Brücke von Alcántara

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 39° 43′ 21″ N, 6° 53′ 33″ W

Brücke von Alcántara
Brücke von Alcántara
„Weltwunder“ römischer Baukunst
Überführt

Straße Norba-Conimbriga

Querung von

Tajo

Ort Alcántara (Spanien)
Konstruktion Bogenbrücke mit Keilsteingewölbe
Gesamtlänge 194 m
Breite 8 m
Anzahl der Öffnungen 6
Lichte Weite Max. 28,60 m
Pfeilerstärke 8,30 m
Höhe 71 m
Fertigstellung 105 oder 106 n. Chr.
Planer Caius Iulius Lacer
Lage
Brücke von Alcántara (Spanien)
Brücke von Alcántara

Die Brücke von Alcántara ist eine römische Steinbogenbrücke in Spanien, die unmittelbar bei dem gleichnamigen Ort in der Extremadura zirka 5 Kilometer vor der portugiesischen Grenze den Fluss Tajo überspannt. Sie gilt als das bedeutendste erhalten gebliebene römische Brückenbauwerk.

Architektur und Widmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brücke erstreckt sich mit sechs unterschiedlich weiten Bögen über eine Länge von 194 Metern. Ihre 8 Meter breite Fahrbahn liegt etwa 50 Meter über dem Normalwasserspiegel des Tajo, wobei die Gesamthöhe des Bauwerks bei 71 Metern liegt. Die beiden zentralen Bögen der Brücke zählen mit ihrer Weite von 27,34 Metern bzw. 28,60 Metern zu den größten noch erhaltenen antiken Bogenkonstruktionen. Die rechteckigen, im Grundriss zirka 12,20 × 8,30 Meter messenden Pfeiler sind an beiden Seiten mit dreieckigen Strombrechern von etwa 8 Metern Länge ausgestattet und gründen unmittelbar auf dem Schieferfelsen des Untergrundes, in den Fundamentplattformen hineingehauen wurden. Die Brücke ist mörtelfrei im opus quadratum (römische Quaderbauweise) errichtet, wobei die Steine an einigen Stellen, insbesondere im unteren Bereich der Pfeiler, mit Metallklammern verbunden wurden.

Zur Mitte der Brücke hin befindet sich ein dem Kaiser Trajan gewidmeter, etwa 14 Meter hoher Ehrenbogen, der auf Tafeln die den Bau finanzierenden Munizipien nennt. Außerdem wurde aus den auch zum Bau der Brücke verwendeten Granitquadern an der Südostseite ein kleiner, den vergöttlichten römischen Kaisern gewidmeter Tempel errichtet, der die Grablege des Erbauers der Brücke enthält, Caius Iulius Lacer, vermutlich ein römischer Militäringenieur. Es handelt sich neben dem Tempel von Vic um einen von nur zwei komplett erhaltenen römischen Tempeln auf der iberischen Halbinsel.

Darin befand sich eine (im 19. Jahrhundert durch eine Neuanfertigung aus Marmor ersetzte) Steintafel mit einer Inschrift, die den Architekten namentlich erwähnt und auf poetische Weise die Bestimmung der Brücke beschwört, die Jahrhunderte zu überdauern, was diese auf beeindruckende Weise getan hat:

Pontem perpetui mansurum
in saecula mundi
fecit divina nobilis arte Lacer ...

Die Brücke, auf Dauer zu bleiben
in des ewigen Weltlaufs Jahrhunderten,
schuf der löbliche Lacer mit göttlicher Kunst ...

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau der Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Straßenbrücke wurde im ersten Jahrzehnt des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts, zur Zeit des Kaisers Trajan, innerhalb von nur ca. fünf Jahren erbaut. Ermöglicht wurde eine solch kurze Bauzeit durch den hohen logistischen Organisationsgrad des römischen Zentralverwaltungs- und Transportsystems. So konnten aus einem riesigen demografischen Reservoir viele Arbeitskräfte an bestimmten Orten konzentriert werden. Dies betraf sowohl freie Arbeiter als natürlich auch Sklaven. Zum Vergleich wurden im Mittelalter für den Bau von Projekten ähnlicher Größenordnung oft Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte benötigt. Fertiggestellt wurde die Brücke von Alcántara wahrscheinlich in den Jahren 105 oder 106 n. Chr.

Der Bau erfolgte auf finanzielle Initiative von elf Munizipien der Provinz Lusitania. Sie wollten damit die Verkehrsverbindung nach Kantabrien und Galicien vereinfachen, die vor allem für die Versorgung aus den dort ausgebeuteten Eisenvorkommen bedeutend war. Bis dahin konnte diese nur auf dem schwierigen und riskanten Seeweg über den Atlantik bedient werden. Dazu musste jedoch als wichtigstes Hindernis an der Straßenverbindung zwischen Norba (heute Cáceres) und Conimbriga (bei Condeixa-a-Velha) der Fluss Tagus (span. Tajo, port. Tejo) überwunden werden.

Man entschied sich dafür, diesen an einer Stelle, in der er tief in die Hügellandschaft eingeschnitten ist, mit einer Brücke zu überspannen. Da an diesem Ort die Hoch- und Tiefwasseramplitude besonders hoch ist, stellte dies besondere Anforderungen an den zu realisierenden Bau. Lacer löste das gestellte Problem mit einer sowohl aus statischen als auch ästhetischen Gesichtspunkten eindrucksvollen Konstruktion.

