Bräuteschule

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Dieser Artikel behandelt die Bräuteschule während der Zeit des Nationalsozialismus im Deutschen Reich. Für die Fernsehserie, siehe: Die Bräuteschule 1958

Die Schutzstaffel (SS) im Deutschen Reich schrieb für alle SS-Angehörigen eine Heiratsgenehmigung vom Rasse- und Siedlungshauptamt zwingend vor. Voraussetzung dieser Genehmigung war für Frauen die Teilnahme an Kursen, Bräuteschule genannt. In ihrer politischen Zielsetzung war diese Schulung auf eine Funktionalisierung der Frau als Teil der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik gerichtet, im Endeffekt sollte der gewünschte "arische" Nachwuchs gefördert werden. Obwohl nur für SS-Angehörige vorgeschrieben, erlangte der Begriff „Bräuteschule“ durchaus Popularität. Lothar-Günther Buchheim zitiert 1973 in seinem Roman „Das Boot“ einen derben Soldatenwitz über die „Abschlussprüfung in der Reichsbräuteschule“. Ebenfalls literarisch verarbeitet wurde das Thema von Anna Seghers in ihrem Roman „Das siebte Kreuz“, in dem eine junge Frau mit einem SS-Mann verlobt ist.

Insel Schwanenwerder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Deutsche Frauenwerk e. V.“, unter Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink, bezog im Sommer 1937 die Villa Inselstraße 38 auf der Insel Schwanenwerder in der Nähe von Berlin und richtete eine so genannte „Reichsbräuteschule“ ein. In mehrwöchigen Lehrgängen wurde hier jungen Mädchen und Frauen das Nähen, Putzen, Kochen, die Haushaltsführung und die Säuglingspflege gelehrt.

Husbäke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitere „Bräuteschule“ existierte von 1937 bis 1945 im niedersächsischen Husbäke (Gemeinde Edewecht). Diese ging aus dem seit 1923 wirkenden „Volkshochschulheim Edewecht“ hervor, in der junge Frauen hauswirtschaftlich und schulähnlich ausgebildet wurden. Geleitet wurde die Einrichtung von der Oldenburger Studienrätin Bertha Ramsauer (1884–1947), deren Pädagogik jungen Frauen die selbstbestimmte Wahl ihrer Möglichkeiten vermitteln wollte.

Dieser aufgeklärte Ansatz widersprach jedoch dem aufkommenden Nationalsozialismus mit seiner individuumsfeindlichen Mutterdoktrin. So erfolgte seit Beginn des III. Reiches auch an dieser Bildungseinrichtung die ideologische Gleichschaltung. Das Lehrangebot wurde vollständig umgestaltet. Ideologisch einschlägige Fächer wie „Rassekunde“ oder Vererbungslehre wurden eingeführt und handwerkliche Arbeiten verstärkt gelehrt, während geistige Arbeit aus den Lehrplänen des Volkshochschulheims entfernt wurde. Innerhalb der Kurse versuchte Bertha Ramsauer aber weiterhin, ihre Vorstellungen von Frauenbildung zu vermitteln.

Diese Gratwanderung endete am 15. September 1935, als dieses Volkshochschulheim in die Hände des Deutschen Frauenwerks, Abteilung Mütterdienst (Berlin) überging und 1937 zur „Reichsbräute- und Heimmütterschule Husbäke“ umgewandelt wurde, eine mehrerer „Reichsbräuteschulen“ des III. Reiches. Mit der Übergabe des Volkshochschulheims an das Deutsche Frauenwerk endete 1935 auch die Bildungsarbeit von Bertha Ramsauer.

Überregionale Erwähnung fand die Reichsbräuteschule in Husbäke u. a. in einem am 18. Juni 1944 erschienen mehrspaltigen Artikel im „Völkischen Beobachter/Berliner Beobachter“ unter dem Titel „In einer Reichsbräuteschule. Die Frau als Kameradin“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude als Flüchtlingslager, Krankenhaus, Altersheim, Haus für den Zivilbevölkerungsschutz und Gastarbeiterwohnheim genutzt. Heute steht die Immobilie leer.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Krieg wurde der Begriff umgangssprachlich für eine Bildungseinrichtung mit hauswirtschaftlichem Schwerpunkt verwendet, die eine Mischung aus Mädchengymnasium und Hauswirtschafts-Internat darstellte. Hier ging es darum, wie man richtig kocht und näht, wie man Tische deckt und Betten bezieht und zur perfekten Hausfrau wird.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]