Bourriot-Bergonce

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Bourriot-Bergonce
Bourriot-Bergonce (Frankreich)
Bourriot-Bergonce
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Landes
Arrondissement Mont-de-Marsan
Kanton Haute Lande Armagnac
Gemeindeverband Landes d’Armagnac
Koordinaten 44° 8′ N, 0° 15′ WKoordinaten: 44° 8′ N, 0° 15′ W
Höhe 89–148 m
Fläche 82,65 km2
Einwohner 317 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 4 Einw./km2
Postleitzahl 40120
INSEE-Code

Kirche Saint-Jean-de-la-Porte-Latine in Bergonce

Bourriot-Bergonce ist eine französische Gemeinde mit 317 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Landes in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Mont-de-Marsan und zum Kanton Haute Lande Armagnac (bis 2015: Kanton Roquefort).

Der Name in der gascognischen Sprache lautet Borriòt-e-Bergonsa.[1] Borriòt ist ein Diminutiv des gascognischen Worts boria (deutsch Stall, Bauernhof), Bergonsa stammt aus dem französischen Wort bruyère (deutsch Heidekraut) abgeleitet sein.[2]

Die Einwohner werden Bourriotais und Bourriotaises genannt.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bourriot-Bergonce liegt ca. 35 km nordöstlich von Mont-de-Marsan im Landstrich Gabardan in der historischen Provinz Gascogne am nordöstlichen Rand des Départements an der Grenze zum Département Gironde.

Umgeben wird Bourriot-Bergonce von den Nachbargemeinden:

Captieux (Gironde) Maillas
Retjons Nachbargemeinden Losse
Saint-Gor

Bourriot-Bergonce liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour.

Zuflüsse des Estampon durchqueren das Gebiet der Gemeinde,

  • der Ruisseau de Bergonce, auch Ruisseau de Vialote genannt, und seine Nebenflüsse,
    • der Ruisseau de Goualoun, der in Bourriot-Bergonce entspringt,
    • der Ruisseau de Comblats, der in Bourriot-Bergonce entspringt, und
    • der Ruisseau Re Nauton, der in Bourriot-Bergonce entspringt und auch Ruisseau de Nauton genannt wird, und
  • der Ruisseau de Tauzie, der in Bourriot-Bergonce entspringt und auch Ruisseau de Lugaut genannt wird, und seine Nebenflüsse,
    • der Ruisseau de Pouchiou, der in Bourriot-Bergonce entspringt,
    • der Ruisseau de Bourriot, der in Bourriot-Bergonce entspringt,
    • der Ruisseau Dous Azes, der in Bourriot-Bergonce entspringt, und
    • der Ruisseau de Retjons, auch Ruisseau de Lagravette genannt.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Bourriot-Bergonce ging im Jahre 1906 aus den beiden Vierteln Bourriot und Bergonce der Gemeinde Lugaut hervor.[2]

Das Viertel La Gare zwischen Bourriot und Bergonce erinnert an die Zeit, als die Gemeinde einen Bahnhof an einem Kreuzungspunkt von zwei Eisenbahnlinien der Compagnie des chemins de fer du Midi besaß. 1893 wurde das letzte Teilstück der Strecke von Mont-de-Marsan nach Marmande eröffnet, 1904 die Strecke in Richtung Langon und 1923 in Richtung Gabarret. Schrittweise wurde der Betrieb der Beförderung von Personen und anschließend von Gütern eingestellt. Da die Demarkationslinie zwischen der besetzten und der unbesetzten Zone im Zweiten Weltkrieg sehr nahe war, wurde die Teilstrecke nach Gabarret als erste aufgegeben. 1944 wurden die Gleise von der deutschen Besatzung beschlagnahmt. Die Teilstrecke nach Marmande wurde schließlich in den 1960er Jahren, die Strecke von Mont-de-Marsan nach Langon zu Beginn der 1970er Jahre geschlossen.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Gründung der Gemeinde im Jahr 1906 sank ihre Größe der Gemeinde bei kurzen Erholungsphasen bis zu den 1990er Jahren von initial 930 auf 305 Einwohner, bevor sich die Einwohnerzahl stabilisierte und moderat anstieg.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2010 2016
Einwohner 552 490 423 383 305 311 312 328 317
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[7][8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Saint-Jean-de-la-Porte-Latine in Bergonce[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Saint-Jean-de-la-Porte-Latine in Bergonce

