Bracht (Brüggen)

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Koordinaten: 51° 17′ 0″ N, 6° 11′ 44″ O

Bracht
Gemeinde Brüggen
Wappen der früheren Gemeinde Bracht
Höhe: 29–60 m
Fläche: 35,87 km²
Einwohner: 6700
Bevölkerungsdichte: 187 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 41379
Vorwahl: 02157
Karte

Lage von Bracht im Gebiet der
Gemeinde Brüggen im Kreis Viersen

Bracht ist ein Ortsteil der Gemeinde Brüggen im Kreis Viersen mit circa 6.700 Einwohnern (Stand 30.11.2016). Die beiden Ortschaften liegen ungefähr vier Kilometer auseinander. Bracht wird oft auch als „Dohlendorf“ bezeichnet. Zum Ort gehören die Honnschaften Alst (Jralst), Angenthoer, Boerholz (Boeren), Heidhausen (Hedes), Hülst, Stevensend und Stieg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Gemeindewappen von Bracht

Schriftlich erstmals auf der Rückseite einer Urkunde von 1116 als „BRATH“ erwähnt, wurde Bracht schon in der Keltenzeit besiedelt. Unter den Karolingern war die Region als Mühlgau bekannt. Bracht wurde daher auch als „Mühlbracht“ bezeichnet. 1317 waren Bracht und die Honschaften Alst, Angenthoer, Boerholz, Heide, Heidhausen, Stevensend und Haus Schleveringhoven Teil des Amtes Brüggen, dem nördlichsten Amt im Herzogtum Jülich-Berg. 1798 wurde von der französischen Verwaltung der neue Kanton Bracht geschaffen. 1801 kam das gesamte Gebiet als Roerdepartement an Frankreich. 1815 wurde das Rheinland preußisch und Brüggen und Bracht dem neugeschaffenen Kreis Kempen zugeordnet. 1879 bis 1919 schlossen sich Brüggen und Bracht zu einer Verwaltungseinheit zusammen. Im Herbst 1944 wurde die Maas-Rur-Stellung ausgebaut; diese Linie verlängerte den Westwall, dessen nördliches Ende bei Heinsberg lag. Nach dem Ende der Operation Blackcock (Januar 1945) und nach dem Beginn der Operation Grenade räumte die Wehrmacht das Maas-Rur-Dreieck zwischen Venlo, Roermond und Wassenberg am 27./28. Februar kampflos, um einer Einschließung zu entgehen. Am 1. März 1945 stieß eine Kampfgruppe der US Army (im Rücken der Maas-Rur-Stellung) über Niederkrüchten - Brüggen- Bracht- Kaldenkirchen nach Venlo vor. [1]

Am 1. Januar 1970 wurde Bracht in die Nachbargemeinde Brüggen eingegliedert.[2] Heute sind rund 6.700 Brachter Einwohner der Gemeinde Brüggen.

Die Unterlagen des Brachter Gemeindearchivs befinden sich im Kreisarchiv des Kreises Viersen in Kempen.[3]

