Bordesholm

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bordesholm
Bordesholm
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bordesholm hervorgehoben
Koordinaten: 54° 11′ N, 10° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Rendsburg-Eckernförde
Amt: Bordesholm
Höhe: 31 m ü. NHN
Fläche: 10,16 km²
Einwohner: 7489 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 737 Einwohner je km²
Postleitzahl: 24582
Vorwahl: 04322
Kfz-Kennzeichen: RD, ECK
Gemeindeschlüssel: 01 0 58 022
Adresse der Amtsverwaltung: Mühlenstraße 7
24582 Bordesholm
Webpräsenz: www.bordesholm.de
Bürgermeister: Helmut Tiede (CDU)
Lage der Gemeinde Bordesholm im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Karte

Bordesholm ist eine Gemeinde und ein Amt im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bordesholm liegt zwischen Kiel und Neumünster. Der Name bedeutet „am Ufer der Insel“. In nord-südlicher Richtung führt die L 318 durch den Ort. Im Norden führt die L 49 (in ost-westlicher Richtung) an Bordesholm entlang. Im Südwesten von Bordesholm befindet sich der ca. 70 ha große und bis zu 8 m tiefe Bordesholmer See.

Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Alt-Bordesholm um die Klosterkirche herum liegt auf einer ehemaligen Insel, der Klosterinsel. Umfangreiche Wasserstandssenkungen sowie bauliche Veränderungen (Parkplätze und Gebäude) haben dazu geführt, dass der Inselcharakter verloren ging und nur noch durch das die ehemalige Insel umgebende Feuchtgrünland angedeutet wird. Der Bordesholmer See (24 m ü. NN) prägt dennoch weiterhin den landschaftlichen Charakter des Ortes. Der Abfluss des Sees erfolgt über den Stintgraben und den Schmalsteder Mühlenteich in die Eider. Im Westen des Sees befindet sich ein rund 44,8 ha großer Laubmischwald (als „Wildhof“ bezeichnet) mit teils guten Beständen alter Eichen, die teilweise wegen Fledermausvorkommen unter besonderen Schutz gestellt wurden. In direkter Ufernähe befinden sich Feuchtwälder, geprägt durch Erlen, Eschen und Weiden. Am südlichen Ende des Sees befindet sich eine kaum einsehbare Bucht mit ausgedehnten Röhrichtbeständen und einem gut ausgeprägten Erlensumpf. Der abgeschiedenen Lage wegen wurde hier ein künstlicher Brutcontainer für den Eisvogel aufgestellt. Die Insel im Bordesholmer See dient Grau- und Kanadagänsen als Brutstätte.

Im Süden grenzt das Gemeindegebiet an das Dosenmoor, eines der besterhaltenen Hochmoore des Hügellandes. Umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen sollen den Zustand langfristig verbessern. Ansonsten ist das Gemeindegebiet durch Siedlungen und intensive Landwirtschaft geprägt.

Sein Wappen hat Bordesholm der um die 600 Jahre alten Bordesholmer Linde zu verdanken, die sich in der Nähe der Klosterkirche befindet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus der Gemeinde und des Amtes Bordesholm
Der Brautberg an der Landesstraße 49 (Ansicht von Osten)

Eine Besiedelung im Raum Bordesholm lässt sich schon für die Altsteinzeit (9000 v. Chr.) nachweisen. Ab etwa 5000 v. Chr. wurden einzelne Gruppen an den Rändern der Sümpfe und Seen sesshaft. Auf der „Tannenbergskoppel“, dem Ausläufer eines Endmoränenzuges, wurden die Reste von vier Megalithanlagen gefunden. Die Anhöhe ist Nord-Süd orientiert, 400 m lang und 200 m breit und wird auf drei Seiten von sumpfigen Niederungen gesäumt, die früher einmal offene Gewässer waren. Am Nordrand der Tannenbergskoppel wurde auch ein neolithisches Flachgräberfeld der Trichterbecherkultur untersucht. Zu dieser Zeit wurden im Gebiet Waldflächen gerodet, Haustiere gezüchtet und Getreide angebaut. In der Bronzezeit fanden Bestattungen in großen Grabhügeln, unter anderem in dem noch existierenden Brautberg (etwa 1600 v. Chr.) einen Kilometer nördlich von Bordesholm, statt. Die stark bewaldete und wasserreiche Region blieb jedoch noch lange dünn besiedelt.

Im Mittelalter um 850 kamen die hier ansässig gewordenen Holsten erstmals durch den Missionar Ansgar mit dem Christentum in Berührung. Eine systematische Verbreitung des christlichen Glaubens erfolgte die nächsten 300 Jahre nicht.

Der Ort entstand um 1330 durch den Umzug des 1127 von Bischof Vicelin († 1154) gegründeten Augustiner-Chorherrenstifts von Neumünster auf eine Insel im damaligen Eidersteder See und entwickelte sich am Rande dieser Insel. Der Bau der noch heute vom Kloster Bordesholm erhaltenen Klosterkirche wurde 1309 begonnen und enthält u. a. das Grabmal der Herzogin Anna von Brandenburg (1487–1514) neben ihrem in der Klosterschule von Bordesholm erzogenen Gatten Friedrich I. (1471–1533) und das Epitaph des Gelehrten Johann Daniel Major (1634–1693).[2]

Durch das Chorherrenstift wurde Bordesholm kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkt der Region zwischen Kiel und Neumünster. Im Zuge der Reformation wurde das Chorherrenstift im Jahr 1566 unter Herzog Hans dem Älteren geschlossen. Als auch die Lateinschule, die in den Räumen des Klosters untergebracht war, 1665 für die Gründung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel aufgegeben wurde, verfielen die Klostergebäude. Die Klosterbibliothek bildet bis heute den Grundstock der Universitätsbibliothek Kiel. Der Bordesholmer Altar von Hans Brüggemann wurde in den Schleswiger Dom überführt.

Das Gebiet um Bordesholm gehörte von 1739 bis 1773 zum Großfürstlichen Anteil des Herzogtums Holstein und nach dem Vertrag von Zarskoje Selo bis 1864 zum dänischen Gesamtstaat. Durch den Ort führte die Altona-Kieler Chaussee. Diese ca. 94 km lange Landstraße wurde zwischen 1830 und 1832 vom damaligen Landesherrn, König Friedrich VI. von Dänemark, erbaut (Der Bordesholmer Abschnitt war später Teil der Reichsstraße 4, dann Bundesstraße 4, seit den 1990er Jahren Landesstraße 318). 1844 wurde ca. zwei Kilometer östlich vom damaligen Ortskern ein Bahnhof an der Strecke Hamburg-Altona–Kiel eröffnet. Der auf dem Eidersteder Gemeindegebiet befindliche Bahnhof hieß erst Bordesholm und wurde später in Bordesholm-Bahnhof umbenannt.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg gehörte Bordesholm zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein im Norddeutschen Bund. Später war es Teil des Kreises Kiel und 1883 bis 1932 Kreisstadt. Von 1867 bis 1975 war es Sitz eines Amtsgerichts.

1906 kam zur Gemeinde Bordesholm im Rahmen einer Vereinigung die Gemeinde Eiderstede hinzu. Eiderstede hatte damals 733 Einwohner und umfasste 544 Hektar Land, Bordesholm hatte 589 Einwohner und umfasste 279 Hektar Land.[3]

Von 1973 bis 2010 befand sich das gemeinsame Verwaltungsgebäude für das Amt Bordesholm – Land und die Gemeinde Bordesholm am Marktplatz.[4]:173

Am 1. Juli 2007 gab die Gemeinde ihre Amtsfreiheit auf und bildet seitdem mit den Gemeinden des bisherigen Amtes „Bordesholm-Land“ das Amt Bordesholm. Zu den amtsangehörigen Gemeinden zählen Bordesholm, Bissee, Brügge, Grevenkrug, Groß Buchwald, Hoffeld, Loop, Mühbrook, Negenharrie, Reesdorf, Sören, Schmalstede, Schönbek und Wattenbek.[4]:174

