Braco Dimitrijević

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Braco Dimitrijević (* 18. Juni 1948 in Sarajevo) ist ein Künstler, Grafiker und Kunsttheoretiker aus Bosnien und Herzegowina.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dimitrijević wurde als Sohn des jugoslawischen Malers Vojo Dimitrijević geboren und besuchte von 1954 bis 1966 die Schule. Er begann sein künstlerisches Werk in bemerkenswerter Weise mit einer Einzelausstellung 1958 im kindlichen Alter von 10 Jahren. Nach der Schulzeit studierte er bis 1968 Physik und Mathematik und nahm an Skiwettkämpfen teil. Zu dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit der Kunst. Er verfasste Gedichte, phantastische Kurzgeschichten, Kompositionen konkreter Musik und interessierte sich für Objet trouvés und Ready Mades. Nach dem Entschluss 1968 endgültig Künstler zu werden, studierte er von 1968 bis 1971 Kunst und Kunstgeschichte an der Universität Zagreb sowie von 1971 bis 1973 Bildhauerei an der St. Martin College of Art in London. Ab 1969 arbeitete er mit Goran Trbuljak in Zagreb als Gruppe "Penzioner Tihomir Simčić" zusammen. In den 70er Jahren legt er als typischer Vertreter der Konzeptkunst den Grundstein für alternative Gestaltungsweisen in der künstlerischen Praxis Kroatiens. Mit der Problematik Zufall und historischer Bedeutung setzte er sich in Darstellung zufälliger Passanten oder Orte auseinander, die er an öffentlichen Plätzen anbrachte. 1977 nahm er an der documenta 6 teil, 1976 erhielt er ein DAAD-Stipendium für einen einjährigen Arbeitsaufenthalt in Berlin,[1] und veröffentlichte 1977 den „Tractatus Post Historicus“, in dem er seine Kunstauffassung theoretisch untermauerte.[2] 1976 markierte seine erste Installation Triptychos Post Historicus in der Neuen Galerie in Berlin einen Einschnitt in seinem Schaffen. Die Arbeiten bestehen nun aus jeweils einem berühmten Gemälde, einem Gebrauchsgegenstand und einem pflanzlichen Produkt. Braco Dimitrijević arrangiert diese Objekte aus Kunst, Alltag, Natur sorgfältig, um mit der Wirkung der Gesamt-Komposition die aus den Beziehungen zwischen den Objekten entsteht, die tradierten Wertesysteme in Frage zu stellen.

Er nahm aktiv an der Debatte um die Postmoderne teil, indem er dem Postmodernismus seine eigene bildnerische und theoretische Post History gegenüberstellte. Die Post History schließt den Evolutionismus in der Kunst ebenso wie die Chronologie aus. Für die Kunst ergeben sich daraus für Dimitrijević ein Stilverlust und die damit verbundenen Einordnungen in die Kunstgeschichte. Verarbeitet werden in seinem Werk Stilelemente verschiedener Epochen zu einem Stilmix. Insbesondere nimmt Dimitrijević mit seinen Installationen diese Gedanken auf.

Seit 1980 hat der Künstler an der Antinomie Kunst–Natur stärkeres Interesse. Hierdurch schafft er aus bekannten Elementen neue Strukturen. Dem Problemkreis Kunst–Natur ist auch eine Serie gewidmet, in der er bekannte Kunstwerke zusammen mit lebenden Tieren fotografiert. Mit seinem gesamten Schaffen, in dem er die Rolle des Zufalls in der Geschichte, Konventionen und geschichtliche Mechanismen bei der Entstehung von Mythen und Überzeugungen untersucht, ist Dimitrijević bestrebt, bestehende ästhetische Werturteile zu relativieren und auf neue, der Postmoderne entspringende hinzuweisen.

Für die documenta IX in Kassel 1992 stellte er Werke des französischen Malers Théodore Géricault aus, die Anfang des 19. Jahrhunderts in Pariser Irrenhäusern hingen. In dieser nachträglichen Inszenierung rückt er mit der Kunst ins Zentrum, was nicht in das strenge Schema eines naturwissenschaftlichen Systems eingefügt werden kann. In diesem Experiment verläuft die Koexistenz von Natur und Kunst friedlich und ohne jeglichen Konflikt.

Dimitrijević lebt abwechselnd in Paris und London.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1975 Preis des Jugoslawischen Jugend-Verbands. (SKOJ)
  • 1978 Arts Council Award, London
  • 1979 Prix Jean Dominique Ingrès, Paris
  • 1992 Chevalier des arts et lettres, Paris

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke in Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach

Grafische Werke (Unvollständig)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grafikzyklus "Triptychos Post Historicus" von 1989

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Becker: Kurzführer documenta 9. Edition Cantz, Stuttgart 1992, S. 215.
  • Helga Walter Dressler (Vorw.): Zurück zur Natur, aber wie? Kunst der letzten 20 Jahre. Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais, Karlsruhe, 23. April bis 3. Juli 1988. Karlsruhe 1988, ISBN 3-923344-11-2.
  • Hannelore Kersting (Bearb.): Kunst der Gegenwart. 1960 bis 2007. Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach 2007, ISBN 978-3-924039-55-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag zu Dimitrijević, Braco beim Berliner Künstlerprogramm des DAAD.
  2. Helga Walter Dressler (Vorw.): Zurück zur Natur, aber wie? Kunst der letzten 20 Jahre. Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais. Karlsruhe 1988, S. 58.