Boris Michailowitsch Skossyrew

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Borís Skossyrew (1934)

Boris Michailowitsch Skossyrew (russisch Борис Михайлович Скосырев, auch bekannt unter der Schreibweise Boris Skossyreff; * 12. Januar 1900 in Vilnius, Russisches Reich, heute Litauen; † 27. Februar 1989 in Boppard, Deutschland) war ein russischer Adeliger, der in Andorra kurzfristig (Juli 1934) als König Boris I. auftrat.[1]

Herkunft und berufliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boris Skossyrew wurde in Vilnius, das damals zum Russischen Reich gehörte, in eine adelige russische Familie als Sohn von Michael Skossyrew und dessen Ehefrau Elisabeth Mawrusow geboren, die während der Russischen Revolution im Jahre 1917 nach England flüchtete. Er schlug beim britischen Außenministerium die Diplomatenlaufbahn ein, die ihn in geheimen Missionen nach Sibirien, Japan und in die Vereinigten Staaten führte.

1925 ließ er sich in den Niederlanden nieder, stellte sich in den Dienst des Königlichen Hofes und erhielt von Königin Wilhelmina alsbald den Titel „Graf von Oranje“ verliehen.

Am 21. März 1931 heiratete er die Französin Maria Louise Parat de Gassier aus dem südfranzösischen Landadel und deutlich älter als er (geboren 1886). Er ließ sich zwei Jahre später wieder scheiden. In der Heiratsurkunde wurde die Schreibweise „Skosyrew“ seines Nachnamens amtlich festgelegt, obwohl er in vielen Quellen auch unter „Skossyreff“ erscheint.

Erster Aufenthalt in Andorra und Exil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Scheidung übersiedelte er in den Pyrenäenstaat Andorra und lebte in einem Haus in Santa Coloma bei Sant Julià de Lòria, das heute noch „Haus der Russen“ heißt. In Kontakt mit der andorranischen Wirklichkeit begann er, seinen Plan auszuhecken, die Macht in diesem Land zu erlangen und das Land zu reformieren.

Andorra war zu dieser Zeit ein recht armes Land, in dem das Überleben schwierig und kompliziert war. Man lebte von der Landwirtschaft, der Tierhaltung und dem Schmuggel. Seit 1278 wurde das Land von zwei Co-Fürsten regiert: dem Bischof von Urgell und dem Grafen von Foix, dessen Anrecht später auf den französischen König bzw. Kaiser und zuletzt auf den Präsidenten der Französischen Republik überging. Viermal im Jahr versammelten sich seit jeher die Vertreter der Täler im Casa de les Valls, um die Probleme der Bevölkerung zu besprechen und ihre Anliegen an die beiden Co-Fürsten zu richten. Ein Versuch, ein Casino nach dem Vorbild von Monaco zu errichten, führte zu dem einzigen Bürgerkrieg des Landes, ausgetragen zwischen konservativen und progressiven Tälern. Der Plan scheiterte, da ihn insbesondere der Bischof von Urgell vehement ablehnte (er nannte das Casino-Vorhaben „Vorzimmer zur Hölle“).

Im Jahre 1934 waren die Versuche einiger progressiver Gruppierungen, die Autorität des Bischofs zu untergraben, wieder großteils verebbt, und auch die Beziehungen zum spanischen Präsidenten Niceto Alcalá Zamora waren sehr gut. Es war kein besonders guter Zeitpunkt, als Boris am 17. Mai 1934 sein Vorhaben den andorranischen Räten unterbreitete. Die Antwort war seine sofortige Ausweisung, unterzeichnet vom französischen Präfekten (als Vertreter des Staatspräsidenten) und dem Bischof. Boris siedelte sich nun in La Seu d’Urgell an, nicht weit von der andorranischen Grenze, lebte dort im Hotel Mundial und begann von dort seine Kampagne. Er gab ausländischen Medien zahlreiche Interviews, in denen er sein Vorhaben begründete, und knüpfte Kontakt zu Jean von Orléans, dem Herzog von Guise, Anwärter auf den französischen Thron und aus Sicht der Monarchisten der rechtmäßige Erbe der Grafen von Foix (nicht der französische Staatspräsident). Boris nannte sich von nun an „Stellvertreter des Königs von Frankreich“.

