Braunit

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Braunit
Braunite-195641.jpg
Braunit-Kristallstufe aus der Wessels Mine, Hotazel, Kalahari Manganfeld, Nordkap, Südafrika (Größe 2,9 cm × 2,1 cm × 1,8 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Mn2+Mn3+6[O8|SiO4][1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.AG.05 (8. Auflage: VIII/B.09)
07.05.01.01 (Braunite-I)
Ähnliche Minerale Hausmannit, Magnetit[2]
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol ditetragonal-dipyramidal; 4/m 2/m 2/m[3]
Raumgruppe I41/acd (Nr. 142)Vorlage:Raumgruppe/142[1]
Gitterparameter a = 9,41 Å; c = 18,67 Å[1]
Formeleinheiten Z = 8[1]
Zwillingsbildung nach (111)[4] oder {112}[5]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6 bis 6,5[6][5]
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,72 bis 4,83; berechnet: [4,86][5]
Spaltbarkeit vollkommen nach {112}[5]
Bruch; Tenazität uneben bis schwach muschelig[5]
Farbe eisen- bis bräunlichschwarz[7]
Strichfarbe bräunlichschwarz bis schwarz[7]
Transparenz undurchsichtig (opak)
Glanz Metallglanz
Magnetismus schwach magnetisch[5]
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten schwer löslich in HCl, wird durch HNO3 zersetzt[2]

Braunit (auch Hartbraunstein, Heteroklas, Heteroklin oder Pesillit) ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Mn2+Mn3+6[O8|SiO4][1] und ist damit chemische gesehen ein Mangan-Silikat mit zusätzlichen Sauerstoff-Ionen.

Braunit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem, entwickelt aber nur kleine, pyramidale und oktaedrische, nach {001} und {201} gestreifte Kristalle bis etwa 5 cm Größe. Meist findet er sich in Form krustenförmiger Kristallrasen oder körnige bis massige Mineral-Aggregate. Das Mineral ist undurchsichtig, aber nicht völlig opak,[8] und zeigt auf den Oberflächen der eisen- bis bräunlichschwarzen Kristalle einen schwachen[5] bis fettigen[7] Metallglanz. Auf der Strichtafel hinterlässt Braunit einen schwarzen, fein ausgerieben etwas bräunlichen, Strich.[8]

Mit Abswurmbachit bildet Braunit eine vollständige Mischreihe.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals gefunden wurde Braunit im Steinbruch Oehrenstock bei Langewiesen im Thüringer Wald und beschrieben 1826 durch Wilhelm Ritter von Haidinger, der das Mineral zu Ehren des Kammerraths Wilhelm von Braun zu Gotha nach diesem benannte.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Braunit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Inselsilikate mit tetraederfremden Anionen (Neso-Subsilikate)“, wo er als Namensgeber zusammen mit Långbanit die „Braunit-Långbanit-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/B.09 und den weiteren Mitgliedern Abswurmbachit, Franciscanit, Katoptrit, Neltnerit, Örebroit, Welinit, Yeatmanit und Zoltaiit bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Braunit ebenfalls in die Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Inselsilikate mit zusätzlichen Anionen; Kationen in meist [6] und > [6] Koordination“ zu finden ist, wo es als alleiniger Namensgeber die „Braunitgruppe“ mit der System-Nr. 9.AG.05 und den weiteren Mitgliedern Abswurmbachit, Braunit II (N) und Neltnerit bildet.

Die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Braunit (hier Braunit-I[3]) nicht bei den Silikaten, sondern bei den Oxiden ein. Er bildet dort zusammen mit Neltnerit, Braunit-II und Abswurmbachit die „Humitgruppe (Tetragonal: I41/acd) mit Si“ innerhalb der Unterabteilung der „Mehrfachen Oxide mit der allgemeinen Formel ABX2“.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Braunit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I41/acd (Raumgruppen-Nr. 142)Vorlage:Raumgruppe/142 mit den Gitterparametern a = 9,41 Å und c = 18,67 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Braunit-II ist eine calciumhaltige Varietät.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Braunit mit Andradit (orange) aus den N'Chwaning Minen, Kuruman, Kalahari Manganfeld, Nordkap, Südafrika (Größe 4,4 cm × 4,3 cm × 2 cm)

Braunit bildet sich durch Metamorphose oder Verwitterung aus Mangan-Silicaten und -Oxiden. Begleitminerale sind unter anderem Pyrolusit, Jakobsit, Hausmannit, Bixbyit, Rhodonit, Spessartin und Hämatit.

Bisher konnte Braunit an über 300 Fundorten (Stand: 2009) nachgewiesen werden, so unter anderem in Australien, Belgien, Chile, China, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Madagaskar, Marokko, Mazedonien, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Oman, Österreich, Pakistan, Polen, Portugal, Russland, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tschechien, Türkei, Ukraine sowie den USA.[9]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Braunit wird bei lokaler Anreicherung als Manganerz genutzt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Haidinger: On the crystalline forms and properties of the manganese ores. In: The Edinburgh Journal of Science. Band 4, 1826, S. 41–50 (rruff.info [PDF; 798 kB; abgerufen am 10. März 2018]).
  • W. Haidinger: Mineralogische Beschreibung der Manganerze IV. Brachytypes Manganerz, Braunit. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 14, 1828, S. 197–211 (rruff.info [PDF; 629 kB; abgerufen am 10. März 2018]).
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 206.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Braunite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 553.
  2. a b Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 490–491.
  3. a b Webmineral – Braunite-I (englisch)
  4. Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 703–704.
  5. a b c d e f g Braunite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 65 kB]).
  6. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
  7. a b c Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 510–511 (Erstausgabe: 1891).
  8. a b Paul Ramdohr: Die Erzmineralien und ihre Verwachsungen. 4., bearbeitete und erweiterte Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1975, S. 1017–1022.
  9. Fundortliste für Braunit beim Mineralienatlas und bei Mindat - Localities for Braunite (englisch)