Bor u Tachova

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Bor
Wappen von Bor u Tachova
Bor u Tachova (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Plzeňský kraj
Bezirk: Tachov
Fläche: 11652,6187[1] ha
Geographische Lage: 49° 43′ N, 12° 47′ O49.71166666666712.776388888889472Koordinaten: 49° 42′ 42″ N, 12° 46′ 35″ O
Höhe: 472 m n.m.
Einwohner: 4.153 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 348 02
Kfz-Kennzeichen: P
Verkehr
Bahnanschluss: Domažlice–Tachov
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 22
Verwaltung
Bürgermeister: Petr Myslivec (Stand: 2010)
Adresse: Náměstí Republiky 1
348 02 Bor
Gemeindenummer: 560758
Website: www.mubor.cz

Bor (deutsch Haid) ist eine Stadt im Okres Tachov in Tschechien. Sie liegt 14 Kilometer südöstlich von Tachov.

Geschichte[Bearbeiten]

Ratmír von Speierling (Ratmír ze Skviřína), Ahnherr der späteren Herren von Schwanberg und Kämmerer des Pilsner Kreises, gründete vor 1250 eine Siedlung an einem Weg, der von Mies zur Grenzfestung Pfraumberg führte. Ratmírs gleichnamiger Sohn und dessen Bruder Bohuslaus errichteten ein Kastell, das erstmals 1263 urkundlich als Haid bzw. tschechisch als Bor erwähnt und später zu einer Wasserburg erweitert wurde. Die tschechische Namensform Bor wurde vermutlich wegen der umliegenden Kiefernwälder gewählt. Das Kastell bildete zusammen mit den Burgen Taus, Pfraumberg und Tachau einen Befestigungsgürtel entlang der Grenze zur Oberpfalz.[3] Für die Jahre 1285 bis 1291 ist Bohuslaus von Speierling mit dem Namenszusatz von Haid belegt. Das um die Wasserburg entstandene Dorf stieg vor 1369 zu einem Untertanenstädtchen auf, in dem 1391 nach dem Vorbild der Prager Altstadt Recht gesprochen wurde. Nachdem die Schwanberger ab der Mitte des 14. Jahrhunderts auf der Burg Schwanberg bei Krasíkov[4] residierten, verfiel das Kastell. 1430 wurde es erfolglos von den Hussiten belagert und 1454 als verlassen bezeichnet. Nachdem 1505 Johann von Schwanberg die Burg erneuern ließ, wurde sie zur Residenz einer Nebenlinie, deren Angehörige dem Städtchen mehrere Privilegien erteilten. Um 1600 ließen sie die Burg zu einem Renaissanceschloss umbauen, und 1602 erteilten sie dem Städtchen ein Wappen. Johann Wilhelm von Schwanberg, der letzte seines Geschlechts aus der Haider Linie, verkaufte Haid 1650 an den Generalmajor Sigismund Friedrich von Götzen (1622–1661)[5][6]. Als kaiserlich-königlicher Kammerherr und Landratsbeisitzer im Königreich Böhmen begründete er die katholische böhmische Linie der Reichsgrafen von Götzen. Während seiner Herrschaft erfolgte eine schrittweise Eindeutschung von Haid und Umgebung; 1654 wurde Haid zur Stadt erhoben.

1720 gelangte Haid an die aus Süddeutschland stammenden Fürsten von Löwenstein. 1726 verursachte ein Feuer große Schäden, dem auch das Rathaus und das Stadtarchiv zum Opfer fielen. Im 18. Jahrhundert bauten die Fürsten von Löwenstein das Renaissance-Schloss barock um. Ein weiterer Umbau erfolgte im 19. Jahrhundert im Stil der Neugotik. 1843 bestand Haid aus 243 Häusern und mehr als 1600 vorwiegend deutschen Einwohnern, deren wirtschaftliche Basis die Land- und Forstwirtschaft, die Fischzucht sowie die Töpferei waren. Zur Herrschaft Haid gehörten neben Haid und Neustadtl 30 Dörfer. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt schwer beschädigt. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben und die Fürsten von Löwenstein enteignet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

St.-Nikolaus-Kirche
Zamek Bor (Schloss Haid)
  • Schloss Haid (Zámek Bor u Tachova) mit Aussichtsturm
  • Die St.-Nikolaus-Kirche (Kostel sv. Mikuláše) wurde erstmals 1282 urkundlich erwähnt. 1739–1750 wurde sie neu errichtet. Den Hauptaltar schuf der Bildhauer Johann Christoph Artschlag aus Neustadtl[7]
  • Die dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Kapelle entstand vor 1515. Sie beherbergt u. a. die Gruft der Fürsten von Löwenstein
  • Die im 18. Jahrhundert errichtete St.-Wolfgang-Kirche wurde im Rahmen der Josephinischen Reformen säkularisiert. Danach diente sie als Kornspeicher, der in den 1960er Jahren devastiert wurde.
  • Die Wallfahrtskirche Maria Loretto in der Nähe des Schlosses wurde 1668 von Isabella, der Witwe des Siegmund Friedrich von Götzen (Tochter des Adam Erdmann Trčka von Lípa) errichtet.
  • Rathaus mit dem Stadtwappen und einer Statue der Jungfrau Maria.
  • Mehrere barocke Bildstöcke

Ortsteile[Bearbeiten]

Die Stadt gliedert sich in 22 Ortsteile[8]:

  • Bezděkov (Wesigau)
  • Boječnice (Woschnitz)
  • Bor (Haid)
  • Borovany (Turban)
  • Čečkovice (Eschowitz)
  • Damnov (Damnau)
  • Doly (Tholl) mit Lukavice (Lukawetz)
  • Hlupenov (Neuhäusl)
  • Holostřevy (Hollezrieb)
  • Kosov (Gossau)
  • Kurojedy (Juratin)
  • Lhota (Elhotten)
  • Lužná
  • Málkovice (Malkowitz)
  • Malovice (Mallowitz)
  • Muckov (Mutzken)
  • Nová Hospoda (Neuwirtshaus I)
  • Nový Dvůr (Neuhof)
  • Ostrov (Ostrau)
  • Skviřín (Speierling)
  • Velká Ves (Sinzendorf)
  • Vysočany (Weschekun)

Grundsiedlungseinheiten sind Bezděkov, Boječnice, Bor, Borovany, Čečkovice, Damnov, Doly, Holostřevy, Kosov, Kurojedy, Lhota, Lužná, Málkovice, Malovice, Muckov, Nová Hospoda, Nový Dvůr, Ostrov, Skviřín, Velká Ves, Vysočany I und Vysočany II[9].

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Bezděkov u Damnova, Boječnice, Bor u Tachova, Borovany u Boru, Čečkovice, Damnov, Doly u Boru, Holostřevy, Kosov u Boru, Kurojedy, Lhota u Tachova, Lužná u Boru, Málkovice, Ostrov u Tachova, Skviřín, Velká Ves u Damnova und Vysočany u Boru[10].

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bor u Tachova – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/560758/Bor
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  3. Lillian Schacherl: Böhmen. Kulturbild einer Landschaft. Prestel Verlag München 1966, S. 108f.
  4. Burg Švamberk bzw. Krasíkov auf hrady.cs
  5. Der böhmische Adel, S. 124, Digitalisat (PDF; 1,6 MB)
  6. Wird im Handb. hist. Stätten vermutlich irrtümlich als Johann Sigismund von Götzen bezeichnet.
  7. Johann Christoph Artschlag
  8. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/560758/Obec-Bor
  9. http://www.uir.cz/zsj-obec/560758/Obec-Bor
  10. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/560758/Obec-Bor