Das Rathaus am Marktplatz wurde im Laufe der Zeit zu klein. Anfang der 2000er Jahre begann mit der Neuschaffung des Ortszentrums „Mühlenhof“ die Entwicklung der Ortsmitte. Die Gemeinde Bordesholm kaufte im September 2006 das ehemalige „Wendeln Brot GmbH“-Gelände in der Nähe des Bahnhofs von der Firma Kamps. Die ehemalige Wendeln-Brotfabrik (Rix-Mühlenwerke) wurde abgerissen. An dieser Stelle entstand 2010 ein neues Rathaus an der Mühlenstraße.[4]:174

Im Dezember 2012 erfolgte die Anerkennung als „Erholungsort“.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 19 Sitzen in der Gemeindevertretung haben die SPD und die CDU seit der Kommunalwahl 2013 je sechs Sitze. Die FDP und die Grünen haben je drei Sitze. Die Unabhängige Wählergemeinschaft Bordesholm UWB erhielt einen Sitz.[6]

Seit 1991 gibt es einen Seniorenbeirat, der aus sieben Mitgliedern besteht und von den älteren Einwohnern in einer Seniorenversammlung gewählt wird.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Gold über blauem Wellenschildfuß, dieser belegt mit einer silbernen Lilie, eine wachsende grüne Linde.“[7]

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1993 besteht eine Gemeindepartnerschaft mit Ķekava in Lettland.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als zentraler Versorger des Umlandes bietet Bordesholm neben zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten auch einen Agrarhandel für Futtermittel und Getreide sowie eine tierärztliche Praxis für landwirtschaftliche Nutztiere.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich der Gemeinde liegt das Bordesholmer Dreieck, an dem die Bundesautobahn 215 nach Kiel von der Bundesautobahn 7 von Hamburg nach Flensburg abzweigt. Außerdem führt die L 318 durch Bordesholm. Bordesholm hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Hamburg–Kiel.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bordesholm befindet sich seit 1946 die Verwaltungsakademie Bordesholm.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Kulturdenkmale in Bordesholm stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit einem Bezug zu Bordesholm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Steffen: … meine Adresse ist Bordesholm, Paul Steffen KG, Bordesholm 1970.
  • Paul Steffen (Hrsg.): Amt und Kreis Bordesholm – 1566–1932, Paul Steffen KG, Bordesholm 1984.
  • Friedrich Nicolaus Schrader: Reise nach Bordesholm und Kiel im Sommer 1831, Paul Steffen KG, Bordesholm 1985.
  • Ulla Wiedling: Bordesholmer Impressionen, Bordesholm 1988.
  • Hartmut Hildebrand: Unser Amt Bordesholmer-Land, Bordesholm 2000.
  • Jahrbücher für das ehemalige Amt Bordesholm, Geschichtsverein für das ehemalige Amt Bordesholm e.V., Bordesholm 1999/2000.
  • 1327–1977, 650 Jahre Bordesholm, AG 650-Jahr-Feier Bordesholm, Bordesholm 1977.
  • Bordesholm – ein Rückblick auf 66 Jahre einer 666-jährigen Geschichte, AG Heimatsammlung, Bordesholm 1993.
  • Bordesholmer Erinnerungen und Zeitgeschehen, AG Heimatsammlung, Bordesholm 1994.
  • Henning Oldekop: Topographie des Herzogtums Holstein – Kreis Bordesholm, Geschichtsverein für das ehemalige Amt Bordesholm e.V., Bordesholm 1996.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2014 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Kunst-Topographie Schleswig-Holstein, 1969, S. 617–621.
  3. Eiderstede – Vom Bauerndorf zum Ortsteil. Bilder erzählen aus vergangenen Tagen. Geigerdruck GmbH. 1998.
  4. a b c Rolf Pohlmeyer: 13. Jahrbuch 2011. Ein neues Rathaus für Bordesholm. Geschichtsverein für das ehemalige Amt Bordesholm e. V., September 2011, abgerufen am 31. Januar 2016 (PDF; 1,9 MB).
  5. http://www.shz.de/nachrichten/lokales/holsteinischer-courier/artikeldetails/artikel/bordesholm-ist-jetzt-erholungsort.html. Holsteinischer Courier vom 24. November 2012: Bordesholm ist jetzt Erholungsort.
  6. Sitzverteilung nach Kommunalwahl 2013
  7. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bordesholm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien