Brandenburger Tor

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Dieser Artikel behandelt das Tor in Berlin. Zu anderen Bauwerken mit diesem Namen siehe Brandenburger Tor (Begriffsklärung).
Das Brandenburger Tor in heutiger Zeit (2007)
Das Brandenburger Tor im geteilten Berlin (1985)
Das Brandenburger Tor im Königreich Preußen (um 1855)

Das Brandenburger Tor in Berlin ist ein frühklassizistisches Triumphtor, das an der Westflanke des quadratischen Pariser Platzes im Berliner Ortsteil Mitte steht. Es wurde als Abschluss der zentralen Prachtstraße der Dorotheenstadt, der Straße Unter den Linden, in den Jahren von 1789[1] bis 1793[2] auf Anweisung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. nach Entwürfen von Carl Gotthard Langhans errichtet. Die das Tor krönende Skulptur der Quadriga ist ein Werk nach dem Entwurf des Bildhauers Johann Gottfried Schadow. Westlich des Brandenburger Tores befinden sich die ausgedehnten Grünflächen des Großen Tiergartens, die in gradliniger Verlängerung der Straße Unter den Linden von der Straße des 17. Juni durchquert werden. Die Platzfläche unmittelbar westlich des Tores trägt den Namen Platz des 18. März.

Das Tor ist das einzig erhaltene von zuletzt 18 Berliner Stadttoren.[3] In der Formensprache stellt es die Hinwendung vom römischen zum griechischen Vorbild dar.[3] Es ist eines der ersten klassizistischen Bauwerke in Preußen und markiert hiermit den Beginn des Klassizismus als staatstragende Architektur in Preußen.

Das Tor ist eines der bekanntesten Berliner Wahrzeichen und nationales Symbol, mit dem viele wichtige geschichtliche Ereignisse des 19. und 20. Jahrhunderts verbunden sind. Heute wird das Tor vor allem als Symbol der deutschen Wiedervereinigung angesehen. Bis zu dieser stand es unmittelbar an der Grenze zwischen Ost- und West-Berlin und damit im Kalten Krieg an der Grenze zwischen dem Warschauer Pakt und der NATO.

Symbolik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Errichtung des Brandenburger Tores erfolgte zur innen- und außenpolitischen Herrschaftsrepräsentation Friedrich Wilhelm II. Mit der Gestaltung des Tores nach dem Vorbild der Propyläen der Akropolis in Athen verglich sich Friedrich Wilhelm II. mit Perikles und stellte sich als Herrscher dar, der Preußen ein goldenes Zeitalter bringen würde.[4] Perikles stand für eine kluge Bündnispolitik verbunden mit einer langen Friedenszeit und für die Vorherrschaft Athens im Attischen Seebund. Genau so wollte Friedrich Wilhelm II. wahrgenommen werden, nachdem er die Republik der Vereinigten Niederlande befriedet und ein Allianz zwischen Preußen, den Niederlanden und Großbritannien herbeigeführt hatte.

Ganz in diesem Sinne war der ursprünglich für das Tor gewählte Name „Friedenstor“. Neben Friedrich Wilhelm II. sollte seine Schwester Wilhelmine von Oranien, Erbstatthalterin der Republik der Niederlande, als Friedensbringerin gepriesen werden. Sie war es die durch ihre Taktik Friedrich Wilhelm II. zum Eingreifen in den Niederlanden bewegte und letztendlich dadurch eine Vormachtstellung Preußens in Europa herbeiführte. Der Begriff des „Friedenstores“ steht nicht im Widerspruch zur Krönung des Tores mit einer Siegesgöttin, sondern harmoniert mit der absolutistischen Herrschaftsvorstellung des 18. Jahrhunderts.[5]

Sowohl von der baulichen Anlage der Flügelbauten als auch von der schmückenden Ausstattung her war das Tor nach innen gerichtet. Es sollte somit nicht dem Ankommenden, sondern dem in der Stadt Wohnenden die Herrschermacht verdeutlicht werden. Gleich einer Theaterkulisse dienste das Tor dazu, dem König bei der Ankunft in Berlin schmückendes und erhöhendes Beiwerk zur Seite zu stellen.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vergleich zwischen den Propyläen als Vorbild und der preußischen Neuinterpretation (Stich um 1795)
Grundriss des Brandenburger Tores im ursprünglichen Zustand

Das Brandenburger Tor ist ein frühklassizistisches Gebäudeensemble eines Triumphtores, bestehend aus dem eigentlichen Torbauwerk und zwei flankierenden Flügelbauten. Die Flügelbauten stellen nicht nur den Übergang zwischen dem Tor zur angrenzenden Bebauung her, sondern bilden durch ihre vorgezogenen Position eine Art barocken Ehrenhof.[6]

Carl Gotthard Langhans war von Friedrich Wilhelm II. als Leiter des Oberhofbauamtes eingesetzt worden und war somit mit der Umsetzung betraut. Er erhielt, wahrscheinlich direkt von Friedrich Wilhelm II.,[7][8] die Vorgabe, das Tor nach dem Vorbild der Propyläen, dem Eingangstor zur Akropolis, zu errichten. Da Langhans selbst nicht in Griechenland war, dienten ihm die Beschreibungen und Zeichnungen von Julien-David Le Roy sowie von James Stuart und Nicholas Revett als Vorlage.[9] Weiterhin forderte Friedrich Wilhelm II. „die großen und schönen Partien des der Stadt und des daran liegenden Thiergartens dergestalt miteinander zu verbinden, dass dem Thor soviel möglich freye Öffnung und viel Durchsicht gegeben werde.“[8] Schon deshalb mussten diverse Veränderungen gegenüber dem Vorbild vorgenommen werden. Langhans reduzierte die Tiefe des Tores deutlich. Außerdem führte er die Säulen schmaler und höher als im Vorbild aus. Die Säulen verdecken somit weniger Fläche und durch den höher liegenden Architrav verdeckt dieser auch aus größerer Entfernung nicht den Horizont.

