Brechen (Kryptologie)

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Als brechen oder entziffern (umgangssprachlich oft auch als „knacken“) wird in der Kryptanalyse, also in dem Wissenschaftszweig der Kryptologie, der sich mit der Entzifferung von Geheimschriften befasst, die Tätigkeit bezeichnet, einem Geheimtext ohne Kenntnis des Schlüssels die Nachricht zu entringen, also ihn in den Klartext zurückzuwandeln. Nach gelungenem Bruch einer Geheimbotschaft lässt sich diese im Jargon „lesen“, ein Geheimtext ist „gelöst“, ein gebrochenes Verfahren lässt sich „mitlesen“.

Häufig und unpräzise wird der Begriff „entschlüsseln“ synonym zu „brechen“ benutzt. Sinnvoll ist es jedoch, nur die befugte Tätigkeit des legitimen Empfängers der Nachricht, der im Besitz des Schlüssels ist, als Entschlüsselung zu bezeichnen und nicht das Brechen des Geheimtextes (ohne Schlüssel).[1]

Neben kryptanalytischen Methoden, also dem direkten „Angriff“ auf den Geheimtext, durch beispielsweise Häufigkeitsanalyse, Mustersuche oder Berechnung des Koinzidenzindexes, gelingt es im einfachsten Fall den Text dadurch zu brechen, indem das zur Verschlüsselung gebrauchte geheime Kennwort erraten wird.

Ein berühmtes Beispiel für das Brechen eines Verschlüsselungsverfahrens ist die Entzifferung der deutschen Schlüsselmaschine ENIGMA durch britische Codebreaker im englischen Bletchley Park während des Zweiten Weltkriegs.

Als „unbrechbar“, „unentzifferbar“ oder „unknackbar“ kann man ein Kryptosystem dann bezeichnen, wenn es theoretisch oder doch zumindest praktisch nicht gebrochen werden kann. Sicher weiß man dies nur für das sogenannte One-Time-Pad (Einmalschlüssel-Verfahren).[2] Für andere Verfahren, wie AES oder RSA, die aktuell als unbrechbar gelten, könnte sich diese Einschätzung jedoch aufgrund von grundlegend besseren mathematischen Methoden oder deutlich schnelleren Rechnern früher oder später ändern. Für die Vigenère-Chiffre, die seinerzeit als Le Chiffre indéchiffrable (deutsch: „Die unentzifferbare Verschlüsselung“)[3] bezeichnet wurde, und die man für mehr als zweihundert Jahre für unbrechbar hielt, oder für die ENIGMA, die von deutschen Militärs als unknackbar eingeschätzt wurde, gilt dies, wie man heute weiß, sicher nicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oberkommando der Wehrmacht: Allgemeine Schlüsselregeln für die Wehrmacht. Berlin 1944, S. 5 f. cdvandt.org (PDF; 0,9 MB) abgerufen 26. August 2010
  2. Claude Shannon: Communication Theory of Secrecy Systems. In: Bell System Technical Journal, Vol. 28, 1949 (Oktober), S. 662. netlab.cs.ucla.edu (PDF; 0,6 MB) abgerufen: 17. Juli 2008.
  3. Jörn Müller-Quade: Hieroglyphen, Enigma, RSA  – Eine Geschichte der Kryptographie. Fakultät für Informatik der Universität Karlsruhe, S. 36, ira.uka.de (PDF; 2,1 MB) abgerufen: 17. Mai 2009.