Bremer Werften

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Einen Eindruck aus dieser Zeit vermittelt das Bild von Anton Radl (1774–1852) „das Zollhaus an der Brücke über die Lesum, fertige und im Bau liegende Schiffe aus dem Jahr 1818/1819“
Ansicht von Vegesack (Bremen) an der Weser im Jahr 1847. Ölgemälde von Carl Justus Harmen Fedeler (1799–1858).
P. Heineken (NDL), F. von Zeppelin und V. S. Nawatzki (BV) bei der Taufe vom Lloyddampfer Zeppelin am 9. Juni 1914 beim Bremer Vulkan

Es werden Bremer Schiffswerften ab 1800 betrachtet, die sich zu dieser Zeit der versandeten Weser im Bereich der Aue- und Lesummündung ansiedelten. Der beginnende Bremer Handel mit Übersee forderte Barken und Vollschiffe statt der in der Ost- und Nordsee vorwiegend eingesetzten Besanewer und Galioten.

Bremer Werften ab 1800[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Werften in Bremen wurden im 17. Jahrhundert gegründet, sie sind zum Teil unbekannt geblieben, da die Grenzen zwischen einem Schiffbauplatz (Lastadie), einer Bootswerft und einer Schiffswerft zu dieser Zeit fließend sind. Daher werden Werften ab 1800 betrachtet und mit einigen Daten und Anmerkungen versehen. Nicht lange vorher hatte sich der Bremer Seehandel von der Ost- und Nordsee nach Übersee, vorwiegend nach Mittel- und Nordamerika verlagert.

Die Betriebe entstanden nicht immer gleich als Schiffswerften, sondern einige begannen als Bootswerften, wie z. B. Lürssen und die Rolandwerft, als Maschinenfabriken, wie die spätere A.G. Weser, sowie als reedereieigene Reparaturwerften (Adlerwerft) bzw. Armaturenfabriken (Atlaswerft).

Übergang vom Segel zum Dampf und vom Holz zum Stahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den folgenden Jahren nach 1800 fanden mehrere Entwicklungen statt, die den Schiffbau mehr oder weniger stark beeinflussten. Der Dampfantrieb wurde zum Beispiel von J. Lange (später Bremer Vulkan) auf dem Raddampfer Die Weser 1817 eingebaut werden. Erst rund 20 Jahre später baute er den nächsten Dampfer. Die letzten Segler als Frachtschiffe wurden noch 100 Jahre später gebaut, als die Dieselmotoren begannen, die dampfbetriebenen Dreifachexpansionsmaschinen abzulösen. Der Übergang vom Holz- zum Eisen- und danach zum Stahlschiffbau war gleitend aber bedeutsam. Er führte vom Handwerksbetrieb zum Industriebetrieb. Auch hier war Lange um 1845 der Erste an der Weser, der Eisenschiffe baute. Hier soll auch Waltjen & Leonhard (später A.G. Weser) angeführt werden, die 1843 eine Maschinenfabrik und Eisengießerei gründeten.

Heutiger Stand (2010)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rolandwerft gehörte als 100%ige Tochter der Peene-Werft zur Hegemann-Gruppe. Im April 2010 wurde die Detlef Hegemann Rolandwerft GmbH & Co. KG an die Bremer Lürssen-Gruppe verkauft, die die Werft zum 1. Juni 2010 übernommen hat. Damit verbleiben zwei Werften, die derzeit noch Schiffe bauen.

