Bothmer (Adelsgeschlecht)

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Wappen derer von Bothmer

Bothmer ist der Name eines alten niedersächsischen Adelsgeschlechts.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bothmer bei Schwarmstedt, Lüneburger Heide

Stammvater ist Gerd von Lachem (= von Lacheim). Ein Teil von dessen Nachkommen, darunter auch der älteste Sohn Ulrich (1162–1196), nannten sich Bothmer nach dem Lehen in Bothmer bei Schwarmstedt an der Leine, an dem sich auch eines ihrer Güter befand. Unter dem heutigen Namen treten sie urkundlich erstmals 1182 mit dem Ritter Ulricus de Botmerere auf.[1] Die Stammreihe beginnt mit dessen Bruder Dietrich, als Ritter urkundlich 1183–1222.

Zwischen 1500 und 1586 wurde das Alte Haus auf dem Rittergut Bothmer I in Bothmer errichtet; der Turm und das Neue Haus, ein im rechten Winkel angebauter Fachwerkflügel, folgten 1596. Der Turm ist später verändert worden, der ältere Flügel steht heute nicht mehr. Im Lauf der Jahrhunderte entstanden durch Erbteilungen folgende Rittergüter der Familie von Bothmer am Ort:

  • das Rittergut Bothmer I – von Bothmer
  • das Rittergut Bothmer II (Rolefshof) – Freiherren von Bothmer
  • das Gut Bothmer IV (Communiongut) – Grafen von Bothmer

Linien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rittergut Bothmer I

Bereits im 13. Jahrhundert bildeten sich zwei Linien heraus: Die Drakenburger als ältere, die Giltener als jüngere Linie. In Bothmer bei Schwarmstedt bestehen für beide Linien verschiedene Güter und Höfe. Die ältere Linie erhielt im Laufe der Zeit Besitzungen in Drakenburg und hält bis heute (im gräflichen Zweig) die Güter Bothmer IV und Lauenbrück (Landkreis Rotenburg/Wümme) sowie Gut Schwegerhoff in Ostercappeln, während Schloss Bothmer in Klütz dem 1. Haus des gräflichen Zweiges 1945 enteignet wurde; der einst in Landesbergen ansässige Zweig besitzt einen Hof in Hetendorf, ein freiherrlicher Ast auf Bothmer II das Gut in Bennemühlen und bis 1945 auch das Gut Zürkvitz auf Rügen. Die jüngere Linie ist auf Bothmer I sowie auf Gut Oppershausen bei Wienhausen ansässig und gelangte durch Heirat auch ins Badische, auf Gut Rickelshausen bei Radolfzell. Bis 1945 war auch Falkenberg in der Neumark im Besitz eines Familienzweigs.

Bothmer-Bülowscher Fideikommiss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Bothmer in Klütz, Mecklenburg

Der kurhannoversche Minister Hans Caspar von Bothmer, ein Freiherr von Bothmer aus dem Hause Lauenbrück, der 1713 zum Reichsgrafen erhoben wurde, errichtete aus seinen im Klützer Winkel angekauften Gütern ein Fideikommiss, das sich als Majorat vererben sollte, dessen Hauptsitz das 1726 bis 1732 errichtete Schloss Bothmer wurde. Erster Majoratsherr wurde sein Neffe Hans Caspar Gottfried von Bothmer (1695–1765). Durch dessen Ehe mit Christine Margarethe von Bülow (1708–1786) und deren Erbe vergrößert sich der Fideikommiss nochmals. Die Grafschaft umfasste schließlich 10 Güter mit einer Gesamtfläche von nahezu 8000 Hektar und blieb bis nach dem Ersten Weltkrieg bestehen. Dazu gehörten:

  • Bothmer mit den Pertinenzien Bahlen, Hofzumfelde und Nieder Klütz
  • Arpshagen mit den Pertinenzien Flecken Klütz, Ober Klütz und Hohen Schönberg
  • Brook
  • Christinenfeld
  • Elmenhorst (Kalkhorst)
  • Goldbeck
  • Grundshagen
  • Parin (Bülowsches Erbe) mit den Pertinenzien Rolofshagen, Moor, Küssow und Gutow
  • Steinbeck
  • Tarnewitzerhagen

Standeserhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julius August von Bothmer, kurbraunschweigischer Geheimrat, Hofrichter in Celle und Landdrost in Lauenburg, wurde vom Kaiser Leopold I. mit Diplom vom 9. November 1696 in den Reichsfreiherrnstand erhoben, und sein Sohn, Hans Caspar von Bothmer († 1732) erhielt vom Kaiser Karl VI. am 14. November 1713 die Reichsgrafenwürde. Die Grafenwürde wurde auch auf seine drei Brüder Friedrich Johann, Julius August und Ludolph Christian mit deren ehelicher Nachkommenschaft ausgedehnt, doch so, dass die Grafenwürde allein von dem ältesten der vier Brüder und nach dessen Tode nur von dem Erstgeborenen des Erstgeborenen geführt werden sollte, alle übrigen Nachkommen des ersten Erwerbers sich aber nur des Freiherrentitels zu bedienen hätten. Der jedesmalige Graf sollte allein Inhaber des vom ersten Grafen Hans Caspar 1723 gestifteten Bothmerschen Fideikommisses mit Sitz auf Schloss Bothmer sein.[2] Hans Caspar starb ohne männliche Nachkommen. Auf ihn folgte als Majoratsherr Hans Caspar III., Graf von Bothmer (1727–1787), Hans Caspar Julius Victor, Graf von Bothmer (1764–1814) und auf diesen sein Bruder Christian Ludwig, Graf von Bothmer (1773–1848).

Die späteren Majoratsherren stammten alle von einem Enkel des Freiherrn Carl Ludwig von Bothmer — einem Bruder des Grossvaters des Grafen Christian Ludwig — von Carl Heinrich Ernst Friedrich von Bothmer (1770–1845), württembergischen Gesandten am bayrischen Hof und Erbherr auf Mehring, ab. Er hinterließ aus erster Ehe mit Antoinette Freiin v. Hanstein sechs Söhne. 1817 erhielt er das bayerische Indigenat, wurde zugleich in dem von seinem Urahnherrn Friederich Johann, von Kaiser Karl VI. unterm 4. November 1713 cum privilegio usus, et de non usu, erworbenen Grafenstande von des Königs Majestät für sich und seine Descendenz den 8. Dezember v.J. anerkannt.[3] und bediente sich seitdem des Grafentitels, ebenso seine Söhne.

Die sog. Bennemühlener Hauptlinie des freiherrlichen Zweiges erhielt erst 1881/82 durch das königlich preußische Heroldsamt die Berechtigung zum Führen des Freiherrntitels.[4]

Hans Ludwig Adolf von Bothmer (1839–1918) auf Lauenbrück erhielt am 28. Januar 1889 die Anerkennung des Grafenstandes und bildete die II. Linie des Grafenhauses.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Blau ein silbernes Boot; auf dem Helm mit blau-silbernen Decken das Boot, in dem eine mit 5 natürlichen Pfauenfedern bestückte und mit einem roten Band 4-mal umwundene silberne Säule steht.

