Bouxwiller (Bas-Rhin)

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Bouxwiller
Bouxwiller (Frankreich)
Staat Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Bas-Rhin (67)
Arrondissement Saverne
Kanton Bouxwiller
Gemeindeverband Hanau-La Petite Pierre
Koordinaten 48° 50′ N, 7° 29′ OKoordinaten: 48° 50′ N, 7° 29′ O
Höhe 177–322 m
Fläche 25,59 km²
Einwohner 3.757 (1. Januar 2019)
Bevölkerungsdichte 147 Einw./km²
Postleitzahl 67330
INSEE-Code
Website www.commune-bouxwiller.fr

Bouxwiller
Ehemalige Synagoge, beherbergt heute das Musée judéo-alsacien
Rue du Canal mit ihren Fachwerkhäusern
Wappenbrunnen mit Adler und Löwe

Bouxwiller (deutsch Buchsweiler) ist eine französische Gemeinde mit 3757 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2019) im Département Bas-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappenbeschreibung: In Blau und Rot gespalten; vorn ein nach links sehender goldener Adler und hinten ein silberner Löwe.

Urgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Umgebung von Bouxwiller (lateinisch Buxovilla)[1] sind Siedlungsreste aus der Römerzeit nachgewiesen; im 18. Jahrhundert wurden Reste eines römischen Bades gefunden.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung von Buchsweiler findet sich in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 724, als Güter in Puxuwilare dem Kloster Weißenburg geschenkt wurden.

Buchsweiler war die „Hauptstadt“ des Amtes Buchsweiler, das am Anfang des 14. Jahrhunderts als Amt der Herrschaft Lichtenberg entstand. Bereits vor 1291 erhielt Buchsweiler vom römisch-deutschen König Rudolf I. Stadtrecht, und zwar das von Hagenau, verliehen.[2] Es war neben der Burg Lichtenberg das Zentrum der Herrschaft. Um 1330 kam es zu einer ersten, 1335 zu einer zweiten Landesteilung zwischen den drei Linien des Hauses Lichtenberg. Buchsweiler fiel je zur Hälfte an Johann II. von Lichtenberg aus der älteren Linie des Hauses und Ludwig III. von Lichtenberg, der die jüngere Linie des Hauses begründete.[3]

Anna von Lichtenberg (* 1442; † 1474), Tochter von Ludwig V. von Lichtenberg (* 1417; † 1474) und eine von zwei Erbtöchtern mit Ansprüchen auf die Herrschaft, heiratete 1458 den Grafen Philipp I. den Älteren von Hanau-Babenhausen (* 1417; † 1480). Der hatte eine kleine Sekundogenitur aus dem Bestand der Grafschaft Hanau erhalten, um sie heiraten zu können. Durch die Heirat entstand die Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Nach dem Tod des letzten Lichtenbergers, Jakob von Lichtenberg, eines Onkels von Anna, erhielt Philipp I. d. Ä. 1480 die Hälfte der Herrschaft Lichtenberg. Die andere Hälfte gelangte an seinen Schwager, Simon IV. Wecker von Zweibrücken-Bitsch. Das Amt Buchsweiler – und damit auch Buchsweiler – gehörten zu dem Teil von Hanau-Lichtenberg, den die Nachkommen von Anna erbten.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1528 wurde ein Hospital in der Stadt errichtet. Graf Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg (1514–1590) führte nach seinem Regierungsantritt 1538 die Reformation in der ganzen Grafschaft konsequent durch, 1545 in Buchsweiler. Der Ort war nun – wie die gesamte Grafschaft – lutherisch. 1612 wurde die Lateinschule eingerichtet.

Mit der Reunionspolitik Frankreichs unter König Ludwig XIV. kam das Amt Buchsweiler unter französische Oberhoheit. Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III. 1736, fiel Hanau-Lichtenberg – und damit auch das Amt Buchsweiler – an den Sohn seiner einzigen Tochter, Charlotte, Landgraf Ludwig (IX.) von Hessen-Darmstadt. Mit dem durch die Französische Revolution begonnenen Umbruch wurde Buchsweiler französisch. In der Folge der Revolution wurden zahlreiche Gebäude zerstört, das mittelalterliche Residenzschloss 1808.

Bouxwiller ist aber durch die Vielzahl seiner auch heute noch erhaltenen Fachwerkbauten, zum Teil noch aus dem 17. Jahrhundert, einer der malerischsten Orte des Elsass. Der Kanzleibau des Schlosses, 1659–1663 im Auftrag von Graf Friedrich Casimir von Hanau-Lichtenberg durch den gräflichen Werkmeister Hans Weibel errichtet, dient heute als Rathaus der Stadt.[4] Vom 19. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in der Nachbarschaft Bergbau betrieben, was der Stadt einen bescheidenen Wohlstand brachte.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. März 1973 fusionierte Bouxwiller mit den Gemeinden Imbsheim, Griesbach-le-Bastberg und Riedheim. Imbsheim hat den Charakter eines Runddorfes, obwohl Rundlinge im Elsass nicht üblich sind. Die Rue de Fossé ist eine Kreisstraße, die als Zufahrt dient. Durch den Dorfkern führt die Departementsstraße D6.

Auch die Dörfer Riedheim und Griesbach, die wie Imbsheim im Süden der Gemeinde liegen, fusionierten zum gleichen Datum mit Bouxwiller.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis zum Ende des Ersten Weltkriegs
Jahr Einwohner Anmerkungen
1780 Stadt mit über 450 Feuerstellen (Haushaltungen)[5]
1798 ≈ 3000 [6]
1821 3552 davon 2700 Protestanten (die zwei Pfarrer haben), 452 Katholiken und 350 Juden[1]
1846 3973 [7]
1872 3371 am 1. Dezember, in 497 Häusern;[8] nach anderen Angaben 3698 Einwohner[9]
1880 3365 am 1. Dezember, auf einer Fläche von 1381 ha, in 486 Häusern, davon 2672 Evangelische, 440 Katholiken und 253 Juden[10]
1885 3269 davon 2653 Evangelische, 360 Katholiken und 256 Juden[11]
1890 3126 [7]
1900 3101 meist evangelische Einwohner[12]
1905 3037 [7]
1910 2922 [7][13][14]
Anzahl Einwohner seit Mitte des 20. Jahrhunderts
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2011 2017
Einwohner 3665 3717 3706 3655 3693 3683 4009 3994 3963

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweis in Babenhausen auf die Partnerstadt

Bouxwiller pflegt eine Partnerschaft mit Babenhausen in Hessen; daran erinnert eine Straße in Bouxwiller und ein Straßenwegweiser in Babenhausen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Johann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente, Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 270–273.
  • August Stöber: Der Buchsweiler Weiberkrieg und die letzten Grafen von Lichtenberg, in: Alsatia, Jahrbuch für elsässische Geschichte, Sage, Alterthumskunde, Sitte, Sprache und Kunst, Jahrgang 1851, J. P. Rißler, Mülhausen 1851, S. 10–18.
  • Theodor Klein: Das Städtchen Buchsweiler und die Veste Lützelstein. Topographisch-historische Schilderung. Verlag J. P. Rißler, Mülhausen 1858, Google Books.
  • Eduard Grupe: Aus Buchsweilers Geschichte zu Ende des vorigen Jahrhunderts (1788-1795), Beilage zum Programm des Gymnasiums in Buchsweiler, Straßburg 1896.
  • Buchsweiler, Landkreis Zabern, Elsass-Lothringen, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Buchsweiler).
  • Fritz Eyer: Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts. In: Schriften der Erwin-von-Steinbach-Stiftung. 2. Auflage, Im Text unverändert, um eine Einführung erweiterter Nachdruck der Ausgabe Strassburg, Rhenus-Verlag, 1938. Band 10. Pfaehler, Bad Neustadt an der Saale 1985, ISBN 3-922923-31-3 (268 Seiten).
  • Alfred Matt: Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480 1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7–9.
  • Le Patrimoine des Communes du Bas-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Charenton-le-Pont 1999, ISBN 2-84234-055-8, S. 179–193.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bouxwiller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Johann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente, Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 270–273.
  2. Eyer, S. 160, 228f.
  3. Eyer, S. 78f.
  4. Gerhard Bott: Schlösser und öffentliche Bauten in der Grafschaft Hanau-Lichtenberg im 17. und 18. Jahrhundert. In: Hanauer Geschichtsverein 1844: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2015, S. 35ff. (hier bes. S. 40f.).
  5. Sigmund Billings: Geschichte und Beschreibung des Elsasses und seiner Bewohner von den ältesten bis in die neuesten Zeiten, Basel 1782, S. 239–240.
  6. Alfred Matt: Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480 – 1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7–9.
  7. a b c d Michael Rademacher: Kreis Zabern, Elsass-Lothringen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  8. C. Stockert, Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten, Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 47 und S. 78.
  9. Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Spalte 8.
  10. Statistisches Büro des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen (Hrsg.): Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 37.
  11. Anonymes Mitglied des Katholischen Volksvereins: Die konfessionellen Verhältnisse an den Höheren Schulen in Elsaß-Lothringen. Statistisch und historisch dargestellt.Straßburg 1894, S. 39.
  12. Lexikoneintrag zu Buchsweiler, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 3, Leipzig/Wien 1905, S. 553.
  13. Buchsweiler, Landkreis Zabern, Elsass-Lothringen, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Buchsweiler)
  14. Kreis Zabern, Elsass-Lothringen - gemeindeverzeichnis.de (U. Schubert, 2021)
  15. Vgl. dazu: Kathrin Ellwardt: Lutheraner zwischen Frankreich und dem Reich: Kirchenbauten in den elsässischen Ämtern der Grafschaft Hanau-Lichtenberg unter Johann Reinhard III. und Ludwig IX. In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2016, S. 18–59 (26–33)
  16. Kathrin Ellwardt: Kirchenbau zwischen evangelischen Idealen und absolutistischer Herrschaft. Die Querkirchen im hessischen Raum vom Reformationsjahrhundert bis zum Siebenjährigen Krieg. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2004, ISBN 3-937251-34-0
  17. Hörbeispiel auf YouTube