Borsdorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Borsdorf
Borsdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Borsdorf hervorgehoben

Koordinaten: 51° 21′ N, 12° 32′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Leipzig
Höhe: 129 m ü. NHN
Fläche: 15,64 km2
Einwohner: 8230 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 526 Einwohner je km2
Postleitzahl: 04451
Vorwahl: 034291
Kfz-Kennzeichen: L, BNA, GHA, GRM, MTL, WUR
Gemeindeschlüssel: 14 7 29 060
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 1
04451 Borsdorf
Website: www.borsdorf.de
Bürgermeister: Birgit Kaden (CDU)
Lage der Gemeinde Borsdorf im Landkreis Leipzig
Sachsen-AnhaltThüringenLandkreis MittelsachsenLandkreis NordsachsenLeipzigBennewitzBöhlen (Sachsen)BornaBorsdorfBrandisColditzFrohburgGrimmaGroitzschGroßpösnaKitzscherLossatalMachernMarkkleebergMarkranstädtNeukieritzschNeukieritzschThallwitzTrebsen/MuldeBad LausickOtterwischGeithainBelgershainNaunhofParthensteinElstertrebnitzPegauPegauRegis-BreitingenWurzenZwenkauRöthaKarte
Über dieses Bild

Borsdorf ist eine verwaltungsgemeinschaftsfreie Gemeinde im Landkreis Leipzig in Sachsen. Sie besteht aus den Ortsteilen Panitzsch, Zweenfurth sowie Cunnersdorf und gehört zum Grünen Ring Leipzig.

Der Ort war ab 1881 der Zufluchtsort von August Bebel und Wilhelm Liebknecht während der Sozialistengesetze.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borsdorf liegt in der Leipziger Tieflandsbucht zwischen Leipzig (im Westen) und Machern (im Osten). Das Gemeindegebiet wird von dem Fluss Parthe durchzogen, welcher bei Hochwasser gelegentlich den örtlichen Park überflutet. Durch den Ort führt die Bahnstrecke Leipzig–Dresden und somit wird er in eine Nord- und in eine Südseite geteilt.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Borsdorf gehören die folgenden Ortsteile zur Gemeinde:

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: In Weiß steht ein grüner Apfelbaum mit sieben goldenen Früchten auf einem grünen Schildfuß mit silbernem Wellenbalken.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borsdorf auf einer Karte von 1899

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1267 und ist zu finden im Merseburger Domstift. Damals wurde der Ort noch Borsdorph genannt. Der Kaffeebaum, die wohl erste Gaststätte des Dorfes wird 1724 erbaut. Sie war regional berühmt für ihren Sandkuchen. Wenige Jahrzehnte später, im Jahr 1748 wird das Hirtenhaus das erste Mal erwähnt. Es ist das älteste Gebäude im Ort und beherbergt seit 1994 das Heimatmuseum. Im sogenannten Spittel in der Leipziger Straße wird 1819 die erste "Borsdorfer Schule" eröffnet, am 11. Mai 1838 war die Eisenbahnstrecke zwischen Borsdorf und dem wenige Kilometer entfernten Machern fertiggestellt und nur zwei Monate später die Strecke bis Wurzen. Der Borsdorfer Bahnhof war eine der ersten Stationen auf dieser 1839 eröffneten Strecke. Das heutige Bahnhofsgebäude wurde 1894 fertiggestellt.

Die Gründerväter der SPD August Bebel und Wilhelm Liebknecht zogen 1881 von Leipzig nach Borsdorf. Am heutigen Bebel-Liebknecht-Haus Borsdorf befindet sich auch eine Gedenktafel.[2] Der Ort lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[3] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Brandis und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Grimma.[4] Im Jahr 1929 wurden das sehenswerte Art déco-Rathaus von Arthur Carius und das Feuerwehrhaus eingeweiht.

Im Zweiten Weltkrieg gab es im Ort nur vereinzelte Schäden, so wurden am 20. und 21. Oktober 1943 "einige Häuser entlang der Bahnlinie zerstört", wobei fünf Menschen starben. Teile des Frauenheims und die Firma Union werden ebenfalls zerstört. Mitte April 1945 erfolgte der Einmarsch der amerikanischen, am 02.07. der russischen Truppen.

In der DDR war Borsdorf Sitz von einigen größeren Industriebetrieben wie dem VEB Buchdruckerei Borsdorf oder dem VEB Kunstleder Borsdorf, der aus der 1902 gegründeten Kunstleder- und Wachstuchfabrik von Alexander Schumann hervorging.[5] Ab 1952 gehörte Borsdorf zum Kreis Leipzig-Land, der bis 1994 (ab dem 3. Oktober 1990 als Landkreis Leipzig) bestand. Vom 1. August 1994 bis zum 31. Dezember 1998 gehörte es zum Landkreis Leipziger Land und ab dem 1. Januar 1999 zum Muldentalkreis. Zum 1. August 2008 wurde der Muldentalkreis mit dem bisherigen Landkreis Leipziger Land zum neuen Landkreis Leipzig zusammengefasst. Die Gemeinde bildet die flächenmäßig kleinste im Landkreis, hat jedoch nach Wurzen die zweitgrößte Besiedlungsdichte.[6]

Am 1. Juni 1973 wurde der Ort Zweenfurth,[7] am 1. Januar 1999 Panitzsch mit dem 1921 eingegliederten Cunnersdorf eingemeindet.[8]

Nach der Wiedervereinigung erlebte Borsdorf einen starken Zuzug. Ein neues Wohngebiet die "Parthenaue" entstand und zahlreiche neue Mehrfamilienhäuser wurden errichtet. 1996 wurde ein Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ) der Handwerkskammer zu Leipzig mit über 700 Werkstattplätzen, in denen in mehr als 30 Handwerksberufen aus- und weitergebildet wird, eröffnet.[9] Seit 2005 findet alljährlich zur Weihnachtszeit ein Weihnachtsmarkt statt.

Anfang der 2010er-Jahre wurde die Modernisierung und Sanierung der Bahnhofsanlagen und des baugeschichtlich wertvollen Bahnhofsgebäudes größtenteils abgeschlossen.

Einwohnerentwicklung von 1834 bis 2012

Im Juli 2014 begann der Ausbau des Freien Gymnasiums in der Heinrich-Heine-Straße. Umstritten war dabei der Abriss des historischen Schulgebäudes auf dem Innenhof aus dem Jahr 1874, die sogenannte alte Schule. Die letzten Arbeiten wurden im Sommer 2016 mit dem Abschluss der aufwendigen Sanierung des Schulgebäudes aus den Jahren 1905 und 1911 beendet.[10] Am 21. April 2018 wurde die neue Sporthalle, auf einem ehemaligen Bahngelände eingeweiht. Sie wird auch für größere Gemeindeveranstaltungen genutzt. In diesem Zusammenhang wurde bis 2020 die Güterladestraße der sogenannte Güterboden erneuert.[11] Im Dezember 2018 bekam Borsdorf auch einen Marktplatz. Auf dem ehemaligen Gelände einer in den 1980ern errichteten Kaufhalle, entstand gegenüber dem Rathaus nach mehrmonatiger Bauzeit ein gepflasterter Platz mit Winterlinden und Kugelahornen, einem elektronischen Klangspiel und einem Steinbrunnen. Besonderes Augenmerk gilt auch einem historisierenden Hydranten.[12]

In Borsdorf befindet sich seit 2003 der Sitz des Buchverlags Festa.

Jahr Einwohnerzahl[13]
1551 8 besessene Mann, 11 Inwohner
1764 8 besessene Mann, 3 Häusler, 9 Hufen
1834 109
1871 126
1890 983
Jahr Einwohnerzahl
1910 2765
1925 3072
1939 3124
1946 3657
1950 3563
Jahr Einwohnerzahl
1964 3937
19901 3544
20002 8061
20092 8224
2012 8237
Jahr Einwohnerzahl
2013 8252
2019 8230

1 Borsdorf mit Zweenfurth
2 Borsdorf mit Zweenfurth, Panitzsch und Cunnersdorf

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2019
 %
30
20
10
0
24,8 %
13,3 %
18,2 %
6,9 %
8,8 %
11,2 %
13,6 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 20
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
-14,8 %p
+0,8 %p
+18,2 %p
-7,1 %p
-3,1 %p
-10,9 %p
+13,6 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b Freie Wählergemeinschaft 94 Borsdorf und Zeenfurth
c Bürgerforum Gemeinde Borsdorf
f Freie Wähler – Borsdorf braucht Veränderung e.V.
Borsdorfer Gemeinderat seit 2019
1
2
2
4
2
5
2
Insgesamt 18 Sitze
Rathaus Borsdorf erbaut 1928 im Stil des Art déco

Die bisher letzten Gemeinderatswahlen fanden am 26. Mai 2019 statt.[14]

Bürgermeister Ludwig Martin (CDU) wurde im Jahr 2013 zum dritten Mal in das Amt mit einer Amtszeit von 7 Jahren gewählt. Aus Altersgründen konnte er kein weiteres Mal kandidieren. Bei der Bürgermeisterwahl am 15. März 2020 ging Birgit Kaden mit 88,31 % der Stimmen als Siegerin hervor. Sie übernahm nach Ablauf der Amtszeit von Bürgermeister Ludwig Martin, am 8. Mai 2020 die Amtsgeschäfte.[15]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil Panitzsch erinnert ein Denkmal an die Ärztin Margarete Blank, die nach 1933 den Widerstand gegen das NS-Regime unterstützte, ausländische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mit Medikamenten versorgte und Nachrichten von "Feindsendern" weitergab. Sie wurde denunziert und 1945 in Dresden ermordet. Die Grundschule in Panitzsch trägt ihren Namen. Ihr ehemaliges Wohn- und Praxishaus in der Margarete-Blank-Straße wurde 1975 als Gedenkstätte eingerichtet und 1993 denkmalschutzgerecht saniert. Eine ständige Ausstellung informiert dort über ihr Leben, aber auch über die Situation in den ehemaligen KZ-Außenlagern und Zwangsarbeiterlagern. Ein Förderverein kümmert sich seit 1996 um die weitere Entwicklung der Gedenkstätte.[16]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

restaurierter Straßenwärter-Chaussee-Kilometerstein (um 1900) an der (alten) B 6 am östlichen Ortsausgang.
91 Kilometer von Dresden

Durch Borsdorf verläuft die B 6 (hier ursprünglich: Via Regia), auf der Ost-West-Achse.

Die Gemeinde liegt im Gebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV); Borsdorf liegt mit seinen Ortsteilen Cunnersdorf, Panitzsch und Zweenfurth sowie den Städten Brandis und Taucha in der Tarifzone 168. Ein Anschluss an das Schienennetz besteht seit dem 12. November 1837. Der Bahnhof Borsdorf liegt am historischen Knotenpunkt der Bahnstrecken Leipzig–Dresden sowie Borsdorf–Coswig; er ist heute ein Regionalbahnhof und Verkehrshalt folgender Linien:

Der alte Güterschuppen beherbergt heute das Tankstellenmuseum

Durch die LeoBus GmbH, einem Tochterunternehmen des LVB-Konzerns, ist Borsdorf mit den Linien 172, 173 und 175 angebunden. Die Linie 172 verkehrt nur montags bis freitags in der Hauptverkehrszeit (HVZ) mit einzelnen Fahrten, sie dient vorrangig dem Schülerverkehr zwischen Borsdorf und Leipzig-Engelsdorf. Die Linie 173 ist eine Hauptlinie und verbindet Borsdorf mit dem Ortsteil Panitzsch und der Stadt Taucha; sie ist montags bis freitags von 5 Uhr bis 19 Uhr im Einsatz. Die Linie 175 verbindet Borsdorf mit dem Leipziger Stadtteil Sommerfeld und der Stadt Taucha, über Panitzsch, Cunnersdorf, Sehlis und Taucha-Dewitz. Die Linie 175 verkehrt nur montags bis freitags in der HVZ. Die Linien 173 und 175 sind am Bahnhof Borsdorf auf die S-Bahn und die RB110 ausgerichtet.

Durch die Personenverkehrsgesellschaft Muldental mbH (PVM) ist Borsdorf mit den Buslinien 684 und 691 erreichbar. Die Linie 684 verbindet Borsdorf mit Beucha und Brandis, ihre Einsatzzeit liegt analog der Buslinie 172. Die Linie 691 verkehrt nur montags bis samstags zwischen Leipzig und Wurzen mit einzelnen Fahrten. Ihr Verlauf ist zwischen Engelsdorf und Wurzen weitgehend parallel zur S3.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Oehmichen (1843–1932), Maler
  • Alfred Mäde (1910–1988), Agrarmeteorologe und Hochschullehrer
  • Lothar Hoffmann (* 23. Oktober 1928), Sprachwissenschaftler und Hochschullehrer
  • Otto Bach (* 21. Mai 1937), Psychiater, Neurologe und Hochschullehrer
  • Christoph Höhne (* 12. Februar 1941), Leichtathlet und Olympiasieger
  • Konrad Ehlich (* 1942), Germanist
  • Erich Franke (* 3. Januar 1944), Maler und Grafiker
  • Albrecht Gehse (* 1955), Maler
  • Sarah Klier (* 2. Oktober 1990, zwei Minuten vor Mitternacht), letztes geborenes Kind der DDR vor der Wiedervereinigung

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Borsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen nach Gemeinden am 31. Dezember 2019 (Hilfe dazu).
  2. https://www.borsdorf.eu/geschichte.html, abgerufen am 22. Januar 2020
  3. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  4. Die Amtshauptmannschaft Grimma im Gemeindeverzeichnis 1900
  5. VEB Kunstleder Borsdorf. Abgerufen am 12. Oktober 2020.
  6. Information über Borsdorf auf der Gemeindewebsite. Abgerufen am 22. Januar 2020.
  7. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt.
  8. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  9. Handwerkskammer Leipzig - BTZ Borsdorf. Abgerufen am 22. Januar 2020.
  10. Baumaßnahmen am Freien Gymnasium Borsdorf. Abgerufen am 22. Januar 2020.
  11. Das lange Warten hat ein Ende - Güterladestraße endlich frei. Abgerufen am 20. Oktober 2020.
  12. Roger Dietze: Quadratisch praktisch gut: Borsdorf bekommt endlich neuen Marktplatz. Leipziger Volkszeitung, 15. Mai 2017, abgerufen am 22. Januar 2020.
  13. vgl. Borsdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  14. https://www.borsdorf.eu/files/Gemeinderatswahl-2019-endgueltig.pdf, abgerufen am 24. Januar 2020
  15. https://www.borsdorf.eu/, abgerufen am 20. März 2020
  16. Webseite des Fördervereins "Dr. Margarete Blank e.V.": http://www.margarete-blank-gedenkstaette.de/