Das gräfliche Wappen[6] ist quadriert mit einem gekrönten Mittelschild, worin in Blau ein silbernes, rundes Boot. Die Felder 1 und 4 zeigen in Gold den kaiserlichen schwarzen Doppeladler und darüber die kaiserliche Krone. Die Felder 2 und 3 zeigen in Rot einen rechtsstreitenden goldenen Löwen. Den Schild deckt eine Grafenkrone, auf der drei gekrönte Helme stehen. Der rechte Helm führt den kaiserlichen Adler mit der Krone darüber, ganz wie im 1. und 4. Feld; der mittlere trägt das Boot des Mittelschildes, in dem eine silberne, viermal und schräglinks rotumwundene Säule mit goldener Krone steht, aus der ein Busch von fünf Pfauenfedern (nicht sieben Blumen) hervorgeht; auf dem linken wächst aus einem mit drei hinauf- und eben so viel herabsteigenden Stufen versehenen Hügel, welcher mit einem von zwei Balken durchzogenen schwarzen Sparren belegt ist, ein goldener, rechtsgekehrter Löwe empor. Auf der zweiten (nicht auf der unteren) Staffel des Hügels stecken zwei Fahnen, von denen die rechte golden und mit dem doppelten schwarzen Adler und der kaiserlichen Krone belegt, die linke rot und mit goldener Einfassung geziert ist. Die Helmdecken sind blau und silbern. Den Schild halten zwei schwarze, nach außen sehende Wölfe, die in der freien Pranke eine Fahne halten. Die rechtsstehende Fahne ist golden, mit dem doppelten schwarzen Adler und der kaiserlichen Krone belegt, die linke roth, mit goldener Einfassung.

Wappenspruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Quidquid agis, prudenter agas et respice finem“ (Was immer Du tust, das tue bedacht und bedenke das Ende). Oft wird auch nur die Kurzform „respice finem“ (bedenke das Ende) angegeben.

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Caspar Graf von Bothmer (1656–1732), kurhannoverscher Minister
Grabkapelle der Familie von Bothmer, Bennemühlen (Wedemark)

Bothmersche Familienstiftung für Studienstipendien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der verstorbene Senior des Domkapitels zu Magdeburg, Johann von Bothmer (* 1536; † 26. Januar 1592 in Magdeburg) setzte in seinem Testament ein Studienstipendium für Nachkommen seiner Bruder- und Schwesterkinder aus. In Ausnahmefällen konnte das Stipendium auch zur Aussteuer weiblicher Nachkommen oder an bürgerliche Studenten der Theologie, die nicht der Familie von Bothmer anzugehören brauchten, ausgegeben werden. Die Archivalien der Stipendienstiftung werden im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt verwaltet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Nöldechen: Die Grafen Bothmer, Aufgeklärter Adel in Mecklenburg. Callidus-Verlag, Wismar 2014, ISBN 978-3-940677-13-6.
  • Peter Nöldechen: Schloss Bothmer. Ein Kulturgut in Mecklenburg öffnet sich. Callidus-Verlag, Wismar 2015, ISBN 978-3-940677-15-0.
  • Otto Freiherr von Waldenfels: Bothmer. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 488 (Digitalisat).
  • Chronik: Dorfgemeinschaft Bothmer (Hrsg.), Waldemar Ternes: Bothmer – Reise durch die Geschichte. Bothmer 2001.
  • Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser. Band XXI, S. 37–74, Band 98 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1990, ISSN 0435-2408.
  • Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon Band II, Band 58 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1974.
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser 1875. S. 125 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bothmer family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archiv des Stiftes Loccum, Nr. 7; gedruckt bei W. von Hodenberg, Calenberger Urkundenbuch
  2. Ernst Heinrich Kneschke: Deutsche Grafen-Häuser der Gegenwart in heraldischer, historischer und genealogischer Beziehung. Band 1: A–K. T.O. Weigel, Leipzig 1852.(Volltext), S. 110f
  3. Allgemeines Intelligenzblatt für das Königreich Baiern 1818, Sp. 11
  4. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser 38 (1888), S. 79f
  5. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der deutschen gräflichen Häuser 65 (1892), S. 150f
  6. Nach Ernst Heinrich Kneschke: Deutsche Grafen-Häuser der Gegenwart in heraldischer, historischer und genealogischer Beziehung. Band 1: A–K. T.O. Weigel, Leipzig 1852.(Volltext), S. 110
  7. DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 472† (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0047203. (GND=133107817)
  8. GND=101188576X
  9. Ulrich Freiherr von Bothmer, in: Internationales Biographisches Archiv 01/2002 vom 24. Dezember 2001, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)