Boris Romanowitsch Rotenberg

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Boris Romanowitsch Rotenberg

Boris Romanowitsch Rotenberg (russisch Борис Романович Ротенберг; * 3. Januar 1957 in Leningrad) ist ein russisch-finnischer Oligarch. Sein Milliardenvermögen verdiente er in enger Verbindung zum Staatskonzern Gazprom vorwiegend durch die Konstruktion von Gasleitungen in der Baubranche sowie in der Chemie-Branche. Er gilt als enger Jugendfreund des amtierenden russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boris Rotenberg besitzt zusammen mit seinem älteren Bruder Arkadi Rotenberg die Unternehmensgruppe „Stroy Gaz Montazh“ (Bau, Gas, Montage), kurz „SGM Group“. Sie vereint die Bau-Aktivitäten des Brüderpaars und ist Gazproms Hauptauftragnehmer für den Bau von Öl- und Gasleitungen. Mit einem Umsatz von 120 Milliarden Euro (2011) war Gazprom einst der größte Erdgasförder-Konzern der Welt, beschäftigt rund 450.000 Mitarbeiter und ist damit einer der größten Arbeitgeber Russlands.

Die Rotenberg-Brüder gründeten 2001 zudem die SMP-Bank, die heute über 100 Geschäftsstellen in 40 russischen Städten unterhält, einen Ableger gibt es in Lettland. Die Hälfte der Filialen entfällt auf den Großraum Moskau, landesweit betreibt die Bank mehr als 9.000 Bank-Automaten und schaffte es 12 Jahre nach ihrer Gründung erstmals in den Kreis der 40 größten Finanzinstitute Russlands.

Die guten Beziehungen zwischen Gazprom, der SGM Group sowie der SMP-Bank sind eine Folge der engen Verbundenheit zwischen Wladimir Putin und Boris Rotenberg, welcher als Mitglied der St.-Petersburg-Connection dem Machtzirkel Putins angehört.

Rotenberg ist seit 2013 Präsident des Fußballclubs FK Dynamo Moskau und Vizepräsident der Russischen Judoföderation, er ist verheiratet und hat vier Kinder. Einer seiner erwachsenen Söhne ist Roman Rotenberg, Marketing-Chef beim Eishockeyklub SKA Sankt Petersburg, der andere der Fußballprofi Boris Borissowitsch Rotenberg, der in seiner Laufbahn von diversen Vereinen der Premjer-Liga verpflichtet wurde, darunter Zenit Sankt Petersburg und Dynamo Moskau.[1][2]

Als bislang teuerste Veranstaltung ihrer Art bescherten die XXII. Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi den Firmen Rotenbergs Aufträge für 20 Projekte in einem geschätzten Volumen von fünf Milliarden Euro. So entstand unter Rotenbergs Regie zum Beispiel die Küstenstraße nach Adler, wo der Olympische Park mitsamt zahlreichen Sportstätten entstand.[3]

Im Zuge der Krimkrise 2014 verschärfte die US-Regierung (Kabinett Obama) ihre Sanktionen gegen Russland und damit auch direkt gegen die SMP-Bank. Bereits seit Beginn der Ukraine-Krise erkannten die Vertreter der NATO in Russland den treibenden Akteur hinter den Kampfverbänden der Separatisten. Daher verhängten die Vereinigten Staaten am 20. März 2014 Sanktionen gegen „enge Freunde“ des russischen Staatsoberhaupts. Neben Putins Stabschef Sergei Iwanow zählten dazu Gennadi Timtschenko und der ältere der Rotenberg-Brüder.[4][5][6][7]

Im Zuge der Veröffentlichung der Panama Papers im April 2016 wurden unternehmerische Tätigkeiten Rotenbergs in der Öffentlichkeit bekannt.[8]

Im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Deutsche Bank berichtete Bloomberg News im April 2016 unter Berufung auf ungenannte Informanten, dass ein Teil der durch Mirror Trading in Dollar konvertierten Milliarden von den Rotenberg-Brüdern stammen sollen.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Saul Pope: The Unusual Career of Boris Rotenberg (englisch) 6. Mai 2015. Abgerufen am 7. April 2016.
  2. Boris Rotenberg Jr, family friend of Vladimir Putin, has unexpected and mercurial rise to peak of Russian football (englisch) 6. Mai 2015. Abgerufen am 7. April 2016.
  3. Profiteure von Olympia Putins reiche Freunde, Süddeutsche Zeitung 7. Februar 2014
  4. Ukraine-related Designations, Office Of Foreign Assets Control, treasury.gov, 20. März 2014
  5. Benjamin Bidder, Stefan Kaiser: Sanktionen gegen russische Banken: Angriff auf Putins Finanzzentrum, Der Spiegel, 21. März 2014
  6. Marc Pitzke: Konflikt zwischen Russland und Ukraine: Obama macht Ernst mit Sanktionen, Der Spiegel, 20. März 2014
  7. Villen und Pferde, Nowaja Gaseta, 21. Februar 2018
  8. Spiegel.de: Panama Papers: Datenleck enthüllt Offshoredeals reicher Putin-Freunde
  9. http://www.bloomberg.com/news/articles/2016-04-14/deutsche-bank-found-systemic-failure-behind-russia-cash-flight