Sturmabteilung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Braunhemd)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Sturmabteilung (SA) war die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP während der Weimarer Republik und spielte als Ordnertruppe eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Nationalsozialisten, indem sie deren Versammlungen vor Gruppen politischer Gegner mit Gewalt abschirmte oder gegnerische Veranstaltungen behinderte. Aufgrund ihrer Uniformierung mit braunen Hemden ab 1924 wurde die Truppe auch „Braunhemden“ genannt. Im Vorfeld der Machtergreifung 1933 widmete sich die Organisation, neben der Propaganda, intensiv dem Straßenkampf und Überfällen auf Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden.[1] Dabei wurden Konflikte mit der Staatsmacht sorgfältig vermieden.[2]

In der Anfangsphase des NS-Staats nach der Machtübernahme Hitlers setzte Hermann Göring, der Reichskommissar für das preußische Innenministerium und damit Dienstherr der preußischen Polizei, die SA kurzzeitig als staatliche „Hilfspolizei“ ein. Nachdem Mitte 1934 SS-Einheiten die SA-Führungsspitze beim sogenannten Röhm-Putsch ermordet hatten, verlor sie in der weiteren Zeit des Nationalsozialismus stark an Bedeutung.

Nach der bedingungslosen Kapitulation 1945 wurde sie, wie die NSDAP und SS, mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2, verboten und aufgelöst.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der SA lässt sich in drei historische Etappen unterteilen: Die Frühphase von 1920/21 bis 1923, danach den Aufstieg zur Massenorganisation und ab 1934 als Organisation im NS-Staat.

Anfänge der Organisation und Namenswandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Ordnertruppe der NSDAP wurde im Januar 1920[3] als Saalschutz (kurz S.S.) zunehmend in „Saalschlachten“ eingesetzt; sie bestand vor allem aus Angehörigen verschiedener Freikorps sowie einigen Angehörigen der bayerischen Reichswehr. Die Gruppe wurde zunächst als Turn- und Sportabteilung im November 1920 gegründet, und am 5. Oktober 1921 umbenannt in Sturmabteilung (SA).[4]

Als im Januar 1920 die Deutsche Arbeiterpartei erste Massenveranstaltungen abhielt, wurde schnell die Notwendigkeit eines eigenen Ordnungsdienstes klar, wie er auch bei anderen Parteien üblich war. Am 12. November 1920 gründete der Uhrmacher Emil Maurice, dessen jüdische Herkunft Adolf Hitler damals unbekannt war, eine "Turn- und Sportabteilung" der Partei. Nachdem Hitler im Juli 1921 diktatorische Machtbefugnisse in seiner Partei erhalten hatte, entwickelte sich der Ordnungsdienst zur Parteitruppe, die seinem Machterhalt diente.[4]

Aus diesem Saalschutz entwickelte sich über mehrere Schritte die spätere Sturmabteilung (kurz S.A.) als reine Schlägertruppe für provozierte Zusammenstöße mit linksgerichteten Parteien (vor allem der KPD), die vielfach in brutale Straßenkämpfe ausarteten.

Nachdem der Freikorpsführer Hermann Ehrhardt 1920 Adolf Hitler die Zusammenarbeit aufgekündigt hatte (Auslöser war die Weigerung Hitlers, Ehrhardt bei bewaffnetem Widerstand gegen die Ruhrbesetzung zu unterstützen) und aus diesem Grund die Gruppe Ehrhardt aus der NSDAP zurückzog, wurde von Hitler eine neue Schutztruppe der Parteiführung namens Sturm-Staffel aufgestellt, deren Abkürzung auch wieder SS lautete und die aus wenigen in der NSDAP verbliebenen Freikorps-Angehörigen bestand. Diese Sturm-Staffel übernahm die Funktion der parteiinternen Ordnertruppe. Aus besonders aggressiven Angehörigen dieser Sturm-Staffel formierte Adolf Hitler seine persönliche Leibwache, den Stoßtrupp Adolf Hitler.[2]

Nach einer besonders brutal geführten Saalschlacht zwischen Nationalsozialisten und Angehörigen der KPD wurden die Angehörigen dieser Sturm-Staffel und das noch namenlose Gros der uniformierten Freikorps- und Schlägertruppen (mit Ausnahme des Stoßtrupps Adolf Hitler) am 4. November 1921 von Hitler offiziell in Sturmabteilung umbenannt.[2] Diese waren zuvor unter dem Namen Turn- und Sportabteilung aufgetreten. Die damals in vermutlich 21 Gruppen unterteilte und etwa 300 Mann starke SA war zu diesem Zeitpunkt nicht nur in München, sondern auch in Freising, Landshut und Bad Tölz mit eigenen Einheiten vertreten.[4]

Als Folge des Hitler-Ludendorff-Putsches wurden die NSDAP und ihre Organisationen ebenso wie die KPD verboten. Zur Umgehung dieses Verbots wurde die SA von April 1924 bis Februar 1925 als Frontbann bezeichnet.

Nach der Machtübernahme im Januar 1933 waren nur noch die Kurzbezeichnungen (Akronyme) „SA“ und „SS“ in Gebrauch. SA und SS bestanden bis zur Ausschaltung der SA-Führung Mitte 1934 als nominell separate Organisationen.

Ursprung in Wehrverbänden bis Verbot der SA 1923–1925[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dank Ernst Röhms Kontakten zum früheren bayerischen Militär stellten unter anderem Angehörige der Minenwerfer-Kompanie 19 den ersten Saalschutz der Partei. Unter ihrem Kommandanten, dem Hauptmann Julius Schreck, sollten sie für Ruhe bei Parteiveranstaltungen sorgen.

Aus dieser Kompanie bezog Röhm die ersten Mitglieder des parteieigenen Ordnungsdienstes; es fehlten ihm aber erfahrene Kommandanten. Diese fand er in der ehemaligen Marine-Brigade Ehrhardt, die im April 1920 offiziell aufgelöst worden war.[5] Am 3. August 1921 wurde Hermann Ehrhardt von Röhm als erster Führer des NSDAP-Versammlungsschutzes eingesetzt – Ehrhardt delegierte diese Aufgabe jedoch am 8. August an den Leutnant Hans Ulrich Klintzsch.

Die Turn- und Sportabteilung wurde zu einem Auffangbecken für frühere Angehörige der im Juni 1921 aufgelösten Einwohnerwehren und des vormaligen Freikorps Oberland. Ein zentrale Rolle spielten hierbei Kapitän Hermann Ehrhardt sowie Ernst Röhm. Ehrhardt, der seit Frühsommer 1920 in München wohnende ehemalige Kommandeur der Zweiten Marinebrigade, verfügte mit seinem Stab über vielfältige Kontakte zu den rechtsstehenden Wehrverbänden und Freikorps. Er sollte mit seiner "Organisation Consul" für die Reichswehr illegal und geheim militärische Kräfte rekrutieren. Ernst Röhm, aktiver Hauptmann und Generalstabsoffizier beim Infanterieführer der VII. bayerischen Reichswehrdivision, war Mitglied der NSDAP und bildete das Verbindungsglied zwischen den rechten Wehrverbänden und der Reichswehr.

Ehrhardt übernahm, wohl durch Vermittlung Röhms, im August 1921 den militärischen Oberbefehl der Turn- und Sportabteilung. Die Führung und militärische Ausbildung übertrug Ehrhardt dem ehemaligen Leutnant zur See Hans Ulrich Klintzsch. Gleichzeitig stand die Turn- und Sportabteilung der NSDAP für politische Zwecke zur Verfügung. Klintzsch wurde Anfang September 1921 im Zusammenhang mit dem Mord an Matthias Erzberger verhaftet. Bis zu Klintzschs Freilassung Anfang 1922 übernahm nochmals Emil Maurice die Führung.[4]

Am 4. November 1921, anlässlich einer öffentlichen Großveranstaltung im Münchner Hofbräuhaus, die von den Nationalsozialisten als „Saalschlacht“ bezeichnet wurde, bekam der NSDAP-Versammlungsschutz offiziell den Namen „Sturmabteilung“ verliehen. Die SA sollte die offiziellen Versammlungen der NSDAP schützen und überwachen; sie entwickelte sich auch zu einem Kampfverband zur Einschüchterung der politischen Gegner. Sie wurde militärisch durch die 7. (Bayerische) Division der Reichswehr (insbesondere durch das Pionierbataillon 7 und das Infanterie-Regiment 19) ausgebildet, sah sich selbst als so genannten „Wehrverband“ und wurde auch von der bayerischen Regierung in eventuelle Mobilmachungspläne voll eingebunden.

Die Münchner SA umfasste bereits 1923 rund 1150 Mann und verfügte über Artilleriehundertschaften und Kavalleriezüge. Ihre Kommandanten legten sich ebenfalls militärische Bezeichnungen wie Gewehr- oder Geschützführer zu.[6]

Das Jahr 1923 war ein Jahr starker Polarisierung in der Weimarer Republik (Deutscher Oktober) zwischen rechten und linken Gruppierungen. Auf Betreiben Röhms entstand im Februar 1923 die "Arbeitsgemeinschaft der vaterländischen Verbände". In ihr fanden sich jetzt die SA, die "Vereinigten Vaterländischen Verbände Münchens", die "Reichsflagge", der "Bund Oberland" und der Gau Niederbayern des Bundes "Bayern und Reich" zusammen. Am 1. Mai 1923 versuchte die Arbeitsgemeinschaft, die Maiumzüge von SPD und Gewerkschaften in München zu verhindern und zog einige tausend Mann, darunter 1.300 Mitglieder der SA, bewaffnet auf dem Oberwiesenfeld zusammen. Sie beugte sich aber kampflos dem Gegenaufmarsch von Polizei und Reichswehr und gab die Waffen zurück, die sie sich gegen das Verbot der Reichswehr aus Armeedepots beschafft hatte. Röhm, den die bayerische Reichswehrführung unter Otto von Lossow dafür verantwortlich machte, wurde von seinem bisherigen Posten bei der Reichswehr entfernt und nach einem Urlaub von München nach Grafenwöhr abkommandiert.[4]

Sturmabteilung aus Essen in noch uneinheitlicher Uniformierung, 1926

Am 9. November 1923 beteiligten sich auch die rund 2000 Mitglieder[7] der SA unter ihrem militärischen Führer Hermann Göring am Hitler-Ludendorff-Putsch. Bei diesem Putschversuch wurden 16 NSDAP-Mitglieder (darunter fünf Stoßtrupp-Männer) von der bayerischen Landespolizei und dem Militär erschossen; die Partei hatte damit ihre ersten „Blutzeugen“. Göring floh nach Innsbruck.

Zeit des Verbotes 1923–1925[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Putsch übertrug Reichspräsident Friedrich Ebert dem Chef der Reichswehr – Hans von Seeckt – die vollziehende Gewalt. Dieser erließ am 23. November ein Verbot der NSDAP und auch der KPD. Zur Umgehung dieses Verbots wurde die SA von April 1924 bis Februar 1925 als Frontbann bezeichnet.

Ernst Röhm, der von Hitler mit der der militärischen Leitung des verbotenen Kampfbunds und der inzwischen verbotenen SA beauftragt worden war, setzte sich nach seiner Haftentlassung (1. April 1924) bei einer am 17. und 18. Mai 1924 in Salzburg abgehaltenen Tagung als SA-Führer anstelle Görings durch.

Röhm entwickelte Richtlinien für eine Reorganisierung der SA. Schon 1924 waren außerhalb Bayerns unter Decknamen oder als Teil anderer Verbände erste SA-Gruppen im Ruhrgebiet und Westfalen und auch einige in Nord-, Ost- und Mitteldeutschland entstanden, wobei jedoch die Mitgliederfluktuation innerhalb des Spektrums der Wehrverbände sehr stark war.

Zusätzlich entwarf Röhm Pläne für eine reichsweite, von der Partei unabhängige Wehrbewegung namens "Frontbann". Die immer noch verbotene SA sollte den Kern der Bewegung bilden, die aber auch anderen Wehrverbänden offen stand. Obwohl Hitler diesen Plan ablehnte, da er befürchtete, solche Aktivitäten könnten seine Freilassung gefährden und die SA könne ihm entzogen werden, gelang Röhm im August 1924 die Gründung des "Frontbann". Dieser zählte bald etwa 30.000 Anhänger.[4]

Restrukturierungen 1925 bis 1930[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Neugründung der Partei, die am 27. Februar 1925 stattfand, denn Hitler war Ende 1924 vorzeitig aus der Haft entlassen worden, wurde die SA unter Ernst Röhm bereits einen Tag nach der Aufhebung ihres Verbotes am 26. Februar neu aufgestellt und im Zuge der Neuaufstellung der NSDAP im Sinne der ihrer Vorschriften vom Februar 1923 organisiert.[8] Nach der de facto eigenmächtig durchgeführten Neuorganisation der SA durch Röhm, fragte dieser am 30. April bei Hitler an, ob sich die SA wieder als „Wehrverband“ der Partei sehen dürfte und erhielt jedoch vier Wochen später von der Kanzlei des Führers eine schriftliche Absage: Hitler, so das Schreiben, brauche lediglich noch einen Saalschutz.[9] Nach Hitler sollte die wiedererstandene SA in erster Linie Hilfstruppe der Partei sein sollte – und kein Wehrverband als Teil einer umfassenden nationalsozialistischen Wehrbewegung.[4] Darauf hin legte Röhm verbittert und enttäuscht alle Führungsämter im Frontbann und der SA nieder. Bis zum Abschluss der Neuaufstellung der Partei blieb die SA nun führungslos und war regionalen Parteiführern als deren „Hilfstruppe“ zugeordnet.[10]

Am 1. November 1926 übernahm der ehemalige Freikorpsführer Franz Pfeffer von Salomon als Oberster SA-Führer (OSAF) die SA-Führung, dem alle bis dahin bestehenden NS-Kampfverbände (SA, SS, HJ und NS-Studentenbund) organisatorisch unterstellt wurden.[11]

Sturmführer Horst Wessel (1. stehende Reihe, 8. v. r.), der „Märtyrer der Bewegung“, mit seinem SA-Sturm (Berlin-Friedrichshain, 1929)

Die Hauptaufgaben der SA bestanden nun nach Hitlers Willen in Aufmärschen und „zivilen“ gewalttätigen Übergriffen gegen politische Gegner. Dazu gehörten in erster Linie Mitglieder der KPD und der SPD; die SA lieferte sich Straßen- und Saalschlachten mit dem kommunistischen Roten Frontkämpferbund und dem sozialdemokratisch geprägten republikanischen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Sie griff auch Juden und christliche Gruppierungen wie die Kolpingjugend an.

Anfang Dezember 1926 entstand ein einheitliches, hierarchisches Organisationskonzept, dessen Basiseinheit die Gruppe mit rund einem Dutzend SA-Leute bildete. Mehrere Gruppen ergaben einen Trupp, bis zu fünf Trupps einen Sturm. Bis zu fünf Stürme wurden zu einer Standarte, mehrere Standarten unter der Leitung eines Gausturms zusammengefasst. Mitte 1927 trat als weitere Organisationsebene zwischen Standarte und Gausturm die Brigade. Bis zum Herbst 1927 verfügte die SA bereits über 17 Gaustürme im Reich. Sie unterstanden seit 1928 jeweils in ihrem Gebiet den sieben Oberführern Ost, Nord, West, Mitte, Süd, Ruhr und Österreich. SA-Oberführer Süd in München war der ehemalige Major August Schneidhuber.[4] Die Gesamtstärke der SA wird für 1926 auf 10.000-15.000 Mann geschätzt. In Bayern bestanden die Gaustürme Oberbayern-Schwaben und Franken; die Pfalz und das Saarland bildeten zusammen ebenfalls einen Gausturm.[4]

Die Münchner Parteileitung zielte 1926 und 1927 auf eine Gewinnung der Arbeiterschaft ab und gab sich deswegen radikal antikapitalistisch. Gleichzeitig ging die SA aber aggressiv gegen die Linksparteien vor. Die ständigen Radikalisierungstendenzen in der SA hatten laufend Spannungen mit der Parteiführung zur Folge.

Im Mai 1927 rebellierte die Münchner SA gegen die ihrer Ansicht nach zu gemäßigte und bürokratische Parteiführung. Einer der Anführer war der Kaufmann und ehemalige Leutnant Edmund Heines, der am 2. September 1926 mit den bayerischen Resten des Freikorps Roßbach in die SA eingegliedert worden war. Erst im Jahr darauf war die Krise endgültig beigelegt. Heines wurde ausgeschlossen, aber 1929 wieder rehabilitiert. In Mittelfranken zerfiel die SA 1928 nach einem Konflikt mit dem Gauleiter Julius Streicher praktisch. Sie wurde dann unter Streicher durch den neuen Gausturmführer Philipp Wurzbacher neu organisiert.[4]

1929 traten an die Stelle der Bereiche der Oberführer die OSAF-Stellvertreter-Gebiete Ost, Nord, West, Mitte, Süd, Ruhr und Österreich. Das Gebiet Süd umfasste Bayern mit den beiden Gaustürmen Bayern und Franken sowie die Gaustürme Baden und Württemberg. Der Gausturm Pfalz/Saar gehörte zum Gebiet West. OSAF-Stellvertreter Süd war der bisherige Oberführer Süd, August Schneidhuber. Die SA-Brigade "Groß-München" wurde im März 1929 in die Standarten I und II aufgeteilt. Im August kam eine dritte Standarte München-Land hinzu. Seit März 1929 wurden die über 40-jährigen SA-Männer in Reservestürmen zusammengefasst, um so die Schlagkraft der aktiven Stürme zu erhöhen.[4]

1930 bis zur Machtübernahme der NSDAP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorfeld der Reichstagswahl 1930 kam es zu einer ernsten Krise zwischen SA und Parteiführung. Aus der SA wurde die Forderung laut, führenden Mitgliedern einen aussichtsreichen Listenplatz zu garantieren, was Hitler ablehnte. SA-Führereigenschaft und Mandat müssten strikt getrennt bleiben. Als sich Pfeffer von Salomon diesen Grundsatz zu eigen machte, trat die Berliner SA in den Streik: Am 30. August ließ der OSAF-Ost Walther Stennes die Berliner SA zu einem Generalappell antreten, statt, wie vorgesehen, den Saalschutz für eine Wahlkampfveranstaltung mit Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast zu gewährleisten. Einen Tag später besetzten seine SA-Männer die Gaugeschäftsstelle der NSDAP und die Redaktionsräume der Zeitung Der Angriff. Dabei kam es zu Prügeleien, die erst die von der SS gerufene Polizei beendete. Hitler eilte daraufhin von München nach Berlin und stellte die Ruhe wieder her, indem er selbst den Posten des OSAF von dem kurz zuvor zurückgetretenen Pfeffer von Salomon übernahm. Für die tägliche Arbeit wurde der Posten des Stabschefs neu eingerichtet, den Ernst Röhm übernahm.[12][13]

Stennes gab in der Folgezeit keine Ruhe. Anders als Hitler, der seit dem Ulmer Reichswehrprozess auf Legalität setzte, wollte der OSAF-Ost die Macht in Deutschland gewaltsam erobern, mit einer Revolution. Dieser Kurs brachte die NSDAP in Gefahr, als die Regierung Brüning im März 1931 eine Notverordnung erließ, die es ihr erlaubte, bestimmte Grundrechte der Weimarer Reichsverfassung außer Kraft zu setzen.[14] Hitler setzte daraufhin Stennes ab, der im Gegenzug den so genannten Stennes-Putsch auslöste: Am 1. April 1931 besetzten seine SA-Leute gewaltsam die Räumlichkeiten der Berliner Gauleitung und des Angriff und gaben eine eigene Nummer heraus. Darin bekannte sich Stennes zur Revolution und zum Sozialismus. Es gelang ihm jedoch nicht, größere Teile der SA zu sich herüberzuziehen. Nachdem die Berliner Polizei die Besetzung beendet hatte, wurden Stennes und etwa 500 SA-Männer aus der NSDAP ausgeschlossen.[12]

Die SA war in dieser Zeit zu einer schlagkräftigen und straff gegliederten Organisation geformt worden. Das Anwachsen der SA wurde durch Weltwirtschaftskrise und Wahlerfolge der NSDAP begünstigt. Im November 1930 zählte die SA 60.000 Mitglieder; im August 1932 waren es bereits 471.384 Mitglieder.[15] Röhm hatte bei seinem Amtsantritt im Januar 1931 eine SA mit knapp 77.000 Mann vorgefunden. Schon im April 1931 war sie auf 118.982 Mann angewachsen, im November 1931 hatte sie die 200 000-Mann-Grenze hinter sich gelassen. Im Dezember 1931 marschierten 260.438 Mann unter den Fahnen der SA. Im Sommer des Jahres 1932 waren es 445.279 Mann. Zum Jahreswechsel 1932/1933 zählte die SA 700.000 Mann und Ende 1933 waren es ca. 2,9 Millionen SA-Männer.[16] Das starke Wachstum ergab sich auch aus einer extremen Fluktuation von Straßenkämpfern im Wechsel mit der KPD und dem Rotfrontkämpferbund und einem starken Zustrom nach der Aufnahmesperre von Parteimitgliedern der NSDAP am 1. Mai 1933.[2]

Ein wegen der Terrorwelle im April 1932 vom Reichskanzler Heinrich Brüning ausgesprochenes Verbot der SA hob Franz von Papen (Brünings Nachfolger ab 1. Juni 1932) im Juni wieder auf. Im Vorfeld der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 gab es bürgerkriegsähnliche Zustände mit insgesamt etwa 300 Toten und über 1.100 Verletzten, woran die SA maßgeblich beteiligt war. Der Kampf um neue Reichstagsmandate im Sommer 1932 entfesselte in der SA kriminelle Energien, die sich hemmungslos gegen politische Gegner austobten; in den letzten zehn Tagen des Wahlkampfes wurden allein in Preußen 24 Menschen getötet und 284 schwer verletzt.[16]

Rolle der SA bei der Machtübernahme der NSDAP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 feierte die inzwischen auf über 400.000 Mitglieder angewachsene SA mit einem nächtlichen Fackelzug, vom Großen Stern in Berlin kommend durch das Brandenburger Tor zur Reichskanzlei in der Wilhelmstraße.[17]

Viele SA-Männer erwarteten die sofortige Machtübernahme im Stile eines gewaltsamen Putsches. Bereits im Herbst 1931 waren die Boxheimer Dokumente mit Plänen für einen Staatsstreich der SA an die Öffentlichkeit gelangt.

Doch die Führung der Nationalsozialisten scheute die Option eines gewaltsamen Putsches der SA, der zu diesem Zeitpunkt einen Bürgerkrieg gegen den Roten Frontkämpferbund und das Reichsbanner mit unklarem Ausgang bedeutet hätte. Ob die Reichswehr und vor allem die preußische Polizei, die während der Weimarer Republik unter starkem sozialdemokratischen Einfluss gestanden hatte, sich geschlossen den Anweisungen der neuen Regierung fügen würden, war ebenfalls nicht sicher. Politisches Ziel der NS-Führung war nicht ein Umsturz, sondern die Gleichschaltung.[2]

Die SA verblieb aktiv. Unmittelbar nach dem 30. Januar 1933 fielen der SA allein in Berlin mehrere Menschen zum Opfer und viele wurden verletzt. SA-Trupps organisierten auf eigene Faust Hausdurchsuchungen und Verhaftungen.

Verhaftung von Kommunisten durch die SA in Berlin am 6. März 1933, am Tage nach den Reichstagswahlen

Am 22. Februar 1933 wurde durch den kommissarischen preußischen Innenminister Hermann Göring die preußische Hilfspolizei gegründet. Sie rekrutierte sich vornehmlich aus den Reihen der SA, die damit in den staatlichen Machtapparat eingebunden wurde. Die SA konnte nun mit staatlicher Autorität und umfassenden Zuständigkeiten operieren, was einerseits ihr Handlungsbedürfnis befriedigte, es andererseits zugleich auch kanalisierte. Zusätzlich veranlasste die massive Präsenz der SA die regulären Polizeikräfte, sich den neuen Machthabern anzupassen. Es wird geschätzt, dass allein in Berlin etwa 3000 bis 5000 SA-Männer zu Hilfspolizisten ernannt wurden.

In diesem Zusammenhang trat die SA-Feldpolizei, Kern des späteren SA-Feldjägerkorps, deren Stammsitz in der Berliner General-Pape-Straße war, in Erscheinung. Während diese Sondereinheit der SA-Führung anfangs zur Verfolgung und Inhaftierung von Regimegegnern eingesetzt wurde, erhielt sie später zunehmend innerorganisatorische Ordnungsaufgaben, die sie unter ihrer neuen Bezeichnung SA-Feldjägerkorps bis 1935 ausübte. Die preußische Hilfspolizei wurde hingegen bereits Anfang August 1933 wieder aufgelöst.

Die „Reichstagsbrandverordnung“ wurde unmittelbar nach dem Reichstagsbrand in der Nacht auf den 28. Februar 1933, einige Tage vor der Reichstagswahl 1933 erlassen. Damit wurden die Grundrechte der Weimarer Verfassung praktisch außer Kraft gesetzt und der Weg für die legalisierte Verfolgung politischer Gegner der NSDAP durch Polizei und SA bereitet.

Die Marine-SA folterte auf dem „Gespensterschiff“ in Bremerhaven von Mai bis Oktober 1933 politische Gegner. Zwischen März und Herbst 1933 nahm die SA hemmungslos Rache an politischen Gegnern und ideologischen Feinden. Schätzungen sprechen von rund 50.000 Häftlingen in eigenen, zum Teil "wilden KZs".[2]

Für Hitler war die SA gerade wegen des Terrors, den sie ausübte, in der ersten Phase der Machtübernahme extrem nützlich. Einerseits konnte er mit ihrer Hilfe seine Gegner einschüchtern und terrorisieren, andererseits konnte er sich bei den Konservativen als die einzige Person darstellen, die in der Lage war, die SA zu bändigen. Je nach Umständen drohte er implizit damit, der SA wirklich freie Hand zu lassen, oder versprach, mäßigend auf sie einzuwirken. Mit dieser Taktik brachte er viele Konservative dazu, dem Terror zuzustimmen und ihn dafür zu belohnen, dass er den Terror in einem „erträglichen Rahmen“ hielt. Die so zu Macht und Einfluss gekommenen SA-Führer, die die Rolle eines örtlichen Kommissars eingenommen hatten, mussten nach Ende der Terror-Zeit jedoch „versorgt“ werden. So wurde etwa der Kommissar Hans von Tschammer und Osten mit dem neuen Amt des Sportkommissars abgefunden, aus dem dieser dann das Amt eines Reichssportführers im Range eines Staatssekretärs schuf.[18]

„Röhm-Putsch“ 1934[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Adolf Hitler auch dank der SA im Laufe des Jahres 1933 seine Macht immer weiter gesichert hatte, entzog er ihr im Sommer 1934 die Gunst. Der 1930 zum Chef des SA-Stabs ernannte Ernst Röhm verfolgte eine von Hitler abweichende Konzeption von der Rolle der SA-Kampforganisation, die er erneut der Kontrolle der Partei entziehen wollte. Nach der „Machtergreifung“ forderte er eine „Zweite Revolution“ und die Schaffung eines „NS-Volksheeres“, das die Reichswehr ablösen sollte. Deren Einheiten sollten sich der SA anschließen, in ihr aufgehen und so das „NS-Volksheer“ bilden.[2]

Die SA hatte für Hitler ihre Terrorfunktion zur Erreichung der Macht erfüllt. Im Sommer 1934 war die vielköpfige Organisation eher ein Hindernis zur Machtentfaltung. Hitler, der damals die Unterstützung der Reichswehr für seine zukünftigen Kriegspläne brauchte, ließ durch bewusst verfälschte und verbreitete Zitate Röhms den Eindruck verbreiten, Röhm wolle zu einem Aufstand anstiften. Angesichts 3,5 Millionen SA-Angehörigen hätte die Ordnungsmacht (Polizei oder/und Reichswehr) vor einer schwierigen Aufgabe gestanden. Röhm betonte mehrmals intern in Parteikreisen: „Bedenkt, fast vier Millionen Rabauken stehen hinter mir!“ Auch wenn dies offenbar im Spaß gesagt wurde, klang es in den Ohren Hitlers und der Reichswehrführung äußerst bedrohlich. Verbreitet wurden diese „Revolutionsgerüchte“ vor allem durch den einstigen SA-Führer Hermann Göring und den Reichsführer SS Heinrich Himmler, der Röhm gleichwohl mehrmals schriftlich die bedingungslose Treue seiner selbst und der SS versicherte. Es gibt bis heute keine Hinweise darauf, dass ein Putsch durch Röhm ernsthaft geplant war oder unmittelbar bevorstand.

Am 30. Juni 1934 besuchte Hitler Röhm an dessen Urlaubsort Bad Wiessee. Er beschuldigte ihn, Putschpläne zu hegen, und machte ihm seine Homosexualität zum Vorwurf. In der Parteiführung war es ein offenes Geheimnis, dass Röhm und Teile seiner Umgebung homosexuelle Neigungen hatten. Zeitungen hatten diese Information auch schon vor 1933 verbreitet, wie zum Beispiel Fritz GerlichsDer gerade Weg“. Das gespielte Entsetzen Hitlers über die erst nach dem „Röhm-Putsch“ offiziell bekannt gegebene Homosexualität Röhms kommentierte ein politischer Witz sinngemäß: „Wie entsetzt wird Hitler erst sein, wenn er merkt, dass Göring dick ist und Goebbels einen Klumpfuß hat?“

Am 30. Juni und 1. Juli 1934 wurde die SA-Führung durch Angehörige des berüchtigten SS-Sturmbannes „Oberbayern“ in den frühen Morgenstunden festgenommen und wenig später von einem eigens dafür aufgestellten Exekutionskommando der Leibstandarte SS Adolf Hitler unter Josef Dietrich erschossen.

Röhm selbst wurde am 1. Juli in seiner Gefängniszelle durch den Dachauer Kommandeur des Wachsturmbanns „Oberbayern“ Theodor Eicke und dessen Stellvertreter Michel Lippert erschossen. Im Rahmen des Röhm-Putschs wurden auch weitere unbequem gewordene Personen verhaftet und später ermordet, darunter der SA-Obergruppenführer Heines, der vormalige Reichskanzler Kurt von Schleicher mit seiner Frau, der ehemalige NSDAP-Organisationsleiter Gregor Strasser, der frühere bayerische Generalstaatskommissar Gustav von Kahr sowie Herbert von Bose und Edgar Julius Jung, beides enge Mitarbeiter des Vizekanzlers Franz von Papen.

Die Liquidierung hatte für Hitler mehrere Vorteile:

  • Mit der Beseitigung der paramilitärischen Konkurrenz verschaffte Hitler sich das Vertrauen der Generäle der Reichswehr.
  • Für die weitere Machtentfaltung wurde das Drohpotenzial der SA ausgeschaltet.
  • Mit der Entmachtung der vornehmlich aus Arbeitslosen und Kleinbürgern bestehenden SA stieg Hitler in der Gunst der deutschen Groß- und Schwerindustrie weiter auf.
  • Durch die Ausschaltung der Führung der bis Juni 1934 auf 4,5 Millionen Mitglieder[19] angewachsenen SA wurde eine potentiell gefährliche innerparteiliche Macht neutralisiert
  • Die Entwaffnung der SA, unter Abgabe der Waffen an die Reichswehr, brachte die Wiederaufrüstung der Reichswehr voran.[2]

Die Neutralisierung der SA ermöglichte es dem Führer der SS, Heinrich Himmler, die ursprünglich als Leibwache Hitlers konzipierte SS von der Mutterorganisation SA zu emanzipieren und auch formal als eigenständige Organisation im Nationalsozialismus zu etablieren. In den folgenden Jahren konnte Himmler der SS, ihren Untergliederungen (zum Beispiel SD, Waffen-SS) und damit auch sich selbst eine im NS-Staat fast beispiellose Machtfülle erarbeiten.[20]

Rolle der SA nach 1934[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Ausschaltung Röhms und seiner Gefolgsleute – die Schätzungen reichen von 150 bis 200 Toten, darunter 50 Führungspersonen – wurde die SA nahezu bedeutungslos und beschäftigte sich hauptsächlich damit, den eigenen Mitgliedern eine vormilitärische Ausbildung zu geben. Offiziell stufte die SA ihre Ausbildung auf "Sport mit Wehrbezug" ab.[2]

Die Mitgliederzahlen zeigten eine enorme Schrumpfung der SA: Die Mitgliederzahl sank von 4,5 Millionen (Juni 1934), auf 2,6 Millionen (September 1934), auf 1,6 Millionen (Oktober 1935), auf 1,2 Millionen in 1938 ab.[2] Anfang 1940 hatte die SA nur noch rund 900.000 Mitglieder.[21] Der neue Stabschef Viktor Lutze schuf innerhalb der SA eine SS-ähnliche Elite-Standarte. Diese trug den Namen SA-Standarte Feldherrnhalle, war eine stehende und bewaffnete Einheit und galt als SA-Gegenstück zu den Verbänden der SS-Verfügungstruppe. Zahlreiche SA-Abteilungen wurden aufgelöst und anderen Verbänden zugeordnet.

Zum landesweiten Einsatz kam die SA nochmals in der „Reichspogromnacht“ gegen die jüdische Bevölkerung im November 1938 und zeigte noch einmal ihre terroristische Energie.[2]

Bei Kriegsausbruch 1939 übernahm die SA die Ausbildung zurückgestellter Wehrpflichtiger in "SA-Wehrmannschaften", die im April 1940 eine Stärke von 1,5 Millionen Freiwilligen ausmachten.[2] Bei Kriegsbeginn wurden 60 % der Mannschaftsdienstgrade und 80 % der Führungspersonen zur Wehrmacht eingezogen. In Danzig und dem Sudetenland formierten sich vorübergegehend SA-Freikorps, die allerdings auch in der Wehrmacht aufgingen, da der Dienst in der SA nicht von der Wehrpflicht befreite.[2]

Während des Zweiten Weltkriegs wurden SA-Männer, soweit sie nicht zur Wehrmacht eingezogen worden waren, zur Truppenbetreuung und zur vormilitärischen Ausbildung eingesetzt.[22] Die Rest-SA erledigte während des Krieges Hilfsdienste für Wehrmacht, Polizei, Zoll, Luftschutz, SS, Grenzschutz und anderen Organisationen. Rund 80.000 bewaffnete SA-Männer unterstanden in "Stürmen zur besonderen Verwendung" den Gauleitern als polizeiverstärkung gegen mögliche Aufstände der Bevölkerung.[2]

Auch wurde die SA kurz vor Kriegsende als Reservoir für Kämpfer des Volkssturms genutzt[2], wobei SA-Angehörige häufig Gewalttaten an Kriegsgefangenen oder Kapitulationswilligen verübten.

Nach dem Tod Lutzes 1943 hatte Wilhelm Schepmann bis zum Kriegsende die Leitung übernommen.

Über mehrere SA-Generäle, die bereits führende Ämter im Polizeiapparat des Dritten Reiches innegehabt hatten und vom Regime als Gesandte in die südosteuropäischen Vasallenstaaten geschickt wurden – was nur der äußeren Form halber als temporärer diplomatischer Dienst deklariert wurde, tatsächlich waren sie eher als designierte deutsche Reichskommissare der zu okkupierenden Gebiete anzusehen –, war die SA auch in die dortigen Judendeportationen und den Holocaust stärker und unmittelbarer verwickelt, als lange angenommen wurde.[23]

Beurteilung der SA in den Nürnberger Prozessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 wurde die SA von den Siegermächten verboten. Im Gegensatz zu der inzwischen deutlich mitgliederstärkeren SS, die 1934 aus ihr ausgegliedert worden war, und trotz ihrer Morde und Verbrechen, wurde die SA in den Nürnberger Prozessen nicht als „verbrecherische Organisation“ eingestuft, weil ihre Mitglieder nach 1939 „im Allgemeinen“ nicht an verbrecherischen Handlungen beteiligt gewesen seien.[24]

Wahlspruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wahlspruch der SA lautete „Alles für Deutschland“.[25]

Hierarchischer Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Führung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1926 wurde der Kommandant der SA als „Oberster SA-Führer“ (OSAF) bezeichnet. Bis dahin galt die SA als eine von der NSDAP unabhängige nationalsozialistische Kampforganisation. Ab Herbst 1926 übernahm Adolf Hitler die Führung der SA, wurde also selbst Oberster SA-Führer. Für den bisherigen Amtsinhaber wurde der neue Titel SA-Reichsführer eingeführt; dieser stand von da an unter der Kontrolle der Partei. Mit der Schaffung des SA-Reichsführers entstand auch das Gegenstück für den obersten Kommandanten der SS; dieser hatte, ab 1925 als Oberleiter bezeichnet, nun ebenfalls den Rang eines Reichsführers, war aber formal weiterhin dem SA-Reichsführer unterstellt.

Mit der Rückkehr Ernst Röhms in die SA wurde der Rang Chef des SA-Stabes (kurz: SA-Stabschef) eingeführt. Der bekannteste Inhaber dieses Ranges war Ernst Röhm. Nach Röhms Ermordung im Röhm-Putsch wurde Viktor Lutze Stabschef und am 23. August 1934 als „Reichsleiter SA“ Hitler persönlich unterstellt. Er erhielt nun eigene Dienstgradabzeichen. Nach dem Tod Lutzes bei einem Autounfall im Mai 1943 wurde Wilhelm Schepmann Stabschef.

Organisation des Aufbaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufbau und Koordiniertung der SA erfolgten nach "Grundsätzlichen Anordnungen" (GRUSA) und "SA-Befehlen" (SABE) des Obersten SA-Führers (OSAF).[2]

Interne Gliederung (nach dem Stand vom 30. Januar 1933)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SA-Mann war die Oberbezeichnung für alle Angehörigen der SA; dieser Begriff umfasste SA-Führer- und auch Mannschaftsdienstgrade. Alle noch nicht endgültig eingereihten oder überführten Angehörigen der SA trugen die Bezeichnung SA-Anwärter. Außer der aktiven SA sind als weitere Formationen zu erwähnen: Die SA-Reserven I und II, die nach der Machtübernahme (1933) aus den ehemaligen Soldatenverbänden „Kyffhäuserbund“ und „Stahlhelm“ gebildet wurde.

Bis zum März 1931 waren so genannte „Gaustürme“ die oberste Verwaltungsinstanz. Ab dem 1. Mai 1931 wurden diese in zehn Gruppen und zwei eigenständige Untergruppen reorganisiert. Im Zuge der Expansion der SA gab es 1932 bereits 14 SA-Gruppen.

Im September 1932 wurden die SA-Gruppen zu fünf „Obergruppen“ zusammengefasst und bis zum Juli 1933 zu acht Obergruppen ausgebaut und die aus 21 SA-Gruppen gebildet wurden. Ihnen standen neu ernannte SA-Gruppenführer vor. Als oberste Verwaltungsinstitution wurden nun ein „Führungshauptamt SA“ und vier „SA-Inspektionen“ (West, Südost, Mitte, Ost) gebildet. Im Mai 1934 wurden noch einmal drei weitere SA-Obergruppen gebildet und es erfolgte von Seiten Ernst Röhms eine Unterteilung zwischen der Dienststellung „Obergruppenführer“ und dem gleichnamigen Dienstgrad, die alle Teilorganisationen der damaligen Gesamt-SA (SA, SS und NSKK) sowie das NSFK betraf. Nach den Ereignissen des „Röhm-Putsches“ wurde die SA bis zum August 1934 reorganisiert. So wurden die Obergruppen, die Inspektionen und verschiedene Dienststellen des SA-Führungshauptamtes aufgelöst. Einige Untergruppen der SA wie die SS wurden selbstständig.

Die SA-Gruppe blieb als oberste Verwaltungsgliederung bestehen, die der Obersten SA-Führung unterstellt war.

Organisationsstruktur der SA ab August 1934[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gliederung der SA
übliche Aufteilung daraus resultierende
theoretische Gesamtstärke
Anmerkung
Oberste SA-Führung
SA-Gruppe 2–6 Brigaden[26] 3.888-777.600 Mann wurden entsprechend der Bevölkerungsdichte und sonstiger „SA-dienstlicher Bedingtheiten“ gebildet
Brigade 3-9 Standarten[27] 1.944-129.600 Mann
Standarte 3–6 Sturmbanne[26] 648-14.400 Mann
Sturmbann 3–10 Stürme[26] 216-2.400 Mann
Sturm 3 Trupps[26] 72-240 Mann
Trupp 3–5 Scharen[26] 24-80 Mann
Schar 1–2 Rotten 8–16 Mann[27]
Rotte 4–8 Mann 4–8 Mann

Im Jahr 1938 wurde die Organisationsstruktur der SA nach militärischem Vorbild reorganisiert und im Juni 1938 galten auch für die im März des gleichen Jahres in die SA eingegliederte „SA-Obergruppe Ostmark“ die gleichen neuen Strukturen. So war die Gesamt-SA am 30. Januar 1939 wie folgt gegliedert:

1. Allgemeine SA

1.1 Aktive SA-I (zwischen 18 und 35 Jahren)
1.2 Aktive SA-II (zwischen 35 und 45 Jahren)

2. SA-Reserve (über 45 Jahre)
3. SA-Wehrmannschaften

Diese waren nach militärischen Fach- und Tätigkeitsgebieten unterteilt und es wurden nun auch für die SA Waffenfarben eingeführt, die ihrerseits die Farben der SA-Gruppen ablösten. So bestanden in der SA folgende Tätigkeitsgebiete:

  1. Nachrichten-SA (Zitronengelb)
  2. Reiter-SA (Orange)
  3. Pionier-SA (Schwarz)
  4. SA-Jäger/SA-Schützeneinheiten (Grün)
  5. Sanitäts-SA (Königsblau)
  6. Marine-SA (Marineblau)
  7. SA-Fußstandarten (Grau)
  8. SA-Gruppenstäbe (Hellrot)
  9. Oberste SA-Führung (Karminrot)

Aus dieser Gliederung waren zwei ehemalige SA-Gliederungen herausgenommen worden, da diese nach der Machtergreifung Hitlers mit anderen Organisationen zu eigenständigen Formationen aufgebaut wurden:

  1. Die ehemalige Motor-SA wurde mit anderen Automobilverbänden zum NSKK umgebildet.
  2. Die ehemalige Flieger-SA wurde zusammen mit der Flieger-SS in das entstehende NSFK eingegliedert.

Uniformen und Symbole[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uniformierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglied der Weimarer SA-Standarte Gustav Zunkel

Zunächst (1920–1923) trugen die ehemaligen Soldaten des I. Weltkrieges in der SA ihre Militäruniform. Mitglieder, die zuvor nicht Soldat waren, legten sich graue Windjacken als Uniformersatz zu. Zu erkennen waren sie nur an den roten Armbinden mit Hakenkreuz.[28]

Das auch später offiziell als „Braunhemd“ bezeichnete Parteihemd wurde nur durch Zufall eingeführt: Der Ende 1923 nach Österreich geflohene Freikorps- und SA-Führer Gerhard Roßbach konnte einen größeren Posten brauner Hemden erwerben, die ursprünglich für die deutsche Schutztruppe in Afrika unter Lettow-Vorbeck vorgesehen waren. Nach seiner Rückkehr führte Roßbach diese Hemden in der SA ein, die ab 1924 als „Lettow-Hemd“ getragen wurden.[9]

Das "erdige" Braun wurde so ab 1925 zur Farbe der rechten Bewegung erklärt und später als Ausdruck besonderer Verbundenheit mit Heimat und Boden gedeutet. Sie wurde aufgrund des Aufkaufs der "Lettow-Hemden" eher zufällig gewählt, angeregt von Freikorpsuniformen sowie in Abgrenzung zum Rot der Kommunisten und zum Schwarz der italienischen Faschisten.[29]

In einem mündlichen Gespräch mit Georg Franz-Willing, der als Mitarbeiter des Institute for Historical Review und Holocaustleugner hervorgetreten ist, erklärte Roßbach hingegen, dass er einen bestimmenden Einfluss auf das Aussehen des Braunhemds gehabt habe.[30] Auch wird im so genannten „Ehrenbuch der SA“ von 1934 geschildert, dass das Braunhemd ursprünglich von den „Roßbachabteilungen“ der SA getragen worden sei und erstmals am 5. April 1925 Verwendung fand.[31] Es ist somit auch durchaus denkbar, dass Roßbach sich mit seiner ursprünglichen Aussage einer „Zufallsentdeckung“ lediglich vom NS-Regime distanzieren wollte. Die Uniform musste von jedem SA-Mann selbst erworben werden, weswegen man auf (vor allem frühen) Bildern häufig unvollständig ausgerüstete SA-Mitglieder sieht.

Am linken Arm wurde die „Kampfbinde“, ein rotes Band mit schwarzem Hakenkreuz in einem weißen Kreis, getragen.

Über die propagandistische Wirkung der Braunhemden in der Öffentlichkeit waren sich die SA-Leute durchaus bewusst. Als im Jahre 1930 in Bayern und Preußen das öffentliche Tragen des Braunhemdes verboten wurde, wich die SA-Führung in einer Blitzaktion auf das Tragen von weißen Hemden aus, ohne sich ansonsten in ihren Aktivitäten weiter stören zu lassen, was die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die SA nur noch weiter verstärkte. Nach Ablauf des Verbotes kehrte man zum Tragen des Braunhemdes zurück.

1932 bekam die Firma Hugo Boss von der NSDAP-Parteileitung den Auftrag, standardisierte Uniformen für die NS-Organisationen herzustellen. Die gelegentlich auftauchende Behauptung, Hugo Boss habe sich für den Entwurf der Uniformen der NS-Organisationen verantwortlich gezeigt, ist falsch. Für diese waren diese selbst zuständig.[32] Mit Ausnahme der SS wurden bei allen Parteiorganisationen Uniformen in diversen Brauntönen eingeführt.

SA-Fahnenweihe auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, 1933

Zum Braunhemd trugen die SA-Männer einen braunen Binder, braune Breecheshosen und Stiefel (in seltenen Fällen und vorwiegend durch höhere Führer zu festlichen Anlässen auch „normale lange Hosen“ und eine Uniformjacke in militärischem Schnitt, ebenfalls mit brauner Grundfarbe). Typisch war die SA-Mütze, eine Schaftmütze mit brauner Grundfarbe, ursprünglich weich und einfarbig braun mit Lederschirm und Sturmriemen. Ab August 1929 erhielt die SA-Mütze einen steifen Korpus, aus dessen oberem farbigen Besatz die territoriale Zugehörigkeit des SA-Mannes (Gau- und Gebietsgliederung) erkennbar war. Silberne Litzen in verschiedener Breite deuteten darüber hinaus auf die Dienststellung des Trägers hin.

Die Rangabzeichen wurden auf dem linken, vom Standartenführer aufwärts auf beiden Kragenspiegeln getragen, deren Grundfarbe mit dem farbigen Randbesatz der SA-Mütze übereinstimmte. Um den Kragen des Braunhemdes verlief bei diesen Rangstufen eine silberne, gedrehte Schnur (Paspelierung). Die Nummern auf dem rechten Spiegel bezeichnen den SA-Sturm und die Standarte, zum Beispiel: 1/5 bedeutet Sturm 1 der Standarte 5. Die Mitglieder vom Stab führten nur die Nummer der Standarte, zum Beispiel 5 oder des Sturmbanns, zum Beispiel III/5. Auf der rechten Schulter wurden Achselstücke getragen in Zweifarbenschnur, Silber und Gold. Sofern der SA-Mann auch Mitglied der NSDAP war (was zwar nicht selbstverständlich, bei höheren SA-Führern aber Voraussetzung für ihre Dienststellung war), wurde anfänglich auf dem braunen Binder auf der Höhe der Brusttaschenknöpfe das Parteiabzeichen oder eine Anstecknadel in der Form des Parteiadlers der NSDAP getragen. Später wurde es Usus, das Parteiabzeichen auf der linken Brusttasche zu tragen.

