächlich Flüchtlinge aus Nordafrika und Somalia. Von italienischen Behörden abgehörte Telefonate belegen, dass er bis zum Zeitpunkt der Aufdeckung mindestens 8000 Asylsuchende auf Booten nach Italien geschickt hatte. Dafür soll er Wachleute und Gefängnisbeamte in Libyen bestochen haben. Bis zur Abfahrt mit organisierten Booten wurden die Flüchtlinge in Lagern zusammengepfercht. Bewaffnete Milizen bewachten die Menschen. Die Schleuser griffen die Flüchtlinge teilweise schon in der libyschen Wüste auf und locken die verzweifelten Menschen mit großen Versprechungen. Immer wieder kam es zum Raub an Wertsachen der Flüchtlinge durch die Schleuser.

Ghermay gilt als mächtigster Menschenhändler Nordafrikas und wird von Europol gesucht. Durch seine Aktivitäten verdiente er rund 70 Millionen Schweizer Franken, schrieb die katholische Zeitung «Avvenire». Bis Ende 2014 hatte Ghermay seinen Bruder Asghedom Ghermay auf Sizilien stationiert. Dieser wurde verhaftet, doch kamen schnell Schlepper Kollegen nach, die seine Position ausfüllten.[6]

Stimmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erzbischof Reinhard Marx sagte: „Auch wenn Europa nicht jeden aufnehmen kann, dürfen wir niemanden an den Grenzen zu Tode kommen lassen.“[2]

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf: Die Internationale Gemeinschaft müsse derartige Ereignisse verhindern. Es gelte die Menschenrechte der Flüchtlinge zu schützen.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schreie vor Lampedusa wurden „immer schwächer“. welt.de, 4. Oktober 2013, abgerufen am 6. Oktober 2013.
  2. a b Das Mittelmeer wird zum Friedhof, die tageszeitung, 12. Oktober 2013. Abgerufen am 13. Oktober 2013.
  3. Tilmann Kleinjung, BR: Straftatbestand: Illegale Einwanderung. tagesschau.de, 7. Oktober 2013, archiviert vom Original am 1. September 2014, abgerufen am 4. Mai 2015.
  4. Jan-Christoph Kitzler, BR: Mehr als 270 Leichen geborgen. tagesschau.de, 8. Oktober 2013, archiviert vom Original am 8. Januar 2014, abgerufen am 4. Mai 2015.
  5. http://www.dailymail.co.uk/news/article-3050212/The-millionaire-people-smugglers-laughed-heard-hundreds-died.html
  6. http://www.blick.ch/news/ausland/ermias-ghermay-verdiente-schon-70-millionen-am-elend-der-mittelmeer-fluechtlinge-jagd-auf-den-chef-schlepper-id4075793.html
  7. Ban: Internationale Gemeinschaft muss Flüchtlingstragödien wie bei Lampedusa verhindern, Deutschlandradio, 13. Oktober 2013.