Brigitte Fassbaender

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Brigitte Fassbaender mit dem Orden Pour le Mérite (2014)

Brigitte Fassbaender (* 3. Juli 1939 in Berlin) ist eine deutsche Opern- und Lied-Sängerin (Mezzosopran), Regisseurin, Intendantin und Gesangspädagogin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brigitte Fassbaender ist die Tochter der Schauspielerin Sabine Peters und des Baritons und Kammersängers Willi Domgraf-Fassbaender. Die erste gesangliche Ausbildung erhielt sie von ihrem Vater, der auch ihr einziger Gesangslehrer blieb. Von 1958 bis 1961 studierte Brigitte Fassbaender am Konservatorium in Nürnberg und war bereits ab 1961 Mitglied der Bayerischen Staatsoper, der sie fast 30 Jahre als Ensemblemitglied angehörte. Gastverpflichtungen führten sie an alle führenden Opernhäuser weltweit (u.a. Covent Garden, La Scala Milano, Opernhaus von San Francisco, Metropolitan Opera oder Wiener Staatsoper[1]). Brigitte Fassbaender war außerdem ab 1972 regelmäßiger Gast bei den Salzburger Festspielen, 1983 und 1984 trat sie als Waltraute in der Götterdämmerung bei den Bayreuther Festspielen[2] auf.

Im Opernbereich verkörperte Brigitte Fassbaender ein ganz unterschiedliches Rollenspektrum, das nicht nur Partien wie Octavian in Der Rosenkavalier (über viele Jahre ihre Paraderolle), Sesto in La clemenza di Tito, Dorabella in Così fan tutte oder Charlotte in Werther (eine ihrer Lieblingspartien) umfasste, sondern auch Prinz Orlofsky in Die Fledermaus, Orestes in Die schöne Helena, Brangäne in Tristan und Isolde, die Titelrolle in Carmen, Eboli in Don Carlos, Marina in Boris Godunov, Klytämnestra in Elektra oder die Gräfin Geschwitz in Götz Friedrichs Inszenierung von Alban Bergs Lulu an der Deutschen Oper Berlin (1982). Singen bedeutete für Brigitte Fassbaender nie Selbstzweck, sondern war stets mit darstellerischer Leidenschaft, Detailarbeit im Szenischen und psychologischer Durchdringung der Werke verbunden.[3]

Ein weiterer Schwerpunkt ihres Wirkens war der Konzert- und Liedgesang. Ihr Repertoire umfasste Lieder u.a. von Franz Liszt, Richard Strauss, Johannes Brahms, Franz Schubert oder Gustav Mahler. Als bisher einzige Frau nahm sie die drei großen Schubert-Zyklen (Die schöne Müllerin, Die Winterreise, Schwanengesang) auf. Über 250 CD- und Schallplattenaufnahmen, ein Großteil davon im Lied- und Konzertbereich, dokumentieren ihre Bedeutung als Sängerin. Ihre Tonträger erhielten zahlreiche Preise, darunter zweimal den renommierten Gramophone Award (1987, 1992).

1995 beendete Fassbaender ihre Karriere als Opern-, Lied- und Konzertsängerin, um sich der Regie von Oper und Schauspiel zu widmen. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt dabei auf Werken von William Shakespeare. Von 1995 bis 1997 war Brigitte Fassbaender interimistische Operndirektorin am Staatstheater Braunschweig, in den Jahren 1999 bis 2012 leitete sie als Intendantin das Tiroler Landestheater. 2002 übernahm sie die künstlerische Leitung des Eppaner Lied-Sommers. Darüber hinaus hatte sie von 2009 bis 2017 die künstlerische Leitung des Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen inne. Seit 2005 ist sie als Nachfolgerin von Wolfgang Sawallisch Vorsitzende der Richard-Strauss-Gesellschaft (RSG) in München.

Brigitte Fassbaender ist außerdem als Gesangspädagogin tätig. Ihr Wissen gibt sie in Meisterkursen/Workshops im In- und Ausland an den sängerischen Nachwuchs weiter. Zu ihren Schülern zählen unter anderem: Juliane Banse, Michelle Breedt, Anke Vondung, Christiane Libor, Martin Mitterrutzner und Janina Baechle.

2010 verfasste Brigitte Fassbaender den Text für Lulu – das Musical (nach Frank Wedekind, Musik: Stephan Kanyar). Die Uraufführung fand am 15. Mai 2010 im Tiroler Landestheater in Innsbruck statt. Dort folgte am 5. Mai 2012 die Uraufführung des Musicals Shylock!, zu dem sie ebenfalls das Libretto geschrieben hatte (nach Shakespeares Tragikomödie Der Kaufmann von Venedig; Musik: Stephan Kanyar).[4]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inszenierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oper/Operette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lied[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach (Dir. Wolfgang Gönnenwein) (EMI 1970, 1977)
  • Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach (Dir. Eugen Jochum) (Phonogram 1973, 1981, 1989)
  • Symphonie No. 9 von Ludwig van Beethoven (Dir. Rudolf Kempe) (EMI 1974, 1977), (Dir. Karl Böhm) (DG 1981, 1986)
  • Engel in Das Paradies und die Peri von Robert Schumann (Dir. Henryk Czyż) (EMI 1974, 1979)
  • Sinfonie Nr. 2, c-Moll (Auferstehung) von Gustav Mahler (Dir. Leopold Stokowski) (RCA-Schallplatten 1975, 1979), (Dir. Giuseppe Sinopoli) (DG 1986)
  • Petite messe solennelle von Gioacchino Rossini (Dir. Wolfgang Sawallisch) (Deutsche Schallplatten 1978; BMG Ariola München 1985), (Dir. Stephen Cleobury) (EMI 1986)
  • Messe in h-Moll von Johann Sebastian Bach (Dir. Eugen Jochum) (EMI 1982, 1999)
  • Alt-Rhapsodie von Johannes Brahms (Dir. Giuseppe Sinopoli) (DG 1983/84)
  • Das Lied von der Erde von Gustav Mahler (Dir. Carlo Maria Giulini) (DG 1984)
  • Reqiuem op. 89 von Antonín Dvořák (Dir. Wolfgang Sawallisch) (BMG Ariola München 1985)
  • Paukenmesse (Hob. XXII:9) von Joseph Haydn (Dir. Leonard Bernstein) (Phonogram 1985), auch als DVD: CMajor 2012
  • Messias von Händel (Dir. Neville Marriner) (EMI 1985)
  • Deutsche Messe von Franz Schubert (Dir. Wolfgang Sawallisch) (EMI 1986)
  • Messe in Es-Dur (D.950) von Franz Schubert (Dir. Wolfgang Sawallisch) (EMI 1988)
  • Gurre-Lieder von Arnold Schönberg (Dir. Riccardo Chailly) (Polygram 1990, Teldec 1990)
  • Missa solemnis von Ludwig van Beethoven (Dir. Rafael Kubelík) (Orfeo 1995)
  • Lieder eines fahrenden Gesellen, Rückert-Lieder, Kindertotenlieder von Gustav Mahler (Dir. Riccardo Chailly) (Decca)
  • Great moments of Brigitte Fassbaender (Oper, Operette, Geistliche Musik, Lied) (EMI 1995)
  • The very best of Brigitte Fassbaender (Oper, Operette, Geistliche Musik, Lied) (EMI 2005)

Fernsehaufzeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brigitte Fassbaender – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brigitte Fassbaenders Auftritte an der Wiener Staatsoper
  2. Aufführungsdatenbank der Bayreuther Festspiele
  3. Wolf-Eberhard von Lewinski: Brigitte Fassbaender. Interviews, Tatsachen, Meinungen. Atlantis Musikbuch-Verlag 1999, ISBN 3-254-08351-2, S. 11, 21.
  4. Brigitte Fassbaender, Autorin bei Felix Bloch Erben
  5. Stephanie Kaiser (Red.): Biografie. Brigitte Fassbaender. In: whoswho.de, abgerufen am 4. August 2015.
  6. Brigitte Fassbaender Orden pour le mérite
  7. Bekanntgabe der Verleihungen vom 1. März 2012 beim Bundespräsidenten
  8. Pressemitteilung vom 31. Oktober 2012 auf der Seite der Stadt, abgerufen am 4. November 2012
  9. Lifetime Achievement Award für Brigitte Fassbaender
  10. Ilka Trautmann: Richard-Strauss-Festival »Die Jahre in Garmisch-Partenkirchen werden mir unvergessen bleiben«, in: Kreisbote, 26. Juni 2017