Boris unterbreitete dem Volksvertreter der Täler Andorras seinen Vorschlag, die wirtschaftlichen Strukturen Andorras zu ändern, indem er es in ein Steuerparadies nach dem Vorbild von Monaco oder Liechtenstein verwandeln und es zu einem wichtigen Wirtschaftszentrum machen werde, in dem sich Banken und ausländische Firmen ansiedeln würden, um Steuervorteile zu nutzen.

König Boris I.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Juli 1934 wurde der Vorschlag für eine Monarchie unter Boris Skossyrew als König dem Generalrat unterbreitet. Boris erhielt 23 Stimmen von 24, nur ein Repräsentant, Cinto aus der Ortschaft Encamp, war vehement dagegen. Damit war die Monarchie gegründet. Begleitet von einigen Getreuen, der amerikanischen Millionärin Florence Mazmon und seiner Geliebten, richtete sich Boris im Gasthaus Calons in Sant Julià de Lòria ein und bereitete sich auf den Thron vor.

Boris ließ 10.000 Exemplare seiner Verfassung drucken, verschickte sie an spanische und französische Persönlichkeiten und spielte bereits die Rolle eines perfekten Monarchen: Er schrieb offizielle Bulletins der neuen Monarchie, empfing wichtige Gäste und organisierte offizielle Empfänge und unzählige Festakte.

Frankreich intervenierte nicht, da es sich für andorranische Angelegenheiten nicht allzu sehr interessierte, überließ die Sache dem Generalrat und erachtete die Monarchie als gültig. Auch der Ministerrat Spaniens hatte die Angelegenheit bereits debattiert und sah keinen Handlungsbedarf. Eine neuerliche Abstimmung in Andorra am 9. Juli führte zu demselben Ergebnis: 23:1 Stimmen für die neue Monarchie.

Erneutes Exil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doch ein Repräsentant kippte das Vorhaben: Cinto fuhr nach La Seu d’Urgell und informierte Bischof Justí Guitart i Vilardebò. Dieser ließ verlautbaren, dass er und der französische Präsident rechtmäßige Co-Fürsten seien, nicht ein Exil-Russe. Zwei Wochen nach der Ausrufung der Monarchie, am 21. Juli 1934, schickte der Bischof vier spanische Polizisten nach Andorra, und Boris wurde verhaftet, seine Untertanen schritten nicht ein. Er wurde zuerst nach Barcelona gebracht, dann in das Modelo-Gefängnis nach Madrid. Nach seiner Freilassung wurde er nach Portugal ausgeliefert und verbrachte die Folgejahre in Lissabon, Tanger und Gibraltar und benahm sich wie ein Exil-Monarch. „Sein“ Land Andorra betrat er nie wieder.

1938 erlaubte ihm die französische Regierung, sich in Aix niederzulassen. 1939 befand er sich in einem französischen Internierungslager mit antifaschistischen Spaniern und Italienern. Warum er dort hinkam bzw. was gegen ihn vorgebracht wurde, ist bis heute nicht geklärt. Nach ungesicherten Angaben war er im Zweiten Weltkrieg als Spion für das Deutsche Reich tätig; unter anderem soll Skossyrew inkognito an der Konferenz von Jalta teilgenommen und deren Inhalt an Hitler weitergegeben haben.[2]

Nach der Kriegsgefangenschaft wohnte er ab 1956 in Boppard in Rheinland-Pfalz, wo er im Jahre 1989 verstarb.[3]

Biographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 28. Juli 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.olhao.web.pt
  2. Eberhard von Zwehl: Der Mann in Jalta. Hitlers geheimer Auftrag an Boris v. Skossyreff. Druffel Verlag. Leoni am Starnberger See 1982, ISBN 3806110166
  3. O Rei de Andorra (Memento des Originals vom 28. Juli 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.olhao.web.pt, Portugiesische Website über Skossyrews Leben

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]