Brandov

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Brandov
Wappen von Brandov
Brandov (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Most
Fläche: 1230,3292[1] ha
Geographische Lage: 50° 38′ N, 13° 23′ O50.63972222222213.386111111111543Koordinaten: 50° 38′ 23″ N, 13° 23′ 10″ O
Höhe: 543 m n.m.
Einwohner: 243 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 435 47
Kfz-Kennzeichen: U
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Jiří Mooz (Stand: 2013)
Adresse: Rudé armády 251
435 47 Brandov
Gemeindenummer: 567078
Website: www.brandov.cz
Lageplan
Lage von Brandov im Bezirk Most
Karte

Brandov (deutsch Brandau) ist eine Gemeinde im böhmischen Erzgebirge am Zusammenfluss von Natzschung, Schweinitz und Flöha. Die Gemeinde liegt im Okres Most in der Ústecký kraj, Tschechien.

Geschichte[Bearbeiten]

Sie wurde im 16. Jahrhundert gegründet. Die ersten schriftlichen Nachweise stammen aus dem Jahr 1549. Seinen Namen hat der Ort vermutlich von einer Brandrodung. Brandau war berühmt für Eisenfunde, viele Einwohner widmeten sich auch der Holzbearbeitung. Gottlieb Felix erwarb durch Kauf von Georg von Carlowitz Böhmisch Grünthal und Brandau. 1622 wurde das erste Mal die Kirche erwähnt. 1673 wurde Brandau zur Pfarrei. Von 1720 bis 1730 erbaute man die barocke Kirche Erzengel Michael. Aus dem Jahr 1730 stammt die Statue des Heiligen Johann Nepomuk. 1780 wurde die Pfarrei errichtet.

In den Jahren nach 1851 wurde gegenüber dem Haus Nr. 10 nach Kohle gesucht. Dieser Versuch war ohne Erfolg. Erst später wurden weitere Bohrungen durchgeführt, diesmal mit Erfolg. Man fand im Wald beim Pferdebach (Koňský potok) Steinkohle. Kurz darauf wurde eine Gesellschaft gegründet, die von den Direktoren der Eisenwerke in Kallich (Kalek) geführt wurde. 1853 begann man mit der Gewinnung der Kohle. Die Grube erhielt den Namen Gabriele zu Ehren der Gräfin Marie Gabrielle von Buquoy, der Besitzerin des Schlosses Rothenhaus. Nach dem Tod der Gräfin kam es zum Zerfall des Unternehmens. So arbeiteten 1876 nur noch 6 Bergarbeiter im Schacht.

Der Besitz von Rothenhaus wurde an die Tochter Isabella vererbt, deren Tochter Maria Gabriele den Prinz Ludwig Karl Gustav von Hohenlohe-Langenburg ehelichte. Der Prinz fiel am 26. Juli 1866 in der Schlacht bei Königgrätz, seinen Besitz übernahm sein Sohn Gottfried.

1893 kaufte Johann Schlutius die Bergwerke. Er war Besitzer des Rittergutes Karow in Mecklenburg. Unter seiner Führung entwickelte sich das Unternehmen wieder. Durch die neuen Funde von Anthrazitvorkommen, wuchs die Anzahl von 15 Bergleuten 1900 auf 92. Im Juni 1898 wurde das Bergwerk modernisiert, es wurde eine Bahn gebaut. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Brandau zum Pfarrdorf ernannt. Neben der Kirche St. Michael gab es im Dorf eine Post und eine Mühle. Es lebten hier 1168 deutsche Einwohner, die vor allem im Bergbau tätig waren und Holzspielzeug herstellten. Die Gemeinde selbst gehörte zum Gerichtsbezirk Katharinaberg.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs die Anzahl der Bergarbeiter weiter und in der Nähe des Dorfes entstand eine Bergarbeiter Kolonie. Das Bergwerk bekam einen Dampfgöpel und ein weiterer Förderturm wurde in die Höhe gezogen. Der Förderschacht war inzwischen 600 Meter lang und 60 Meter tief. Das änderte sich nochmals als 1906 am oberen Ende des Dorfes ein weiterer Schacht eröffnet wurde („Glückauf-Schacht“) (Zdař Bůh). Daneben wurde ein großes Gebäude mit Büros und Wohnungen für die Angestellten errichtet.

Der „Glückauf-Schacht“ war mit einer Seilbahn mit Olbernhau in Sachsen verbunden. Hier wurde die meiste Kohle herübergebracht und unter den Namen „Olbernhauer Anthrazitkohle“ vermarktet. 1910 wurden 172 Bergarbeiter beschäftigt.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Grenze zu Sachsen geschlossen. Auch die Telefonleitungen wurden gekappt und die Kohle lag nun in Brandau auf Halde. Erst nach langwierigen Verhandlungen durfte die Kohle wieder nach Sachsen befördert werden.

1921 wurde die Arbeit in den Bergwerken unterbrochen. Grund war die Hyperinflation der Deutschen Mark. Die Förderung wurde unrentabel. Die finanzielle Lage verschlechterte sich derart, dass Gabriel versteigert werden musste. Die Regierung unterband die Versteigerung, und „Gabriele“ wurde geschlossen und demontiert. 1924 arbeiteten hier nur noch 73 Arbeiter. Viele der Einwohner mussten sich neue Arbeit suchen – als Bauarbeiter, Tischler oder Holzarbeiter, weitere fanden Arbeit in Bergwerken in Nordböhmen unter den Bergen, andere gingen zu den Walzwerken F.A. Lange in Grünthal, die auch in Böhmisch Grünthal (Zelený důl) Werksanlagen hatten. Landwirtschaft hatte hier nie die große Bedeutung, sie diente meist als Zusatzverdienst. 1930 lebten hier noch 2473 Einwohner.

Während des Zweiten Weltkriegs erwog man, die Förderung wieder aufzunehmen. 1942 wurde dieser Gedanke endgültig verworfen. Die Kohlereserven waren völlig aufgebraucht. 1946 wurde mit der Vertreibung der Deutschen begonnen. Für die Deutschen kamen zwar Tschechen; aber das Dorf verlor bis 1950 über 2000 Einwohner. Auch in den folgenden Jahren ging die Anzahl der Einwohner stetig zurück. Heute leben hier 268 Menschen, und das Dorf dient als Naherholungsort.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Für die Gemeinde Brandov sind keine Ortsteile ausgewiesen. Zu Brandov gehören die Ortslage Zelený Důl (Böhmisch Grünthal) und die Wüstung Schweinitzmühle.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brandov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/567078/Brandov
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)