Branch Davidians

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Branch Davidians (englisch für Branch-Davidianer) sind die Anhänger einer religiösen Gruppierung (Sekte) namens Branch Davidian (engl. für Davidianischer Ast oder Abspaltung von den Davidianern), die sich 1955 von den Davidian Seventh Day Adventists (‚Davidianische Siebenten-Tags-Adventisten‘) abgespalten hat, bei welchen es sich wiederum um ehemalige Mitglieder der Siebenten-Tags-Adventisten handelt, die in den 1930er Jahren exkommuniziert worden waren. Später wurden die Branch Davidians allerdings von ihrem Führer David Koresh angehalten, sich als „Studenten der sieben Siegel“ zu bezeichnen.

Prägend für die Branch Davidians, wie auch für die Davidianer, wie überhaupt für alle Adventisten, ist der Glaube, in der Endzeit vor dem Jüngsten Gericht zu leben.

Die Branch Davidians sind vor allem bekannt durch die 51-tägige Belagerung ihrer Siedlung Mount Carmel Center in der Nähe von Waco, Texas durch Bundesbehörden im Jahre 1993, bei der 82 Kirchenmitglieder zu Tode kamen, inklusive ihres Anführers David Koresh.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Davidianer[Bearbeiten]

Im Jahre 1928 behauptete Victor Houteff, ein bulgarischer Immigrant, er habe eine neue Botschaft für die Siebenten-Tags-Adventisten. Diese lieferte er in Form eines Buches namens The Shepherd's Rod (‚Der Hirtenstab‘). Seine Aussagen wurden nicht akzeptiert und von der Führung als spalterisch angesehen, da er sich zu Entwicklungen äußerte, die er als Abdriften von den grundlegenden Lehren und Standards der Kirche ansah. Darum wurden er und seine Anhänger von der Kirche exkommuniziert.

1935 richtete Houteff sein Hauptquartier außerhalb Wacos ein. Bis 1942 war seine Bewegung schlicht als „Shepherd's Rod“ bekannt, doch als Houteff eine formelle Vereinsgründung für notwendig erachtete, damit Mitglieder als Kriegsdienstverweigerer anerkannt werden konnten, benannte er seine Gruppe in „Davidianische Siebenten-Tags-Adventisten“ um. Der Ausdruck „davidianisch“ verweist dabei auf die Wiedererrichtung des Königreichs Davids. Houteff wies die Davidianer an, ausschließlich Adventisten zu evangelisieren.

Nach Houteffs Tode im Jahre 1955 bildete eine Abspaltung seiner Bewegung die „Branch Davidian Seventh Day Adventists“, ursprünglich geführt von Benjamin L. Roden. Die Gruppe richtete auf dem Gelände außerhalb Wacos, das zuvor die anderen Davidianer benutzt hatten, eine Siedlung ein. Im Jahre 1977 behauptete Benjamin Roden's Ehefrau Lois, ebenfalls eine Botschaft empfangen zu haben, die unter anderem beinhaltete, dass der heilige Geist weiblich sei, was zu großen Auseinandersetzungen in der Gruppe führte. Als Ben Roden im darauffolgenden Jahr starb, versuchte ihr Sohn George die Leitung zu übernehmen, indem er behauptete, er sei der rechtmäßige Prophet der Gruppe. Seine Mutter Lois jedoch bekämpfte erfolgreich diesen Versuch.

Die Branch Davidians[Bearbeiten]

Im Jahre 1981 trat Vernon Wayne Howell, der sich später in David Koresh umbenennen sollte, der Gruppe als reguläres Mitglied bei. Im September 1983 erlaubte ihm Lois Roden, damit anzufangen, seine eigene Botschaft zu lehren, und öffnete so die Tür für ihn, eine eigene Anhängerschaft aufzubauen, bevor sich die Gruppe Anfang 1984 teilte. Lois erfuhr ebenfalls Ablehnung von Seiten des kanadischen Davidianers Charles Pace.

Im Frühjahr 1984, zur Pessach-Zeit, fand auf Mount Carmel eine Art Generalversammlung aller Branch Davidians mit dem Ergebnis statt, dass sich die Gruppe in mehrere kleinere Gruppen teilte, von denen eine Howell treu war. Daraufhin zwang George Roden zuerst Howell und später auch Pace, das Gelände zu verlassen.

Howell ging mit seinen Anhängern nach Palestine, Texas, während Pace nach Gadsden, Alabama ging. Als jedoch um 1988 George Roden die Unterstützung ausgegangen war und er wegen Missachtung des Gerichts im Gefängnis saß, übernahm Howell in seiner Abwesenheit das strittige Gelände. Zwischenzeitlich war Lois Roden 1986 verstorben; ihrem Testament zufolge sollte Teresa Moore zusammen mit Irmine Sampson ihr Werk fortsetzen.

1990 schließlich änderte Howell seinen Namen in David Koresh als Anspielung auf den biblischen König David und den persischen König Kyros den Großen („Kouroush“). Sowohl David als auch Kyros werden im Alten Testament als Messias bezeichnet; Koresh beanspruchte, ebenfalls in diese Reihe zu gehören. Unter Koresh lebte die Gemeinschaft überwiegend zurückgezogen, hatte aber Verbindungen nach Waco und in Ortschaften der Umgebung. Zur Finanzierung unterhielten die Davidianer mehrere Unternehmen, darunter auch einen Waffenhandel auf Gun shows.[1]

Kern der Gemeinschaft war eine spezifische Fassung des Glaubens aller Siebenten-Tags-Adventisten. Nach diesem millenaristischen Prinzip war die Erde seit der Schöpfung 6000 Jahre alt. Wenn vor Gott 1000 Jahre ein Tag sind, würde jetzt der siebente Tag anbrechen, der zugleich die in der Offenbarung des Johannes bestimmte 1000-jährige Herrschaft Christi auf Erden bedeuten würde. Die Offenbarung macht für diese Umbruchszeit bildhafte Vorhersagen, die Koresh mittels seiner Visionen auslegte. Demnach wäre er das Lamm Gottes, dem in der Offenbarung eine besondere Rolle im Zusammenhang mit der Öffnung des Buchs mit den sieben Siegeln zugesprochen wird. Umstritten ist, ob er sich selbst mit der Bezeichnung als Lamm Gottes auch mit Jesus Christus identisch erklärt hatte.

Zu den Auswirkungen der speziellen Theologie der Davidianer gehörte, dass Koresh gegenüber den männlichen Mitgliedern seiner Gruppe sexuelle Enthaltsamkeit predigte. Mit weiblichen Mitgliedern zeugte nur er eine Reihe von Kindern, die als Children of the New Light bezeichnet wurden und für die er eine besondere Rolle im Heilsplan Gottes versprach.[2] Außerdem erwartete die Gruppe aufgrund der in der Offenbarung vorhergesagten Konflikte zwischen der weltlichen Macht und der Schar Gottes einen Auseinandersetzung mit staatlichen Behörden und bewaffnete sich. Alle Mitglieder, auch Kinder, wurden im Gebrauch von Schusswaffen ausgebildet.

Interne Streitigkeiten zwischen Gruppenmitgliedern führten dazu, dass Aussteiger die Gemeinschaft öffentlich und gegenüber Behörden als Sekte bezeichneten und sie bei verschiedenen Behörden anzeigten. Zu den Vorwürfen gehörten Sexueller Missbrauch von Kindern durch Koresh, Verstöße gegen Visabestimmungen durch Mitglieder der Gemeinschaft, die keine US-Staatsangehörigkeit hatten, und illegaler Waffenbesitz.

Die Davidianer gingen auf die Beschwerden ein, das Jugendamt wurde auf das Gelände eingeladen und konnte die Lebensumstände der Kinder in Augenschein nehmen, sowie mit ihren sprechen. Die Gemeinschaft vermied es aber, über die biologischen Eltern der Kinder Auskunft zu geben.[3] Wegen den Vorwürfen des Besitzes illegaler Waffen sprach Koresh persönlich mit dem Sheriff von Waco und versuchte zu klären, welche spezifischen Waffen zulässig wären. Es gilt wegen den komplizierten Waffengesetzen jedoch als wahrscheinlich, dass der lokale Sheriff nicht alle Gesetze kannte.[4] Das Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF) ermittelte gegen die Davidianer und Koresh. Sie schickten einen Beamten als Verdeckten Ermittler zu den Davidianern, der als religiöser Interessent auftrat und sowohl den Bestand an Waffen, als auch die Persönlichkeiten der Führer der Gemeinschaft aufklären sollte. Die Davidianer enttarnten den Agenten. Sie ließen ihn aber weiterhin an ihrer Gemeinschaft teilhaben, weil ihre missionarische Überzeugung es erforderte, jede Möglichkeit wahrzunehmen, ihren endzeitlichen Glauben zu verbreiten.

Die Waco-Belagerung[Bearbeiten]

Mount Carmel während der Belagerung
Fahne der Branch Davidians, die während der Belagerung auf Mount Carmel gehisst wurde.

Am 28. Februar 1993 versuchte das ATF eine Durchsuchung des Mount Carmel. Die Ermittlungsakten des ATF vermischten systematisch konkrete Vorwürfe wegen Waffenbesitzes mit Sektenvorwürfen und Annahmen über die sexuelle Praktiken, die von Standards abwichen. Aufgrund der Theorien über Sekten und dem Vergleich mit der Massentötung von Jonestown 1978 entschloss sich das ATF den Durchsuchungsbefehl in Form eines dynamic entries zu vollstrecken und mit einem Sondereinsatzkommando mittels Brechwerkzeugen gegen die Türen vorzugehen. Die Davidianer betrachteten dies als Angriff eines ihnen feindseligen Staates und griffen zu den Waffen. Bei dem Schusswechsel starben vier ATF-Beamte und fünf Davidianer. Weitere, darunter auch Koresh wurden verletzt. Aus der weiten Umgebung wurden Sondereinsatzkommandos verschiedener Behörden herangezogen. Panzerfahrzeuge rückten an und belagerten das Gelände. Im Laufe der ersten 24 Stunden kam es zu Verhandlungserfolgen, das ATF konnte seine Verletzten und Toten aus dem Schussbereich bergen. Ab dem 1. März übernahm das FBI die Einsatzleitung am Mount Carmel, taktische Leiter und Verhandlungsführer des Hostage Rescue Team leiteten die Belagerung, die 51 Tage dauerte.

Dabei gingen die Beamten davon aus, dass ihre Methoden für Geiselnahmen angemessen wären und berücksichtigten nicht die besondere Situation, dass es sich um religiöse Gläubige handelte, die ihre Situation als Teil ihres millenaristischen Weltbildes einordneten.[5] Die Verhandlungsführer des FBI gingen durchgehend davon aus, dass Koresh und einige weniger Führungspersönlichkeiten die große Mehrheit der Angehörigen mittels Gehirnwäsche und psychologischer Gewalt unter Kontrolle halten würden, deshalb bauten sie massiven psychologischen Druck auf.

Demgegenüber stand das Selbstverständnis der Davidianer, die sich als selbständige und freiwillige Mitglieder einer Religionsgemeinschaft sahen und nur von den Behörden in Ruhe gelassen werden wollten. Kleine Kinder, die nach dem Verständnis der Davidianer noch nicht selbst über ihre religiösen und anderen Angelegenheiten entscheiden konnten, wurden am 5. März aus dem Gelände herausgeführt und dem Jugendamt übergeben. Dabei war vereinbart worden, dass die Kinder in Familien von Verwandten untergebracht werden sollten. Statt dessen behielt das Jugendamt die Kinder als Gruppe in einer Einrichtung zusammen. Das führte zu weiteren Konflikten, als das Jugendamt den Davidianern Videos zukommen ließ, in denen die Kinder beim Spiel und alltäglichen Aktivitäten gezeigt wurden. Die Davidianer waren entsetzt, dass ihre Kinder gesüßte Soft Drinks tranken und nicht bei den Familienangehörigen, die alle Adventisten, wenn auch weniger streng als die Davidianer, ihrem traditionellen Lebensstil folgen würden.

Der Verhandlungstaktik des FBI entgegneten die Davidianer mit dem Versuch, die Beamten in biblische Diskussionen zu führen, um sie zu missionieren. Als besonders gravierenden Verstoß des FBI gegen ihre Rechte sahen sie es an, dass das FBI alle Kommunikationsmittel der Davidianer gekappt hatte. Im Zuge der Verhandlungen bot das FBI an, eine einstündige Bibelauslegung zur Offenbarung von Koresh mehrfach lokal und einmal in den gesamten USA in einem religiösen Rundfunksender auszustrahlen. Koresh betrachtete das als Erfolg und ging davon aus, dass er mit dem FBI über religiöse Fragestellungen sprechen und damit die Situation zu seinen Gunsten beeinflussen könne. Die Vertreter des FBI verstanden die Bedeutung der Theologie für die Davidianer nicht, deshalb wiesen sie auch das Angebot von James Tabor und Phillip Arnold, zweier etablierter Bibelwissenschaftler zurück, mit Koresh über seine Bibelinterpretation zu diskutieren und ihn davon zu überzeugen, dass seine Konflikthaltung gegenüber dem Staat eine Fehlannahme sei. Nach etwa sieben Wochen der Belagerung kündigte Koresh an, dass er und alle weiteren Bewohner des Geländes freiwillig und unbewaffnet verlassen würden, nachdem er ein theologisches Manuskript fertiggestellt hätte, in dem er seine Auslegung der Offenbarung erstmals umfassend zusammenführen wollte.

Die Wartezeit darauf wurde dem FBI nach drei Tagen zu lang, obwohl Koresh von mindestens sieben Tagen ausging, und am 19. April unternahm das FBI den Versuch, mit Pionierpanzern auf verschiedenen Seiten große Löcher in Gebäudewände zu reißen, weil die Behörden weiterhin davon ausgingen, dass die Mehrzahl der Davidianer gegen ihren Willen festgehalten würden und so entkommen könnten.[6][7] Durch die Öffnungen wurde CS-Gas in den Gebäudekomplex geleitet. Laut Aussagen von Beamten der US-Regierung sowie einem Feuerwehrmann, der in direktem Kontakt mit dem ATF stand, zündeten die Davidianer daraufhin das Gebäude an.[8][6]

Bei dem Brand und durch Schussverletzungen starben 76 Davidianer, darunter schwangere Frauen, Kinder und David Koresh selbst. Lediglich neun Davidianer überlebten den Brand. Unter Verweis auf die Gefahr, dass Rettungs- und Feuerwehrkräfte von den Davidianern beschossen werden könnten, hielt das FBI die Feuerwehrfahrzeuge zurück[6]. Die Erstürmung wurde teilweise live von mehreren amerikanischen Fernsehsendern übertragen und fand weltweites Interesse. Verschwörungstheoretiker zweifelten von Anfang an die Darstellung der US-Regierung über die Ereignisse an und behaupten, dass das FBI das Feuer gelegt hätte. Besonders die Ultra-Rechte und die Milizbewegung wurden durch den Vorfall beeinflusst.[9] So zündete Timothy McVeigh am 19. April 1995, dem zweiten Jahrestag der (finalen) Erstürmung des Mount Carmel Center, als „Rache für Waco“ eine Lastwagenbombe vor einem Bundesgebäude in Oklahoma City; dabei starben 168 Menschen.[10][11]

Die Regierung führte eine Vielzahl von Untersuchungen durch. Vor dem Danforth-Ausschuss verneinte das FBI in offiziellen Zeugenaussagen den Gebrauch oder sogar Zugang zu pyrotechnischen Vorrichtungen jeglicher Art. Der Danforth-Ausschuss gab einen Report heraus, welchem zufolge das Feuer im Inneren des Gebäudes von Davidianern gelegt wurde. Im Jahre 1999 jedoch musste das FBI zugeben, dass die Zeugenaussage vor dem Danforth-Ausschuss falsch war. Das FBI gibt inzwischen zu, dass am Tag des Feuers pyrotechnische Flite-Rite-Granaten eingesetzt wurden (dabei handelt es sich um CS-Gas-Granaten, die das Gas durch einen Verbrennungsprozess freisetzen); der genaue Zeitpunkt ist hingegen offen. Da den Davidianern der Strom seit Wochen abgestellt war und sie offene Flammen als Lichtquellen und zu anderen Zwecken einsetzten, könnten diese Zündungen das katastrophale Feuer ausgelöst haben. Dass das FBI zugibt, falsch ausgesagt zu haben, stellt für Kritiker auch die Gültigkeit der Schlussfolgerungen des Ausschusses in Frage. Eine neue Untersuchung hat die Regierung bisher nicht veranlasst.

Als Koordinator der aus der Gewalt der Sekte befreiten Kinder kritisierte der Kinderpsychiater Bruce D. Perry eine wider besseres Wissen unrealistische psychologische Einschätzung der FBI-Einsatzgruppe, deren Konsequenzen zum katastrophalen Ende der Aktion beigetragen habe.[12] Auch in der amerikanischen Dokumentationsserie Sekunden vor dem Unglück wird die Erstürmung kritisch beleuchtet.

Neun Davidianer wurden verurteilt, unter anderem wegen Totschlags (Voluntary Manslaughter, vergleiche unter Tötungsdelikt), der Verwendung einer Waffe während eines Verbrechens und Besitzes illegaler Waffen.[13]

Landstreit[Bearbeiten]

Der Tod eines Großteils von Koreshs Gruppe gab anderen Davidianern die Gelegenheit, ihr Eigentum am Mount-Carmel-Anwesen geltend zu machen. Innerhalb einiger Monate zog Amo Bishop Roden, George Rodens einstige Frau, auf das Grundstück und begann damit, es allein zu bewohnen. Charles Pace, der eine von Koresh unabhängige Gruppe leitete (siehe oben), zog 1995 ebenfalls auf das Grundstück und schloss sich damit dem Landstreit an.

Die meisten Überlebenden und Unterstützer von Koresh betrachten Clive Doyle als rechtmäßigen Verwalter der Organisation und des Landes. Renos Avraam, einer der inhaftierten Davidianer, hat verlautbart, er empfange ein neues, prophetisches Licht als das „auserwählte Gefäß der verbliebenen Braut“. Die meisten Überlebenden verschmähen allerdings seine neue Partei des „versteckten Mannas“.

1996 entschied ein Gericht, dass das Land der Branch Davidian Seventh Day Adventist Church gehöre. Jedoch hat sich das Gericht bis auf den heutigen Tag geweigert zu entscheiden, aus wem genau „die Kirche“ bestehe.

Ebenfalls im Jahre 1996 strengten Koreshs verbliebene Anhänger ein Gerichtsverfahren an, um das Land auf der Basis von Adverse Possession zugesprochen zu bekommen. Dies setzt jedoch voraus, dass die Ansprüche gegen diejenige Partei geltend gemacht werden, die derzeit das Anrecht auf das Grundstück hat. Hierbei bezeichneten sich aber die Anhänger Koreshs einerseits selbst und im Widerspruch dazu andererseits auch die Vertreter die Gegenseite jeweils als „Verwalter der Kirche“.