Das Tor besteht aus zwei Säulenreihen mit jeweils sechs kannelierten und mit Basen versehenen dorischen Säulen, wobei die zwischen den Kanneluren eingefügten Stege der ionischen Ordnung entsprechen. Zwischen den Säulenpaaren steht jeweils eine gemauerte und verputzte Wand. Diese war nötig, da die schlanken Säulen alleine die Last des oberen Bauteils mit der Quadriga nicht hätten tragen können.[10] Die sechs Säulen-Mauer-Reihen bilden fünf Durchfahrten, von denen die mittlere – analog zu den Propyläen – breiter ist. Über den Säulen befindet sich das Gebälk, das, anders als beim griechischen Vorbild, nicht aus großen Steinquadern gebildet, sondern waagerecht gemauert wurde. Das Gebälk ist beidseitig mit einem Metopen-Triglyphenfries verziert, das vom Geison gefolgt wird. Über dem Geison folgt nun nicht der griechische flache Dreiecksgiebel, sondern eine Attika. Durch der Attika vorgesetzte flache Stufen, die zum Zentrum des Baus hinaufführen, wird aber der griechische Dreiecksgiebel symbolisiert. Auf der Attika steht dann als krönender Anschluss über der mittleren Tordurchfahrt die Quadriga.

Beiderseits des Tores schlossen sich ursprünglich kurze Mauerstücke mit Nischen für die Skulpturen von Mars und Minerva, die somit vom Quarrée (heute: Pariser Platz) aus gesehen rechts und links das Tor flankierten. Weiter nach außen folgten zweietagige Remisen, die dann in die Akzisemauer übergingen. Die Remisen standen direkt hinter den Flügelbauten, so dass sie vom Quarrée aus nicht zu sehen waren. Remisen und Flügelbauten waren durch ein gemeinsames Dach verbunden, dass den inneren Weg an der Stadtmauer überspannte und somit die Fläche vor dem Tor einfasste. Mit dem Fall der Akzisemauer 1867/1868 wurden auch die Remisen abgerissen und das Tor wurde 1868 mit den Flügelbauten durch neue Säulenhallen verbunden, die nach Entwürfen von Heinrich Strack ausgeführt wurden. Hierbei wurde auf beiden Seiten des Tores ein zusätzlicher Durchgang für Fußgänger geschaffen. Die Skulpturen von Mars und Minerva verloren bei diesem Umbau ihre prominenten Positionen und wurden in den Außenwänden des Tores „abgestellt“. Die heutigen Flügelbauten entsprechen auch nicht mehr den Originalen. Diese schlossen mit ihren Außenflanken an die Bebauung an und hatten nur vor den Fassaden zum Platz dorische Kolonnaden. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Flügelbauten zerstört und anschließend mit komplett umlaufenden Kolonnaden wieder aufgebaut. Durch dieses Freistellen ergibt sich heute ein weiterer Fußgänger-Durchgang auf der dem Tor abgewandten Seite der Flügelbauten.

Maße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bauwerk ist 20,3 Meter hoch, die Spitze der Quadriga reicht bis zu einer Höhe von etwa 26 Metern. Die Breite des Tores beträgt 62,5 und die Tiefe 11 Meter. Die Säulen sind 13,5 Meter hoch[11] und haben an der Basis einen Durchmesser von 1,73 Meter.[12]

Bildhauerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Wirkung durch die Architektur wurde das Tor durch zahlreiche bildhauerische Werke künstlerisch aufgewertet. Es kamen sowohl vollplastische Skulpturen als auch Reliefs zum Einsatz. Entscheidungen zur künstlerischen Ausgestaltung des Tores erfolgten teilweise erst während der Bauphase. Die meisten Entwürfe fertigte Johann Gottfried Schadow in seiner Funktion als Leiter der Hofbildhauerwerkstatt und Direktor der Skulpturen beim Oberhofbauamt. Die Ausführung erfolgte von zahlreichen unterschiedlichen Bildhauern, sodass der Bau des Tores durchaus auch als Beschäftigungsprogramm für die preußische Bildhauerschaft gesehen werden kann.

Quadriga[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quadriga im Zustand von 2006 bei nächtlicher Anstrahlung
Detail der Victoria
Von Schinkel entworfenes Siegeszeichen nach Restaurierung im Jahr 1991

Die Quadriga ist das künstlerische Hauptschmuckwerk des Brandenburger Tores, das bereits von Langhans bei der architektonischen Ausarbeitung vorgesehen wurde. Als Vorbild diente ihm wahrscheinlich das Mausoleum von Halikarnassos – eines der Sieben Weltwunder.[13] Mit dem Einzug der (römischen) Siegesgöttin Victoria im Streitwagen sollte der Einzug des Friedens nach Berlin dargestellt werden. Bereits im ältesten bekannten Besprechungsprotokoll über die Gestaltung der Quadriga vom 13. März 1789 wird die Göttin Victoria namentlich erwähnt: „[Es] wurde beschlossen, daß von Hr. Schadow ein Modell […] zu fertigen sey, welches die Maaße einer Gruppe von 4 Pferde und einem Wagen nebst der Victoria deutlich ausdrückte.“[14] Auch während der Bauphase fand keine Umdeutung der römischen Siegesgöttin statt und der Klempnermeister Koehler erhielt seine Bezahlung ab 1791 „für die kupferne Figur Victoria“.[15] Andere Deutungen als griechische Siegesgöttin Nike oder griechische Friedensgöttin Eirene[16] sind nicht zeitgenössisch belegt und entsprechen nicht dem aktuellen Forschungsstand. Zitha Pöthe schreibt in ihrer 2014 veröffentlichten Dissertation: „Es ist zu untersuchen, warum eine Siegesgöttin die Triumphalquadriga schmückte und nicht ein Friedensgöttin […]. Unwahrscheinlich ist, dass der Wahl eine rein ästhetische Entscheidung zugrunde lag; der prägnante visuelle Unterschied zwischen beiden ist die Darstellung von Schwingen am Rücken der Victoria. Viel mehr wird es ihre Verwendung in der Antike gewesen sein, die Victoria den repräsentativen Platz auf dem Brandenburger Tor sicherte“[17] und „Victoria konnte als Symbol nahtlos in die Bildsprache des Absolutismus eingegliedert werden. Sie diente Friedrich Wilhelm folglich als […] Legitimierung der eigenen Militäraktion im Herbst 1787 und der anschließenden Bündnispolitik, die eine Friedensabsicht verfolgte.“[5] Ebenso finden sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auch in reputablen Veröffentlichungen Aussagen darüber, dass die Quadriga anfangs andersherum, also mit Blickrichtung nach Charlottenburg, gestanden hätte.[18] Emil von Siefart hat dies jedoch bereits 1912 ausführlich widerlegt.[19]