Liste der Bremer Werften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Zeitraum Standort Bemerkung
Adler Werft 1951–1964 Bremen Die Adler Werft ging aus der Argo-Hafenwerkstatt hervor, die die Argo-Flotte betreute
Atlaswerke 1911–1961 Bremen 1902 vom Norddeutscher Lloyd als Norddeutsche Maschinen- und Armaturenfabrik gegründet, die 1911 in die Atlaswerke umgewandelt wurde
Bremer Schiffsbaugesellschaft 1883–1895 Bremen-Vegesack Ursprünglich H. F. Ulrichs, 1883 zu der AG Bremer Schiffsbaugesellschaft umgewandelt, 1895 vom Bremer Vulkan übernommen
Bremer Vulkan 1893–1997 Bremen-Vegesack Vorläufer war die J. Lange Werft, 1895 erweitert durch Übernahme der Bremer Schiffbaugesellschaft
E. Burmester 1920–1978 Bremen-Burg Yacht- und Bootswerft, die auch Kriegsfahrzeuge (u.a. Minensucher) baute, 1941 wurde in Swinemünde eine Zweigwerft errichtet
G. Clausen 1801–1830 Bremen 1806 Menke & Clausen
D. Hegemann 1978–heute Bremen D. Hegemann erwarb 1978 die Rolandwerft, um für sein Bauunternehmen Bagger und Schuten zu warten und zu bauen, später nach Berne umgezogen, die Peenewerft und die Volkswerft Stralsund übernommen
P. Jantzen 1738–1813 Bremen-Vegesack J. Jantzen gründete die Werft, P. Jantzen übernahm sie 1802 von seinem Bruder, nach seinem Tod übernahm Jürgen Sager 1814 die Werft
J. Lange 1805–1893 Bremen-Vegesack Ab 1837 Zweigbetrieb in Bremerhaven, Stammwerft des Bremer Vulkan
Fr. Lürssen 1875–heute Bremen-Vegesack Fr. Lürßen beginnt als Bootswerft, berühmt geworden durch Rennboote, Schnellboote, später kleine Handelsschiffe und innovative Lotsenboote, Seenotkreuzer u.a.
Rolandwerft 1913–heute Bremen-Hemelingen Beginn mit Sportbooten, Schnellboote, Minenräumboote, Betonschlepper. Ab 1950 Küstenmotorschiffe, Fähren, Seebäderschiffe; 1972 Konkurs; 1978 an Hegemann, 2010 an Lürssen verkauft
Sager 1814–1869 Bremen-Vegesack 1814 Jürgen Sager übernahm die Werft von J. und P. Jantzen, nach seinem Tod 1841 von Peter Sager weitergeführt
Karl Sarstedt OHG 1971 – ? errichtet auf dem Platz des Betriebsteils Rönnebeck der Ruhrorter Schiffswerft und Maschinenfabrik Rönnebeck Bau des ersten MPOSS-Schiffes,[1] Sektionsbau für den Bremer Vulkan
H. F. Ulrichs 1839–1883 Bremen-Vegesack Ab 1855 Zweigbetrieb in Bremerhaven; Nach Ulrichs Tod 1865 führt sein Sohn Carl den Vegesacker Betrieb weiter, 1883 zu der AG Bremer Schiffsbaugesellschaft umgewandelt, 1895 vom Bremer Vulkan übernommen; der Bremerhavener Betrieb wird von Seebeck übernommen
Waltjen & Leonhard 1845–1872 Bremen Waltjen & Leonhard, später Waltjen & Co.; baute vorwiegend Radschlepper; 1872 Übergang in AG Weser
Bernhard Wencke 1839–1848 Bremen Der Vater Friedrich Wencke baute ab 1925 einige Boote, B. Wencke übersiedelte als Reeder nach Hamburg; errichtete in Hamburg die Werft B. Wencke Söhne
A.G. Weser 1872–1983 Bremen Waltjen & Co. wurde 1872 zur A. G. Weser, 1905 nach Bremen Gröpelingen umgezogen, dort Helgen für den Großschiffbau errichtet, 1926 Deschimag, 1945 wieder A.G. Weser, Helgen vergrößert, ab 1970 Großtankerbau, 1983 nach 1170 gebauten Schiffen geschlossen
Detlef Hegemann Rolandwerft in Berne gehört seit 2010 zu Lürssen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Adamitz: Gezeiten der Schiffahrt. Verlag H. Saade, Bremen, ISBN 3-922642-09-8.
  • Peter Kuckuck: Der Bremer Vulkan. Verlag Steintor, Bremen 1987.
  • Peter Kuckuck: Die A.G. Weser. Verlag Steintor, Bremen 1987.
  • Georg Bessell, August Westermann: 150 Jahre Schiffbau in Vegesack. Verlag Steintor, Bremen 1987.
  • N. N.: 100 Jahre Schiffahrt Schiffbau Häfen. Schiffahrts-Verlag „Hansa“, Hamburg 1964.