Brand in der Lüneburger Heide

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Feuerwehrleute der Feuerwehr Eschede 1975 bei der Bekämpfung des Waldbrandes bei Eschede

Der Brand in der Lüneburger Heide vernichtete im August 1975 in der Lüneburger Heide sowie im Wendland über 8000 Hektar an Wald-, Moor- und Heideland. Bei der bis dahin größten Brandkatastrophe in der Bundesrepublik Deutschland kamen sieben Menschen ums Leben.[1] Die Waldbrände in den Landkreisen Gifhorn, Celle und Lüchow-Dannenberg waren bundesweit über eine Woche lang die Hauptmeldung in Zeitungen, Radio- und Fernsehnachrichten.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem heißen Sommerwetter wurde die Brandentstehung und -ausbreitung durch die von einer anhaltenden Trockenperiode ausgetrockneten Nadelwälder der Heidelandschaft begünstigt. Hinzu kam, dass viele Bestände von Sturmholz des „Niedersachsenorkans“ Quimburga vom 13. November 1972 noch nicht beseitigt waren. Die Brandherde waren für Löschkräfte über die unbefestigten Wald- und Heidewege nur schwer erreichbar. Durch die Monokultur des Kiefernwaldes konnte sich das Feuer rasch ausbreiten und entwickelte sich in Teilen der Landkreise Gifhorn und Celle zu einem riesigen Waldbrand. Im All fotografierte der sowjetische Wettersatellit Meteor 22 eine 250 Kilometer lange Rauchfahne.[2]

Die Brandursache wurde nur in wenigen Fällen geklärt. An einer Stelle ging man von Funkenflug durch einen Heißläufer oder die Bremse eines Schienenfahrzeugs aus, an anderen Orten von fahrlässiger oder vorsätzlicher Brandstiftung.

Chronologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. August 1975 geriet ein Flächenbrand nahe der Ortschaft Stüde in der Südheide außer Kontrolle. Das Feuer breitete sich schnell weiter aus und übersprang den Elbe-Seitenkanal. Neben dem Wald- und Moorbrand zwischen Stüde und Neudorf-Platendorf brachen in den Folgetagen weitere Brände im Bereich des Naturparks Südheide bei Gifhorn, Unterlüß, Eschede und Meinersen aus, die nur schwer einzudämmen waren.

  • Am ersten Tag, dem 8. August, wurde ein Feuerwehrfahrzeug bei Neudorf-Platendorf von der Feuerwalze überrollt, wobei zwei Feuerwehrmänner schwere Brandverletzungen erlitten. Am selben Tag verstarb der Gifhorner Kreisbrandmeister bei einer Einsatzfahrt an Herzversagen.
  • Einer der Brandherde im Landkreis Celle entwickelte sich am 9. August 1975 um 12:50 Uhr aus einem Feuer im Raum Unterlüß/Schmarbeck.
  • Am 10. August um 12:30 Uhr wurde zwischen Eschede und Oldendorf nahe dem Ort Queloh (Gemeinde Eschede) ein Waldbrand gemeldet. In den Kiefern-Monokulturen breitete sich das Feuer rasch aus.
  • Am 10. August entwickelte sich an der B 188 bei Meinersen ein neuer Waldbrand, der sich in Richtung des Ortes ausbreitete. Nachdem der Brand kurz vor dem Ort gestoppt werden konnte, drehte plötzlich der Wind und trug die 20 m hohen Flammen in eine andere Richtung. Dadurch wurde einem Tanklöschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Wolfsburg-Fallersleben der Fluchtweg abgeschnitten. Fünf Feuerwehrleute aus Fallersleben und Hohenhameln starben in der Feuerwand.
  • Am 10. August erklärte Hans-Rainer Frede, Präsident des Regierungsbezirks Lüneburg, den Katastrophenfall.[1]
  • Am 12. August 1975 um 11:55 Uhr brach in der Nähe von Gorleben (Kreis Lüchow-Dannenberg) ein weiteres Großfeuer aus, das bis 22:00 Uhr ca. 2.000 Hektar Wald- und Ackerfläche vernichtete. Die Bekämpfung des Brandes gestaltete sich von Anfang an schwierig, da nur ein Tanklöschfahrzeug zur Verfügung stand. Diesem gelang es zwar, zweimal die Feuerspitze zu brechen, aufgrund des starken Windes und dem Mangel an weiteren Tanklöschfahrzeugen konnte es den Brand nicht aufhalten. In den Nachmittagsstunden mussten die Ortschaften Nemitz, Lanze und Prezelle evakuiert werden, blieben jedoch verschont. Mit Unterstützung der Bundeswehr und den aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein nachrückenden Feuerwehren konnte die Bedrohung der Ortschaft Trebel abgewendet und das Feuer in den Abendstunden des Tages eingedämmt werden. Die Brandfläche vergrößerte sich in den Folgetagen nicht nennenswert. Eine durch den Brand entstandene Lichtung wurde 1980 von Mitgliedern der Anti-Atomkraft-Bewegung besetzt, die dort die Republik Freies Wendland ausriefen.
  • Am 17. August 1975 waren alle Brände gelöscht.
  • Am 18. August 1975 wurde der Katastrophenalarm für beendet erklärt.

Löscheinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Löschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr und der Bundeswehr sowie Wasserwerfer (Wawe4000) der Bereitschaftspolizei Hannover sammeln sich in Eschede für den Einsatz
Löschflugzeug bei der Wasseraufnahme auf dem Steinhuder Meer

Aus dem gesamten Bundesgebiet waren etwa 15.000 Feuerwehrleute mit 3.800 Feuerwehrfahrzeugen in der Brandbekämpfung tätig. Auch andere Behörden, wie Polizei, Bundesgrenzschutz, Zoll, Technisches Hilfswerk und Forstverwaltung sowie Hilfsorganisationen wie Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst und Arbeiter-Samariter-Bund, waren im Kampf gegen die Waldbrände in Niedersachsen eingesetzt.

Durch Einsatz von zahlreichen Einheiten (rund 11.000 Bundeswehrsoldaten aller Dienstgrade) mit geländegängigen Radfahrzeugen, schweren Räumgeräten (darunter Bergepanzern mit Räumschild) und Funkfahrzeugen konnte mit dem Anlegen von Brandschneisen und verbesserter Führung der Feuerwehrkräfte eine weitere Ausbreitung des Feuers verhindert werden. Den Löschtrupps wurden Bw-Funktrupps zugeordnet, die kartenkundig deren Orientierung sowie die Führung über Funk sicherstellten. Ebenso wurden die Führungsebenen auch funkmäßig miteinander verbunden.

Erstmals wurden auch drei Löschflugzeuge aus Frankreich vom Typ Canadair CL-215 zur Unterstützung eingesetzt. Diese schützten ausschließlich die im Brandgebiet liegenden kleinen Ortschaften und Bauerngehöfte. Das Wasser holten sie aus dem Steinhuder Meer. In einer Kaserne der Bundeswehr in Wesendorf nördlich von Gifhorn wurden Flugfeldlöschfahrzeuge aus dem Rheinland stationiert.

Die Löscharbeiten wurden durch die Witterungsbedingungen, die schlechten Wegeverhältnisse und ständig wechselnde Winde erschwert. Das größte Problem aber war der akute Löschwassermangel. Natürliche Wasserentnahmestellen wie Teiche, Kiesgruben oder Flüsse lagen meist weit von den Brandstellen entfernt. Tanklöschfahrzeuge mussten lange Strecken fahren, um ihre Wasservorräte auffüllen zu können.

Löscheinsatz von der Schiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Brandbekämpfung an der Bahnstrecke zwischen Eschede und Garßen kam auch ein Schienenlöschzug der Deutschen Bundesbahn zum Einsatz. Die Bahnfeuerwehr Hannover hatte sich ab dem 12. August 1975 für den Katastropheneinsatz bereitzuhalten. Für die Bildung des Schienenlöschzuges standen vier Kesselwagen mit je 45.000 l Wasser und ein Flachwagen zur Verfügung.

Auf dem Flachwagen wurde das Tanklöschfahrzeug TLF 16 der Bahnfeuerwehr Hannover transportiert; zwei Kesselwagen bildeten dessen Wasservorrat. Eine Diesellok fuhr in der Zwischenzeit mit den anderen beiden Wagen nach Uelzen, um sie dort am Wasserkran neu zu befüllen. Der Einsatz dieses Löschzuges war am 16. August 1975 beendet. Für künftige Fälle stationierte die Deutsche Bundesbahn entlang der Bahnstrecke Hannover-Celle insgesamt vier Wasserwagen.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein für die fünf getöteten Feuerwehrleute an der Unglücksstelle bei Meinersen

Über 8.000 Hektar Wald und einige Gebäude wurden vernichtet. Die Kosten der Wiederaufforstung wurden seinerzeit auf umgerechnet 40 Millionen Euro geschätzt.[3] Unmittelbar nach dem Brand wurde der für den Landkreis Celle zuständige und dem Problem nicht gewachsene Oberkreisdirektor ersetzt. Die zuständigen behördlichen Dienststellen in der Bundesrepublik waren zu diesem Zeitpunkt auf Großschadensfälle dieses Ausmaßes nicht vorbereitet. Infolgedessen kam es auch zu Kompetenzgerangel (bis Ernst Achilles die Leitung übernahm) und Missverständnissen auf Leitungsebene, die einer koordinierten und effektiven Arbeit im Wege stand.

