Hospitaliter vom Heiligen Geist

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen des Ordens am Kreuzherrenkloster Memmingen
Wappen des Mutterhauses in Rom[1]
Habit der Spitalbrüder
Hauptsitz in Rom: Ospedale Santo Spirito in Sassia
Das ehemalige Heiliggeist-Spital in Rapperswil, Schweiz

Die Hospitaliter vom Heiligen Geist, auch Brüder vom Orden des Heiligen Geistes, Hospitalorden zum Heiligen Geist, Chorherren vom Heiligen Geist und Memminger Kreuzherren genannt, folgten der Augustinusregel und waren als Regularkanoniker konstituiert. Von seinem Gründungsideal her war der Orden besonders der Armen-, Waisen- und Krankenpflege verpflichtet, die Hospitaliter beherbergten in ihren Spitälern aber auch Pilger und versorgten Pfründner. Aufgrund des Kreuzes mit zwei Querbalken (auch Patriarchenkreuz genannt), welches die Ordensmitglieder auf ihren schwarzen Habiten trugen, wurden sie mitunter als Kreuzherren bezeichnet. Nur ein kleiner Teil der im Mittelalter entstandenen zahlreichen Heilig-Geist-Spitäler ist dem Orden zuzuschreiben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anfang des Ordens geht auf ein Heilig-Geist-Spital zurück, das um 1170/75 von Guido von Montpellier in Montpellier in Südfrankreich gegründet wurde. Die Spitalbruderschaft, die sich der Kranken- und Armenfürsorge verschrieben hatte, erhielt 1198 die päpstliche Bestätigung von Papst Innozenz III. und wurde damit als Orden anerkannt. Spätestens 1204 wurde die Gemeinschaft unter die Augustinusregel gestellt und als Regularkanoniker konstituiert. Der Papst übertrug Guido das römische Spital Santa Maria in Sassia, später Santo Spirito in Sassia genannt. Er leitete die Spitäler in Montpellier und Rom bis zu seinem Tod 1208. Der Orden erhielt eigene Statuten, Elemente der ritterlichen Hospitalorden wurden darin aufgenommen. Die Ordensbrüder verpflichteten sich durch ein Sondergelübde zum Hospitaldienst.[2] Die meisten Spitäler zum Heiligen Geist wurden im 13. Jahrhundert in der Folge von Stadtgründungen eingerichtet.[3]

Weitere Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tode des Ordensgründers Guido von Montpellier im Jahre 1208 wurde das Spital (Ospedale) Santo Spirito in Sassia in Rom das Haupthaus des Ordens. Dort hatte der Leiter des Gesamtordens, der Generalpräzeptor seinen Sitz. Die Hospitaliter breiteten sich besonders in Frankreich und Italien aus. Die deutschen Niederlassungen in Markgröningen, Memmingen, Neumarkt in der Oberpfalz und Pforzheim bildeten mit den Klöstern im Elsass die Ordensprovinz Alemania Superior. Das Münchner Heilig-Geist-Spital gehörte nur zeitweise zum Orden (2. Hälfte des 13. Jahrhunderts bis 1330).[4] Im 15. Jahrhundert unterstanden dem römischen Haupthaus ca. 750 Klöster im Heiligen Römischen Reich, in Frankreich und in Italien. Im Spätmittelalter wurde der Spitaldienst, und damit das ursprüngliche Ordensideal, weitgehend aufgegeben. Der Orden verfiel der Verpfründung und wurde vielerorts zu einer bloßen Versorgungsanstalt mit sicheren Einkünften. Eine Erneuerung des Ordens gemäß der Gründungsintention gelang bis zur Aufhebung im 19. Jahrhundert nicht mehr.[5]

Auflösung des Ordens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Folgen der Reformation, die Französische Revolution und die Säkularisation nach 1803 gingen viele Klöster und Spitäler verloren. Etliche Spitäler wurden unter städtischer Regie weiterbetrieben. So existieren in Deutschland noch heute einige Heilig-Geist-Spitäler als Stiftungen. Papst Pius IX. hob den Orden 1847 schließlich endgültig auf.

Neugründung in Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 wurde im Bistum Danzig die Gesellschaft des Heiligen Geistes als Institut des geweihten Lebens diözesanen Rechts gegründet. Der Erzbischof von Danzig Tadeusz Gocłowski bestätigte an Pfingsten 2003 die öffentliche kanonische Errichtung der klerikalen Gesellschaft des Heiligen Geistes. Diese neue Ordensgemeinschaft bezieht sich ausdrücklich auf das Charisma und die Spiritualität des Guido von Montpellier und sieht sich in der geistlichen Nachfolge der Hospitaliter vom Heiligen Geist. Das Ordensgewand ist eine schwarze Soutane mit Zingulum, dazu wird an der rechten Brustseite ein angestecktes silberfarbenes Doppelkreuz getragen, das in der Form das Ordenskreuz des historischen Hospitaliterordens aufgreift. Beim schwarzen Ordensmantel wird das Ordenskreuz auf der linken Seite getragen.[6]

Weiblicher Zweig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiblicher Zweig, Kanonissen vom Heiligen Geist und Hospitaliterinnen vom Heiligen Geist genannt, entstand aus den zu den Hospitalgemeinschaften gehörenden Schwesternschaften. Die Aufhebung des männlichen Zweigs führte im 19. Jahrhundert zu einer Neuordnung der weiblichen Kommunitäten, die heute in verschiedenen Kongregationen als Schwestern vom Heiligen Geist (Frankreich und Spanien) und Kanonissen vom Heiligen Geist (Polen, Mutterhaus in Krakau) organisiert sind.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Original in Wikimedia Commons
  2. Karl Suso Frank: Hospitaliter vom Heiligen Geist. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). 3. Auflage. Band 4. Herder, Freiburg im Breisgau 1995, Sp. 1315f. ISBN 3-451-22002-4.
  3. Deutscher Verband Frau und Kultur e. V., Gruppe Lübeck: Weihnachtsmarkt im Heiligen-Geist-Hospital zu Lübeck. Faltblatt vom November 2010.
  4. Landeshauptstadt München: 800 Jahre Heiliggeistspital-Stiftung. München 2008. (PDF-Datei; 679 kB)
  5. Karl Suso Frank: Hospitaliter vom Heiligen Geist. A.a.O., Sp. 1316.
  6. http://www.gwidon.pl
  7. Barbara Henze: Kanonissen. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). 3. Auflage. Band 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996, Sp. 1187f. ISBN 3-451-22005-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hospitaliter vom Heiligen Geist – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Heilig-Geist-Spital – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien