Bremsprobe

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Eine Bremsprobe (Abkürzung: Brpr) ist eine Sicherheitsmaßnahme, mit der bei einem Fahrzeug (zum Beispiel Eisenbahn, Seilfahrgerät, Straßenfahrzeuge) die Funktionsfähigkeit des Bremssystems überprüft wird. Beim PKW dient eine Bremsprobe neben der Überprüfung der Bremsen auch dazu, ein Gefühl für die Straßenverhältnisse zu bekommen (vor allem im Winter).

Eisenbahn in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrzeuge der Eisenbahnen werden üblicherweise mit Druckluftbremsen gebremst. Um die Funktion des gesamten Bremsensystems zu überprüfen, findet nach der Zugzusammenstellung eine Bremsprobe statt. Die Bremsprobe ist in Deutschland in der Bremsvorschrift („BreVo“, VDV-Schrift 757) geregelt. Diese VDV-Schrift entspricht zum größten Teil dem Wortlaut der Richtlinie 915.01 (Bremsen im Betrieb bedienen und prüfen) der Deutschen Bahn AG.

Der Ablauf und die Formen der Bremsprobe sind genau vorgeschrieben und werden nur von ausgebildeten Bremsprobeberechtigten (früher Bremsbeamten) durchgeführt. Zur Verständigung zwischen Bremsprobeberechtigten und dem Eisenbahnfahrzeugführer gibt es besondere Bremsprobesignale, die mit Lichtsignalen, Handzeichen oder mündlich übermittelt werden können. Die Bremsprobe ist eine elementare Voraussetzung für die Zugvorbereitung.

Volle Bremsprobe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fälligkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Volle Bremsprobe ist in folgenden Fällen auszuführen[1]:

  • An einem neu zusammengestellten Zug,
  • Wenn ein Zug durch Einstellen/Aussetzen von vor- oder ungeprüften Fahrzeugen/Fahrzeuggruppen an mehr als zwei Kuppelstellen des Wagenzuges gekuppelt wurde
    • Bei bis zu zwei Kuppelstellen kann die Vereinfachte Bremsprobe angewendet werden
  • An unverändert gebliebenen Zug einmal täglich, im Regelfall vor der ersten Zugfahrt.
  • Wenn ein Zug länger als 24 Stunden abgestellt war
  • Bei Unregelmäßigkeiten
  • Vor bestimmten Gefällestrecken
  • Wenn bei der so genannten Ansage des freien Fahrweges mit bis zu 40 km/h statt der sonst üblichen 25 km/h Höchstgeschwindigkeit rangiert werden darf

Ablauf (mit Zustandsgang)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Triebfahrzeugführer (bzw. der bedienende Bremsprobeberechtigte) sichert den Zug mittels Feststellbremsen und füllt die Hauptluftleitung auf 5 bar. Nun wird mit dem Zustandsgang begonnen.

Der ausführende Bremsprobeberechtigte prüft nun[2]:

  • den Lösezustand der Bremsen am ersten Fahrzeug hinter dem besetzten Triebfahrzeug
  • den Zustand der Bremsbauteile
  • Bremsen, die ausgeschaltet und nicht bezettelt sind, müssen eingeschaltet werden
  • die richtige Einstellung des Bremsstellungswechsels
  • die richtige Einstellung des Lastwechsels
  • sowie auf ordnungsgemäßes Kuppeln.

Auf das Signal „Bremse anlegen“ (Zp 6) des Bremsprobeberechtigten, beginnt der Eisenbahnfahrzeugführer (bzw. der bedienende Bremsprobeberechtigte mittels ortsfester Bremsprobeanlage) mit der Dichtheitsprobe. Beträgt der Druckabfall innerhalb einer Minute nicht mehr als 0,3 bar bei Reisezügen bzw. 0,5 bar bei Güterzügen, so gilt die Leitung als dicht und es kann mit der eigentlichen Bremsprobe begonnen werden. Nun geht der Triebfahrzeugführer (bedienender Bremsprobeberechtigter) in die Füll- und Lösestellung und füllt damit die Hauptluftleitung wieder auf 5 bar, um wieder in den Ausgangszustand zu kommen. Anschließend wird die Bremse angelegt, indem der Druck in der HL auf 4,2 bar abgesenkt wird. Der Bremsprobeberechtigte geht am Zug entlang und prüft, ob die Bremsen an jeder Achse (bei Drehgestellwagen an jedem Drehgestell) angelegt haben.

Dann gibt er dem Eisenbahnfahrzeugführer das Signal „Bremse lösen“ (Zp 7). Die Bremsen werden gelöst und der Bremsprobeberechtigte kontrolliert wieder, ob die Bremsen gelöst haben. Nach Abschluss der Überprüfung gibt der Bremsprobeberechtigte das Signal „Bremse in Ordnung“ (Zp 8), der Eisenbahnfahrzeugführer hat die Aufnahme des Signals zu bestätigen (durch Zp 1 oder mündlich). Bei Zügen, die mit Magnetschienenbremse fahren (Bremsstellung R+Mg), wird nach dem Lösegang am letzten Fahrzeug eine Durchgangsprüfung an der Hauptluftbehälterleitung durchgeführt. Es wird dann eine Schnellbremsung durchgeführt und die Funktion aller Magnetschienenbremsen geprüft. Der Bremsprobeberechtigte, der die volle Bremsprobe durchführt, quittiert diese mit einem Bremsprobemeldezettel.

Vereinfachte Bremsprobe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vereinfachte Bremsprobe wird durchgeführt, um sicherzustellen, dass alle Bremsen vom während der Fahrt zu bedienenden Führerbremsventil ordnungsgemäß angelegt und gelöst werden können und die Hauptluftleitung durchgehend gekuppelt ist.

Fälligkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bremsprobemeldezettel dient dem ausführenden Bremsprobeberechtigten dazu, zu erkennen ob vorher schon eine volle Bremsprobe durchgeführt worden ist. Die vereinfachte Bremsprobe ist in folgenden Fällen auszuführen[3]:

  • wenn die vorgeschriebene volle Bremsprobe nicht mit dem während der Zugfahrt zu bedienenden Führerbremsventil ausgeführt wurde
  • wenn ein Zug ergänzt und/oder vorübergehend getrennt wurde, mit insgesamt höchstens zwei Kuppelstellen
  • wenn ein Zug zwischen einer und 24 Stunden abgestellt war
    • war ein Zug mit Triebfahrzeug unverändert bis zu 1 Stunde abgestellt, darf die Führerraumbremsprobe angewendet werden
  • wenn aufgrund von Unregelmäßigkeiten die Hauptluftleitung zwischenzeitlich unterbrochen war (z. B. durch einen gewechselten Luftschlauch oder eine gezogene Notbremse)
  • wenn Wagen auf Bremsstellung R + Mg umgestellt wurden
  • wenn beim Rangieren Fahrzeuge an die Hauptluftleitung angeschlossen werden müssen
  • vor bestimmten Gefällestrecken

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei einer vollen Bremsprobe ist der Zug mittels Feststellbremsen gegen unbeabsichtigte Bewegungen zu sichern. Der prüfende Bremsprobeberechtigte überprüft zunächst am i. d. R. letzten Fahrzeug, ob die Bremse gelöst ist. Dann gibt er dem Triebfahrzeugführer den Auftrag „Bremse anlegen“. Der Triebfahrzeugführer leitet nun eine Betriebsbremsung ein, indem er den Hauptluftleitungsdruck auf 4,2 bar absenkt. Der Bremsprobeberechtigte überprüft nun das ordnungsgemäße Anlegen der Bremse und gibt dem Triebfahrzeugführer den Auftrag, mit dem Führerbremsventil in Mittelstellung zu gehen, um ein Nachspeisen der Hauptluftleitung zu unterbinden.

Bei Güterzügen wird dann die sog. „Durchgangsprüfung“ durchgeführt, indem er den Luftabsperrhahn am letzten Fahrzeug für 15 Sekunden öffnet, alternativ kann bei vorhandener Funkverbindung der Luftabsperrhahn schon geschlossen werden, sobald der Triebfahrzeugführer Druckabfall meldet. Dies ist der Fall, wenn der Druck in der Hauptluftleitung um mehr als 0,5 Bar abfällt. Bei Reisezügen entfällt dieser Schritt.

Dann gibt er den Auftrag, die Bremsen zu lösen. Geschieht auch das ordnungsgemäß, wird dem Triebfahrzeugführer die Bremse als in Ordnung gemeldet.

Je nach Situation erfolgt die Bremsprobe durch den Triebfahrzeugführer, den Zugführer, den Wagenmeister, den Rangierbegleiter oder den Zugvorbereiter.

Führerraumbremsprobe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fälligkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Führerraumbremsprobe ist ein Funktionstest der Bremsbedieneinrichtungen des führenden Fahrzeugs sowie des abgesperrten Zustandes von zu diesem Zeitpunkt inaktiven Einrichtungen der Bremsanlage. Sie ist anzuwenden

  • beim Wechsel des Führerraumes im Rahmen der betrieblichen Wende
  • wenn ein unverändert gebliebener Zug bis zu einer Stunde abgestellt war
  • wenn bei Mehrfachtraktion ein an der Spitze arbeitendes Triebfahrzeug (in der Regel eine Lokomotive) entfernt wird und daraufhin das zweite Triebfahrzeug zum führenden Fahrzeug wird

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im zuletzt benutztem Führerraum wird der Zug mit einer Vollbremsung und zusätzlichen Feststellbremsen gesichert und das zugehörige Führerbremsventil abgesperrt
  • Im neu besetzten Führerraum die Bremsen lösen
  • Anschließend die Bremsen mit einer Betriebsbremsung (Druckabsenkung in der Hauptluftleitung auf ca. 4,2 bar) erneut anlegen und das Führerbremsventil ab- und nach 10 Sekunden wieder aufschließen
    • Durch das zeitweise Absperren des Führerbremsventils soll sichergestellt werden, dass kein anderes Führerbremsventil im Zugverband ungewollt Luft nachspeist
  • Bremsen erneut lösen unter Zuhilfenahme des Angleichers

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DB AG (Hrsg.): Richtlinie 915.01 Bremsen im Betrieb bedienen und Prüfen. Modul 915.0103 Seite 1.
  2. Richtlinie 915.01 der DB AG 915.0103A01 Seite 1+2
  3. Richtlinie 915.01 der DB AG 915.0104 Seite 1