Arabische Eroberung und Reconquista[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Araber, die zu Beginn des achten Jahrhunderts die iberische Halbinsel erobert hatten, schätzten die bautechnische und strategische Bedeutung der Brücke so hoch ein, dass sie die auf der Anhöhe über der Brückenzufahrt entstehende Ansiedlung al-Qantara (القنطرة) nannten, was schlicht „die Brücke“ bedeutet. Der Historiker und Geograph al-Idrisi bezeichnete die „Schwertbrücke“ (Qantarat as-Saif قنطرة السيف) in seiner Beschreibung Spaniens im 12. Jahrhundert als eines der Weltwunder. Auf die erwähnte arabische Bezeichnung geht wohl auch die Legende zurück, im Inneren der Brücke sei ein goldenes Schwert eingemauert; einer anderen Überlieferung zufolge soll es sich um das Schwert Roderichs handeln, des letzten westgotischen Königs von Toledo.

Als sich zur Zeit der Reconquista die christlichen Truppen näherten, zerstörten die abziehenden Mauren einen der beiden kleinsten Bögen. Endgültig eroberte König Alfons IX. von León Alcántara im Jahr 1213 für sein Reich und übergab Festung und Brücke fünf Jahre darauf dem später Alcántaraorden genannten Ritterorden.

Südansicht der Brücke mit Staumauer im Hintergrund

Renovierungen und Kriegsschäden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration in einer spanischen Zeitschrift, 1857 (zeigt den damals aktuellen Zustand mit Lücke)

Unter König Karl I. wurde das Bauwerk 1543 wiederhergestellt, renoviert und auf dem Portugal zugewandten Nordufer mit Verteidigungsanlagen ausgestattet, deren Reste (der sogenannte Torre de Oro, „Goldener Turm“) heute noch sichtbar sind. Zur Erinnerung wurde am Ehrenbogen auf der linken Seite (s. Foto) eine Tafel mit einer Inschrift angebracht.

Während des spanischen Erbfolgekrieges wurde im Jahre 1707 der erste Bogen auf der Nordwestseite zerstört, den König Karl III. 1778 wieder aufbauen ließ.

In den Koalitionskriegen wurde 1809 während der Kämpfe zwischen napoleonischen und portugiesisch-englischen Kräften der von Nordwesten aus gesehen zweite Bogen gesprengt. Das Befahren der Brücke wurde dann 1818 durch eine Hilfskonstruktion aus Holz wieder ermöglicht, die jedoch ihrerseits während der Karlistenkriege im Jahr 1836 verbrannte. Erst zwischen 1858 und 1869 wurde der zerstörte Bogen auf Geheiß der Königin Isabella II., die an der rechten Seite des Trajanbogens ebenfalls eine Gedenktafel anbringen ließ, wieder aufgebaut. Dabei wurde auch die bis dahin zur Mitte hin ansteigende Fahrbahn begradigt. Dies und die Tatsache, dass der Brückenbogen nicht wie ursprünglich ohne Mörtel gebaut wurde, sind Eingriffe, die man nach heutigen Gesichtspunkten wohl vermieden hätte.

Dennoch wirkt es beinahe ergreifend, wenn bis heute sogar Omnibusse und Lastwagen die Brücke überqueren und man damit die Vision des Epigraphen und das technische Genius des Architekten bestätigt sieht.

Der Stich von Gaucherel/Lemaître zeigt den Zustand der Brücke zu Beginn des 19. Jh. Gut zu erkennen ist die zur Mitte hin ansteigende Fahrbahn.

Staumauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur etwa 600 m flussaufwärts wurde 1970 die Staumauer für den Alcántara-Stausee errichtet.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architekturpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1988 wird von einer Stiftung alle zwei Jahre der internationale Architekturpreis Premio Internacional Puente de Alcántara vergeben, mit dem „im Zeichen dieser römischen Brücke Ingenieurbauwerke von herausragender kultureller, technischer, ästhetischer oder gesellschaftlicher Bedeutung in Spanien, Portugal und Lateinamerika ausgezeichnet werden sollen“.[1]

Panoramabild der Brücke von Alcántara (Nordansicht)

Weltkulturerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufnahme der Brücke in das Weltkulturerbe der Unesco ist seit 1998 beantragt. 2013 bildete sich im Landesparlament der Extremadura eine parteiübergreifende Initiative, die den Prozess der Anerkennung des Denkmals wiederbeleben und vorantreiben möchte. Im Oktober 2014 beantwortete die damalige extremenische Kulturministerin Trinidad Nogales eine parlamentarische Anfrage zum Stand des Verfahrens und kündigte an, die seit Jahren ruhenden Planungen zum Bau einer Ausweichbrücke zwecks Entlastung der römischen Brücke vom Durchgangs-Autoverkehr wieder aufzugreifen. Dies sei „das Erste“, was die damals gerade ins Amt gewählte Regierung in Angriff nehmen werde, um das Anliegen zu unterstützen, dieses „Juwel der Extremadura, die vielleicht bedeutendste Brücke des Okzidents“, in die internationale Welterbeliste eintragen zu lassen.[2]

Epigraphen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentierte lateinische Inschriften vom Fundort im Projekt Hispaniae Epigraphica:

  • Inschrift des Ehrenbogens (Reg. Nr. 21737)
  • Widmung der am Bau beteiligten Munizipien (Reg. Nr. 21738)
  • Inschrift über dem Tempeleingang mit Würdigung des Architekten (Reg. Nr. 21739)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brücke von Alcántara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. nach der Selbstdarstellung der Stiftung San Benito de Alcántara, Alcántara
  2. Cultura intentará que el Puente de Alcántara sea Sitio Histórico y Patrimonio de la Humanidad. Pressebericht in der Provinzzeitung Hoy vom 9. Oktober 2014, abgerufen am 22. Februar 2016.