Boudicca

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Boudicca in John Opies Gemälde Boadicea Haranguing The Britons (etwa: Boudicca predigt den Briten)

Boudicca ([bɒʊˈdiːkaː]; auch Boudica, Baudicea, Boadicea, Bodvica, Bonduca) war eine britannische Königin und Heerführerin, die in den frühen Jahren der römischen Besetzung Britanniens den letztlich erfolglosen Boudicca-Aufstand (60/61 n. Chr.) anführte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Statue der Boudicca in London (Bildhauer: Thomas Thornycroft)

Boudicca war die Frau des Prasutagus, des Königs der Icener, eines keltischen Stammes im Gebiet des heutigen East Anglia (Norfolk und Suffolk). Nach Prasutagus' Tod verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Einheimischen und Römern, wohl aufgrund der repressiven Okkupationspolitik römischer Kolonisten und Beamter. Die Römer wollten eine Frau als Stammesführerin, auch wenn sie testamentarisch ausdrücklich als Erbin der Stammesherrschaft eingesetzt war, nicht akzeptieren, peitschten Boudicca öffentlich aus und vergewaltigten ihre jungfräulichen Töchter. Mit diesem Frevel schürten sie die in diesem keltischen Stamm schon vorherrschende Unzufriedenheit und Boudicca wurde zur Anführerin des Aufstandes. Im Jahr 60 n. Chr. erhoben sich Icener und Trinovanten gegen die Römer und zogen zusammen nach Süden, um die dortigen römischen Siedlungen anzugreifen und zu plündern. Ihr erstes Opfer war die Veteranenkolonie Camulodunum, das heutige Colchester. Sie brannten die Stadt bis auf ihre Grundmauern nieder und töteten alle Einwohner. Darauf folgten Londinium (London) und Verulamium (St Albans). Vermutlich hatte Boudicca über 50.000 Kämpfer um sich versammelt, und nach den anfänglichen Erfolgen kamen neue Anhänger hinzu.

Zwar waren die keltischen Einwohner Britanniens in mancher Hinsicht hoch entwickelt und versiert, jedoch nicht in der Kriegsführung. Ihre Ausrüstung war schlicht, und die Organisationsstufe der britischen Krieger war mit der des Feindes in keiner Weise vergleichbar. Obwohl stark in der Überzahl, hatten sie gegen die disziplinierten, besser bewaffneten und straff organisierten Truppen Roms in der Endschlacht keine Chance. Der römische Feldherr und Statthalter Britanniens Gaius Suetonius Paulinus, der sich zur Zeit der Angriffe Boudiccas auf die südostbritannischen Römersiedlungen zu "Befriedungszwecken" im heutigen Wales aufhielt, brach sofort nach Südwesten auf, stellte mit zwei Legionen die Briten, welche bis dahin guerillaartige Angriffe geführt hatten, in einer Schlacht nordwestlich von Verulamium – auch bekannt als Niederlage an der Watling Street – im Jahre 61 n. Chr. in offenem Feld und schlug sie vernichtend.

Über das weitere Schicksal Boudiccas gibt es zwei Versionen: Tacitus berichtet, dass sich Boudicca das Leben durch Gift genommen habe (Annalen 14,37,3), Cassius Dio hingegen meint, dass Boudicca erkrankt und schließlich gestorben sei (62,12,6).

Nachleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detail der Londoner Statuengruppe

Nachdem Boudicca während des Mittelalters in Vergessenheit geraten war, gelangte sie mit der Wiederentdeckung der antiken Quellen in der frühen Neuzeit (oft in der Namensform Boadicea oder Bonduca) wieder in das historische Bewusstsein. John Fletcher und Francis Beaumont schrieben 1610 die Tragödie Bonduca. 1753 veröffentlichte Richard Glover sein Trauerspiel Boadicea. Vor allem im 19. Jahrhundert wurde Boudicca (in implizierter Parallelisierung zur Königin Victoria) oft dargestellt, so von Alfred Tennyson in seinem Gedicht Boadicea oder vom Bildhauer Thomas Thornycroft in einer Statuengruppe, die sie zusammen mit ihren Töchtern auf einem Streitwagen zeigt und die am linken Themseufer in London an der Westminster Bridge steht, gegenüber dem Big-Ben-Tower (51° 30′ 4″ N, 0° 7′ 25,5″ W).

Der Boudicca-Stoff wurde auch in zahlreichen historischen Romanen und Jugendbüchern vor allem britischer Autoren verwendet. Lieder über Boudicca gibt es unter anderem von der niederländischen Sängerin Petra Berger (Boudicea), der irischen Sängerin Enya (Boadicea), der Band The Libertines (The Good Old Days), der Band Faith and the Muse (Boudiccea), der Formation Mason (Boadicea) sowie in der britischen TV-Serie Horrible Histories (Boudicca).

Der britische Hammer-Film Königin der Wikinger (The Viking Queen, 1966) von Don Chaffey nimmt lose Bezug auf die Gestalt der Boudicca, die hier allerdings Salina heißt. Außerdem ist Boudicca (als Boadicca) die Hauptperson der 15-bändigen französischen Comic-Serie Vae victis!. In dem Film Boudica (auch unter dem Titel Warrior Queen bekannt) von 2003 spielt Alex Kingston die Titelrolle.

Im zweiten, vierten und fünften Teil der Computerspielreihe Sid Meier’s Civilization sind die Kelten unter Boudicca eine der spielbaren Nationen. Ebenso spielt sie eine Hauptrolle im Computerspiel Ryse: Son of Rome.

In Charlotte MacLeods Kriminalroman Rolls Royce und Bienenstiche tragen viele Protagonisten die Vornamen historischer Freiheitshelden, so auch die entführte und später befreite Boadicea („Tante Bodie“) Kelling.

Bei Judy Chicagos Dinner Party ist für Boadicea gedeckt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Boudicca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien