Brief des Paulus an Philemon

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Der Brief des Paulus an Philemon ist ein Buch des Neuen Testaments der christlichen Bibel. Seit der frühen Neuzeit wird es in 25 Verse aufgeteilt. Eine Kapiteleinteilung gibt es wegen der Kürze des Briefes nicht.

Der Brief wurde von Paulus wahrscheinlich in Ephesus geschrieben, wo er um 56 in Haft (Hausarrest) war. In Ephesus hatte Paulus den entlaufenen Sklaven Onesimus kennengelernt, den er nun mit diesem Brief zu Philemon nach Kolossai schickt.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eingangsgruß (1–3)
  • Überleitung zum Briefcorpus (Dank und Freude) (4–7)
  • Empfehlung des Onesimus (8–21)
  • Plan, Philemon zu besuchen (22)
  • Übermittlung von Grüßen und Schlussgruß (23–25)

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paulus fordert seinen Glaubensbruder und Mitarbeiter Philemon auf, dass er seinen davongelaufenen Sklaven Onesimus freundlich aufnehmen und in ihm fortan den geliebten Bruder sehen soll, da Onesimus Christ sei. Zudem gibt Paulus seiner Hoffnung Ausdruck, dass er bald aus der Gefangenschaft entlassen werde und bittet Philemon, eine Unterkunft für ihn vorzubereiten.

Auslegungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der in der Auslegungsgeschichte vorherrschenden Meinung verlangt Paulus von Philemon jedoch nicht, dass er den Sklavenstand Onesimus’ aufheben soll. Diese Interpretation wurde bis in die jüngste Vergangenheit in den USA als Rechtfertigung der Sklaverei verwandt. Andere lesen den Philemonbrief als rhetorisch geschicktes Schreiben des Paulus, das nicht nur an den Sklavenhalter Philemon gerichtet ist, sondern an die ganze Gemeinde, und dessen Inhalt es Philemon unmöglich macht, Onesimus weiter als Sklaven zu behandeln.[1]

In seiner 2. Enzyklika SPE SALVI facti sumus – auf Hoffnung hin sind wir gerettet (Röm 8,24 EU) – erläutert Papst Benedikt XVI., dass das Christentum keine sozialrevolutionäre Botschaft brachte, sondern etwas ganz anderes (Absatz Nr. 4). Er weist dabei ausdrücklich auf den Brief des Apostel Paulus an Philemon hin (Phlm 10–16 EU): Die Menschen, die ihrem zivilen Status nach sich als Herren und Sklaven gegenüberstehen, sind als Glieder der einen Kirche einander Brüder und Schwestern geworden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommentare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Wolter: Der Brief an die Kolosser (= Ökumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament. Band 12) (= Gütersloher Taschenbücher. Band 519). Gütersloher Verlagshaus Mohn, Gütersloh u. a. 1993, ISBN 3-579-00519-7. (darin auch: Der Brief an Philemon)
  • Hans Bürki: Der zweite Brief des Paulus an Timotheus, die Briefe an Titus und Philemon (= Wuppertaler Studienbibel. Reihe NT, Band 15). Brockhaus, Wuppertal 1994. (allgemeinverständlich, anwendungsorientiert)
  • Peter Lampe: Der Brief an Philemon. In: Nikolaus Walter, Eckart Reinmuth, Peter Lampe: Die Briefe an die Philipper, Thessalonicher und an Philemon (= Das Neue Testament deutsch. Band 8,2). 18. Auflage, Erstauflage dieser Bearbeitung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-51381-X, S. 203–232. (allgemeinverständlich)
  • Peter Stuhlmacher: Der Brief an Philemon (= Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament. Band 18). 4. Auflage. Benziger, Zürich 2004, ISBN 3-545-23101-1.
  • Klaus Wengst: Der Brief an Philemon (= Theologischer Kommentar zum Neuen Testament. Band 16). Kohlhammer, Stuttgart 2005, ISBN 3-17-018675-2.
  • Eckart Reinmuth: Der Brief des Paulus an Philemon (= Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament. Band 11,2). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2006, ISBN 3-374-02352-5.

Einzelne Studien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Baumert: Ein Freundesbrief an einen Sklavenhalter? Der Brief des Paulus an Philemon. In: Studien zu den Paulusbriefen (= Stuttgarter biblische Aufsatzbände). Band 32. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2001, ISBN 3-460-06321-1, S. 131–160.
  • John Paul Heil: The Chiastic Structure and Meaning of Paul’s Letter to Philemon. In: Biblica. Nr. 82, 2001, S. 178–206.
  • Peter Arzt-Grabner: Philemon (= Papyrologische Kommentare zum Neuen Testament. Band 1). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 3-525-51000-4 (Textüberlieferung).
  • Rainer Reuter: Textvergleichende und synoptische Arbeit an den Briefen des Neuen Testaments. Geschichte – Methodik – Praxis. Textvergleich Kolosser- und Philemonbrief (= Arbeiten zur Religion und Geschichte des Urchristentums. Band 13). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2003, ISBN 3-631-50245-1.
  • Peter Arzt-Grabner: Onesimus erro. Zur Vorgeschichte des Philemonbriefes. In: Zeitschrift für die Neutestamentliche Wissenschaft. Nr. 95, 2004, S. 131–143.
  • Peter Arzt-Grabner: Die Paulusbriefe im Lichte der Alltagspapyri. In: Zeitschrift für Neues Testament. Nr. 14, 2004, S. 22–30.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vers 16: Entscheidend ist die Interpretation der Ausdrücke οὐκέτι ὡς δοῦλον („nicht mehr wie ein Sklave“), sowie ἀλλ' ὑπὲρ δοῦλον („sondern mehr als ein Sklave“), nämlich ein geliebter Bruder. Für einige schließt die Anerkennung als Bruder die Stellung als Sklave aus, für andere nicht.