Brandverhalten

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Dieser Artikel behandelt vorwiegend die Verwendung des Begriffs Brandverhalten im Bauwesen. Bauprodukte werden in Klassen eingeteilt, die das Verhalten von Stoffen und Materialien im Feuer beschreiben.

Brandverhalten von Baustoffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Brandverhalten eines Baustoffes wird nach Europäischer Norm (EN) und DIN entsprechend folgendem Schema eingeteilt:

deutsche
bauaufsichtliche
Benennung
Zusatzanforderung Klasse zum
Brandverhalten
EN 13501-1
Baustoff-
klasse DIN
4102-1
Prüfnorm
keine Rauch-
entwicklung
kein brennendes
Abtropfen/Abfallen
nichtbrennbar ohne
brennbare Bestandteile
x x A1 A1 EN ISO 1182, EN ISO 1716,
EN ISO 9239
nichtbrennbar mit
brennbaren Bestandteilen
x x A2 - s1 d0 A2 EN ISO 1182, EN ISO 1716,
EN ISO 9239
schwerentflammbar x x B, C - s1 d0 B1 EN ISO 9239-1
x A2, B, C - s2 d0
x A2, B, C - s3 d0
x A2, B, C - s1 d1
x A2, B, C - s1 d2
A2, B, C - s3 d2
normalentflammbar x x D - s1 d0 B2 EN ISO 9239-1
x D - s2 d0
x D - s3 d0
x D - s1 d2
D - s2 d2
D - s3 d2
x E EN ISO 11925-2
E - d2
leichtentflammbar F B3 keine Prüfung

In der vierten Spalte ist jeweils der Kurzname für die Klasse zum Brandverhalten nach EN 13501-1 angegeben. Zum Vergleich stehen in der fünften Spalte die Kurznamen der bisherigen und zunächst auch bis auf weiteres gültigen DIN 4102. Seit der Veröffentlichung in der Bauregelliste 2002/1 wird bei neuzugelassenen Baustoffen für die Einstufung jedoch nur noch die EN 13501-1 verwendet.

Eine eindeutige Zuordnung der europäischen Klassifizierungen nach EN 13501-1 zu den Klassen nach DIN 4102-1 ist auf Grund unterschiedlicher Prüfkriterien in vielen Fällen nicht möglich. Nur bei der Hauptgruppe A gibt es eine weitgehende Übereinstimmung zwischen der bisherigen und der neuen Norm. Wie in der Tabelle zu sehen ist, überschneidet sich jedoch die Klassifikation B1 nach DIN 4102 ebenfalls teilweise mit der Klassifikation A2 nach EN 13501.

Das Brandverhalten nach EN 13501-1 ist durch entsprechende Hinweise zur Rauchentwicklung und zum Abtropfen weiter zu spezifizieren.[1] Daher kann unzweideutig nur die allgemeinere Zuordnung der bauaufsichtlichen Benennungen in der ersten Spalte zu den europäischen Klassifizierungen erfolgen.

In der EN 13501-1 sind folgende Unterteilungen der Klassen zum Brandverhalten zur Rauchentwicklung (Kurzzeichen s für smoke) und zum brennenden Abtropfen bzw. Abfallen (Kurzzeichen d für droplets) vorgesehen:

Kurzzeichen Anforderung Prüfnorm
s1 keine / kaum Rauchentwicklung
s2 begrenzte Rauchentwicklung
s3 unbeschränkte Rauchentwicklung
d0 kein Abtropfen / Abfallen
d1 begrenztes Abtropfen / Abfallen
d2 starkes Abtropfen / Abfallen

Ein leichtentflammbarer Baustoff (F bzw. bisher B3) darf in ein Gebäude nur eingebaut werden, wenn er mit einem anderen Baustoff so verbunden wird, dass der Verbundwerkstoff nicht mehr leicht entflammbar ist.

Bis hin zur Klasse C (bisher B1) gelten die Baustoffe als selbstverlöschend. Ab Klasse E (bisher B2) unterhält der Brand sich selbst, auch wenn die Brandursache entfällt.