Sie ist dem Apostel Johannes gewidmet, der einer Legende nach bei der Porta Latina in Rom in siedendes Öl geworfen wurde, das ihm jedoch nichts anhaben konnte. Dies ist bereits im 3. Jahrhundert bei Tertullian bezeugt.[9]

Die erste, einfache Kirche in Bergonce wurde vermutlich im 11. Jahrhundert errichtet. Außer vielleicht einem Teil der Wand des Langhauses ist heute aus dieser Epoche nichts übrig geblieben. Das Gebäude wurde im Laufe der Jahrhunderte stark verändert und das Fehlen von Elementen mit Jahreszahlen erlaubt auch keine genaue Angaben über die Chronologie der aufeinanderfolgenden Arbeiten. Im 18. Jahrhundert wurde der Glockengiebel, der offene Vorraum mit Holzpfeilern und der Haupteingang geschaffen. Die Apsis und die Sakristei wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neu gebaut, möglicherweise in den Jahren 1865 bis 1867, als Glasfenster in neuen Fensteröffnungen eingesetzt wurden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde im Süden des Langhauses ein überdimensionales Kreuz aus Stein aufgestellt, das vormals ein Friedhofskreuz gewesen war.

Das einschiffige Langhaus wird durch die dreiwandige Apsis verlängert, die etwas schmaler als das Langhaus ist und von der Sakristei flankiert wird. Das Kirchenschiff wird von einer modernen Täfelung aus Kiefer und einem sichtbaren Balkenwerk gedeckt, das nach dem Abbau eines falschen Gewölbes aus Gips freigelegt wurde. Der Haupteingang besitzt Türflügel aus Eichenholz und einen Sturz in Form eines Flachbogens. Das Gebäude ist prinzipiell mit Bruchsteinen aus Kalkstein und eisenhaltigem Sandstein, Garluche genannt, gemischt mit Ziegelsteinen gemauert. Die Verzahnung an den Mauerecken des Langhauses sind mit Garluche realisiert, an der Apsis mit Werksteinen aus Kalkstein.

Neun Glasfenster sind Werke des Glasmalers Gustave Pierre Dagrant aus Bordeaux, die 1904 entstanden sind. Sie zeigen biblische Personen und Szenen:

Die Kirche hat mehrere Einrichtungsgegenstände aus der Zeit des Ancien Régime bewahren können, beispielsweise ein Taufbecken aus dem Jahre 1758, die Umzäunung des Chors aus Schmiedeeisen, ein Gemälde aus dem Jahre 1767, das die die Begegnung des Paulus mit dem auferstandenen Jesus Christus auf dem Weg nach Damaskus illustriert und vom Maler J.–B. Smets aus Auch signiert ist, und eine Statue des Johannes. Die beiden letzten Objekte sind seit dem 28. November 1989 als Monument historique eingeschrieben. Die Sakristei birgt einige weitere Gegenstände derselben Epoche. Der Rest der Einrichtung datiert aus dem 19. Jahrhundert. Diese und viele weitere Objekte sind als nationale Kulturgüter registriert.[10]

Kirche Saint-Martin in Bourriot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Saint-Martin in Bourriot

Ein romanisches Christusmonogramm, das auf der Westfassade wiederverwendet wurde, ist das einzige Element der einfachen, Martin von Tours geweihten Kirche, deren meisten Teile vermutlich im 13. oder zumindest ganz zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstanden sind. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche umgestaltet mit der Schaffung der westlichen Tür im Jahre 1748 und möglicherweise mit der Errichtung der Vorhalle und der Sakristei. Das Langhaus wurde im gleichen Zug niedriger gemacht. Im 19. Jahrhundert wurden alle Fensteröffnungen überarbeitet. Im Süden des Langhauses ließ der Pfarrer Saint-Yors in den 1860er Jahren ein überdimensionales Kreuz aus Marmor und Gusseisen aufstellen.