In die internationalen Schlagzeilen geriet der Ortsteil 2016, als das alternativmedizinische „Biologische Krebszentrum“ nach einer Reihe von Todesfällen geschlossen wurde.[4][5][6] Ein Zusammenhang mit den Behandlungsmethoden konnte jedoch nicht bewiesen werden.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das alte Wappen Mühlbrachts zeigte die Patronin der Brachter Pfarrkirche St. Mariae Himmelfahrt in rot-grüner Kleidung auf der linken Seite und den gelben Löwen Gelderns mit einem Lehensstander mit dem schwarzen Löwen Jülichs. Dieses alte Wappen war bereits im 12. Jh. das Siegel eines Schöffengerichts und galt [wem?] als eines der schönsten in Deutschland.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeweils donnerstags wird ein Wochenmarkt auf dem Weizerplatz abgehalten. Im Laufe des Jahres werden in Bracht verschiedene Feste wie das ökumenische Pfarrfest, Dohlenfest, Mühlenfest, Schützenfest und die Kirmes gefeiert. Außerdem gab es bisher im Dezember einen Nikolausmarkt, der im Jahr 2011 nicht stattfand. Als Ersatz gibt es seitdem die Brachter Mühlenweihnacht, die am 2. Adventswochenende zahlreiche Besucher nach Bracht lockt. Am Karnevalssamstag gibt es einen Karnevalsumzug, der der erste Umzug in der Region ist. Weiterhin bietet die KKG Brachter Wasserratten eine kostenlose Kindersitzung an. Darüber hinaus finden am Fronleichnamswochenende traditionell bei den TSF Bracht Jugendturniere mit nahezu 1000 jugendlichen Teilnehmern statt.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bracht befinden sich neben vier Kindergärten auch zwei Schulen: für die 5. bis 8. Jahrgangsstufe der Standort Bracht der Gesamtschule Brüggen sowie die Katholische Grundschule. Weitere religiöse Einrichtungen in der Stadt sind die Katholische Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt, die Evangelische Kirchengemeinde Bracht-Breyell sowie der baptistische Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Zu diesen Kirchen gehören zwei Pfarrheime, ein evangelisches und ein katholisches. Für die Einwohner stehen zudem ein Bürgersaal und mehrere Senioren-Treffs zur Verfügung. Für ältere Menschen gibt es zudem das Seniorenheim St. Franziskus, das im ehemaligen Kastell Haus Schleveringhoven untergebracht ist. Zudem bietet der Brüggener Tafel e. V. für bedürftige Menschen eine Tafel an. Sportlichen Aktivitäten kann in einer Einfachturnhalle, in einer Doppelturnhalle und auf einer Außensportanlage mit Kunstrasenplatz, auf dem der TSF Bracht spielt, nachgegangen werden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bracht hat verschiedene Sehenswürdigkeiten wie die Brachter Mühle (in der Entwicklung zum Heimatmuseum), die Evangelische Kirche von 1699, die Katholische Pfarrkirche St. Mariä-Himmelfahrt (gotischer Kirchenbau aus dem Jahre 1484), das Brachter Rathaus, das Haus Schlevringhoven und einen Historischen Rundweg (Beschilderung an den einzelnen Bauwerken). Ein Jüdischer Friedhof (Bracht) befindet sich an der Stiegstraße, im Gebiet Christenfeld.

→ Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Brüggen

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Jakob Dingelstad (1835–1911), Theologe und katholischer Bischof
  • Hendrick Goltzius (1558–1617), Maler und Kupferstecher
  • Ferdinand Jorißen (1924–1990), Heimatkundler, Rektor (1959–1989) der Volks- und später der Hauptschule Bracht
  • Helmut Wolters (* 1960 in Bracht), Kernphysiker an der Universität Coimbra (Portugal)
  • Daniel Laumans (* 1972), Pianist, Komponist und Notenforscher
  • Otto H. Jacobs (* 12. Oktober 1939 in Bracht) Wirtschaftswissenschaftler und emeritierter Professor für Steuerlehre an der Universität Mannheim

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sportvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turn- und Sportfreunde 1901/20 Bracht e.V. (TSF Bracht) mit den Abteilungen Fußball, Turnen, Leichtathletik, Badminton, Volleyball, Tischtennis, Basketball, Fit und mobil für Männer ü50 (FIMO50+) und Koronarsport. Seit Mitte 2013 auch Handball.

Theatervereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theaterverein "Einigkeit" Alst 1929: Jährliche Theateraufführungen im wohl letzten Kneipentheater Deutschlands

Karnevalsverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

KKG Brachter Wasserratten e.V. 1976: Die Kinderkarnevalsgesellschaft Brachter Wasserratten besteht aus Komitee, Elferrat, Tanzgarden und Ehrengarde(Reihenfolge nach Gründungsjahr) und organisiert neben dem Nelkensamstagszug diverse weitere karnevalistische Veranstaltungen.Kinderkarnevalsgesellschaft Brachter Wasserratten

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kinderbuchverfilmung Die Vorstadtkrokodile aus dem Jahre 1977 wurde größtenteils in Bracht gedreht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.feststellung-weststellung.de
  2. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 114.
  3. www.kreis-viersen.de
  4. Catrin Risch, Moritz Börner: Krebszentrum Brüggen: Ermittlungen in 70 Todesfällen. In: www1.wdr.de. 19. August 20161, abgerufen am 24. August 2016.
  5. Tim Röhn: Die seltsamen Tode in der alternativen Krebsklinik. In: welt.de. 5. August 2016, abgerufen am 24. August 2016.
  6. Hinnerk Feldwisch-Drentrup: Candidate cancer drug suspected after death of three patients at an alternative medicine clinic. In: sciencemag.org. 12. August 2016, abgerufen am 24. August 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brüggen-Bracht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien