Brasilianischer Integralismus

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Fahne der Integralisten

Der Brasilianische Integralismus war eine rechtsextreme politische Bewegung in Brasilien, welche sich in der 1932 gegründeten Partei Ação Integralista Brasileira (Integralistische Aktion Brasiliens) formierte. Die Integralisten erlangten unter der Präsidentschaft von Getúlio Vargas zeitweise politischen Einfluss, wurden jedoch mit der Ausrufung des Estado Novo im Jahr 1937 aufgelöst. In Ideologie und Selbstdarstellung stand der Integralismus dem europäischen Faschismus nahe.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 7. Oktober 1932 veröffentlichte Plínio Salgado im Umfeld der Sociedade de Estudos Políticos, einem Sammelbecken intellektueller Bewunderer des Faschismus, das Gründungsmanifest der Ação Integralista Brasileira (AIB). Salgados Weltbild war vom italienischen Faschismus beeinflusst, enthielt aber auch starke christliche Elemente, weshalb es als tendenziell klerikalfaschistisch zu charakterisieren ist. Wie ähnliche Bewegungen in Europa standen die Integralisten in erbitterter Feindschaft zum Marxismus und Liberalismus. Wenngleich Salgado sich gegen Antisemitismus aussprach, waren führende AIB-Mitglieder wie Gustavo Barroso für ihren Hass auf Juden berüchtigt.

Um 1935 erreichte die Popularität der integralistischen Bewegung ihren Höhepunkt. Viele Brasilianer deutscher und italienischer Abstammung sympathisierten mit der AIB. Zur gleichen Zeit wandte sich Präsident Getúlio Vargas den Integralisten zu, der in ihnen potenzielle Verbündete im Kampf gegen die erstarkende Partido Comunista do Brasil sah. Die in grünen Hemden antretende Parteimiliz der AIB lieferte sich daraufhin zahlreiche blutige Straßenschlachten mit den Kommunisten.

Als Vargas jedoch 1937 diktatorische Vollmachten erlangte und den Estado Novo ausrief, wandte er sich von den Integralisten ab und ließ die ABI verbieten. Ein integralistischer Putschversuch gegen den Präsidenten scheiterte 1938. Daraufhin zerfiel die ABI in mehrere Splittergruppen, Plínio Salgado gründete 1945 die Partido de Representação Popular. Noch heute existieren in Brasilien politische Gruppierungen, die sich auf den Integralismus berufen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Rinke, Frederik Schulze: Kleine Geschichte Brasiliens (= Beck'sche Reihe 6092), C.H. Beck, München 2013.
  • Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann, Rüdiger Zoller: Eine kleine Geschichte Brasiliens. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-518-12150-2. (Edition Suhrkamp Band 2150)
  • Bradford E. Burns: A History of Brazil. 3. Auflage. Columbia University Press, 1993, ISBN 0-231-07955-9.

Weblinks[Bearbeiten]