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Brandenburger Tor

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Dieser Artikel behandelt das Tor in Berlin. Zu anderen Bauwerken mit diesem Namen siehe Brandenburger Tor (Begriffsklärung).
Das Brandenburger Tor in heutiger Zeit (2007)
Das Brandenburger Tor im geteilten Berlin (1985)
Das Brandenburger Tor im Königreich Preußen (um 1855)

Das Brandenburger Tor in Berlin ist ein frühklassizistisches Triumphtor, das an der Westflanke des quadratischen Pariser Platzes im Berliner Ortsteil Mitte steht. Es wurde als Abschluss der zentralen Prachtstraße der Dorotheenstadt, der Straße Unter den Linden, in den Jahren von 1789[1] bis 1793[2] auf Anweisung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. nach Entwürfen von Carl Gotthard Langhans errichtet. Die das Tor krönende Skulptur der Quadriga ist ein Werk nach dem Entwurf des Bildhauers Johann Gottfried Schadow. Westlich des Brandenburger Tores befinden sich die ausgedehnten Grünflächen des Großen Tiergartens, die in geradeliniger Verlängerung der Straße Unter den Linden von der Straße des 17. Juni durchquert werden. Die Platzfläche unmittelbar westlich des Tores trägt den Namen Platz des 18. März.

Das Tor ist das einzig erhaltene von zuletzt 18 Berliner Stadttoren.[3] In der Formensprache stellt es die Hinwendung vom römischen zum griechischen Vorbild dar.[3] Es ist das erste klassizistische Bauwerk in Preußen und markiert hiermit den Beginn des Klassizismus als staatstragende Architektur in Preußen.

Das Tor ist eines der bekanntesten Berliner Wahrzeichen und nationales Symbol, mit dem viele wichtige geschichtliche Ereignisse des 19. und 20. Jahrhunderts verbunden sind. Heute wird das Tor vor allem als Symbol der deutschen Wiedervereinigung angesehen. Bis zu dieser stand es unmittelbar an der Grenze zwischen Ost- und West-Berlin und damit im Kalten Krieg an der Grenze zwischen dem Warschauer Pakt und der NATO.

Symbolik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Errichtung des Brandenburger Tores erfolgte zur innen- und außenpolitischen Herrschaftsrepräsentation Friedrich Wilhelm II. Mit der Gestaltung des Tores nach dem Vorbild der Propyläen der Akropolis in Athen verglich sich Friedrich Wilhelm II mit Perikles und stellte sich als Herrscher dar, der Preußen ein goldenes Zeitalter bringen würde.[4] Perikles stand für eine kluge Bündnispolitik verbunden mit einer langen Friedenszeit und für die Vorherrschaft Athens im Attischen Seebund. Genau so wollte Friedrich Wilhelm II. wahrgenommen werden, nachdem er die Republik der Vereinigten Niederlande befriedet und ein Allianz zwischen Preußen, den Niederlanden und Großbritannien herbeigeführt hatte.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Brandenburger Tor ist ein 26 Meter hoher, 65,5 Meter breiter und 11 Meter tiefer frühklassizistischer Natursteinbau der ursprünglich von der Berliner Steinmetzfirma Zeidler & Wimmel [5] aus Elbsandstein[6] errichtet wurde. Es wurde nach dem Vorbild der Propyläen und des Parthenon-Tempel zur Akropolis in Athen gestaltet. Beide Bauwerke waren Langhans von Stichen aus dem kurz vor der Anfertigung seines Entwurfs in Deutschland erschienenen Werk The antiquities of Athens von James Stuart und Nicholas Revett bekannt geworden.[7] Dem Parthenon entlehnte Langhans das Metopen-Triglyphenfries und der Propyläen die Fünfzahl der Durchgänge und die kompositionelle Verbindung mit den Flügelbauten, den Torhäusern. Wie bei der Akropolis von Athen ist die mittlere der fünf Tordurchfahrten etwas breiter und war bis zum 9. November 1918 einzig Mitgliedern der königlichen Familie vorbehalten; offenbar durfte das mittlere Tor aber auch die Feuerwehr im Brandfall benutzen.[8] Das Tor wird durch sechs je 15 Meter hohe dorische Säulen auf jeder Seite geprägt, die nach ionischer Art kanneliert sind und am Fuß einen Durchmesser von 1,75 Meter haben. Bautechnisch genügen die Säulen nicht den klassischen griechischen Vorbildern, sondern sie sind nach innen als massives tragendes Mauerwerk verbaut. Die Tiefe des Bauwerks entspricht daher einem römischen Stadttor oder Triumphbogen.[9] Entsprechend befindet sich über dem Gebälk eine Attika, die wie die Innenseiten der Durchfahrten mit Reliefs bedeckt ist, die unter anderem Taten des Herkules darstellen.