Die EN 13501-1 sieht für Bodenbeläge eine teilweise leicht abweichende Klassifikation vor. Die Klassen zum Brandverhalten von Bodenbelägen werden mit dem Kurzzeichen fl (für floor) gekennzeichnet.

Die Zuordnung der Baustoffe in Klassen zum Brandverhalten wird durch Brandversuche vorgenommen.

Einteilung der Baustoffe nach der vorläufig noch gültigen DIN 4102-1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einteilung von Baustoffe nach ihrer Brennbarkeit bzw. dem Brandverhalten erfolgte in Deutschland bislang gemäß DIN 4102 Teil 1 in zwei Baustoffklassen (zum Teil auch als Brennbarkeitsklassen oder fälschlich als Brandklassen bezeichnet).

  • A – nicht brennbare Baustoffe
    • A1 – ohne brennbare Bestandteile, Nachweis nach DIN 4102-1 erforderlich, sofern nicht in DIN 4102-4 benannt (z. B. Sand, Kies, Naturbims, Zement, Kalk, Schaumglas, Mörtel, (Stahl-)Beton, Steine, Bauplatten aus mineralischen Bestandteilen, reine Mineralfasern, Ziegel, Glas, Eisen und Stahl, aber kein Metallstaub)
    • A2 – in geringem Umfang mit brennbaren Bestandteilen, Nachweis nach DIN 4102-1 erforderlich, sofern nicht in DIN 4102-4 benannt (z. B. Gipskartonplatten nach DIN 18180 mit geschlossener Oberfläche).
  • B – brennbare Baustoffe
    • B1 – schwerentflammbar (z. B. Holzwolle-Leichtbauplatten nach DIN, Gipskartonplatten nach DIN 18180 und gelochter Oberfläche, Hartschaum-Wärmedämmplatten mit Flammschutzzusatz, Kunstharzputz, wenn er aus mineralischen Zuschlägen hergestellt wird und auf massivem und mineralischen Untergrund aufgebracht wird, verschiedene Bodenbeläge wie Eichenparkett, Guss- oder Walzasphalt-Estrich)
    • B2 – normalentflammbar (z. B. Holz ab bestimmten Abmessungen, Gipskarton-Verbundplatten, Hartschaum-Wärmedämmplatten ohne Flammschutzzusatz, verschiedene Kunststoffe und daraus hergestellte Tafeln oder Formstücke, elektrische Leitungen und verschiedene Bitumenbahnen sowie Dach- und Dichtungsbahnen. Bei den letzten drei ist ggf. durch Versuche nachzuweisen, dass sie nicht brennend abfallen.)
    • B3 – leichtentflammbar (alles, was nicht in B1 oder B2 eingruppiert werden kann)

Bis hin zur Baustoffklasse B1 gelten Baustoffe als selbstverlöschend. Ab Baustoffklasse B2 unterhält der Brand sich selbst, auch wenn die Brandursache entfällt.

Begrifflichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datenschieber, welcher u.a. auch Angaben zum Brandverhalten von Werkstoffen in der Elektroindustrie enthält
  • Umgangssprachlich, wie auch in den Publikationen vieler Baustoffhersteller, wird statt von Baustoffklasse häufig fälschlich von Brandklasse gesprochen. Brandklassen beschreiben jedoch nach EN 2 die Klassifizierung von Bränden nach der Art des Brennstoffs und dienen zur Bestimmung der zur Brandbekämpfung geeigneten Feuerlöschern (z. B. ABC-Pulverlöscher).
  • Die Eigenschaften von im Bauwesen verwendeten Bauteilen im Brandfall (Wände, Decken, Türen, Installationen usw.) werden als Feuerwiderstand bezeichnet und durch eine Brandprüfung festgestellt.
  • Früher wurden in der Einteilung brennbarer Flüssigkeiten die Gefahrklassen AI, AII, AIII und BI festgelegt.
  • Das Brandverhalten von Materialien außerhalb des Bauwesens ist Teil der Verbrennungslehre und wird hier nicht behandelt.

Normen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • EN 13501-1 Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten – Teil 1: Klassifizierung mit den Ergebnissen aus den Prüfungen zum Brandverhalten von Bauprodukten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Europäische Klassifizierung zum Brandverhalten, Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung