Trianel Windpark Borkum

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Trianel Windpark Borkum
Lage
Trianel Windpark Borkum (Deutschland)
Trianel Windpark Borkum
Koordinaten 54° 2′ 30″ N, 6° 28′ 0″ OKoordinaten: 54° 2′ 30″ N, 6° 28′ 0″ O
Land Deutschland
Gewässer Nordsee
Daten
Typ Offshore-Windpark
Primärenergie Windenergie
Leistung Phase 1: 200 MW (in Betrieb)[1]
Phase 2: 203,2 MW (in Bauvorbereitung)
Eigentümer Trianel Windkraftwerk Borkum GmbH & Co. KG
Betriebsaufnahme 2015 (Phase 1)
2019 (Phase 2, geplant)
Gründung Tripod (Phase 1)
Monopile (Phase 2)[2]
Turbine 40 × Adwen AD 5-116 (Phase 1)
32 × Senvion 6.2M152 (Phase 2)
Website Trianel Borkum
Stand September 2016
Lage des OWP Trianel Windpark Borkum innerhalb in der Deutschen Bucht (grün = Phase 1, gelb = Phase 2)

Der Trianel Windpark Borkum, ehemals Offshore-Windpark „Borkum West II“, ist ein Offshore-Windpark in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in der südlichen Nordsee. Er wird in zwei Phasen mit je 200 MW errichtet. Die Phase 1 ist seit 2015 in Betrieb; die Offshore-Bauarbeiten für Phase 2 werden voraussichtlich im Jahr 2018 beginnen und mit der geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2019 abgeschlossen werden.

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Offshore-Windpark befindet sich auf einer Fläche von 55,6 km² rund 45 km nördlich der Insel Borkum und 44 km nordwestlich der Insel Juist bei Wassertiefen von 25–35 m.

Der Windpark wurde ursprünglich von der Prokon Nord Energiesysteme entwickelt. Der Antrag auf Errichtung und Betrieb von 80 Windenergieanlagen vom 26. Mai 2006 in der Fassung vom 15. November 2007 wurden am 13. Juni 2008 vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) genehmigt.[3]

2009 sicherte sich die Trianel die Rechte an dem Vorhaben.[4] Aufgrund von Schwierigkeiten bei der Finanzierung im Rahmen der Finanzkrise ab 2007 wurde das Vorhaben in zwei Phasen geteilt.[5]

Die Europäische Kommission förderte das Vorhaben im Rahmen des European Energy Programme for Recovery (EEPR) mit 42,71 Mio. Euro.[6]

Trianel Windpark Borkum I (Phase 1)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An dem Offshore-Projekt beteiligen sich 33 Stadtwerke unter der Führung der Trianel. Im Jahr 2010 wurde die Investitionsentscheidung über 720 Millionen Euro für die Errichtung von 40 WEA des Typs Adwen AD 5-116 (Bezeichnung bis 2016: Areva M5000, bis 2007: Multibrid 5000) getroffen. Jede WEA verfügt über eine Nennleistung von 5 MW und einen Rotordurchmesser von 116 m.

Den Auftrag für die Verkabelung der einzelnen WEA mit der Umspannplattform mit circa 65 km Mittelspannungs-Seekabel hat die Norddeutsche Seekabelwerke (NSW) erhalten.[7]

Für die erste Bauphase wurde im August 2011 eine Sicherheitszone für die Schifffahrt eingerichtet, damit zunächst 40 WEA aufgestellt werden können. Diese sollten zunächst bis zum zweiten Quartal 2013 ans Netz gehen.[8] Beim Rammen der Fundamente in den Meeresboden wurden Blasenschleier verwendet, um Schweinswale vor dem Baulärm zu schützen.[9] Das Kranschiff Oleg Strashnov setzte die bei WeserWind in Bremerhaven gebauten Tripods auf die in den Meeresboden gerammten Gründungspfähle.[10] Jeweils zwei dieser 60 m hohen und bis zu 900 t schweren Teile wurden vom Kranschiff Stanislav Yudun vom Offshore-Terminal der Bremer Logistic Group (BLG) in Bremerhaven abgeholt und zum rund 45 km entfernten Baufeld gebracht.[11] Ende Mai 2013 waren alle Tripods gesetzt, danach wurden die Windenergieanlagen vom niederländischen Eemshaven geholt und auf den Tripod-Fundamenten errichtet.[12] Das vom britischen Unternehmen MPI gecharterte Errichterschiff Adventure transportierte dabei jeweils die Komponenten für drei komplette Windenergieanlagen auf einer Tour vom Festland zum Baufeld und montierte sie auf die Tripods.[13] Bis Februar 2014 war die Hälfte der Anlagen errichtet, Anfang Juni wurde gemeldet, dass alle 40 WEA („BW 1“ bis „BW 40“) installiert seien.[14]

In den ersten sechs Monaten nach der Inbetriebnahme speiste der Windpark 452 GWh elektrischer Energie ins Netz. Die Ertragsprognose für das Gesamtjahr liegt bei über 4000 Volllaststunden (d.h. gut 800 GWh).[15]

Trianel Windpark Borkum II (Phase 2)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Phase 2 des Windparks wird voraussichtlich 203,2 MW umfassen. Bis Ende 2016 liefen die EU-weiten Ausschreibungsverfahren für einzelne Gewerke wie beispielsweise die WEA, Fundamente oder interne Parkverkabelung.[16] Im September 2016 wurde bekannt gegeben, dass der Hersteller Senvion den Zuschlag für die Lieferung von 32 Turbinen erhalten hat. Die Leistung der WEA vom Typ Senvion 6.2M152 soll jeweils auf 6,35 MW gesteigert sein.[17] Der Wechsel des WEA-Typs mit erhöhter Nennleistung und vergrößertem Rotordurchmesser machte Änderungen der Planungsunterlagen erforderlich, die am 5. Oktober 2016 vom BSH genehmigt worden.[3]

Im April 2017 wurden die Investition von 800 Millionen Euro und der Bau offiziell beschlossen. Baubeginn soll im Frühjahr 2018 sein, die Inbetriebnahme im Laufe des Jahres 2019Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren erfolgen.[18]

Beteiligungsstruktur in der Phase 2 (Stand: 7. April 2017):

Anteil Anteilseigner
37,99 % Trianel und 17 deutsche Stadtwerke
37,5 % EWE AG
24,51 % Elektrizitätswerk der Stadt Zürich und Fontavis

Netzanschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kranschiff Oleg Strashnov hob Mitte April 2013 die rund 2400 Tonnen schwere Umspannplattform („BW 0“) von Alstom auf das bereits im Baufeld installierte Fundament.[19] Der Netzanschluss aller 72 WEA des gesamten Windparks erfolgt über diese zentrale Umspannplattform. Der Strom wird hier von 33 kV auf 155 kV umgespannt und über etwa 7,5 km per DHÜ an die HGÜ-Konverter-Plattform DolWin alpha des Übertragungsnetzbetreibers Tennet TSO geleitet.[20] Die HGÜ-Leitung DolWin 1 stellt die Verbindung über Norderney zum Festland her.

Durch Verzögerungen des Netzanschlusses bei dem verantwortlichen Übertragungsnetzbetreiber Tennet wurde die erste Ausbaustufe des Windparks erst am 1. Februar 2015 in den Probebetrieb genommen. Die offizielle Inbetriebnahme fand im Juli 2015 statt.[21]

Tripod-Fundamente im Trianel Windpark Borkum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tripods werden schon seit längerem in der Öl- und Gas-Industrie eingesetzt. Auf eine Offshore-Windenergieanlage (OWEA) wirken jedoch andere Kräfte als auf eine schwere Ölplattform[22], und auch die Wassertiefen von mehr als 25 m stellten eine Herausforderung dar. Das Fundament-Design wurde daraufhin von OWT - Offshore Wind Technologie auf die OWEA-Anforderungen angepasst und ein Tripod-Design speziell für OWEA entwickelt. Vor dem Einsatz im Trianel Windpark Borkum hatten sich die Tripods bereits 2008 im alpha ventus Projekt bewährt. Alpha ventus wurde als Testfeld für die Offshore-Nutzung von Windenergie geplant. Dadurch sollte eine breite Basis an Erfahrungen und Erkenntnissen für den Bau und Betrieb weiterer Offshore-Windparks gewonnen werden. Als erster kommerzieller Einsatz in größerem Maßstab wurden die Tripods dann für den Trianel Windpark Borkum eingeplant. Die Besonderheit des Tripods liegt in der Kombination aus der Überwasserstruktur einer Einpfahllösung (geringe exponierte Oberfläche, robustes Verhalten in Risikoszenarien, einfacher Übergang zur Turmseite, Fertigung vergleichbar Monopile und Turm) mit der Tragwirkung und -leistung einer aufgelösten Struktur. Der Einsatzbereich ist geometrisch bedingt auf die Größenordnung von mindestens 25 m Wassertiefe bis derzeit 50 m zu sehen.[23]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Trianel Windpark Borkum (ehemals Borkum West II)
  2. EWE und Trianel realisieren Nordsee-Windpark. In: Schiff & Hafen, Heft 2/2017, S. 45
  3. a b Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
  4. Trianel Windpark Borkum Projektverlauf. In: Trianel Windkraftwerk Borkum. Abgerufen am 24. April 2017.
  5. Mona Contzen: Grünes Licht für Windpark Borkum West II. In: DerWesten. Funke Mediengruppe, 10. Mai 2011, abgerufen am 24. April 2017.
  6. Europäische Kommission (PDF)
  7. NSW erhält Auftrag für Borkum West II. In: Schiff & Hafen Heft 3/2011, S. 70, Seehafen-Verlag, Hamburg 2011, ISSN 0938-1643
  8. Trianel: Windpark startet erst 2013. In: Täglicher Hafenbericht vom 28. Juni 2012, S. 4, Seehafen-Verlag, Hamburg 2012, ISSN 2190-8753
  9. „Vorbereitungen für den Trianel Offshore-Windpark laufen an“. Abgerufen am 17. Juli 2011
  10. Ausbau von Windenergie auf See stockt. In: Täglicher Hafenbericht vom 23. Oktober 2012, S. 4
  11. Kranschiff lädt Tripods. In: Täglicher Hafenbericht vom 7. März 2013, S. 4
  12. Fundamentarbeiten abgeschlossen. In: Schiff & Hafen Heft 6/2013, S. 119
  13. Frank Binder: Der Trianel Windpark Borkum wächst. In: Täglicher Hafenbericht vom 2. August 2013, S. 4
  14. Frank Binder: Nordsee-Windpark fertig – wieder kein Netzanschluss. In: Täglicher Hafenbericht vom 5. Juni 2014, S. 4
  15. Soest: Stadtwerke-Offshore-Windpark liefert zuverlässig Strom. In: Südwestfalen-Nachrichten, 18. März 2016, abgerufen am 18. März 2016
  16. Buddensiek: Trianel Windpark Borkum: 452 GWh generated in 6 months. In: Sun & Wind Energy. 21. März 2016, abgerufen am 24. Mai 2016 (englisch).
  17. Senvion selected for Trianel Borkum II. In: 4COffshore.com, 29. September 2016, abgerufen am 29. September 2016
  18. Startschuss für den Offshore Windpark Borkum II gefallen. In: IWR, 10. April 2017. Abgerufen am 10. April 2017.
  19. Alstom hands over offshore substation for wind farm to Trianel alstom.com, 15. April 2013, abgerufen am 25. April 2013
  20. Parkinterne Umspannplattform errichtet Trianel Pressemitteilung, abgerufen am 30. April 2013
  21. Adwen nimmt Trianel Offshore-Windpark Borkum in Betrieb. In: IWR, 21. Juli 2015; abgerufen am 21. Juli 2015
  22. Mit drei Beinen auf hoher See. In: Deutschlandfunk. Abgerufen am 18. Februar 2016 (de-de).
  23. Tripods - Besondere technische Charakteristik. In: owt.de. Abgerufen am 18. Februar 2016.