Zur Uniformierung gehörten weiterhin ein braunes Lederkoppel, an dem auf der linken Hüfte der SA-Dolch getragen wurde, mit Koppelschloss und ein Schulterriemen.

Fahnenkult[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute: Verfassungsfeindliches Propagandamittel: Standarte des elitären SA-Wachverbandes „Feldherrnhalle“ (links Vorderseite, rechts Rückseite)

Von Anfang an spielte die Verwendung von Fahnen, vorwiegend mit dem Symbol des Hakenkreuzes, in der SA als Feldzeichen, aber auch in bloßer Anhäufung als Dekoration gegenüber der Öffentlichkeit eine bedeutsame Rolle.

Neben so genannten „Sturmfahnen“, die den jeweiligen „Sturmabteilungen“ übergeben wurden, führte jede Einheit eine – von Adolf Hitler im Jahr 1922 entworfene – „SA-Standarte“ als Feldzeichen, die sich in ihrer Gestaltung an alte römische Vorbilder und Vorbilder aus napoleonischer Zeit anlehnte und die Gegenstand eines ausgedehnten Fahnenkultes war. Die Standarten besaßen gegenüber den „Sturmfahnen“ den Vorteil, dass ihr Abbild unabhängig von den Witterungsbedingungen immer sichtbar war. Die Aufschrift „DEUTSCHLAND ERWACHE“ entstammte dem Lied „Sturm, Sturm, Sturm“ von Dietrich Eckart. Die ersten vier Standarten wurden vom Münchener Goldschmied Gar angefertigt und im Januar 1923 auf dem Parteitag in Nürnberg feierlich übergeben. Die umfassende Einführung der SA-Standarten begann 1926 in Weimar, als Adolf Hitler „mit Treueversprechen“ und einem mystischen, ans Religiöse grenzenden Zeremoniell die SA-Standarten übergab.

Auf dem Parteitag 1927 in Nürnberg wurden weitere 12 SA-Standarten vor ihrer Übergabe an die Trägereinheiten „feierlich geweiht“. Zu diesem Zweck verwendete man das Hakenkreuzfahnentuch, das beim Hitlerputsch am 9. November 1923 in München beim Marsch auf die Feldherrnhalle als Fahne vorausgetragen worden war. Die Fahne wurde zur „Blutfahne“ erklärt, um die Verbindung mit den ersten „Blutzeugen“ der Bewegung zu demonstrieren. Ob das Fahnentuch bei dieser Gelegenheit tatsächlich mit dem Blut von verwundeten oder erschossenen Demonstranten „getränkt“ worden ist, wird widersprüchlich diskutiert. Mit einem Zipfel dieser „Blutfahne“ berührte Hitler im Verlauf der Fahnenweihe in Blut-und-Boden-Symbolik das Fahnentuch jeder neuen Standarte, um „die Kräfte der Märtyrer der Bewegung“ auf die Fahne und dadurch auch auf die von ihr geführte SA-Einheit zu übertragen.

Altgediente SA-Männer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angehörige der SA, die in der Zeit vom 1. Januar 1925 bis einschließlich 30. Januar 1933 eingetreten waren, wurden als „Altgediente SA-Männer“ bezeichnet. Sie trugen ab Februar 1934 auf dem linken Oberarm den sogenannten „Ehrenwinkel der Alten Kämpfer“. Doch bereits im Oktober des gleichen Jahres wurde der Winkel durch das System der grausilbernen „Ehrenstreifen“ abgelöst. Diese wurden am Ärmelaufschlag beider Unterärmel getragen, ihre Zahl und Breite unterschied sich nach dem Eintrittsjahr.

Absolventen der SA-Reichsführerschule bekamen ab den 1930er Jahren die Tyr-Rune verliehen.

SA-Sportabzeichen / SA-Wehrabzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das SA-Sportabzeichen wurde geschaffen, um auch in den Reihen der „unpolitischen“ Sportler eine engere Anknüpfung an das nationalsozialistische Gedankengut zu schaffen. Es wurde am 15. Februar 1935 durch Hitler erneuert, indem es auch von Nichtmitgliedern erworben werden konnte. Ab dem 19. Januar 1939 wurde es in SA-Wehrabzeichen umbenannt.[2]

Dienstränge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gliederung, Abzeichen und Ränge der SA dienten als Vorbild für die aus der SA hervorgegangenen „NSDAP-Gliederungen“ SS, NSKK und NSFK.

Rangabzeichen der SA

Die Dienstränge (vgl. NS-Ranggefüge mit tabellarischem Vergleich SA, SS, Polizei und Wehrmacht) waren:

  • SA-Anwärter
  • SA-Mann (Soldat der Wehrmacht)
  • SA-Sturmmann (Ober… z. B. Oberschütze)
  • SA-Obersturmmann, nicht im Bild rechts (Gefreiter)
  • ab 1939/40 SA-Hauptsturmführer

Presseorgan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit März 1928 erschien im Völkischen Beobachter eine monatliche Beilage unter dem Titel „Der SA-Mann“, die ab dem 5. Januar 1932 durch die Oberste SA-Führung als selbständiges Wochenblatt herausgegeben wurde. Chefredakteur der Zeitung, die sich in erster Linie mit militärischen Themen sowie internen Angelegenheiten von SA und NSDAP beschäftigte, war Joseph Berchtold.

Finanzierung der SA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1929 verfügte die SA in München über eine eigene Zeugmeisterei, die offensichtlich profitabel arbeitete und sich zur Koordinationsstelle für alle entsprechenden Einrichtungen im Reich entwickelt. Seit August 1930 unterstand sie dem Reichsschatzmeister der NSDAP.

Anfang 1930 entwickelte sich die schon seit 1926 vorgeschriebene Pflichtversicherung der Mitglieder zur Grundlage für ein eigenes Parteiunternehmen. Obwohl ein großer Teil der Mitglieder den Beitritt verweigerte, erwirtschaftete das Unternehmen Überschüsse.

In erheblichem Maße trugen in München ab den 1930er Jahren die von der SA abgehaltenen Großveranstaltungen zur Finanzierung bei. Seit Juli 1930 mussten die Ortsgruppen 50 % der Erträge und Sammlungen über die Gauleitungen an die jeweilige SA-Gauführung weiterleiten, die dafür sämtliche Propagandakosten im Gau zu tragen hatte. Damit verbesserte sich die finanzielle Lage zwar, doch kam die SA nicht endgültig aus ihren Finanzierungsproblemen. Einen großen Teil der Kosten, z. B. für Uniformen und für Propagandafahrten, bestritten die SA-Männer aus eigener Tasche.[4]

Ausrüstungs- und Dienstkosten, sowie Beiträge für die obligatorische Parteimitgliedschaft in der NSDAP, hatten die SA-Männer selbst zu tragen. Unter Führung von Pfeffer konnten seit 1929 Zuschüsse und Sozialleistungen vergeben werden, so dass sich die Massenarbeitslosigkeit der Weltwirtschaftkrise als Massenzustrom nutzbar gemacht wurde.[2]

Soziale Struktur der SA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Charakterisierung der SA als „Herrschaft des Pöbels“ ist zwar nicht falsch, greift aber zu kurz und diente apologetischen Zwecken. Etwa dem der Ehrenrettung des deutschen Bürgertums: so, als ob diesem 1933 die politische Herrschaft von einer (lumpen-)proletarischen Bande in Gestalt der Braunhemden der SA von „der Straße“ entrissen worden sei.[1]

Bereits sehr früh waren erhebliche Teile der SA-Mitglieder nicht Arbeiter und Arbeitslose, sondern Studenten und Mittelschichtangehörige, ganz zu schweigen von der massiven Unterstützung, die die SA bei protestantischen Pastoren fand.[1]

Bei den höheren Führern vom Standartenführer aufwärts handelte es sich fast ausschließlich um Teilnehmer des Ersten Weltkriegs. Sie hatten in der Kaiserlichen Armee gedient und als der Krieg verloren ging, standen die meisten von ihnen vor dem beruflich-geschäftlichen Nichts. Unter den ranghöchsten dominierten ehemalige Berufsoffiziere und Freikorpsführer. Die SA-Elite war durch das Berufsethos des preußisch-deutschen Offiziers geprägt und zeichnete sich durch ein ausgesprochenes Standesbewusstsein aus. Alle Obergruppenführer waren ehemalige Weltkriegsoffiziere, in Bayern etwa Hans Georg Hofmann, Kraußer und Schneidhuber. Ähnliches galt für die Gruppenführer wie Friedrich Karl Freiherr von Eberstein und Wilhelm Stegmann. Dieser privilegierte Kreis der höheren SA-Führer grenzte sich nach unten von der Masse der wirtschaftlich bedrängten SA-Leute, deren Aufstiegsmöglichkeiten gering waren, ab. Die Führungsschicht der SA entfremdete sich zunehmend von der Basis. Für die bayerischen Bauern war die SA nicht attraktiv. Sie machten im April 1932 nur 7,3 % der Mitglieder aus. Sowohl der Anteil der Arbeiter als auch der der Arbeitslosen war in der SA aller Wahrscheinlichkeit nach größer als in der Partei.[4]

Im Gegensatz zur SA-Führungsriege waren die unteren und mittleren Dienstränge zum größten Teil jüngere Menschen der Jahrgänge 1900 bis 1910. Historiker Siemens stuft sie als „Kriegsjugendgeneration“ ein, die gezeichnet war von einer Kindheit und Jugend zur Mobilisierung und während des Ersten Weltkriegs.[1]

Ausbildung in der SA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigste Bestandteile der SA-Ausbildung waren Marschieren und Exerzieren, Sport und Geländeübungen und die meist wöchentlichen Trupp- oder Sturmabende.

Im März 1931 wurden Pläne für eine Reichsführerschule der NSDAP ausgearbeitet, zu deren Führer am 31. März 1931 der preußische Major a. D. und SA-Gruppenführer Kurt Kühme ernannt wurde. Eröffnet wurde die Reichsführerschule am 15. Juni 1931 in München. Sie widmete sich in erster Linie der Ausbildung von SA-Führungspersonal. Die ersten Vorträge hielten Hitler (über die politischen Aufgaben) und Himmler (über das Prinzip der nationalsozialistischen Führerauslese). Auch andere führende Nationalsozialisten betätigten sich als Referenten. Zur praktischen Schulung gehörte die Behandlung von Aufgaben der SA, der formale SA-Dienst und der Sport mit täglicher körperlicher Grundschulung, Mannschaftswettkämpfen, Wanderungen und Geländeübungen. Der Schwerpunkt der Schulung lag jedoch im Bereich der Propaganda. In den ersten Lehrgängen im Jahr 1931 wurden 468 SA-Führer ausgebildet.

Die Reichswehr betrachtete die SA als ein wichtiges Reservoir für den militärischen Nachwuchs. Über das Reichskuratorium für Jugendertüchtigung konnten ihre Mitglieder an vormilitärischen Schulungen teilnehmen. In Bayern fanden Lehrgänge auf den Truppenübungsplätzen in Lager Lechfeld und Hammelburg statt.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sturmabteilung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: SA – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
WiktionaryWiktionary: Sturmabteilung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Daniel Siemens und Rudolf Walther: Militante Männlichkeit. In: https://taz.de/. taz, 31. Juli 2019, abgerufen am 3. Dezember 2019.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r Wolfgang Petter: Sturmabteilung (SA). In: Christian Zentner und Friedemann Bedürftig (Hrsg.): Das große Lexikon des dritten Reiches. Südwest Verlag, München 1985, ISBN 3-517-00834-6, S. 569 f.
  3. Peter Longerich: Die braunen Bataillone, S. 22 ff.
  4. a b c d e f g h i j k l m n Paul Hoser: Sturmabteilung (SA), 1921-1923/1925-1945. In: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/. Abgerufen am 3. Dezember 2019.
  5. Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf – Die Geschichte der SS. Weltbild-Verlag, Augsburg 1992, ISBN 3-89350-549-0, S. 22.
  6. Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf – Die Geschichte der SS. Weltbild-Verlag 1992, S. 23
  7. Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf – Die Geschichte der SS. Weltbild-Verlag, 1992, S. 6
  8. Peter Longerich: Die braunen Bataillone, S. 48
  9. a b Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf – Die Geschichte der SS. Weltbild-Verlag, 1992, S. 27
  10. Peter Longerich: Die braunen Bataillone, S. 52
  11. Peter Longerich: Die braunen Bataillone, S. 53
  12. a b Peter Longerich: Die braunen Bataillone. Geschichte der SA. C. H. Beck, München 1989, S. 102 ff
  13. Ralf Georg Reuth: Joseph Goebbels. Die Tagebücher. Bd. 2: 1930–1934. Piper, München/Zürich 1992, S. 575, Anm. 25.
  14. Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen. Vom 28. März 1931. auf documentarchiv.de, Zugriff am 20. Dezember 2013.
  15. Vgl. Tabelle 4 in: Michael Grüttner, Das Dritte Reich. 1933–1939 (= Handbuch der deutschen Geschichte, Band 19), Klett-Cotta, Stuttgart 2014, S. 125
  16. a b Heinz Höhne: Mordsache Röhm. In: https://www.spiegel.de/. Der Spiegel, 11. Juni 1984, abgerufen am 3. Dezember 2019.
  17. „Im Jahr nach der Machtergreifung verzehnfacht sich die Zahl der Mitglieder der SA auf über 4 Millionen.“ (Kerstin Arnold, Auf: Zukunft braucht Erinnerung)
  18. Arnd Krüger: „Heute gehört uns Deutschland und morgen…“? Das Ringen um den Sinn der Gleichschaltung im Sport in der ersten Jahreshälfte 1933. In: W. Buss, A. Krüger (Hrsg.): Sportgeschichte. Traditionspflege und Wertewandel. Festschrift zum 75. Geburtstag von Prof. Dr. Wilhelm Henze.(= Schriftenreihe des Niedersächsischen Instituts für Sportgeschichte, Band 2). Mecke, Duderstadt 1985, S. 175–196.
  19. Peter Longerich: Die braunen Bataillone. Geschichte der SA. C.H. Beck, München 1989, S. 184.
  20. siehe auch: Eugen Kogon: Der SS-Staat.
  21. Vgl. Tabelle 4 in: Michael Grüttner, Das Dritte Reich. 1933–1939 (= Handbuch der deutschen Geschichte, Band 19), Klett-Cotta, Stuttgart 2014, S. 125.
  22. Kurt Schilde: Sturmabteilung. In: Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Klett-Cotta, Stuttgart 1997, S. 753 f.
  23. Daniel Siemens: Sturmabteilung. Die Geschichte der SA. Siedler, München 2019, S. 375 ff.
  24. Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher dem Internationalen Militärgerichtshof, Nürnberg 14. November 1945 bis 1. Oktober 1946 (1947), Band 22, S. 591.
  25. Rechts bis extrem im Bundestag. Zeit online vom 24. Oktober 2017
  26. a b c d e Organisationsbuch der NSDAP, 1937 (3. Auflage), „Aufbau der SA.“, S. 364 ff.
  27. a b David Littlejohn: The SA 1921–45, S. 7
  28. Daniel Siemens: Für die SA-Leute waren die SS-Mitglieder Verräter. In: https://www.welt.de/. Springer Verlag, 23. April 2019, abgerufen am 3. Dezember 2019.
  29. dpa: Braun war Farbe der Nazis in der NS-Zeit. In: https://www.zeit.de/. dpa / Die Zeit, 17. November 2011, abgerufen am 3. Dezember 2019.
  30. Georg Franz-Willing: Ursprung der Hitler-Bewegung 1919–1922. 2., verbesserte Auflage. K.W.Schütz-Verlag, Preußisch-Oldendorf 1974, ISBN 3-87725-071-3, S. 127.
  31. Karl W. H. Koch: Das Ehrenbuch der SA. Fr. Floeder, Düsseldorf 1934, S. 48.
  32. Roman Köster: Hugo Boss, 1924–1945. Die Geschichte einer Kleiderfabrik zwischen Weimarer Republik und „Drittem Reich“. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61992-2, S. 41.
  33. Schlag nach! Bibliographisches Institut, Leipzig 1938, S. 203.
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!