Am Unglücksort der fünf verstorbenen Feuerwehrmänner wurde ein Denkmal errichtet, das in einem Waldgebiet östlich von Meinersen an der B 188 liegt und ausgeschildert ist. Es besteht aus einem eingefriedeten Bereich mit einem großen Gedenkstein und fünf kleineren, symbolisch für jeden Getöteten. An alle, die bei der Brandbekämpfung tätige Hilfe geleistet hatten, sowie an diejenigen, die durch ihren Einsatz ihr Leben verloren, wurden die Gedenkmedaille aus Anlass der Waldbrandkatastrophe im August 1975 sowie eine Urkunde verliehen.

Feuerwehrausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Feuerwehren wurden in der Folge der Waldbrandkatastrophe besser ausgestattet:

  • Sie erhielten Waldbrandeinsatzkarten auf dem Standard der Bundeswehr und der Forstverwaltung.
  • Einsatzfahrzeuge mit Allradantrieb wurden angeschafft.
  • Feuerwehren hatten vor dieser Katastrophe nur Wenigkanal-Funkgeräte (SEM 37/47/57), wodurch es beim Einsatz zu Verständigungsproblemen kam. Die zur überörtlichen Löschhilfe angerückten Einsatzkräfte hatten nur ihren jeweiligen Heimatkanal bestückt – nicht aber den Funkkanal vor Ort. Infolgedessen verbrannten mehrere Löschzüge, da sie nicht um Verstärkung rufen konnten. Nach diesem Einsatz wurde die Verwendung von Vielkanal-Funkgeräten (FuG-7/8) zur Vorschrift.
  • Zur besseren Ausstattung gehörte auch die Anschaffung des Tanklöschfahrzeuges 8/18 mit einem vergrößerten Wassertank (1.800 l), der sogenannte Niedersachsentanker.
  • Außerdem wurden Einsatzleitwagen angeschafft und die sogenannten Fernmeldezüge eingerichtet.
  • Des Weiteren wurde der Katastrophenschutz verbessert, was sich 1998 beim ICE-Unglück von Eschede positiv auswirkte.

Baumaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Löschwasserteich zwischen Oldendorf und Eschede mit Gedenkstein im Hintergrund. Nahe dieser Stelle entstand am 10. August 1975 der Waldbrand im Landkreis Celle
Tankstutzen eines Löschwasser-Vorratstanks

Als Folge der Brandkatastrophe ist der Brandschutz in der Lüneburger Heide, aber auch deutschlandweit wesentlich verbessert worden. Um bei künftigen Waldbränden besser gerüstet zu sein, wurden befestigte Zufahrtswege für Löschfahrzeuge angelegt.

An vorhandenen Seen, Fischteichen oder Kiesgruben wurden Löschwasser-Entnahmestellen eingerichtet. In besonders gefährdeten Gebieten wurden Löschwasserteiche angelegt, um eine schnelle und effiziente Wasseraufnahme durch Löschfahrzeuge zu ermöglichen. Wo Fließgewässer zur Wasserentnahme fehlten, legte man ausgediente Heizöltanks als Löschwasser-Vorratstanks mit jeweils zwischen 20.000 und 100.000 Liter Wasser in die Erde.

Wiederaufforstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Wiederaufforstung der durch den Sturm und den Waldbrand vernichteten Waldflächen war anfangs ein Abgehen von den Kiefern-Monokulturen angedacht. Es sollten mehr Laubbäume (Eichen und Buchen) angepflanzt werden. Bodenuntersuchungen ergaben aber, dass Laubwald wegen des kargen Sandbodens nur auf sehr wenigen Standorten möglich war. Der Waldbrand hatte zudem viel vom vorhandenen Humusboden zerstört. An den Waldrändern pflanzte man teilweise Lärchen, die als Brandschutz dienen sollten. Ansonsten wurden die Brandflächen wieder flächendeckend mit Kiefern aufgeforstet. Bei Trebel entstand nach 1975 auf nicht wieder aufgeforsteten Flächen auf rund 550 Hektar die Nemitzer Heide.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Augstein (Hrsg.): Das große Feuer. Wer hat versagt? (Der Spiegel. 29. Jg., Nr. 34, 1975).
  • Jürgen Delfs: Der Feuerwehrgedenkstein in der Fahlen Heide. In: Bekannte und verborgene Naturdenkmale im Raum Gifhorn-Wolfsburg. Voigt, Gifhorn 1991 (Schriftenreihe zur Heimatkunde der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg 7, ZDB-ID 30106-1).
  • Die große Waldbrandkatastrophe. 1976. Von Klaus Luttermann mit den Fotografien von Juergen Muegge-Luttermann, Eschede ISBN 978-3-9800353-6-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b 11. August 1975: Größter Waldbrand in der Lüneburger Heide, NDR.de
  2. Der Spiegel 34/1975 vom 18. August 1975: „Unser Feuer machen wir selber aus“
  3. Feuerwehrehrenzeichen