Branišovice

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Branišovice
Wappen von Branišovice
Branišovice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Brno-venkov
Fläche: 1105 ha
Geographische Lage: 48° 58′ N, 16° 26′ OKoordinaten: 48° 58′ 7″ N, 16° 25′ 43″ O
Höhe: 194 m n.m.
Einwohner: 593 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 671 26
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: Pohořelice - Znojmo
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Michal Zima (Stand: 2009)
Adresse: Branišovice 57
671 77 Branišovice
Gemeindenummer: 593834
Website: www.branisovice.cz

Branišovice (deutsch Frainspitz) ist eine Gemeinde in Südmähren und liegt 20 km nördlich der tschechisch-österreichischen Grenze bei Laa an der Thaya. Der Ort selbst ist als ein Breitstraßendorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbarorte sind Pohořelice (Pohrlitz) im Osten, Trnové Pole (Dornfeld) im Süden, Olbramovice (Wolframitz) im Norden und Našiměřice (Aschmeritz) im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ui-Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern, weist auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2] Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammte aus dem Jahre 1222. In dieser Zeit wird ein Wolfram de Brannisuicz erwähnt, dessen Nachkomme sich später Wofram de Vrenspicz nannte. In den Liechtensteinischen Urkunden aus den Jahren 1305 und 1310 wird der Ort als Vrenspitz erwähnt. Um das Jahr 1327 gelangte Frainspitz unter die Herrschaft des Königinklosters in Alt-Brünn.

In der Zeit der Reformation wird der Ort lutherisch. Während des Dreißigjährigen Krieges verödete der Ort und das Gebiet wurde nach Wolframitz eingepfarrt. Darum förderte das Kloster in dem Jahr 1670 eine Neubesiedelung von Frainspitz. Dennoch standen im Ort im Jahre 1673 nur 5 Häuser. Bis zu dessen Verödung war der Ort für seinen Weinbau bekannt.[3] Bis 1749 waren alle Häuser wieder bewohnt. Schon lange vorher galt der Ort wieder als katholisch.

Im Jahre 1782 wird das Königinkloster von Kaiser Joseph II. aufgelöst, damit ging die 455 Jahre dauernde Herrschaft des Klosters über Frainspitz zu Ende. Ein Jahr vorher wurde die Leibeigenschaft aufgehoben und in der Nähe des Ortes eine neu Siedlung gegründet. Diese erhielt den Namen Weinberg und wurde ein Bestandteil der Gemeinde Frainspitz. Die Matriken des Ortes wurden seit dem Jahre 1680 geführt und befinden sich im Landesarchiv Brünn. [4] Durch den Ort führte die böhmische Kaiserstraße, was dem Ort eine zusätzliche wirtschaftliche Bedeutung verlieh.[5]

Bis 1807 wurde der Ort vom Religionsfond verwaltet und gelangte danach mitsamt der Herrschaft Kromau in den Besitz der Fürsten Liechtenstein.[6] Später fiel der Ort durch ein Erbe an die Grafen Kinsky. 1831 litten die Bewohner von Frainspitz unter der Cholera, welche 56 Opfer im Ort forderte. Während der Revolution von 1848/49 flieht Kaiser Ferdinand I. aus Wien nach Mähren. Auf seiner Flucht ruhte er sich im Schloss von Frainspitz aus. Ein Jahr später wütete neuerlich die Cholera im Ort und forderte 30 Frainspitzern das Leben. Frainspitz war bis zum Jahr 1880 bekannt für seine Kamillenernte. So wurde die Frainspitzer Kamille in Wien und in Budapest verkauft. Im Jahre 1889 wird eine Freiwillige Feuerwehr im Ort gegründet. Der größte Teil der Frainspitzer lebte von der Landwirtschaft, wobei der sonst so wichtige Weinbau in Südmähren keine Rolle spielte. Neben dem üblichen Kleingewerbe gab es noch eine Raiffeisenkassa in Frainspitz.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Saint-Germain[7],1919, wurde der Ort, der im Jahre 1910 zu 93 % von Deutschsüdmährern bewohnt war, Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. Durch die Neubesetzung von Beamtenposten und Siedler kam es in der Zwischenkriegszeit zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität.[8] Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte im Jahre 1924. In Frainspitz war eine Haltestation der Buslinie Znaim - Brünn. Nach dem Münchner Abkommen, 1938, kam der Ort an das Deutsche Reich und wurde ein Teil des Reichsgau Niederdonau.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der 54 Opfer unter den Frainspitzern forderte, kam am 8. Mai 1945 die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Vor den einsetzenden Nachkriegsexzessen durch militante Tschechen flohen viele Deutschsüdmährer oder wurden über die Grenze nach Österreich getrieben. Dabei kam es zu zwei Ziviltoten. [9] Das Beneš-Dekret 115/1946 erklärte bis zum 28. Oktober 1945 begangene Handlungen im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit ..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ... für nicht widerrechtlich. Im August 1945 bestimmten die Siegermächte im Potsdamer Kommuniqués (Konferenz) [10] die Nachkriegsordnung. Die laufende, kollektive Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde darin nicht erwähnt, jedoch explizit ein „geordneter und humaner Transfer“ der "deutschen Bevölkerungsteile", die in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind verlangt. Zwischen dem März und Oktober 1946 wurden 226 Ortsbewohner über Nikolsburg nach Deutschland zwangsausgesiedelt.[11][12][13][14] Zwei Personen verblieben im Ort. Alles private und öffentliche Vermögen der deutschen Ortsbewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Wiedergutmachung ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das älteste bekannte Siegel zeigte innerhalb der Umschrift "Sigil.Pagi.Frainspitz.1675" einen Schild. Darin stand, auf einen moorigem Grund, ein Wasservogel zwischen zwei Trauben. Das Siegel blieb bis 1848 Großteils gleich. Später wurde nur noch ein bildloser Gemeindestempel verwendet.

Der Ortsteil Weinberg führte ebenfalls ein Siegel. Es zeigte in einem Blätterkranz ein Weinmesser neben einer Weintraube. [15]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Branišovice besteht aus den Ortslagen Branišovice (Frainspitz) und Vinohrádky (Klein Weinberg).

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 814 786 26 2
1890 830 793 33 4
1900 798 733 64 1
1910 852 795 43 14
1921 873 725 142 6
1930 861 665 190 6

[16]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Laurentius (1329) besitzt einen romanischen Kern. Das Kirchenschiff stammt aus dem Jahre 1673, Umbau der Kirche um 1800. Kapelle mit hl. Grab (1911).
  • Statue des Hl. Johannes
  • Schloss des Grafen Kinsky
  • Kriegerdenkmal (1923) [17][18]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Laurenz Widholz (1861–1926) Abgeordneter im Reichsrat (1907–1918) und im österreichischen Nationalrat (1919–1926)
  • Adolf Tezelin Halusa (1870–1953), katholischer Ordenspriester im Stift Heiligenkreuz und Schriftsteller
  • Josef Kuno Halusa (1877–1951) Lyriker

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Inventar. Beschriftung der Kirche, des Beneficiums und des Lokalgebäudes zu Frainspitz 1807
  • Cyrill Klein: Heimatbuch der Gemeinde Frainspitz-Weinberg
  • Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, approbierter Lehrbehelf, Verlag Lehrerverein Pohrlitz, Frainspitz-Weinberg S. 125
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren topographisch, statistisch und historisch, Bd. I-VI, Brünn, 1835–42
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Frainspitz S. 41
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren., Frainspitz: s. 9f;C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden., Frainspitz s. 57f, Josef Knee,Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens Bd. 3, Frainspitz: s.243 C. Maurer Verlag,Geislingen/Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z, Frainspitz s.79f, Südmährischen Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2006

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Klein: Heimatbuch der Gemeinde Frainspitz-Weinberg, s. 147
  4. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 10. März 2011.
  5. Codex diplomaticus et epistolaris regni Bohemiae, Bd. II, s.234
  6. Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren, 1837, s.312
  7. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  8. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  9. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, Totenbuch S. 216
  10. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  11. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 243 (Frainspitz).
  12. Archiv Mikulov, Odsun Němců – transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946.
  13. Ludislava Šuláková, übersetzt von Wilhelm Jun: Die Problematik des Abschubs der Deutschen in den Akten des Städtischen Volksausschusses (MNV) und des Bezirks-Volksausschusses (ONV) Nikolsburg: Südmährisches Jahrbuch 2001 S. 45f, ISSN 0562-5262
  14. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  15. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band V. S. 34
  16. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  17. Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark, 1941, Anton Schroll & Co, Frainspitz S. 205
  18. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, S. 9