In den beiden Torhäusern stehen große Skulpturen des römischen Kriegsgottes Mars, der das Schwert in die Scheide steckt, und der Göttin Minerva mit Lanze. Die Modelle der beiden Statuen stammten von Johann Gottfried Schadow aus dem Jahr 1792. Mars wurde von Carl Friedrich Wichmann angefertigt, Minerva von Johann Daniel Meltzer. Letztere wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und zwischen 1951 und 1952 durch eine Kopie des Bildhauerkollektivs Kranolda ersetzt.[10]

Zu beiden Seiten des Tores befanden sich zuerst Torhäuser für die militärische Wache und den Steuereinnehmer. Nach Niederlegung der Zoll- und Akzisemauer 1867/1868 ersetzte der Schinkel-Schüler Heinrich Strack sie 1868 durch offene Säulenhallen, deren Gestaltung er nun weiter dem Tor angleichen konnte.

Das Tor wird gekrönt durch eine etwa fünf Meter hohe in Kupfer getriebene Skulptur, die nach dem Entwurf von Schadow durch den Hofkupferschmied Wilhelm Ernst Emanuel Jury ausgeführt wurde.[11] Sie stellt die geflügelte Siegesgöttin Viktoria dar, die einen von vier Pferden gezogenen Wagen (Quadriga) in die Stadt hineinlenkt. Sie blickt nach Osten in Richtung Stadtschloss.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgängerbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnung des alten Brandenburger Tores von Daniel Chodowiecki (1764)

Mit der Errichtung der Dorotheenstadt um 1670 und deren Einbeziehung ist die Stadtbefestigung Berlins entstand das erste Tor an der Stelle des heutigen Brandenburger Tores. Dieses Bestand aus einem Durchbruch durch den aufgeschütteten Wall und einer Zugbrücke über den ausgehobenen Graben.

Mit dem Bau der Zollmauer der Stadt Berlin wurde 1734 ein Vorgängerbau des heutigen Brandenburger Tores als Stadttor an der Straße nach Brandenburg an der Havel errichtet.[12] Die Toranlage bestand aus zwei mit Pilastern und Trophäen geschmückten barocken Pylonen an denen die Torflügel befestigt waren. Neben dem Schmucktor befanden einfache Durchgänge für Fußgänger in der Mauer, die an dieser Stelle mit Schmuckvasen verziert waren.[12] Bereits innerhalb der Zollmauer befanden sich südlich des Tores das Gebäude für die Wache und nördlich das für die Steuerbehörde.

Für den bevorstehenden Neubau des Tores wurde zuerst ab Mai 1788 das nördlich des Steuerhauses befindliche Spritzenhaus abgebrochen, um an dessen Stelle eine provisorische Umfahrung der Torbaustelle anzulegen. Der Abbruch des alten Brandenburger Tores begann anschließend im Sommer 1788.[1]

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Attikarelief mit dem „Zug der Friedensgöttin“: in der Mitte Eirene auf dem Triumphwagen, weiter rechts Nike mit Flügeln und Tropaion

Als Architekt wurde Carl Gotthard Langhans beauftragt. Er orientierte sich an dem „Stadttor von Athen“, das er aus Stichen von Leroy, Stuart und Revett kannte, die aber die Propyläen der Athener Akropolis abgebildet hatten. Das Eingangstor zur Akropolis war im dorischen Stil des Parthenon gehalten, um eine optische Einheit zu bilden. Das Tor hatte eine breite Mittelöffnung und zwei schmale Seiteneingänge für Fußgänger. Im rechten Winkel dazu standen zwei Seitenflügel. Nach Langhans’ Planung sollten entsprechend beim Berliner Tor durch den breiten Mittelgang die königlichen Kutschen, daneben die sonstigen Gespanne fahren und außen die Fußgänger gehen. In den Seitenflügeln sollten die Wache und die Akziseeinnehmer untergebracht werden.[13] 1788 wurde das alte Tor abgerissen, eine große Baugrube ausgehoben und fundamentiert. 1789 wurde der Neubau begonnen. Die Baukosten lagen bei 111.000 Talern. Am 6. August 1791 wurde das noch nicht ganz fertige Tor geöffnet.

Die 1793 von Johann Gottfried Schadow gefertigte Quadriga auf dem Brandenburger Tor stellte ursprünglich nach der wohl überwiegend vertretenen Auffassung eine geflügelte Friedensbringerin dar. Das Brandenburger Tor erhielt den Namen Friedenstor, diesen Namen zeigte auch eine Inschrift aus Bronzelettern am Tor. Diese Sinngebung interpretiert auch der bildliche Schmuck.[14] Die Entwürfe für die Reliefs wurden vorwiegend von dem Maler und Akademiedirektor Christian Bernhard Rode angefertigt. Schadow hat die Entwürfe überarbeitet und die Steinmetze bei der Ausführung beaufsichtigt. Die Göttin in der Quadriga wird durch das Relief auf der Attika der Stadtseite als Friedensbringerin erklärt. Das Attikarelief steht unter dem Thema „Der Zug der Friedensgöttin“.[15] Im Zentrum des Reliefs über dem Mittelgang stehen Sinnbilder auf Frieden und Freundschaft. Die Friedensgöttin Eirene steht auf der äußersten Kante eines Triumphwagens. Mit der Rechten stützt sie sich auf den mit einer Lorbeergirlande geschmückten Rand des Wagens. In der einen Hand hält sie einen Palmenzweig, in der anderen einen Lorbeerkranz. Ihr Wagen wird von vier Eroten gezogen. Weiter rechts auf dem Attikarelief kann man Nike mit Flügeln und Tropaion erkennen.

Direkt über diesem Relief steht die Quadriga Schadows. Deren göttliche Wagenlenkerin ist Nike und Eirene in einer Person.[16] Nach einer abweichenden Auffassung soll es sich von Anfang an um eine „Siegesgöttin“ gehandelt haben, unter anderem weil davon bereits im Vertrag zur Anfertigung der Figurengruppe vom 22. Juli 1789 die Rede gewesen sei.[17] Schadow hatte ursprünglich für die Wagenlenkerin keine Trophäe entworfen. Ihm schwebte mehr die griechische Eirene als Friedensgöttin vor als die römische Siegesgöttin Viktoria.[18] 1793 verlangte dann aber ein Akademiebeschluss eine Kopie der Siegestrophäe der Nike rechts auf dem Attikarelief auch für die Wagenlenkerin der Quadriga. Bei der Bevölkerung fand sie keinen Zuspruch. Aufgrund heftiger Kritik besserte Schadow noch ein weiteres Mal nach. Das Tropaion wurde nun durch eine Lanze mit einem Lorbeerkranz und einem römischen Adler ersetzt. Außerdem erhielt die knapp bekleidete Wagenlenkerin nun ein bis auf den Boden reichendes Gewand.[19]

Verschleppung, Rückkehr und Wiederaufstellung der Quadriga[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platzansicht ohne Quadriga (1813)
Viktoria! – Die Rückkehr der Quadriga 1814 von Rudolf Eichstaedt

Im Jahr 1806 wurde die Quadriga nach der für Preußen verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt auf Weisung des französischen Kaisers Napoleon nach Paris gebracht. Dort sollte die Plastik zusammen mit anderer Beutekunst ausgestellt werden. Es ist General Ernst von Pfuel zu verdanken, dass die Quadriga wieder nach Berlin zurückkehrte. Nach dem alliierten Sieg über Napoleon wurde die Quadriga 1814 von den Truppen Blüchers noch in Kisten verpackt gefunden und ist dann durch Pfuel nach Berlin zurückgebracht worden, wo sie zunächst restauriert wurde.[20] Schinkel ersetzte die Lorbeerkranztrophäe der Schadowschen Wagenlenkerin durch ein eichenlaubumkränztes und vom preußischen Königsadler bekröntes Eisernes Kreuz und verwandelte so die Friedensbringerin in die Siegesgöttin Viktoria, um die Rückkehr der nach Paris verschleppten Plastik nach Berlin und den Sieg über die napoleonischen Truppen zu feiern.[21] Für die Berliner war die Quadriga nach ihrer Rückführung im Volksmund die „Retourkutsche“. Mit dem Abriss der Zollmauer in den 1860er Jahren wurden auch fast alle Stadttore abgerissen, nur das Brandenburger Tor steht heute noch.