Das einschiffige Langhaus wird durch die Apsis verlängert, die etwas schmaler und gleichzeitig höher als das Langhaus ist. Sie ist flach mit abgerundeten Ecken und wird an der Südseite von der Sakristei flankiert. Die Decke des Langhauses ist mit bemalten Holzschindeln bedeckt, der Chor mit einem falschen Kesselgewölbe aus Gips. Ein Glockengiebel mit drei rundbogenförmigen Öffnungen überragt die Ostfassade. Die Apsis ist mit Bruchsteinen aus Kalkstein und Garluche gemischt mit Ziegelsteinen gemauert. Die südliche Wand des Langhauses zeigt mehrfach Werksteine an den Fundamenten und Bruchsteine in dem oberen Teil.

Acht Glasfenster sind Werke des Glasmalers Louis-Victor Gesta aus Toulouse. 1865 sind die Fenster für den Chor entstanden, 1867 die Fenster für das Langhaus. Sie zeigen biblische Personen:

Der Großteil der Einrichtungsgegenstände scheint nach der Französischen Revolution erneuert worden, um die Zerstörungen oder die Beschädigungen zu beheben, die auch einer längeren Verwahrlosung zu schulden sind. Das Taufbecken aus dem 18. Jahrhundert bildet hierbei eine Ausnahme. Diese und viele weitere Objekte sind als nationale Kulturgüter registriert.[11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist bekannt für ihre Landwirtschaft, die seit den 1960er Jahren eine beachtliche Entwicklung aufweist. Eine Fläche von 240 Hektar wird u. a. mit dem Anbau von Mais und Kartoffeln bewirtschaftet. Der Wald, der 1949 zu einem großen Teil zerstört wurde, ist schrittweise wieder aufgeforstet worden.[2]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[12]
Gesamt = 56

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Grundschule mit 17 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[13]

Logo des Jakobswegs

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fernwanderweg GR 654 von Namur in Belgien über Vézelay nach Saint-Jean-Pied-de-Port führt durch das Zentrum von Bourriot. Er folgt der Via Lemovicensis, einem der vier Jakobswege in Frankreich.[14]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bourriot-Bergonce ist erreichbar über die Routes départementales 24, 224 und 379.

Die Autoroute A65, genannt Autoroute de Gascogne, durchquert das Gemeindegebiet, allerdings ohne direkte Ausfahrt zum Ort. Die nächste Ausfahrt 3, die die Nachbargemeinde Captieux bedient, ist ca. 20 km vom Zentrum von Bourriot-Bergonce entfernt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bourriot-Bergonce – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bourriot-Bergonce (fr) Gasconha.com. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  2. a b c Bourriot-Bergonce (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 9. September 2016. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  3. Landes (fr) habitants.fr. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  4. Ma commune : Bourriot-Bergonce (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  5. Bourriot-Bergonce (fr) Voies ferrées des Landes. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  6. Notice Communale Bourriot-Bergonce (fr) EHESS. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  7. Populations légales 2006 Commune de Bourriot-Bergonce (40053) (fr) INSEE. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  8. Populations légales 2015 Commune de Bourriot-Bergonce (40053) (fr) INSEE. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  9. Tertullian, Übersetzung von Dr. K. A. Heinrich Kellner: Die Prozesseinreden gegen die Häretiker. In: II. BAND -- Tertullians apologetische, dogmatische und montanistische Schriften. The Tertullian Project. 204 n. Chr.. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  10. église paroissiale Saint-Jean-de-la-Porte-Latine de Bergonce (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  11. église paroissiale Saint-Martin de Bourriot (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  12. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune de Bourriot-Bergonce (40053) (fr) INSEE. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  13. École élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 8. Februar 2018.
  14. La voie de Vézelay (fr) Agence de Coopération Interrégionale et Réseau „Chemins de Saint-Jacques de Compostelle“. Abgerufen am 8. Februar 2018.