Braunschweiger Monogrammist

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Große Gastmahl; Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum
Opfer Abrahams; Paris, Louvre

Der Braunschweiger Monogrammist ist ein namentlich nicht bekannter niederländischer Renaissance-Maler der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Benennung und Frage der Identität[Bearbeiten]

Die Bezeichnung „Braunschweiger Monogrammist“ geht auf das monogrammierte Gemälde Das Große Gastmahl (eigentlich "Das Gleichnis vom großen Gastmahl"), zurück, das sich im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig befindet und das charakteristische Monogramm trägt. Bisher ist es allerdings nicht gelungen, die Identität des Künstlers widerspruchsfrei zu klären. Heute tendieren die Meinungen mehrheitlich dazu, dass es sich um Jan van Amstel handeln könnte. Früher wurde auch Jan Sanders van Hemessen in die engere Wahl gezogen.

Silke Gatenbröcker, Kustodin des Museums, fasst den Erkenntnisstand über das bekannte Œuvre des Monogrammisten mit folgenden Worten zusammen:

„Alle Gemälde … lassen sich nur aufgrund stilistischer Beobachtungen (dem Künstler) zuordnen. Diesen Maler muß man als einen der wichtigsten Vorläufer des berühmten Pieter Bruegel d. Ä. ansehen. Die Buchstabenkombination des Monogramms und verschiedene komplizierte kunsthistorische Rückschlüsse haben dazu geführt, darin den Maler Jan van Amstel zu vermuten. Jan van Amstel arbeitete mit dem Antwerpener Meister Pieter Coecke van Aelst zusammen, der wiederum Schwiegervater und wahrscheinlich auch Lehrmeister von Pieter Bruegel war.“ (Lit.: vgl. Gatenbröcker, S. 11ff.)

Monogramm[Bearbeiten]

Silke Gatenbröcker zufolge:

„Es handelt sich um ein kompliziert aufgebautes, leider wegen der etwas beschädigten Maloberfläche nicht ganz deutlich erkennbares, sehr kleines Monogramm aus mehreren ineinander verschränkten Buchstaben: In einen zentralen Buchstaben M ist ein S und vielleicht ein A eingeschrieben, eindeutig zu erkennen über dem M ein I/J und unter dem M ein V.“

Kunsthistorische Einordnung[Bearbeiten]

Neben genrehaften Bildthemen stellte der Künstler auch biblische Szenen dar. [1]

Als Vorläufer von Pieter Bruegel d. Ä. war er vermutlich von großem Einfluss auf dessen Realismus.

Werke[Bearbeiten]

Bordellszene, 1537; Gemäldegalerie, Berlin

Neben dem bereits erwähnten Gemälde Das Große Gastmahl befindet sich ein weiteres Werk dieses Malers im Herzog Anton Ulrich-Museum, „Abseits der Kirmes“. Andere sind im Rijksmuseum in Amsterdam, im Pariser Louvre, im Städel in Frankfurt am Main[2], in der Gemäldegalerie in Berlin und im Kunstmuseum Basel zu finden.

Die Bordellszene, auch "Lockere Gesellschaft" genannt, befindet sich in Berlin und entstand ca. um 1540. Vor allem die vielen Anschriften an der Wand sind auffallend und deuten auf die moralisierende Bedeutung des Bildes. Der Satz "Dat dinck dat di dochter dalen" beispielsweise kann mit "Das Ding, das die Tochter niedersinken lässt" und spielt auf die verlorene Unschuld der Frauen an. [3] Dabei bilden erigierte, männliche Geschlechtsorgane die D's des Satzes.

Literatur[Bearbeiten]

  • Silke Gatenbröcker, Andreas W. Vetter: Kein Tag wie jeder andere. Fest und Vergnügen in der niederländischen Kunst, ca. 1520-1630. Ausstellung im Herzog-Anton-Ulrich-Museum Braunschweig, 12. September bis 8. Dezember 2002. Braunschweig 2002, ISBN 3-922279-56-2, S. 11-13.
  • Dietrich Schubert: Die Gemälde des Braunschweiger Monogrammisten. Ein Beitrag zur Geschichte der niederländischen Malerei des 16. Jahrhunderts. DuMont-Schauberg, Köln 1970. ISBN 3-7701-0550-8
  • Matthias Ubl: Der Braunschweiger Monogrammist. Petersburg 2014 (Diss./ Universität Freiburg im Breisgau 2011). ISBN 978-3-7319-0030-6
  • Johannes Stahl: An der Wand. Graffiti. Zwischen Anarchie und Galerie. Köln 2007. ISBN 978-3-7701-2363-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Ubl: Der Braunschweiger Monogrammist.Wegbereiter der niederländischen Genremalerei vor Bruegel, Petersberg 2014
  2. Braunschweiger Monogrammist. Bordellszene im Sammlungsindex des Städels.
  3. Matthias Ubl: Der Braunschweiger Monogrammist. Wegbereiter der niederländischen Genremalerei vor Bruegel, Petersberg 2014. S.323