Bowe Bergdahl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sergeant Bowe Bergdahl (2009)

Bowe Robert Bergdahl (* 28. März 1986 in Sun Valley, Idaho)[1] ist ein US-amerikanischer Soldat. Er war vor seiner Freilassung im Mai 2014 der letzte US-Gefangene des Kriegs in Afghanistan. Der Sergeant wurde gegen fünf im Gefangenenlager Guantanamo gefangen gehaltene Talibankämpfer ausgetauscht.

Leben[Bearbeiten]

Bergdahl wurde 1986 als Sohn von Jani und Robert „Bob“ Bergdahl in Idaho geboren. Sein Vater arbeitet als Kurierfahrer. Bergdahl hat eine ältere Schwester und wurde von seiner Mutter im Heimunterricht beschult. Die Familie hat norwegische Wurzeln.[2]

Seine Ausbildung erhielt er 2008 an der Infantry School in Fort Benning, Georgia. Er war Mitglied des 1st Battalion, 501st Infantry Regiment, 4th Brigade Combat Team, 25th Infantry Division und war in Fort Richardson, Alaska, stationiert.

Einsatz in Afghanistan[Bearbeiten]

Bergdahls Einheit wurde zum Außenposten Mest-Malak in Afghanistan entsandt. Dort lernte Bergdahl etwas Pashtun. Angeblich trat er immer wieder in Kontakt mit der afghanischen Bevölkerung und verbrachte mehr Zeit mit ihnen als mit seinem Platoon.

Gefangenschaft[Bearbeiten]

Im Juni 2009 geriet Bergdahl in Gefangenschaft. Ein Kommandeur des Haqqani-Netzwerkes berichtete der Nachrichtenagentur AFP am Telefon angebliche Details aus der Gefangenschaft Bergdahls. Der Sergeant war nach diesen Informationen nach seiner Entführung im Juni 2009 zunächst in Ostafghanistan und dann vom Haqqani-Netzwerk im pakistanischen Stammesgebiet Nord-Waziristan versteckt worden. Bergdahl hatte während der Gefangenschaft viel Badminton gespielt und vielen Haqquani-Kämpfern das Spiel beigebracht. Er half seinen Bewachern beim Kochen. Die Landessprachen Paschtu und Dari spricht Bergdahl seither fließend. Obwohl seine Bewacher versuchten, ihn über den Islam aufzuklären und ihm auch entsprechende Bücher besorgten, habe Bergdahl lieber an christlichen Traditionen festgehalten.

Freilassung[Bearbeiten]

Die Taliban hatten die Freilassung der fünf Guantanamo-Häftlinge zur Bedingung für Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung gemacht. Erste Kontakte zu den Taliban waren in den vergangenen Jahren immer wieder abgerissen, weil sich die US-Regierung weigerte, die Guantanamo-Gefangenen freizulassen. Eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung zwischen den Taliban und der US-Regierung spielte schließlich der Emir von Katar. In seinem Scheichtum unterhielten die Taliban lange Zeit ein offizielles Büro. Um seine Freilassung zu erreichen, erklärte sich die Obama-Regierung bereit, im Gegenzug fünf hochrangige Taliban aus Guantanamo nach Katar zu überstellen. Die fünf Häftlinge waren

Der Emir von Katar hat sich gegenüber der US-Regierung bereit erklärt, die ehemaligen Häftlinge zu überwachen und ein Jahr lang nicht ausreisen zu lassen.[5] Außerdem bleibe die Schließung von Guantanamo sein erklärtes Ziel.

Ein Sondereinsatzkommando der US-Special Forces von der Bagram Air Base hatte Bergdahl am 31. Mai 2014 nahe der Grenze zur pakistanischen Provinz Chost lokalisiert und an Bord eines Hubschraubers genommen. 18 Taliban waren laut Augenzeugen bei der Gefangenenübergabe zugegen. Von einer US-Militärbasis in Afghanistan wurde Bergdahl zur Ramstein Air Base geflogen. Nach einer Behandlung im Landstuhl Regional Medical Center wurde er in die USA zu seinen Eltern geflogen.

Anklage[Bearbeiten]

Ende März 2015 wurde bekannt, dass Bergdahl wegen Fahnenflucht und Fehlverhalten vor dem Feind angeklagt werden soll. Eine Untersuchung war zuvor zu dem Ergebnis gekommen, dass er seinen Posten „gezielt und freiwillig“ verlassen habe. Ein militärisches Geschworenengremium soll sich des Falls annehmen und ihn gegebenenfalls für den eigentlichen Prozess an ein Kriegsgericht weiterreichen. Bei einem Schuldspruch drohen Bergdahl bis zu 28 Jahre Haft, die unehrenhafte Entlassung aus der Armee mit dem Verlust seiner Bezüge und der Aberkennung des militärischen Rangs.[6]

Reaktionen[Bearbeiten]

Taliban-Anführer Mullah Omar bezeichnete den Austausch des entführten US-Soldaten Bergdahl gegen fünf Taliban-Mitglieder als „großen Sieg“.[7] Er gratuliere dem gesamten afghanischen Volk, allen Mudschaheddin und den Familien der befreiten Taliban-Kämpfer, erklärte Omar am 1. Juni 2014 in einer Stellungnahme. Er dankte dem Emir von Katar für seine Vermittlungsbemühungen. Der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid warnte davor, zu viel in die Freilassung der Guantanamo-Häftlinge hinein zu interpretieren. Es habe sich nur um „einen Austausch von Kriegsgefangenen“ gehandelt.

Vertreter der Republikanischen Partei kritisierten den Gefangenenaustausch als Präzedenzfall, der Anreize für weitere Entführungen schaffen könnte.

Ehemalige Kameraden Bergdahls bezweifeln, dass er von den Taliban entführt wurde. Sie äußern vielmehr den Verdacht, dass er desertiert sei.[8][9]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bowe Bergdahl Fast Facts - CNN.com
  2. Brief Narrative « Sgt Bowe Bergdahl
  3. FAZ.net: Kriegsheimkehrer Bowe Bergdahl - Besser, er ist ein Held vom 1. Juni 2014
  4. Cleveland.com: Sgt. Bowe Bergdahl freed from captivity in Afghanistan vom 1. Juni 2014
  5. http://www.tagesschau.de/ausland/guantanamo510.html
  6. Ehemalige Geisel der Taliban in Afghanistan: Bergdahl als Deserteur angeklagt bei tagesschau.de, 25. März 2015 (abgerufen am 26. März 2015).
  7. Spiegel online http://www.spiegel.de/panorama/omar-mulllah-feiert-austausch-von-taliban-gegen-bergdahl-a-972774.html
  8. tagesschau.de http://www.tagesschau.de/ausland/bergdahl108.html
  9. sueddeutsche.de http://www.sueddeutsche.de/panorama/vater-des-us-soldaten-bowe-bergdahl-mit-der-sprache-des-gegners-1.1982319-2