Boris Preckwitz

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Boris Preckwitz (* 8. Dezember 1968[1] in Hannover) ist ein deutscher Schriftsteller und Politiker (AfD). Sein literarisches Werk umfasst Lyrik, Essay, Prosa und Drama.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boris Preckwitz studierte Germanistik, Philosophie, Iranistik und Politikwissenschaft in Göttingen und Hamburg, Komparatistik in London sowie Management in Berlin und Cambridge. Neben seiner Arbeit als Autor ist er im Marketing und in der Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Seit 2013 ist er Mitglied der Partei Alternative für Deutschland. Er war Beisitzer im Bezirksvorstand der AfD Berlin-Mitte.[2] und ist Koordinator des Landesfachausschusses Kunst und Kultur der AfD Berlin.[3]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1997 nahm Preckwitz als erster deutscher Dichter an einem National Poetry Slam in den USA teil.[4] Im folgenden Jahr gewann er den Literaturwettbewerb open mike der Literaturwerkstatt Berlin.[5] 2002 gründete er die internationale SLAM! Revue des internationalen literaturfestivals berlin.[6] In den folgenden Jahren betrachtete er die Entwicklung der deutschsprachigen Poetry-Slam-Szene, die er in ihrer Anfangszeit auch theoretisch begleitete,[7] zunehmend kritisch[8] und bezeichnete sie als „Kitsch in Performance“.[9]

Dichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über das poetologische Konzept seines ersten Gedichtbandes szene●leben urteilte die Berliner Morgenpost: „Populärkultur trifft auf klassischen Kanon und literarische Traditionen werden wie selbstverständlich nebeneinander gestellt.“[10] In seinem Gedichtzyklus wahnpalast reflektiert er Ursachen und Begleiterscheinungen der so genannten Eurokrise. Der Band Kampfansage umfasst neben weiteren Gedichten und zwei Essays über zeitgenössische Lyrik auch das titelgebende Langgedicht. Dieses – so die Eigenwerbung des Verlags – richte „über eine in Geistlosigkeit und Gutmeinungstum [sic] erstarrte Gesellschaft (...) über einen Staat, der die politische und wirtschaftliche Entmündigung seiner Bürger betreibt“[11], eine Tendenz, die der Rezensent Burkhard Müller als „simpelste[n] National-Egoismus“ interpretierte.[12] 2015 startete er sein Literatur-Blog Militanz der Mitte[13], das auch politische Lyrik mit konservativer Tendenz beinhaltete sowie islamophobe und ausländerfeindliche Texte verbreitet[13]. Im linken Spektrum der Slam-Szene wurde er daraufhin als „Barde des neuen Faschismus“[14] bezeichnet. Sein Konzept von politischer Lyrik steht in einem ideellen Bezug zur Dichtung von Solon, insbesondere dessen Eunomia-Elegie[15] und deren Gründung in Mythos und Thymos.

Schauspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Reformationsjubiläum 2017 entstand die Protestantische Passion, ein Libretto zu einem Oratorium über die Geisteswelt und Geschichte des Protestantismus. 2018 folgte nach mehrjähriger Arbeit das Drama Niobe. Raum im Ausnahmezustand, das als politisches Theaterstück „geopolitische Fragen und Mechanismen politischer Manipulation“ behandelt.[16] Darin versetzt Preckwitz den tragischen Mythos der thebanischen Königin Niobe in die Zeit der Perserkriege und projizierte beides auf heutige Migrationsbewegungen. „Ein städtisches Gemeinwesen in einer Krisensituation, zwischen zwei Kriegsparteien stehend […] – diese Strukturen hat man auch heute. Im Konflikt zwischen Europa und den Islamisten findet man dieselben Muster“,[17] zitierten die Dresdner Neueste Nachrichten den Autor, dessen Stück rechtspopulistische Positionen verarbeitet, um diese als Deutungsmuster für aktuelle soziopolitische Ereignisse anzubieten, insbesondere die Flüchtlingskrise in Europa ab 2015.[18] Das Drama bezeichnete er in seiner theaterästhetischen Programmatik als „agonistischen Realismus“, als Lehrstück über gesellschaftliche Kämpfe um Hegemonie in Zeiten politischer Krisen[19]. Dieses Konzept nimmt kunstästhetisch Bezug auf die Agonistik von Chantal Mouffe.

Essay und Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Anschluss an seine Magisterarbeit über Poetry Slam entstanden weitere Essays und Artikel zur Performance-Literatur. Entsprechend dem konkreten, gegenwartsbezogenen politischen Programm distanziert sich Preckwitz in seinem Essay verschrobenbooks von poetologischen Ansätzen hermetischer Lyrik.[20]

Als erste Übersetzung legte Preckwitz 2014 das bis dahin noch nicht ins Deutsche übertragene Langgedicht Der fliegende Proletarier des russischen Futuristen Wladimir Majakowski vor.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zeitgenössischen linke Diskurshegemonie bezeichnete er als „Linkskulturalismus“, eine „vom Geist der 68er ausgelöste Autoimmunkrankheit der deutschen Kulturnation gegen sich selbst“.[21]

Weil das offene und proaktive Bewerben homosexueller Eheschließungen dem Evangelium widersprechen würde, beantragte Preckwitz im Sommer 2017 ein Disziplinarverfahren gegen verantwortliche Superintendenten der Evangelische Landeskirche. Diese hatten einen CSD-Wagen bei der Berliner Parade organisiert[22]. Die „Vorlieben“ einzelner Amtsträger dürften nicht im Widerspruch zu den Sittlichkeitsmaßstäben der Gemeindegläubigen stehen. Von Ehesegnungen für LSBTTIQ-Orientierte sei weder im Pentateuch, noch in den Jesusworten der Evangelien, noch in den Apostelbriefen die Rede[13]. Das Kirchengericht der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz lehnte in einem Schriftwechsel mit dem Berliner Politiker diese Position ab[22]. 2018 trat Preckwitz aus politischen Gründen aus der Evangelischen Kirche aus, weil sich „die EKD in den letzten Jahren zu einer Art rot-grünem Ersatz-Sozialismus entwickelt“ habe.[23]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen und Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Blog Literaturport.de: Steckbrief Boris Preckwitz, Memento heruntergeladen am 17. Januar 2018
  2. Bezirksverband Berlin-Mitte der AfD. Abgerufen am 21. Juli 2017.
  3. AfD Berlin – Fachausschüsse. 9. November 2016, abgerufen am 21. Juli 2017.
  4. Rude Trip, Edition 406, Hamburg 2001, S. 122f.
  5. Preisträger seit 1993. Literaturwerkstatt Berlin, abgerufen am 14. März 2016.
  6. Programm des 2. internationalen literaturfestivals berlin. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 16. Oktober 2014; abgerufen am 14. März 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.literaturfestival.com
  7. Boris Preckwitz: Slam Poetry – Nachhut der Moderne. Books on Demand, Hamburg 2002; Spoken Word & Poetry Slam. Kleine Schriften zur Interaktionsästhetik. Passagen Verlag, Wien 2005.
  8. Boris Preckwitz: Poetry Slams: Mehr und mehr eine Farce. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 14. März 2016]).
  9. Boris Preckwitz: Kitsch in Performance, in: EXOT. Zeitschrift für komische Literatur #18, Satyr Verlag, Berlin 2014, S. 94ff.
  10. Maria Selchow: Die Freiheit der Lyrik, in: Berliner Morgenpost. 20. November 2009, S. 18.
  11. Website Allitera Verlag. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 14. März 2016; abgerufen am 14. März 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.buchmedia.de
  12. Burkhard Müller: Im Herzland, in: Süddeutsche Zeitung. 29. Januar 2014.
  13. a b c Boris Preckwitz: Militanz der Mitte
  14. Michael Bittner: Preckwitz, ein Barde des neuen Faschismus. (Nicht mehr online verfügbar.) 13. März 2016, archiviert vom Original am 14. März 2016; abgerufen am 14. März 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/michaelbittner.info
  15. TUMULT - Mythos und Thymos. Der Schriftsteller Boris Preckwitz im Gespräch. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  16. Tomas Gärtner: Freier Geist als Grundausstattung, in: Dresdner Neueste Nachrichten. 16. Juni 2014
  17. Tomas Gärtner: Preckwitz präsentierte seine Übersetzung, in: Dresdner Neueste Nachrichten. 20. November 2014, S. 9.
  18. Boris Preckwitz: Niobe. Raum im Ausnahmezustand (Auszug). In: Militanz der Mitte. Abgerufen am 14. März 2016.
  19. TUMULT- Mythos und Thymos. Der Schriftsteller Boris Preckwitz im Gespräch. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  20. Kampfansage. Gedichte und Essays. Lyrik Edition 2000 im Allitera Verlag, München 2013
  21. TUMULT- Mythos und Thymos. Der Schriftsteller Boris Preckwitz im Gespräch. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  22. a b queer.de: CSD-Teilnahme ist kirchenrechtlich kein Problem. Berliner Kirche lehnt Antrag von Homo-Hasser ab, Memento heruntergeladen am 15. Januar 2018
  23. TUMULT- Mythos und Thymos. Der Schriftsteller Boris Preckwitz im Gespräch. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  24. Deutsches Literaturarchiv Marbach, Referenztitel im Katalog
  25. https://www.lyrik-kabinett.de/bibliothek/article/hysterie-der-heilserregten/
  26. Arbeitsstipendien für Schriftstellerinnen und Schriftsteller 2014 vergeben (Pressemitteilung). Berlin.de, 16. April 2014, abgerufen am 14. März 2016.