Ende der Kaiserzeit und Weimarer Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verfassungsfeier der Weimarer Republik vor dem Brandenburger Tor am 11. August 1923

Bis zur Abdankung Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1918 durften nur Mitglieder der kaiserlichen Familie, deren persönliche Gäste sowie – in Erinnerung an General Ernst von Pfuel, den Kommandanten des preußischen Sektors von Paris nach dem Sieg über Napoleon – die Pfuels die mittlere Durchfahrt benutzen.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmaufnahmen von Juli 1945

Am 30. Januar 1933 feierten die Nationalsozialisten mit einem Fackelzug der SA durch das Brandenburger Tor ihre „Machtergreifung“.

Im Rahmen der Umgestaltung Berlins zur sogenannten „Welthauptstadt Germania“ befand sich das Tor auf der Ost-West-Achse. Ein sieben Kilometer langer Abschnitt zwischen Brandenburger Tor und Adolf-Hitler-Platz (heute: Theodor-Heuss-Platz) wurde ausgebaut und 1939 in Betrieb genommen. Beim weiteren Ausbau der Ost-West-Achse, zu dem es nicht mehr gekommen ist, sollten unter anderem die seitlichen Säulenhallen vom Brandenburger Tor abgerückt werden. Der Verkehr wäre dann nicht mehr nur durch, sondern auch um das Tor herumgeführt worden.[22]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde von der Quadriga 1942 ein Gipsabguss genommen. Bei den Kämpfen um Berlin wurde die Quadriga mehrfach stark beschädigt. Lediglich ein Pferdekopf blieb vom Schadow'schen Original erhalten, der heute im Berliner Märkischen Museum ausgestellt ist. Auch das Gebäude selbst wurde beschädigt, eine Säule zerschossen.

Wiederaufbau und Rekonstruktion der Quadriga nach dem Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. September 1956 beschloss der Ost-Berliner Magistrat, das einzige erhaltene aber beschädigte ehemalige Stadttor wieder aufzubauen. In der entsprechenden Presseerklärung dazu heißt es konkret: „Wiederherstellung des Brandenburger Tores entsprechend der ursprünglichen städtebaulichen Vorstellung seines Baumeisters Langhans, was bedeutet, daß die Bebauung zu beiden Seiten des Tores Grünflächen weichen und der Verkehr darum herumgeleitet werden muß“.[23] Trotz heftiger Auseinandersetzungen und gegenseitiger Vorwürfe arbeiteten beide Teile Berlins bei der Wiederherstellung zusammen. Die Quadriga musste aufgrund der Kriegsschäden vollständig neugeschaffen werden, die Rekonstruktion besorgte der Bildhauer Otto Schnitzer, die Ausführung übernahm die traditionsreiche Gießerei Hermann Noack, damals noch in Friedenau. Am 14. Dezember 1957 war der Wiederaufbau beendet. Die oft gehörte Behauptung, die Quadriga hätte zeitweise in entgegengesetzter Fahrtrichtung gestanden, ist falsch.

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1958 wurde die Quadriga heimlich in den Neuen Marstall verbracht und der Preußenadler sowie das Eiserne Kreuz entfernt bzw. herausgelötet. Die Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung erklärte hierzu, die „Embleme des preußisch-deutschen Militarismus“ dürften nicht mehr zur Aufstellung gelangen.

Zeit der Teilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 stand das Bauwerk mitten im Sperrgebiet und konnte weder von Westen noch von Osten durchquert werden. Nur die DDR-Grenzsoldaten und die durch das Personal des Informationszentrums Brandenburger Tor zur Besucherplattform geführten Besuchergruppen (meist Staatsgäste in der DDR) konnten an das Bauwerk heran.

Aussichtsplattform in West-Berlin vor dem Brandenburger Tor, 1988

Dazu bemerkte der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker zu Zeiten des Kalten Krieges:

„Solange das Brandenburger Tor geschlossen ist, ist die Deutsche Frage offen.“

Richard von Weizsäcker

Am 12. Juni 1987 sprach der US-amerikanische Präsident Ronald Reagan folgenden Satz anlässlich eines Berlinbesuchs vor dem Brandenburger Tor:

“Mr. Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall!”

„Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein!“

Ronald Reagan[24]

Mauerfall und Restaurierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

28 Jahre nach dem Bau der Mauer wurde das Brandenburger Tor während der politischen Wende in der DDR am 22. Dezember 1989 unter dem Jubel von mehr als 100.000 Menschen wieder geöffnet. Die Sperranlagen wurden danach vollständig beseitigt.

In der Silvesternacht 1989/1990 waren Zuschauer auf das Tor geklettert und hatten diverse Anbauteile der Quadriga (z. B. das Zaumzeug) entwendet. Die folgende Untersuchung zeigte jedoch weit gravierendere Schäden: Seit dem Mauerbau war nichts für den Erhalt der Quadriga getan worden und etliche innere Teile aus Stahl waren durchgerostet. Die Quadriga wurde deshalb umgehend demontiert und erhielt bei der folgenden Restaurierung auch das Eiserne Kreuz und den Adler zurück. Die Kosten der Instandhaltung belaufen sich jährlich auf 200.000 Euro.

Das Tor (insbesondere der Sandstein) wurde nach langer Vernachlässigung und wegen deutlicher Umweltschäden umfassend von der Stiftung Denkmalschutz Berlin saniert und nach einer 22-monatigen Restaurierung am 3. Oktober 2002 feierlich wieder enthüllt.

Diskussion um verkehrstechnische An- und Einbindung und heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinerzeitiger Durchgangsverkehr durch das Brandenburger Tor in den 1990er Jahren
Blick vom Brandenburger Tor auf den Verkehr bei den Olympischen Sommerspielen 1936
Tor mit dem Brunnen auf dem Pariser Platz

In den 1990er Jahren wurde in Berlin immer wieder diskutiert, ob das Tor für den Autoverkehr geöffnet sein soll oder nicht. Argumente gegen die Öffnung waren dabei vor allem eine massive Schädigung des Sandsteintores durch Autoabgase und gewünschte Verkehrsberuhigung des Pariser Platzes. Seit Mai 2002 ist das Tor für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Im Bereich des Brandenburger Tores verkehren unterirdisch die S-Bahn-Linien S1, S2 und S25 im sogenannten „Nord-Süd-Tunnel“. Außerdem unterquert die U-Bahn-Linie U55 das Tor. Östlich des Tores befindet sich der – ebenfalls unterirdisch gelegene – Bahnhof Brandenburger Tor, an dem sich diese Strecken kreuzen.

Ursprünglich durchquerten die Bundesstraßen B 2 und B 5 das Brandenburger Tor. Nach der Umgestaltung des Pariser Platzes wurde die Trasse beider Bundesstraßen südlich über Glinka-, Behren- und Ebertstraße um das Brandenburger Tor herumgeführt.

Raum der Stille[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im nördlichen Torhaus befindet sich seit 1994 ein Meditations­raum nach dem Vorbild des Raumes der Stille, den Dag Hammarskjöld im UNO-Gebäude in New York für sich und seine Mitarbeiter einrichten ließ. Das Ziel ist es, einen Ort der stillen Einkehr inmitten der Großstadthektik zu bieten. Der Ort der Toleranz zwischen Nationalitäten und Religionen mahnt an den Frieden.[25]

