Branitz (Cottbus)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 51° 44′ 34″ N, 14° 20′ 11″ O

Stadt Cottbus
Einwohner: 1500
Eingemeindung: 1994
Postleitzahl: 03042
Vorwahl: 0355
Karte

Lage von Branitz in Cottbus

Dorfmitte 2008

Dorfmitte 2008

Branitz, niedersorbisch Rogeńc, ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Cottbus. Im Osten der Stadt gelegen, grenzt er an die Gemeinde Neuhausen/Spree beziehungsweise den Landkreis Spree-Neiße. Mit seinen rund 1400 Einwohnern[1] gehört Branitz zu den kleineren Ortsteilen der Stadt. Bis zur Eingemeindung im Jahr 1994 existierte Branitz als eigenständige Gemeinde.[2]

Der Ortsteil ist bekannt für den Branitzer Park mit seinem Schloss.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Branitz befindet sich östlich der Spree auf einem Schwemmsandfächer der Cottbuser Sandplatte. Im Bereich Branitz ist der Fächer von verschiedenen Stillgewässern durchsetzt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts verwandelte Hermann von Pückler-Muskau einen Teil der kargen Sandlandschaft in den Branitzer Park. Seit dem Ankauf durch die Stadt Cottbus im Jahr 1933 befindet sich der Branitzer Park weitgehend auf der Gemarkung des benachbarten Ortsteils Sandow.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ersterwähnung und Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Branitz wurde erstmals 1449 als Branicz urkundlich erwähnt. Die Urkunde wurde ausgestellt im Kloster Unser lieben Frouwen zu Gubin (Guben). In dem Dokument heißt es:

„1449 September 8., Guben. Wir Frid. bekundet,… daß wir Hentzen und Hannsen gebrudern Kathewizczu der Halbe (Halbe) und Witchen Melaß zu der Weßen (Wiese) den Anfall von Besitz und Hebungen zu Werben, in Branicz (Branitz), zur Malyn (Mehlen) im lande Gubin und zu Wilmerstorff verleihen. Sie sollen den Anfall haben nach des gnanten Witchen tode… Geben zu Gubin Unser lieben Frouwen tag Nativitatis a.d. MCCCCXLIX.“

Urkundliche Ersterwähnung, 8. September 1449[4][5]

Der slawische Name Branicz bedeutet laut Brandenburgischem Namenbuch Ort, wo Leute eines Mannes namens Bran wohnen.[6] Die niedersorbische Ortsbezeichnung Rogeńc bezieht sich entweder auf die Flurbezeichnung mit der Bedeutung Horn, Ecke, im übertragenen Sinne Ort an einer starken Spreekrümmung, oder auf die Namensbezeichnung Bronici.[7]

Branitz unter wechselnden Adelsherrschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mitte des 15. Jahrhunderts war Branitz im Besitz der Brüder Heinz und Hans von Kracht aus dem alten Adelsgeschlecht von Kracht. Über die von Werdeck kam der Ort 1510 an die von Köckritz, 1519 an die von Zabeltitz und nach 1608 an Hans Sigismund von Muschen aus der Familie von Mosch. Am 6. Oktober 1696 erwarb die Branitzer Güter Reichsgraf August Sylvius von Pückler (1657–1742), Freiherr von Groditz, Herr auf Schedlau und weiterer Güter in Schlesien. Ihm folgten Erdmann Graf von Pückler (1687–1742), August Heinrich Graf von Pückler (1720–1810), der Erbauer des Branitzer Schlosses, und Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871), dem 1822 der Fürstentitel verliehen wurde. Nachdem er schuldenhalber die Standesherrschaft Muskau verkaufen musste, begann er 1846, bereits 60-jährig, auf dem väterlichen Besitz mit den Arbeiten am Branitzer Park. Ihm folgten Heinrich Graf von Pückler, der 1921 starb, und August Graf von Pückler (1864–1937). Bevor die Güter an die Stadt Cottbus kamen, war Heinrich Graf von Pückler (gefallen 1944) der letzte adlige Besitzer.[8]

Parkeisenbahn und Friedenseiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Friedenseiche 2011

Der Landschaftspark und der Tierpark bei Branitz sind beliebte Ausflugsziele der Cottbuser. Beide verbindet seit 1954[9] die Cottbuser Parkeisenbahn (ehemals: Pioniereisenbahn Cottbus), die auch von Kindern und Jugendlichen betrieben wird. Die Strecke führt vom Bahnhof Sandower Dreieck bis zum Bahnhof Park & Schloss Branitz, der bis 2011 noch Bahnhof Friedenseiche hieß. Die namengebende Friedenseiche in Branitz zählte zu den bekanntesten Tanz- und Ausflugslokalen der Cottbuser. Das 1910 eröffnete Haus verfügte über einen Saal mit 500 Plätzen, drei Gasträume mit 200 Plätzen und einen Kaffegarten mit 600 Plätzen. Bekannt war es für eine regionale Spezialität: die Lausitzer Hefeplinse. 1995 wurde die Gaststätte geschlossen und 2010 wurde sie trotz ihres Denkmalschutzes nach längerem Leerstand zum Abriss freigegeben.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Branitz. Geschichte und Geschichten. Hrsg.: Bürgerverein Branitz e. V., Regia-Verlag, Cottbus 2009, ISBN 978-3-86929-024-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Branitz/Rogeńc – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Branitz im Genealogischen Ortsverzeichnis

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Cottbus: Einwohner nach Ortsteilen / Bevölkerungsbewegung
  2. Stadt Cottbus: Hauptsatzung der kreisfreien Stadt Cottbus/Chóśebuz (Anpassung an die Kommunalverfassung des Landes Brandenburg). 2009 (PDF-Datei; 44 kB)
  3. Branitz. Geschichte und Geschichten. … S. 8 f., 28.
  4. Zitiert nach: Christian Friedrich, Volkmar Herold: 560 Jahre Branitz – 313 Jahre Pückler. Das Ortsjubiläum brachte Impulse für Betrachtung des Herrschaftssitzes. Serie: Neue Branitzer Briefe (X). In: Der Märkische Bote. Die Grüne Heimatzeitung für Cottbus/Spree-Neiße-Kreis. 2009.
  5. Branitz. Geschichte und Geschichten. … S. 16 f.
  6. Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005 ISBN 3-937233-30-X, ISSN 1860-2436. S. 32.
  7. Branitz. Geschichte und Geschichten. … S. 17.
  8. Cottbus – eine Parkstadt Vortrag des Hermann Graf von Pückler an der Seniorenuni der BTU Cottbus. Notiert von Heidemarie Morgenstern, 7. Mai 2013.
  9. Siegfried Kohlschmidt: Cottbus: in der Stadtchronik geblättert; aktuelle Informationen. Hrsg.: ETRO-Verlag für Wirtschaftswerbung, Bad Soden-Salmünster, 1993.
  10. Branitzer Friedenseiche zum Abriss frei. Stadtverwaltung erteilt entsprechende Genehmigung für das Branitzer Traditionshaus. In: Lausitzer Rundschau, 18. Dezember 2010.