Brissago TI

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
TI ist das Kürzel für den Kanton Tessin in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Brissagof zu vermeiden.
Brissago
Wappen von Brissago
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Locarnow
Kreis: Kreis Isole
BFS-Nr.: 5097i1f3f4
Postleitzahl: 6614
Koordinaten: 698277 / 10840746.128.71197Koordinaten: 46° 7′ 12″ N, 8° 42′ 36″ O; CH1903: 698277 / 108407
Höhe: 197 m ü. M.
Fläche: 17.8 km²
Einwohner: 1802 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 101 Einw. pro km²
Website: www.brissago.ch
Karte
Lago di Mognólia Lago di Tomè Lago Barone Lago Laghetto Bagina di Val Malvaglia Lago di Vogorno Lago Delio Lago d'Orglio Lago Maggiore Italien Italien Kanton Graubünden Bellinzona (Bezirk) Blenio (Bezirk) Bezirk Leventina Bezirk Lugano Riviera (Bezirk) Vallemaggia (Bezirk) Gambarogno TI Ascona Brissago TI Losone Ronco sopra Ascona Locarno Locarno Muralto Orselina Centovalli TI Terre di Pedemonte Brione sopra Minusio Cugnasco-Gerra Cugnasco-Gerra Gordola Mergoscia Minusio Tenero-Contra Gresso Gresso Isorno TI Mosogno Onsernone Vergeletto Brione (Verzasca) Corippo Frasco Lavertezzo Lavertezzo Sonogno VogornoKarte von Brissago
Über dieses Bild
ww

Brissago (im alpinlombardischen Ortsdialekt Brissagh [briˈsak],[2] deutsch veraltet Brisa) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin (Bezirk Locarno, Kreis Isole).

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt am Nordufer des Langensees südwestlich von Ronco und Ascona an der Grenze zu Italien. Sie besteht aus den Weilern Bassuno, Caccio, Cadogno, Cartogna, Corte, Gadero, Incella, Madonna di Ponte, Nevedone, Noveledo, Piazza, Piodina, Porta, Rossorino, Mergugno[3] und Tecetto sowie den Brissago-Inseln. Das Rathaus in der Ortsmitte befindet sich auf einer Höhe von 197 m ü. M., der höchste Weiler, Bassuno, liegt 867 m ü. M. und der höchste Punkt ist der Berggipfel des Gridone (2188 m ü. M.), der auf der Grenze zu Italien liegt.

Brissago ist nicht zuletzt dank der Brissago-Inseln bekannt, auf welchen sich ein botanischer Garten befindet. Durch das milde Klima können rund 1500 verschiedene Pflanzenarten gedeihen. Darunter befinden sich Palmen, Bambus und Eukalypten. Der Garten wurde ab dem Jahre 1885 durch die Baronin Antoinette de Saint Léger angelegt und durch den Folgebesitzer der Inseln, den deutschen Kaufhausmillionär Max Emden, ab 1927 ausgebaut.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

1289 wurde Brissago als Brixago erwähnt.[5] Der Ortsname ist wahrscheinlich von dem lateinischen Personennamen Briccius abgeleitet.[2] 1578 hatte der Ort 1675 Einwohner, 1930 1577 Einwohner, heute 1899 Einwohner. Die Einwohnerzahl blieb also während Jahrhunderten fast konstant.

Im 13. Jahrhundert wurde Brissago eine reichsunmittelbare Gemeinde mit eigenem Dorfrecht, eigenen Gemeindevorstehern (consoli), eigener Verwaltung und eigener Gerichtsbarkeit. Der Podestà wurde vorerst von den Mailänder Visconti ernannt und von 1342 bis 1798 von der Locarneser Adelsfamilie Orelli gestellt. 1520 erklärte sich Brissago zur unabhängigen Republik, unterwarf sich aber schon im folgenden Jahr der Herrschaft der zwölf eidgenössischen Orte, wobei es ein grosses Mass an Autonomie bewahren konnte. In der Helvetik kam Brissago zum neu geschaffenen Kanton Lugano, 1803 wurde es politische Gemeinde des neu gegründeten Kantons Tessin.

In Brissago befindet sich seit 1856 eine Zigarrenfabrik (Neubau 1888). Das Grand-Hôtel Brissago wurde 1907 erstellt (1993 abgerissen).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wirtschaftliche Grundlage Brissagos ist heute der Tourismus. Die Ufer- und Hügelzone der Gemeinde sind seit den 1960/70er-Jahren mit Zweitwohnungen überbaut.

Die Zigarrenfabrik, in der unter anderem die Brissago originale genannten Virginiazigarren hergestellt werden, hatte ihren Höhepunkt in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erreicht, als mehr als 600 Personen, meist Frauen, in der Tabakverarbeitung beschäftigt waren. Sie gehört seit 1999 zum Schweizer Tabakwarenkonzern Burger Söhne.

Klima[Bearbeiten]

Es existiert eine Niederschlagsmessstation der MeteoSchweiz in Brissago, sie befindet sich 280 m ü. M. an den Hängen der Gemeinde Brissago, in den oberen Ortsteilen. Sie wurde 1887 errichtet und hat seitdem zwei fehlende Monate in der Messreihe. Es ist ein Tagessammler, das heisst, dass die Daten in täglichem Intervall verfügbar sind.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sakralbauten
  • Die katholische Pfarrkirche Santi Pietro und Paolo entstand im 16. Jahrhundert im Stil der lombardischen Renaissance.[4][6]
  • Etwa gleichzeitig wurde die Kirche Madonna del Ponte erbaut, renoviert (1950/1957) Architekt: Peppo Brivio[7][4][8][9]
  • Oratorium San Bartolomeo im Ortsteil Porta, erbaut (1997/1998) von Raffaele Cavadini, ein herausragendes Beispiel moderner Architektur im Tessin, mit Fresko des Malers Antonio da Tradate[4]
  • Oratorium Madonna delle Grazie (1807), renoviert (1972) im Ortsteil Gadero[4]
  • Oratorium San Macario, im Ortsteil Piodina, erwähnt (16. Jahrhundert)[10][4]
  • Oratorium Vergine del Monte Nero di Taja (1715) mit Gemälde Madonna di Montenero (17. Jahrhundert)[11][4]
  • Oratorium Santi Rocco und Sebastiano (1645/1681), im Ortsteil Incella[4][12]
  • Oratorium Madonna del Buon Consiglio im Ortsteil Porbetto erbaut (1711/1727), renoviert (1773)[13][4]
  • Kreuzweg mit Fresken des Kapuziners und Malers Roberto Pasotti[4][14][15][16][17][18]
  • Sacro Monte (Anfang 18. Jahrhundert), mit Kirche Santa Maria Addolorata[19][4][20]
  • Betkapelle del Calvario[21]
  • Betkapelle[22]
  • Kirche Sant’Apollinare (13. Jahrhundert) im Ortsteil Brissago-Insel[23].
Profanbauten
  • Gemeindehaus und Grundschule (1906/1909), Architekt: Ferdinando Bernasconi[4]
  • Sogenanntes Schloss[4]
  • Doppel Treppe (Rampa) genannt Montada (1863)[4]
  • Banca dello Stato, Architekt Livio Vacchini[4]
  • Casa Thür, Architekt: Michele Arnaboldi
  • Wohnhaus Conti-Rossini mit Fresken (Ende 15. Jahrhundert)[4]
  • Wohn- und Bürogebäude Bianchini (1985/1987), Architekt: Luigi Snozzi[4]
  • Gebäude Banca dello Stato (1998), Architekt: Livio Vacchini
  • Wohnhaus Baccalà[24][4]
  • Wohnhaus De Rossi (18. Jahrhundert), renoviert, Architekt Luigi Snozzi[4]
  • Wohnhaus Branca (17. Jahrhundert)[4]
  • Palast Branca-Baccalà (Anfang 18. Jahrhundert), renoviert (1986/1987), Architekt: Livio Vacchini und Museum Leoncavallo[25][4][26]
  • Villa Gina oder Casa dei Matti (Narren) (18. Jahrhundert)[4]
  • Tabakfabrik Dannemann (1890/1911), renoviert (1939), Architekt: Bruno Brunoni[4]
  • Einfamilienhaus im Ortsteil Costa di Fuori (1993/1995), Architekt: Aurelio Galfetti[4]
  • Einfamilienhaus (1988) In VIa incella, Architekt: Raffaele Cavadini[4]
  • Spätmittelalterliche Häusergruppe im Ortsteil Teccet[4]
  • Doppel Backofen von Porta[27]
  • Waschanlage von Porta[28]
  • Am Fuße des Gridone (2188 m ü. M.) befindet sich auf 1804 m ü. M. die Rifugio Al Legn[29][4].
Verschiedenes
  • Casa San Giorgio Istituto per Anziani (Altersheim)[30]
  • Convito Biennale dei Verbanisti (10: 1997: Brissago)[31]
  • Istituto Socioterapeutico La Motta (Sozialtherapeutische Einrichtung)[32]
  • Botanischer Garten Isole di Brissago[33]

Kultur[Bearbeiten]

  • Festival Ruggero Leoncavallo[34]

Sport[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rodolfo Huber: Brissago im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Virgilio Gilardoni: I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino, volume II: L’alto Verbano I. Il circolo delle Isole (Ascona, Ronco, Losone e Brissago). (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 68). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte SKG. Bern 1979, ISBN 3-7643-1117-7, S. 3, 7, 8, 11–13, 16, 22, 30, 40, 53, 82, 88, 97, 112, 186, 187, 189, 191, 245, 269, 278–424.
  • Doris Hasenfratz: Das Schicksal der Brissago-Inseln: vom Venustempel zum Eukalyptusbaum. Ed. Ferien-Journal, Ascona 1997.
  • Giuseppe Mondada: Die Brissago-Inseln. Armando Dadò Editore, Locarno 1981[40].
  • Monica Nestler, Michelangelo Pedrazzini: Grand Hotel Brissago: 1906–1989. Edizioni Scala, Brissago 1989.
  • Eduard Platzhoff-Lejeune: Brissago. Orell Füssli, Zürich 1914.
  • Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 70–72.
  • Emil Ernst Ronner: Pietro von Brissago. Verlag [Buchh.] der Evangelische Gesellschaft, St. Gallen 1943.
  • Elfi Rüsch, Annegret Diethelm: Brissago. (Schweizerische Kunstführer, Band 662). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1999, ISBN 3-85782-662-2[41].
  • Willy Zeller: Die Brissago-Inseln. Haupt, Bern 1960.

Weblinks[Bearbeiten]

Weiterführende Informationen in den
Schwesterprojekten von Wikipedia:
Multimedia-Inhalte
Wikivoyage Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 189.
  3. Mergugno
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 206–210.
  5. Historisches Lexikon der Schweiz, s. v. Brissago. Das Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen nennt als Jahr der Erstbezeugung hingegen 1194, ebenfalls mit in Brixago.
  6. Pfarrkirche Santi Pietro und Paolo (Foto)
  7. Madonna del Ponte
  8. Kirche Madonna del Ponte
  9. Kirche Madonna del Ponte (Foto)
  10. Oratorium San Macario
  11. Oratorium Vergine del Monte Nero
  12. Oratorium Santi Rocco und Sebastiano
  13. Oratorium Madonna del Buon Consiglio
  14. Kreuzwegkapelle I (Foto)
  15. Kreuzwegkapelle II (Foto)
  16. Kreuzwegkapelle III (Foto)
  17. Kreuzwegkapelle IV (Foto)
  18. Kreuzwegkapelle V (Foto)
  19. Kirche Santa Maria Addolorata
  20. Kirche Santa Maria Addolorata (Foto)
  21. Betkapelle del Calvario (Foto)
  22. Betkapelle (Foto)
  23. Kirche Sant’Apollinare (Foto)
  24. Wohnhaus Baccalà
  25. Museum Leoncavallo
  26. Palast Branca-Baccalà (Foto)
  27. Doppel Backofen von Porta (Foto)
  28. Waschanlage von Porta (Foto)
  29. Al Legn Hütte auf capanneti.ch
  30. Casa San Giorgio Istituto per Anziani (Altersheim)
  31. Convito Biennale dei Verbanisti
  32. Istituto Socioterapeutico La Motta
  33. Botanischer Garten Isole di Brissago
  34. Festival Ruggero Leoncavallo auf ticino.ch
  35. Associazione Calcio Brissago
  36. Società Ginnastica Brissaghese
  37. Velo Club Brissago
  38. Schach-Weltmeisterschaft (2004: Brissago)
  39. Centro Dannemann (Brissago)
  40. Giuseppe Mondada: Die Brissago-Inseln.
  41. Elfi Rüsch und Annegret Diethelm: Brissago.