Ein weiterer Branch-Davidian-Führer, Doug Mitchell, der ebenfalls nichts mit Koresh zu tun hat, schloss sich dem Verfahren 1998 an. Mitchell behauptet, dass er, als Koresh Mount Carmel in den 1980ern verlassen hatte, den Namen „Davidian Branch Davidian Seventh Day Adventist“ für seine Anhänger übernommen habe, da die damals die Kirche „Verlassenden“, d. h. Koreshs Gruppe, ihren Anspruch verwirkt hätten, wahre Branch Davidians zu sein. Während des Vorverfahrens wurden die Versuche Mitchells, eine Verfügung gegen Koreshs restliche Nachfolger zu erreichen, ihnen die Nutzung des Namens und des Eigentums der Kirche zu untersagen, wegen „fehlender rechtlicher Grundlage“ abgewiesen. Richter Alan Mayfield meinte, dass die Materie Kirchenangelegenheiten berühre, die das Gericht nicht mit rechtlichen Mitteln entscheiden könne.

Am Tag vor der Verhandlung ließen die Überlebenden von 1993 ihren Anspruch auf Adverse Possession fallen und forderten nunmehr nur noch ein, als die Verwalter der Kirche angesehen zu werden. Doug Mitchells Anspruch, der rechtmäßige Verwalter der Kirche zu sein, wurde nicht zur Verhandlung zugelassen, als das Gericht über die Ansprüche von den Überlebenden und Amo Roden verhandelte; jedoch wurde ihm gewährt, sich gegen die Ansprüche der anderen zu verteidigen. Im Jahr 2000 entschied schließlich ein Gericht zu Ungunsten sowohl der Überlebenden als auch Amo Rodens. Andererseits blieben diese weiterhin auf dem Gelände, gemeinsam mit der Gruppe um Charles Pace.

Aufgrund der Verhaltensweise der Regierung bei der Auseinandersetzung 1993 haben die Überlebenden der Koresh-Gruppe viel Sympathie und Unterstützung von verschiedensten Menschen und Gruppen aus der ganzen Welt erhalten, die aus den unterschiedlichsten Gründen der Meinung waren, das Vorgehen der Regierung sei verkehrt gewesen. Diese Unterstützung ermöglichte ihnen, weiterhin ihre Identität und ihre Grundstücksansprüche aufrechtzuerhalten, zum Nachteil derjenigen Branch Davidian Seventh Day Adventists, die gegen Koresh waren. Die Gegner können das Gelände nicht rechtmäßig nutzen, ohne dabei mit den Überlebenden in Konflikt zu geraten oder mit anderen, die ihren Ansprüchen ablehnend oder gleichgültig gegenüberstehen. Auch leiden sie unter dem schlechten Ruf, den Koresh und seine Anhänger über den Namen der Branch Davidians gebracht haben.

Eine neue Kapelle wurde von den Überlebenden und ihren Unterstützern in der Nähe des ursprünglichen Komplexes gebaut. Die Ruinen des alten Gebäudes, einschließlich des Tornado-Schutzraumes und des unvollendeten Schwimmbeckens können von Besuchern besichtigt werden. Dort gibt es auch diverse Denkmäler für die Opfer – sowohl die der Davidianer als auch der Federal Agents, die dort umkamen. Gedenkbäume mit Namenstafeln jedes einzelnen Davidianer, der verschied, wurden auf dem Gelände gepflanzt. Und auch für die Opfer des Oklahoma City Bombings wurde auf Mount Carmel ein Denkmal errichtet.

Heute[Bearbeiten]

67 Menschen haben am 19. April 2005 den alljährlichen Gedenkgottesdienst besucht.

Zu dieser Zeit lebte der Überlebende Clive Doyle zusammen mit Unterstützer Ron Goins auf Mount Carmel, führte ein kleines Besuchermuseum und hielt wöchentliche Bibelstunden am Sabbath. Charles Pace und seine Familie lebten ebenfalls auf dem Gelände und hielten Gottesdienste ab.

Die Beziehungen begannen jedoch zu bröckeln. Im August hielt Pace für seine Anhänger einen Taufgottesdienst auf Mount Carmel, dem sich Goins anschloss. Hierdurch wurde Doyle zum einzigen Koresh-Anhänger auf dem Gelände, und kam, wie er sagt, unter zunehmenden Druck, entweder zu konvertieren oder zu gehen. Im Februar 2006 entschied er sich schließlich, in die Stadt zu ziehen und leerte ebenfalls das Besuchermuseum.

Hierdurch erhielt Paces Gruppe die alleinige Kontrolle über Mount Carmel. Pace hatte die Pflanzung der Gedenkbaumreihe von Anfang an als „Heidenbrauch“ abgelehnt. Seine Gruppe hat daher inzwischen David Koreshs Baum abgehackt und seine steinerne Namenstafel vernichtet, um auszuschließen, dass diese für Götzendienst verwendet würde. Ebenfalls entfernten sie auch die Tafeln von den anderen Bäumen und planen, die Steine in ihr eigenes Toten-Denkmal zu integrieren. Pace, der ein Naturheildoktor ist, plant außerdem, Doyles ehemaliges Haus in ein Wellnesscenter und das Besuchermuseum in ein Geschäft für gesunde Ernährung und Heilpflanzen umzuwandeln.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Todd Kerstetter: „That's Just the American Way“. The Branch Davidian Tragedy and Western Religious History. In: Western Historical Quarterly 35, Winter 2004, No. 4, ISSN 0043-3810, S. 453–471.
  • James R. Lewis (Hrsg.): From the Ashes. Making Sense of Waco. Rowman & Littlefield, Lanham MD 1994, ISBN 0-8476-7915-2 (cloth), ISBN 0-8476-7914-4 (paper).
  • Dick J. Reavis: The Ashes of Waco. An Investigation. Simon and Schuster, New York NY 1995, ISBN 0-684-81132-4.
  • James D. Tabor, Eugene V. Gallagher: Why Waco? Cults and the Battle for Religious Freedom in America. University of California Press, Berkeley CA 1995, ISBN 0-520-20186-8.
  • David Thibodeau, Leon Whiteson: A Place Called Waco: A Survivor's Story. PublicAffairs, New York NY 1999, ISBN 1-891620-42-8.
  • Stuart A. Wright (Hrsg.): Armageddon in Waco. Critical Perspectives on the Branch Davidian Conflict. University of Chicago Press, Chicago IL u. a. 1995, ISBN 0-226-90844-5.
  • Jayne Seminare Docherty: Learning Lessons from Waco. Syracuse University Press 2001, ISBN 0-8156-2751-3

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Docherty 2001, Seite 36
  2. Docherty 2001, Seite 178 f.
  3. Docherty 2001, Seite 228
  4. Docherty 2001, Seite 36
  5. Malcolm Gladwell: Sacred and Profane How not to negotiate with believers. In: The New Yorker, 31. März 2014
  6. a b c Evaluation of the Handling of the Branch Davidian Stand-Off in Waco, Texas February 28 to April 19, 1993.
  7. Testimony to the Subcommitee on National Security et al, loc cite. Congressional Record, July, 1995
  8. Peter J. Boyer, Michael Kirk: Waco: The Inside Story. In: PBS, 17. Oktober 1995 (englisch).
  9. Dorion Weickmann: Bericht aus dem Inneren Amerikas. In: Die Zeit. 8. Januar 2004.
  10. Vidal, Gore (2001), „The Meaning of Timothy McVeigh“, Vanity Fair (no. September)
  11. http://www.rickross.com/reference/waco/waco288.html
  12. Bruce D. Perry: Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde (München 2008, Kapitel 3: S. 81–108)
  13. http://www.rickross.com/reference/waco/waco332.html