Ab- und Nachbildungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Brandenburger Tor wurde im Laufe der Zeit immer wieder als Symbol der Deutschen Einheit dargestellt:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil von Siefart: Aus der Geschichte des Brandenburger Thores und der Quadriga. (= Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft XLV), Berlin 1912.
  • Michael S. Cullen, Uwe Kieling: Das Brandenburger Tor / Geschichte eines deutschen Symbols. Argon, Berlin 1990, ISBN 3-87024-162-4.
  • Laurenz Demps: Das Brandenburger Tor. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1991, ISBN 3-327-01063-3.
  • Willmuth Arenhövel, Rolf Bothe (Hrsg.): Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Mit Beiträgen von R. Altner, D. Bartmann, M. Bollé u. a., 2. verbesserte Auflage, Willmuth Arenhövel Verlag für Kunst- und Kulturgeschichte, Berlin 1991, ISBN 978-3-922912-26-2.
  • Laurenz Demps: Das Brandenburger Tor – Ein Symbol im Wandel. Verlagshaus Braun, Berlin 2003, 1. Aufl., ISBN 3-935455-15-1.
  • Zitha Pöthe: Perikles in Preußen. Die Politik Friedrich Wilhelms II. im Spiegel des Brandenburger Tores. Dissertation vom Oktober 2013 an der Technischen Universität Berlin, Fakultät I Geisteswissenschaften. epubli, Berlin 2014, ISBN 978-3-7375-0749-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brandenburger Tor – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b von Siefart 1912, S. 6
  2. von Siefart 1912, S. 42
  3. a b Cullen/Kieling 1990, S. 8
  4. Pöthe 2014, S. 400
  5. Zeidler & Wimmel (Hrsg.): 175 Jahre Zeidler & Wimmel. Zum Gedenken durch den Steinmetzmeister Johann Heinrich Wimmel 1976 in Berlin, S. 33, Bruckmann, München o.J. (1951)
  6. In, auf und aus Gestein gebaut – Brandenburger Tor. Torsten Purle, abgerufen am 24. Oktober 2016.
  7. Florian Müller-Klug: Der Einfluss zweier Engländer auf den Berliner Klassizismus. In: Clio Berlin Blog, veröffentlicht am 4. Juli 2014.
  8. Feuerwehr-Signale Nr. 22/1902, S. 5
  9. Gerhart Rodenwaldt: Griechisches und römisches in Berliner Bauten des Klassizismus, Berlin 1979, S. 5 ff.
  10. Kunstspaziergänge, radio.weblogs.com, abgerufen am 1. Februar 2008
  11. Das Viergespann auf dem Brandenburger Thore. In: Die Gartenlaube, Heft 27/1888, S. 467
  12. a b Demps 1991, S. 20
  13. Barbara Demandt: Metamorphosen eines Tores, in: Pegasus-Onlinezeitschrift IV/1 (2004), S. 28
  14. Zitha Pöthe: Perikles in Preußen. Die Politik Friedrich Wilhelms II. im Spiegel des Brandenburger Tores. 1. Auflage. Epubli, 2014, ISBN 978-3-7375-0749-3, S. 448.
  15. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bezirke Berlin, 1964, S. 72
  16. Willmuth Arenhövel (Hrsg.): Berlin und die Antike: Katalog, Deutsches Archäologisches Institut, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1979, S. 182
  17. Laurenz Demps: Das Brandenburger Tor. Ein Symbol im Wandel, 2003, S. 32
  18. Georg Franzen: Johann Gottfried Schadows Quadriga, in: Humanität, Mai/Juni 2000, 3. Ausg. 26. Jg., wiedergegeben auf der Website der Schadow-Gesellschaft
  19. Barbara Demandt: Metamorphosen eines Tores, in: Pegasus-Onlinezeitschrift IV/1 (2004), S. 35
  20. 225 Jahre Brandenburger Tor. 4. August 2016. Abgerufen am 10. August 2016.
  21. Michael S. Cullen und Uwe Kieling: Das Brandenburger Tor. Ein deutsches Symbol, 1999, S. 51; Dieter Zimmer und Carl-Ludwig Paeschke: Das Tor. Deutschlands berühmtestes Bauwerk in zwei Jahrhunderten, 1991, S. 45; Ulrike Krenzlin: Johann Gottfried Schadow. Die Quadriga, 1991, S. 45 ff.
  22. Umgestaltung des Brandenburger Tores. In: Verkehrstechnik, 20. Jg., Heft 10 (20. Mai 1939), S. 255.
  23. Pressekonferenz zu Beschlüssen des Magistrats, abgehalten am 22. September 1956. Berlin-Chronik, Online-Version, hrsg. vom Landesarchiv Berlin.; abgerufen am 24. November 2014.
  24. President Reagan at Berlin Wall (Video, 26 Min.), 12. Juni 1987, C-SPAN
  25. Ziele, Raum der Stille in Berlin, abgerufen am 22. Dezember 2009
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