Bootsunglück vor Lampedusa 2013

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Disk angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Lampedusa

Unglück vom 3. Oktober[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. Oktober 2013 ereignete sich ein großes Bootsunglück vor Lampedusa. Vor der Küste der Insel Lampedusa sank ein mit etwa 545 Flüchtlingen aus Somalia und Eritrea beladener 20 Meter langer Kutter, der aus der libyschen Hafenstadt Misrata kam. Die italienische Küstenwache und einheimische Fischer retteten 155 Überlebende.[1] 366 Menschen kamen nachweislich ums Leben.[2]

Strafrechtliche Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die italienische Staatsanwaltschaft leitete gegen die Überlebenden ein Ermittlungsverfahren wegen illegaler Einwanderung ein.[3] Der tunesische Kapitän wurde wegen mehrfachen vorsätzlichen Totschlags und Havarie festgenommen.[4] Die Ermittlungen begannen kurze Zeit nach der Bootsunglück. Namentlich soll der Äthiopier Ermias Ghermay die überfüllten Boote über das Mittelmeer los geschickt haben.[5] Seine „Kunden“ waren hauptsächlich Flüchtlinge aus Nordafrika und Somalia. Von italienischen Behörden abgehörte Telefonate belegen, dass er bis zum Zeitpunkt der Aufdeckung mindestens 8000 Asylsuchende auf Booten nach Italien geschickt hatte. Dafür soll er Wachleute und Gefängnisbeamte in Libyen bestochen haben. Bis zur Abfahrt mit organisierten Booten wurden die Flüchtlinge in Lagern zusammengepfercht. Bewaffnete Milizen bewachten die Menschen. Die Schleuser griffen die Flüchtlinge teilweise schon in der libyschen Wüste auf und locken die verzweifelten Menschen mit großen Versprechungen. Immer wieder kam es zum Raub an Wertsachen der Flüchtlinge durch die Schleuser.

Ghermay gilt als mächtigster Menschenhändler Nordafrikas und wird von Europol gesucht. Durch seine Aktivitäten verdiente er rund 70 Millionen Schweizer Franken, schrieb die katholische Zeitung «Avvenire». Bis Ende 2014 hatte Ghermay seinen Bruder Asghedom Ghermay auf Sizilien stationiert. Dieser wurde verhaftet, doch kamen schnell Schlepper Kollegen nach, die seine Position ausfüllten.[6]

Im Juli 2015 wurde der Bootsführer von einem Gericht in Agrigent wegen Menschenhandels und der Verursachung eines Seeunglücks zu 18 Jahren Haft verurteilt.[2]

Unglück vom 11. Oktober[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. Oktober 2013 ereignete sich erneut ein Großunglück vor Lampedusa. In der maltesischen Seenotrettungszone geriet ein Flüchtlingsschiff auf dem Weg vom libyschen Küstenort Zuwara nach Lampedusa in Seenot und 268 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, ertrinken. 212 Menschen wurden von der italienische und maltesischen Marine gerettet. Hilferufe der Flüchtlinge waren zuvor vom italienischen und maltesischen Maritime Rescue Coordination Centre unsachgemäß behandelt worden, so dass Rettungskräfte u. a. die nur 50 km entfernte italienische ITS Libra erst nach dem Kentern eintrafen. Italienische Staatsanwälte erhoben den Vorwurf der fahrlässigen Tötung gegen zwei italienische Offiziere.[7]

Stimmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erzbischof Reinhard Marx sagte: „Auch wenn Europa nicht jeden aufnehmen kann, dürfen wir niemanden an den Grenzen zu Tode kommen lassen.“[8]

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf: Die Internationale Gemeinschaft müsse derartige Ereignisse verhindern. Es gelte die Menschenrechte der Flüchtlinge zu schützen.[9]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Europäischen Union begann eine heftige Diskussion über die Flüchtlingspolitik und Italien startete am 18. Oktober 2013 die Überwachungsoperation Mare Nostrum, die fünfmal größer als die Vorgängeroperation Constant Vigilance als humanitäre Operation zur Seenotrettung präsentiert wurde.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schreie vor Lampedusa wurden „immer schwächer“. welt.de, 4. Oktober 2013, abgerufen am 6. Oktober 2013.
  2. a b Trafficker gets 18 years in jail over Italian shipwreck that killed 366 migrants. Guardian, 2. Juli 2015, abgerufen 25. Juli 2018
  3. Tilmann Kleinjung, BR: Straftatbestand: Illegale Einwanderung. tagesschau.de, 7. Oktober 2013, archiviert vom Original am 1. September 2014; abgerufen am 4. Mai 2015.
  4. Jan-Christoph Kitzler, BR: Mehr als 270 Leichen geborgen. tagesschau.de, 8. Oktober 2013, archiviert vom Original am 8. Januar 2014; abgerufen am 4. Mai 2015.
  5. http://www.dailymail.co.uk/news/article-3050212/The-millionaire-people-smugglers-laughed-heard-hundreds-died.html
  6. http://www.blick.ch/news/ausland/ermias-ghermay-verdiente-schon-70-millionen-am-elend-der-mittelmeer-fluechtlinge-jagd-auf-den-chef-schlepper-id4075793.html
  7. Neil Camilleri: 11 October 2013 tragedy: Italian prosecutors seek manslaughter charges for two Italian officers. Independent, 18. Dezember 2017, abgerufen 24. Juli 2018.
  8. Das Mittelmeer wird zum Friedhof, die tageszeitung, 12. Oktober 2013. Abgerufen am 13. Oktober 2013.
  9. Ban: Internationale Gemeinschaft muss Flüchtlingstragödien wie bei Lampedusa verhindern, Deutschlandradio, 13. Oktober 2013.
  10. Paolo Cuttita: Humanitarism and Migration in the Mediterrenean Borderscape: The Italian-North African Border between Sea Patrols and Integration Measures. In Borderscaping: Imaginations and Practices of Border Making. Hrsg.: Brambilla, Laine und Bocchi, Rootledge 2016, ISBN 978-1-4724-5146-0, S. 161