Am 13. März 1789 fand unter Leitung von Langhans eine Konferenz zur Bestimmung der Ausführung der Quadriga („Char de Triomph“), die auf dem Tor aufgestellt werden sollte, statt. Zugegen waren unter anderem der Bildhauer Johann Gottfried Schadow, der wie Langhans beim Oberhofbauamt angestellt war, und Kupferschmied Emanuel Jury. Es wurde beschlossen, dass Schadow ein Modell der Quadriga im Maßstab 1:8 anfertigt.[14] Die Pferde sollten im Original etwa 10 Fuß (3,15 m) hoch sein. Von dem Schadowschen Modell sollte dann eine Holzmodell in Originalgröße gefertigt werden. Jury hatte dann die Aufgabe das Holzmodell in eine Fassung aus Kupfer zu übertragen. Um die Herstellung der Pferde zu vereinfachen wurde beschlossen nur zwei Pferde in unterschiedlichen Stellungen, aber vier verschiedene Kopfhaltungen anzufertigen.[20] Die Anfertigung der Holzmodelle wurde an die Bildhauer Johann Christoph Wohler (1748–1799) und Michael Christoph Wohler (1754–1802), Brüder aus Potsdam, vergeben.[21] Bereits während der Ausarbeitung der Holzmodelle legte die Akademie der bildenden Künste veränderte Proportionen der Quadriga fest, nach denen die Pferde nun 12 Fuß (3,77 m) hoch werden sollten.[22]

Da 1791 der Fortschritt an der Quadriga dem Bauamt nicht genügte, wurde Jury gedrängt die Fassung der Victoria in Kupfer an den Potsdamer Klempnermeister Koehler zu vergeben, der bereits in Berlin die Figur auf dem Französischen Dom und in Charlottenburg eine Figurengruppe auf dem Belvedere hergestellt hatte.[23]

Mitte 1793 wurde die Quadriga auf das Tor gebracht und dort verankert.[24] Zu diesem Zeitpunkt war immer noch nicht endgültig geklärt, ob die Quadriga kupfern bleiben oder vergoldet werden sollte. Für eine eventuelle Vergoldung war bereits die Oberfläche der Quadriga ermittelt worden (2276 Quadratfuß = 223 Quadratmeter). Die Akademie der bildenden Künste empfahl jedoch die Quadriga nicht zu vergolden und so entschied dann auch am 11. Juli 1793 Friedrich Wilhelm II.[25]

Erst nach der Aufstellung der Quadriga wurden noch zwei Änderungen beschlossen. Ursprünglich bestand das die Victoria tragende Siegeszeichen „aus einem an einem Speere befestigten Helm, Panzer und zwei Schilden.“[26] Da das Siegeszeichen aus der Ferne jedoch eher wie eine Laterne ausgesehen haben soll, ließ Schadow als Ersatz in Anlehnung an eine römische Aquila eine Stange mit Eichenkranz und Adler fertigen.[27] Ebenfalls relativ kurzfristig wurde auf Anregung von Schadow beschlossen, dass die Victoria mit einem „fliegenden Gewand“ auszustatten sei, da „sie von hinten so steif und kahl aussähe“.[28]

Nach dem Vierten Koalitionskrieg wurde das Siegeszeichen 1814 durch einen Entwurf von Karl Friedrich Schinkel ersetzt. Der Stange war nun gekrönt von einem Eichenkranz der ein Eisernes Kreuz umschloss und auf dem ein gekrönter Adler mit ausgebreiteten Schwingen sitzt. Der Grund für die Neufassung des Siegeszeichens ist nicht restlich geklärt. Unter Umständen wurde das alte Siegeszeichen bei einem Sturm 1806 vom Tor geweht und zerstört und erst nach dem Krieg ersetzt.[29]

Von der ursprünglichen Quadriga ist heute nur noch ein Pferdekopf vorhanden, der sich im Märkischen Museum befindet.[30][31] Auf dem Tor befindet sich eine Nachbildung der Quadriga.

Attikarelief[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwurf für das Attikarelief von Bernhard Rode
ausgeführtes Attikarelief

Unterhalb der Quadriga befindet sich auf der Berlin zugewandten Seite des Tores ein großes aus Sandstein gefertigtes Relief in der Attika. Die Vorgabe von Langhans war ein Relief, das „den Schutz der gerechten Waffen, welchen sie der Unschuld leisten“ zeigen sollte.[32] Den Entwurf hierfür führte 1791 Bernhard Rode aus. Schadow fertigt auf dieser Grundlage ein Modell.[32] Mit der Ausführung wurden die Bildhauer Konrad Nikolaus Boy und Christian Unger betraut. Schadow erläuterte in einem Brief vom August 1791 die Bedeutung des Reliefs und beschreibt die dargestellten Figuren: „Der Entwurf zu dem in der Attique des Brandenburger-Thores zu placierenden Basreliefs stellet in einer Reihe von Figuren die Folgen der Tapferkeit dar. – Hercules als das älteste Bild der Tapferkeit verscheucht die Zwietracht, mit Schlangenhaaren und tödet den Neid und andere Ungeheuer. – Die Siegesgöttin reicht ihm Trophäen und Palmen hin. – Die Staatsklugheit steht bei ihr, sie hält den mit der Schlange umwundenen Spiegel in der Hand. – Auf einen Wagen von Genien gezogen kommt die Göttin des Friedens mit dem Oelzweige und dem Lorbeerkranz, ihr folgt Comus der Gott der Freude. – Und die Göttin des Ueberflusses, die ihr Füllhorn dem Volke ausschüttet. – Die Baukunst als die älteste der schönen Künste ist als Matrone gekleidet, sie zeigt zwei Jünglinge, der Mahlerei und Bildhauerei einen Plan, ein junger lehr begieriger Genius steht bei ihr. – Hierauf folgt die Muse der Tonkunst und Urania, die Göttin der Weisheit.“[33] Da sich das Relief komplett auf die griechische Mythologie bezieht, handelt es sich bei der erwähnten Siegesgöttin um Nike, bei der Friedensgöttin um Eirene und bei der Göttin des Überflusses um Euporia.

Auch Bernhard Rode beschrieb inhaltlich identisch die Figuren. Aus seiner Beschreibung geht zusätzlich hervor, dass direkt vor dem Triumphwagen mit der Friedensgöttin, die Eintracht und die Freundschaft gehen.[34]

Ursprünglich war auch an der Außenseite des Tores ein Attikarelief geplant. Dieses sollte die Bezug auf das innerseitige Relief nehmen und zeigen, wie durch die „gerechten Waffen […] sieben zerstreute Pfeile, wiederum zu eins gebunden werden.“ Mit diesem Relief wäre ganz deutlich auf das Eingreifen Preußens in den niederländischen Konflikt Bezog genommen worden. Die sieben verstreuten Pfeile hätte die sieben niederländischen Provinzen dargestellt, die durch Friedrich Wilhelm II. und seine Schwester Wilhelmina wieder vereint worden sind.[32] Warum das Relief nicht ausgeführt wurde ist nicht bekannt. Die Stelle an der Außenseite des Tores ist bis heute leer.

Metopen-Trigylphen-Friese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Metopen-Triglyphen-Friese befinden sich sowohl auf der Ost- als auch auf der Westseite am Gebälk des Tores und bestehen aus jeweils 16 etwa einen Quadratmeter großen quadratischen Reliefs. Der Metopenreliefs auf der Westseite sind der einzige Schmuck an der Außenseite des Tores.

Das Thema der Reliefs, die „den Streit der Centauren mit den Lapithen“ zeigen, war von Langhans festgelegt und orientierte sich am Metopen-Trigylphen-Fries an der Südseite des Parthenon.[35] Die dort vorhandenen 32 Reliefe wurden zu je 16 auf beide Seiten des Tores verteilt. Der Streit zwischen Centauren und Lapithen entstand als auf der Hochzeit des Lapithenkönigs Peirithoos die als Gäste geladenen Kentauren sich an der Braut Hippodameia zu vergehen versuchten. Es kam zum Kampf in dessen Verlauf die Lapithen, auch Dank der Unterstützung des mit Peirithoos befreundeten Theseus, die Oberhand behielten. Seit der Antike gilt dieser Kampf als Parabel für den Angriff der Barbarei auf die Zivilisation, die letztendlich über die Barbarei triumphiert.[27]

Die Metophen auf der Westseite des Tores wurden nach Modellen von Schadow angefertigt. Für die östlichen Metophen war der Bildhauer Johann Eckstein aus Potsdam verantwortlich. Die ersten Metophen waren Ende 1789 fertiggestellt.[36]

Reliefs der Durchgänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst etwa zum Zeitpunkt der Eröffnung des Tores im Jahre 1791 beriet eine Kommission, der unter anderem Langhans und Schadow angehörten, über die Ausschmückung des Tores mit Reliefs.[37] Es wurde beschlossen, die fünf Durchgänge je Seite mit zwei Reliefs, also in Summe mit 20 Reliefs, auszuschmücken. Schadow kritisierte die Reliefs später als „Basreliefs in den 5 Durchgängen die aber Niemand sehen kann“.[38] Als Thema für die Durchgangsreliefs wurde die Herkulessage ausgewählt. Die Kräfte und Heldentaten von Herkules sollen als Allegorie für die Taten Friedrich Wilhelm II. dienen. Im März 1792 wurden die Aufträge für die Reliefs vergeben, die die Bildhauer Emanuel Bardou, Heinrich Bettkober, Konrad Nicolaus Boy, Johann Eckstein, Johann Daniel Meltzer, Johann David Raentz, Johann Christian Wohler, Michael Christian Wohler, Christian Unger und der Sohn des Bildhauers Wilhelm Christian Meyer erhielten. Die Entwürfe zeichnete wiederum Bernhard Rode, der auch schon das Attikarelief entworfen hatte. Die Bildhauer hatten zuerst jeweils Modelle zu fertigen, die Schadow vorzulegen waren, bevor die eigentlichen Arbeiten ausgeführt wurden.

Die Reliefs zeigen folgenden Szenen (von Süd nach Nord):[39][40]

  • Herkules im Kampf mit einem Giganten. (oben)
  • Herkules als Jüngling am Scheideweg mit Minerva auf den Tempel des Ruhms zeigend. Hinter beiden liegt Venus. (unten)
  • Herkules bezwingt einem Giganten. (oben)
  • Herkules in der Unterwelt. Herkules besteigt mit Alkestis, die er an die Oberwelt zurückführen will, den Nachen des Fährmanns Charon. Pluton mit Gattin Persephone sehen ihnen nach. Unter deren Thron liegt Cerberus. (unten)
  • Herkules erlegt die stymphalischen Vögel. (oben)
  • Herkules sprengt seine Fesseln und tötet den grausamen ägyptischen König Busiris. (unten)
  • Herkules tötet den nemeischen Löwen. (oben)
  • Herkules tötet den Kentauren Nessos, der Deïaneira in den Armen trägt. (unten)
  • Herkules erwürgt als Knabe die von Hera gesandten Schlagen. (oben)
  • Herkules rettet Hesione vor dem Meerungeheuer. (unten)
  • Herkules tötet den Drachen Ladon und raubt die Äpfel der Hesperiden. (oben)
  • Herkules im Kampf mit den Kentauren. (unten)
  • Herkules führt die Rosse des Diomedes nach Mykenä. (oben)
  • Herkules unterstützt die olympischen Götter im Kampf gegen die Giganten. (unten)
  • Herkules tötet die Hydra von Lerna. (oben)
  • Herkules im von Deïaneira übersandten Gewand. (unten)
  • Herkules bändigt den kretischen Stier. (oben)
  • Der Tod des Herkules auf dem Scheiterhaufen. Seine Freunde beklagen ihn, Philoktetes mit der Fackel in der Hand. (unten)
  • Herkules erdrückt den Riesen Antaios. (oben)
  • Herkules wird in den Olymp aufgenommen. Merkur, neben Minerva stehend, schmückt Herkules mit einem Lorbeerkranz. Juno reicht ihm eine Schale und Jupiter heißt ihn willkommen. (unten)

Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich waren die Decken der Durchgänge des Tores mit Deckenmalereien geschmückt. Diese stellten Trophäen dar und waren grau in grau gemalt. Ausgeführt und entworfen wurden die Arbeiten von Bernhard Rode. Von Süd nach Nord waren folgende Malereien zu sehen:[41]

  • eine kriegerische Trophäe, als Zeichen für Heldenmut und Stärke,
  • die Leier des Herkules neben seiner mit Lorbeer umschlungenen Keule, als Zeichen für die Vereinigung von Tapferkeit und Tonkunst,
  • das Schild der Minerva mit einem Medusenkopf, als Zeichen für die Künste,
  • zwei verschlungene Füllhörner mit einem Merkuriusstab, als Zeichen für Einigkeit und Überfluss,
  • ein Adler mit Ölkranz, als Zeichen für den Frieden.

Die Deckengemälde verschwanden 1868 bei der Renovierung des Tores im Zusammenhang mit dem Umbau der Flügelbauten.[41]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgängerbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnung des alten Brandenburger Tores von Daniel Chodowiecki (1764)

Mit der Errichtung der Dorotheenstadt um 1670 und deren Einbeziehung ist die Stadtbefestigung Berlins entstand das erste Tor an der Stelle des heutigen Brandenburger Tores. Dieses Bestand aus einem Durchbruch durch den aufgeschütteten Wall und einer Zugbrücke über den ausgehobenen Graben.

Mit dem Bau der Zollmauer der Stadt Berlin wurde 1734 ein Vorgängerbau des heutigen Brandenburger Tores als Stadttor an der Straße nach Brandenburg an der Havel errichtet.[42] Die Toranlage bestand aus zwei mit Pilastern und Trophäen geschmückten barocken Pylonen an denen die Torflügel befestigt waren. Neben dem Schmucktor befanden einfache Durchgänge für Fußgänger in der Mauer, die an dieser Stelle mit Schmuckvasen verziert waren.[42] Bereits innerhalb der Zollmauer befanden sich südlich des Tores das Gebäude für die Wache und nördlich das für die Steuerbehörde.

Für den bevorstehenden Neubau des Tores wurde zuerst ab Mai 1788 das nördlich des Steuerhauses befindliche Spritzenhaus abgebrochen, um an dessen Stelle eine provisorische Umfahrung der Torbaustelle anzulegen. Der Abbruch des alten Brandenburger Tores begann anschließend im Sommer 1788.[1]

Baugeschichte (1788–1793)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Architekt wurde Carl Gotthard Langhans beauftragt. Er orientierte sich an dem „Stadttor von Athen“, das er aus Stichen von Leroy, Stuart und Revett kannte, die aber die Propyläen der Athener Akropolis abgebildet hatten. Das Eingangstor zur Akropolis war im dorischen Stil des Parthenon gehalten, um eine optische Einheit zu bilden. Das Tor hatte eine breite Mittelöffnung und zwei schmale Seiteneingänge für Fußgänger. Im rechten Winkel dazu standen zwei Seitenflügel. Nach Langhans’ Planung sollten entsprechend beim Berliner Tor durch den breiten Mittelgang die königlichen Kutschen, daneben die sonstigen Gespanne fahren und außen die Fußgänger gehen. In den Seitenflügeln sollten die Wache und die Akziseeinnehmer untergebracht werden.[43] 1788 wurde das alte Tor abgerissen, eine große Baugrube ausgehoben und fundamentiert. 1789 wurde der Neubau begonnen. Die Baukosten lagen bei 111.000 Talern. Am 6. August 1791 wurde das noch nicht ganz fertige Tor geöffnet.

Die 1793 von Johann Gottfried Schadow gefertigte Quadriga auf dem Brandenburger Tor stellte ursprünglich nach der wohl überwiegend vertretenen Auffassung eine geflügelte Friedensbringerin dar. Das Brandenburger Tor erhielt den Namen Friedenstor, diesen Namen zeigte auch eine Inschrift aus Bronzelettern am Tor. Diese Sinngebung interpretiert auch der bildliche Schmuck.[44] Die Entwürfe für die Reliefs wurden vorwiegend von dem Maler und Akademiedirektor Christian Bernhard Rode angefertigt. Schadow hat die Entwürfe überarbeitet und die Steinmetze bei der Ausführung beaufsichtigt. Die Göttin in der Quadriga wird durch das Relief auf der Attika der Stadtseite als Friedensbringerin erklärt. Das Attikarelief steht unter dem Thema „Der Zug der Friedensgöttin“.[45] Im Zentrum des Reliefs über dem Mittelgang stehen Sinnbilder auf Frieden und Freundschaft. Die Friedensgöttin Eirene steht auf der äußersten Kante eines Triumphwagens. Mit der Rechten stützt sie sich auf den mit einer Lorbeergirlande geschmückten Rand des Wagens. In der einen Hand hält sie einen Palmenzweig, in der anderen einen Lorbeerkranz. Ihr Wagen wird von vier Eroten gezogen. Weiter rechts auf dem Attikarelief kann man Nike mit Flügeln und Tropaion erkennen.

Direkt über diesem Relief steht die Quadriga Schadows. Deren göttliche Wagenlenkerin ist Nike und Eirene in einer Person.[46] Nach einer abweichenden Auffassung soll es sich von Anfang an um eine „Siegesgöttin“ gehandelt haben, unter anderem weil davon bereits im Vertrag zur Anfertigung der Figurengruppe vom 22. Juli 1789 die Rede gewesen sei.[47] Schadow hatte ursprünglich für die Wagenlenkerin keine Trophäe entworfen. Ihm schwebte mehr die griechische Eirene als Friedensgöttin vor als die römische Siegesgöttin Viktoria.[48] 1793 verlangte dann aber ein Akademiebeschluss eine Kopie der Siegestrophäe der Nike rechts auf dem Attikarelief auch für die Wagenlenkerin der Quadriga. Bei der Bevölkerung fand sie keinen Zuspruch. Aufgrund heftiger Kritik besserte Schadow noch ein weiteres Mal nach. Das Tropaion wurde nun durch eine Lanze mit einem Lorbeerkranz und einem römischen Adler ersetzt. Außerdem erhielt die knapp bekleidete Wagenlenkerin nun ein bis auf den Boden reichendes Gewand.[49]

Verschleppung und Zeit in Paris (1807–1814)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platzansicht ohne Quadriga, 1813
Viktoria! – Die Rückkehr der Quadriga 1814 von Rudolf Eichstaedt

Im Jahr 1806 wurde das Königreich Preußen in der Schlacht von Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen. Genau drei Wochen nach Napoleons Einzug in Berlin suchte Denon, der Direktor des Louvre, das Atelier von Johann Gottfried Schadow auf und teilte ihm mit, dass die Quadriga zusammen mit anderer Beutekunst auf Weisung Napoleons nach Paris gebracht werden solle. [50] Die Quadriga wurde in zwölf Kisten verpackt und ging am 21. Dezember 1806 auf Reise nach Frankreich. Zunächst ging es auf dem Wasserweg nach Hamburg, von dort mit dem Schiff über die Nordsee. Danach wurde die Quadriga über den Rhein transportiert und gelangte über französische Kanäle nach Paris. Nach fünf Monaten war sie am Zielort. Sieben Jahre blieb die Quadriga im „Exil“. Sie sollte entweder den Arc de Triomphe oder Porte Saint-Denis bekrönen, wozu es aber nie kam. Als der Arc de Triomphe 1836 fertiggestellt war, befand sich die Quadriga längst wieder in Berlin. Belegt ist, dass die Quadriga schon in Frankreich restauriert wurde. Es liegen entsprechende Rechnungen des Restaurators Charles Caulers vor.

Rückkehr und Wiederaufstellung der Quadriga[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist General Ernst von Pfuel zu verdanken, dass die Quadriga wieder nach Berlin zurückkehrte. Nach dem alliierten Sieg über Napoleon wurde die Quadriga 1814 von den Truppen Blüchers noch in Kisten verpackt gefunden und ist dann durch Pfuel nach Berlin zurückgebracht worden, wo sie zunächst restauriert wurde.[51] Schinkel ersetzte die Lorbeerkranztrophäe der Schadowschen Wagenlenkerin durch ein eichenlaubumkränztes und vom preußischen Königsadler bekröntes Eisernes Kreuz und verwandelte so die Friedensbringerin in die Siegesgöttin Viktoria, um die Rückkehr der nach Paris verschleppten Plastik nach Berlin und den Sieg über die napoleonischen Truppen zu feiern.[52] Für die Berliner war die Quadriga nach ihrer Rückführung im Volksmund die „Retourkutsche“. Mit dem Abriss der Zollmauer in den 1860er Jahren wurden auch fast alle Stadttore abgerissen, nur das Brandenburger Tor steht heute noch.

Ende der Kaiserzeit und Weimarer Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verfassungsfeier der Weimarer Republik vor dem Brandenburger Tor am 11. August 1923

Bis zur Abdankung Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1918 durften nur Mitglieder der kaiserlichen Familie, deren persönliche Gäste sowie – in Erinnerung an General Ernst von Pfuel, den Kommandanten des preußischen Sektors von Paris nach dem Sieg über Napoleon – die Pfuels die mittlere Durchfahrt benutzen.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmaufnahmen von Juli 1945

Am 30. Januar 1933 feierten die Nationalsozialisten mit einem Fackelzug der SA durch das Brandenburger Tor ihre „Machtergreifung“.

Im Rahmen der Umgestaltung Berlins zur sogenannten „Welthauptstadt Germania“ befand sich das Tor auf der Ost-West-Achse. Ein sieben Kilometer langer Abschnitt zwischen Brandenburger Tor und Adolf-Hitler-Platz (heute: Theodor-Heuss-Platz) wurde ausgebaut und 1939 in Betrieb genommen. Beim weiteren Ausbau der Ost-West-Achse, zu dem es nicht mehr gekommen ist, sollten unter anderem die seitlichen Säulenhallen vom Brandenburger Tor abgerückt werden. Der Verkehr wäre dann nicht mehr nur durch, sondern auch um das Tor herumgeführt worden.[53]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde von der Quadriga 1942 ein Gipsabguss genommen. Bei den Kämpfen um Berlin wurde die Quadriga mehrfach stark beschädigt. Lediglich ein Pferdekopf blieb vom Schadow'schen Original erhalten, der heute im Berliner Märkischen Museum ausgestellt ist. Auch das Gebäude selbst wurde beschädigt, eine Säule zerschossen.

Wiederaufbau und Rekonstruktion der Quadriga nach dem Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. September 1956 beschloss der Ost-Berliner Magistrat, das einzige erhaltene aber beschädigte ehemalige Stadttor wieder aufzubauen. In der entsprechenden Presseerklärung dazu heißt es konkret: „Wiederherstellung des Brandenburger Tores entsprechend der ursprünglichen städtebaulichen Vorstellung seines Baumeisters Langhans, was bedeutet, daß die Bebauung zu beiden Seiten des Tores Grünflächen weichen und der Verkehr darum herumgeleitet werden muß“.[54] Trotz heftiger Auseinandersetzungen und gegenseitiger Vorwürfe arbeiteten beide Teile Berlins bei der Wiederherstellung zusammen. Die Quadriga musste aufgrund der Kriegsschäden vollständig neugeschaffen werden, die Rekonstruktion besorgte der Bildhauer Otto Schnitzer, die Ausführung übernahm die traditionsreiche Gießerei Hermann Noack, damals noch in Friedenau. Am 14. Dezember 1957 war der Wiederaufbau beendet. Die oft gehörte Behauptung, die Quadriga hätte zeitweise in entgegengesetzter Fahrtrichtung gestanden, ist falsch.

In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1958 wurde die Quadriga heimlich in den Neuen Marstall verbracht und der Preußenadler sowie das Eiserne Kreuz entfernt bzw. herausgelötet. Die Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung erklärte hierzu, die „Embleme des preußisch-deutschen Militarismus“ dürften nicht mehr zur Aufstellung gelangen.

Zeit der Teilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 stand das Bauwerk mitten im Sperrgebiet und konnte weder von Westen noch von Osten durchquert werden. Nur die DDR-Grenzsoldaten und die durch das Personal des Informationszentrums Brandenburger Tor zur Besucherplattform geführten Besuchergruppen (meist Staatsgäste in der DDR) konnten an das Bauwerk heran.

Aussichtsplattform in West-Berlin vor dem Brandenburger Tor, 1988

Dazu bemerkte der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker zu Zeiten des Kalten Krieges:

„Solange das Brandenburger Tor geschlossen ist, ist die Deutsche Frage offen.“

Richard von Weizsäcker

Am 12. Juni 1987 sprach der US-amerikanische Präsident Ronald Reagan folgenden Satz anlässlich eines Berlinbesuchs vor dem Brandenburger Tor:

“Mr. Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall!”

„Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein!“

Ronald Reagan[55]

Mauerfall und Restaurierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

28 Jahre nach dem Bau der Mauer wurde das Brandenburger Tor während der politischen Wende in der DDR am 22. Dezember 1989 unter dem Jubel von mehr als 100.000 Menschen wieder geöffnet. Die Sperranlagen wurden danach vollständig beseitigt.

In der Silvesternacht 1989/1990 waren Zuschauer auf das Tor geklettert und hatten diverse Anbauteile der Quadriga (z. B. das Zaumzeug) entwendet. Die folgende Untersuchung zeigte jedoch weit gravierendere Schäden: Seit dem Mauerbau war nichts für den Erhalt der Quadriga getan worden und etliche innere Teile aus Stahl waren durchgerostet. Die Quadriga wurde deshalb umgehend demontiert und erhielt bei der folgenden Restaurierung auch das Eiserne Kreuz und den Adler zurück. Die Kosten der Instandhaltung belaufen sich jährlich auf 200.000 Euro.

Das Tor (insbesondere der Sandstein) wurde nach langer Vernachlässigung und wegen deutlicher Umweltschäden umfassend von der Stiftung Denkmalschutz Berlin saniert und nach einer 22-monatigen Restaurierung am 3. Oktober 2002 feierlich wieder enthüllt.

Diskussion um verkehrstechnische An- und Einbindung und heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinerzeitiger Durchgangsverkehr durch das Brandenburger Tor in den 1990er Jahren
Blick vom Brandenburger Tor auf den Verkehr bei den Olympischen Sommerspielen 1936
Tor mit dem Brunnen auf dem Pariser Platz

In den 1990er Jahren wurde in Berlin immer wieder diskutiert, ob das Tor für den Autoverkehr geöffnet sein soll oder nicht. Argumente gegen die Öffnung waren dabei vor allem eine massive Schädigung des Sandsteintores durch Autoabgase und gewünschte Verkehrsberuhigung des Pariser Platzes. Seit Mai 2002 ist das Tor für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Im Bereich des Brandenburger Tores verkehren unterirdisch die S-Bahn-Linien S1, S2 und S25 im sogenannten „Nord-Süd-Tunnel“. Außerdem unterquert die U-Bahn-Linie U55 das Tor. Östlich des Tores befindet sich der – ebenfalls unterirdisch gelegene – Bahnhof Brandenburger Tor, an dem sich diese Strecken kreuzen.

Ursprünglich durchquerten die Bundesstraßen B 2 und B 5 das Brandenburger Tor. Nach der Umgestaltung des Pariser Platzes wurde die Trasse beider Bundesstraßen südlich über Glinka-, Behren- und Ebertstraße um das Brandenburger Tor herumgeführt.

Raum der Stille[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im nördlichen Torhaus befindet sich seit 1994 ein Meditations­raum nach dem Vorbild des Raumes der Stille, den Dag Hammarskjöld im UNO-Gebäude in New York für sich und seine Mitarbeiter einrichten ließ. Das Ziel ist es, einen Ort der stillen Einkehr inmitten der Großstadthektik zu bieten. Der Ort der Toleranz zwischen Nationalitäten und Religionen mahnt an den Frieden.[56]

Ab- und Nachbildungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Brandenburger Tor wurde im Laufe der Zeit immer wieder als Symbol der Deutschen Einheit dargestellt:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil von Siefart: Aus der Geschichte des Brandenburger Thores und der Quadriga. (= Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft XLV), Berlin 1912.
  • Michael S. Cullen, Uwe Kieling: Das Brandenburger Tor / Geschichte eines deutschen Symbols. Argon, Berlin 1990, ISBN 3-87024-162-4.
  • Willmuth Arenhövel, Rolf Bothe (Hrsg.): Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Mit Beiträgen von R. Altner, D. Bartmann, M. Bollé u. a., 2. verbesserte Auflage, Willmuth Arenhövel Verlag für Kunst- und Kulturgeschichte, Berlin 1991, ISBN 978-3-922912-26-2.
  • Laurenz Demps: Das Brandenburger Tor – Ein Symbol im Wandel. Verlagshaus Braun, Berlin 2003, 1. Aufl., ISBN 3-935455-15-1.
  • Zitha Pöthe: Perikles in Preußen. Die Politik Friedrich Wilhelms II. im Spiegel des Brandenburger Tores. Dissertation vom Oktober 2013 an der Technischen Universität Berlin, Fakultät I Geisteswissenschaften. epubli, Berlin 2014, ISBN 978-3-7375-0749-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brandenburger Tor – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b von Siefart 1912, S. 6
  2. von Siefart 1912, S. 42
  3. a b Cullen/Kieling 1990, S. 8
  4. Pöthe 2014, S. 400
  5. a b Pöthe 2014, S. 221
  6. Ralph Paschke: Das Tor und seine architekturgeschichtliche Stellung. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie., Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 19.
  7. Michael Bollé: »Antiquites of Berlin?« Carl Gotthatd Langhans und die Architektur in Berlin um 1800. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie., Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 72.
  8. a b Pöthe 2014, S. 187.
  9. von Siefart 1912, S. 4.
  10. Ralph Paschke: Das Tor und seine architekturgeschichtliche Stellung. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie., Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 16.
  11. Laurenz Demps: Zur Baugeschichte des Tores. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie., Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 57.
  12. Architekten-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Berlin 1877, S. 97.
  13. Gert-Dieter Ulferts: Friede nach siegreichem Krieg / Das Bildprogramm – Skulpturen und Malereien. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 93 f.
  14. a b von Siefart 1912, S. 12
  15. von Siefart 1912, S. 37
  16. Cullen/Kieling 1990, S. 29 f.
  17. Pöthe 2014, S. 218
  18. Architekten-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Berlin 1877, S. 97 f.
  19. von Siefart 1912, S. 3
  20. von Siefart 1912, S. 13 f.
  21. von Siefart 1912, S. 16 f.
  22. von Siefart 1912, S. 23
  23. von Siefart 1912, S. 27
  24. von Siefart 1912, S. 38 ff.
  25. von Siefart 1912, S. 38
  26. von Siefart 1912, S. 41
  27. a b Gert-Dieter Ulferts: Friede nach siegreichem Krieg / Das Bildprogramm – Skulpturen und Malereien. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 103.
  28. von Siefart 1912, S. 40
  29. Gert-Dieter Ulferts: Friede nach siegreichem Krieg / Das Bildprogramm – Skulpturen und Malereien. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 131, Anmerkung Nr. 34.
  30. Ralph Paschke: Das Tor und seine architekturgeschichtliche Stellung. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 36.
  31. Stadtmuseum Berlin: Pferdekopf der Quadriga vom Brandenburger Tor
  32. a b c Gert-Dieter Ulferts: Friede nach siegreichem Krieg / Das Bildprogramm – Skulpturen und Malereien. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 109.
  33. Zitiert nach von Siefart 1914, S. 44.
  34. Siefart 1914, S. 53.
  35. von Siefart, S. 4.
  36. Gert-Dieter Ulferts: Friede nach siegreichem Krieg / Das Bildprogramm – Skulpturen und Malereien. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 107 f.
  37. von Siefart, S. 44
  38. Gert-Dieter Ulferts: Friede nach siegreichem Krieg / Das Bildprogramm – Skulpturen und Malereien. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 113.
  39. von Siefart, S. 50–52.
  40. Gert-Dieter Ulferts: Friede nach siegreichem Krieg / Das Bildprogramm – Skulpturen und Malereien. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 114–119.
  41. a b von Siefart, S. 52
  42. a b Demps 1991, S. 20
  43. Barbara Demandt: Metamorphosen eines Tores, in: Pegasus-Onlinezeitschrift IV/1 (2004), S. 28
  44. Zitha Pöthe: Perikles in Preußen. Die Politik Friedrich Wilhelms II. im Spiegel des Brandenburger Tores. 1. Auflage. Epubli, 2014, ISBN 978-3-7375-0749-3, S. 448.
  45. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bezirke Berlin, 1964, S. 72
  46. Willmuth Arenhövel (Hrsg.): Berlin und die Antike: Katalog, Deutsches Archäologisches Institut, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1979, S. 182
  47. Laurenz Demps: Das Brandenburger Tor. Ein Symbol im Wandel, 2003, S. 32
  48. Georg Franzen: Johann Gottfried Schadows Quadriga. In: Humanität, Mai/Juni 2000, 3. Ausg. 26. Jg., wiedergegeben auf der Website der Schadow-Gesellschaft
  49. Barbara Demandt: Metamorphosen eines Tores, in: Pegasus-Onlinezeitschrift IV/1 (2004), S. 35
  50. Frank Bauer: Napoleon in Berlin: Preussens Hauptstadt unter französischer Besatzung 1806–1808. S. 114.
  51. 225 Jahre Brandenburger Tor. 4. August 2016. Abgerufen am 10. August 2016.
  52. Michael S. Cullen und Uwe Kieling: Das Brandenburger Tor. Ein deutsches Symbol, 1999, S. 51; Dieter Zimmer und Carl-Ludwig Paeschke: Das Tor. Deutschlands berühmtestes Bauwerk in zwei Jahrhunderten, 1991, S. 45; Ulrike Krenzlin: Johann Gottfried Schadow. Die Quadriga, 1991, S. 45 ff.
  53. Umgestaltung des Brandenburger Tores. In: Verkehrstechnik, 20. Jg., Heft 10 (20. Mai 1939), S. 255.
  54. Pressekonferenz zu Beschlüssen des Magistrats, abgehalten am 22. September 1956. Berlin-Chronik, Online-Version, hrsg. vom Landesarchiv Berlin.; abgerufen am 24. November 2014.
  55. President Reagan at Berlin Wall (Video, 26 Min.), 12. Juni 1987, C-SPAN
  56. Ziele, Raum der Stille in Berlin, abgerufen am 22. Dezember 2009

Koordinaten: 52° 30′ 59″ N, 13° 22′ 40″ O