Brita (Unternehmen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Brita GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1966
Sitz Taunusstein
Leitung Markus Hankammer
Mitarbeiter 1.827(weltweit)[1]
Umsatz 494 Mio. Euro (2017)[1]
Branche Trinkwasserfilter
Website www.brita.de

Logo bis 2016

Die Brita GmbH ist ein deutscher Hersteller von Trinkwasserfiltern mit Sitz in Taunusstein-Neuhof im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Familienunternehmen entwickelt, produziert und vermarktet Trinkwasserfilter für den privaten und gewerblichen Gebrauch. Über Partnerschaften mit Herstellern von Haushaltsgeräten werden Filterkartuschen auch in fremde Geräte eingebaut. Dabei handelt es sich beispielsweise um Kühlschränke, Wasserfilterkocher oder Kaffeemaschinen. Zudem ist das Unternehmen 2010 in das Geschäft mit leitungsgebundenen Wasserspendern eingestiegen, die zum Beispiel in Büros, Industrie oder Bildungseinrichtungen eingesetzt werden.

Das Unternehmen ist in 66 Ländern mit Tochterfirmen oder Partnerunternehmen vertreten und beschäftigt weltweit 1.827 Mitarbeiter, davon 940 Mitarbeiter in Deutschland.[1] Brita erwirtschaftete im Jahr 2017 einen Gesamtumsatz von 494 Mio. Euro, davon 84 Prozent außerhalb von Deutschland.[1] Produziert wird in Deutschland, Großbritannien, China, Italien und der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinz Hankammer gründete das Unternehmen 1966 mit der Idee, herkömmliches Leitungswasser zu optimieren. Brita wurde nach der Tochter Hankammers benannt. Mit dem „AquaDeMat“ brachte das Unternehmen Brita erstmals ein Produkt auf den Markt, das Wasser für den Einsatz in Autobatterien entsalzte und zunächst an Tankstellen vertrieben wurde. Dessen Produktion wurde im Jahr 1967 zunächst im Garten des Unternehmers aufgenommen und bis 1970 wurden 100.000 Stück verkauft [2]. Die Idee zur Erfindung des Tisch-Wasserfilters für den Haushalt hatte Heinz Hankammer im Jahr 1969 und legte damit den Grundstein für die Expansion des Unternehmens. Das Patent wurde 1970 angemeldet[3]. 1979 bot Brita die ersten austauschbaren Kartuschen an.

1980 begann Brita die Ausweitung des Produktportfolios für gewerbliche Nutzung mit Wasserfiltern für Großgeräte, die in Hotellerie, Gastronomie, Catering und Vending (Heißgetränke-Automaten) eingesetzt werden. Diese schützen die Geräte vor Kalkablagerungen. Das sind beispielsweise Kaffeevollautomaten in Cafés, Kombidämpfer und Spülmaschine in der Restaurantküche oder Heißgetränkeautomaten in Firmen. Mit ihnen lässt sich die Wasserqualität individuell einstellen - und damit auch das Wasser für Getränkezubereitungen wie Kaffeekreationen geschmacklich verbessern. In Großbritannien gründete Brita 1980 die erste ausländische Tochtergesellschaft „Brita Water Filter Systems Ltd.“ In den Folgejahren gründete Brita weitere Tochterfirmen. 1987 wurde eine Tochtergesellschaft in der Schweiz gegründet und hier wurde auch 1993 der erste Produktionsstandort von Brita außerhalb Deutschlands geschaffen.[4]

Seit 1992 werden austauschbare Kartuschen recycelt. 2004 begann Brita Partnerschaften mit Herstellern von Wasserfilterkochern, Espresso- und Kaffeemaschinen, Haushaltswasserspendern, Kühlschränken und fest in die Wasserleitung integrierten Wasserfiltern, um den Anwendungsbereich der Filterkartusche zu erweitern. 1999 wurde das Unternehmen von Brita Wasserfilter-Systeme GmbH in Brita GmbH umfirmiert und die zweite Generation der Familie übernahm das Unternehmen. Seitdem ist Markus Hankammer Geschäftsführer der Brita GmbH. Heinz Hankammer wechselte als Vorsitzender in den damals neu gegründeten Aufsichtsrat der „Brita GmbH“. Ende 2013 gab er den Vorsitz des Aufsichtsrats an Moss Kadey ab. Im September 2016 verstarb Heinz Hankammer [5].

Trinkwasserfilter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

geöffnete, verbrauchte MAXTRA-Filterkartusche

Brita bietet verschiedene Filtermedien für unterschiedliche Produkte an, zum Beispiel Filterkartuschen. Deren Filtermischung besteht aus Ionenaustauschern und Aktivkohle. Entscheidend für die Filtration ist die Schwerkraft: Das Wasser fließt von oben nach unten durch die Kartusche und die integrierte Filtermischung. Der Aufbereitungsvorgang von Trinkwasser mit dieser Technik umfasst vier Schritte: Vorfiltration, Ionenaustausch, Aktivkohlefiltration und Partikelfiltration. Im ersten Schritt fließt das Wasser durch ein feines Filtergewebe. Beim Ionenaustausch werden Kalkgehalt und eventuell vorkommende Blei- oder Kupferbestandteile reduziert. Die Aktivkohlefiltration verringert geruchs- und geschmacksstörende Stoffe. Dies können bspw. Chlor und Chlorverbindungen sein. Im letzten Schritt, der Trapfiltration, nimmt ein Feingewebefilter Mischungspartikel heraus. Zu den Filterkartuschen auf Basis von Ionenaustauscher und Aktivkohle zählen neben der MAXTRA+ zum Beispiel auch ihr Vorgängermodell MAXTRA sowie das ältere Modell Classic. Bei normalem Gebrauch halten die Kartuschen dieser Systeme etwa 30 Tage. Für beide Filtersysteme gibt es mittlerweile auch günstigere Nachbauten von Fremdherstellern.

Darüber hinaus bietet das Unternehmen auch Produkte an, deren Hauptkomponente Aktivkohle ist. Das trifft zum Beispiel auf die Brita MicroDisc zu. Sie wird in Produkten für Endverbraucher eingesetzt, die hauptsächlich zur geschmacklichen Verbesserung von Wasser eingesetzt werden, wie die Brita Wasserfilter-Flaschen und -Karaffen.

Die Filter für Gewerbekunden sind komplexer aufgebaut als eine Filterkartusche für Verbraucher, doch Aktivkohle und Ionenaustauscher sind auch hier als wesentliche Grundbestandteile enthalten.

Einsatz im Haushalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Reduktion des Kalk- und Chlorgehalts soll der Trinkwasserfilter einen besseren Geschmack bei Heißgetränken erzielen. Kaffee und Tee sollen ihr volles Aroma entfalten und die Schlieren auf Tee verschwinden. Um diesen Effekt zu demonstrieren, zeigte Firmengründer Heinz Hankammer den „Teetest“. Dazu verglich er Tees, die mit gefiltertem und ungefiltertem Wasser gekocht wurden und eine Weile abgekühlt waren. Tee, der mit gefiltertem Wasser gekocht wird, bildet keine Schlieren.

Kalkreduziertes Wasser soll dafür sorgen, dass Geräte wie Heißwasserbereiter, Tee- und Kaffeemaschinen, Eierkocher oder Dampfbügeleisen weniger schnell verkalken. Gastronomiebetriebe und Betreiber von Selbstbedienungsautomaten verwenden die Filterkartuschen beispielsweise zwischen der Wasserleitung und ihren Geräten (z. B. Kaffee-, Espresso-, Spülmaschine, Kombidämpfer).

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik am Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. April 2012 wurde die Firma für die Kommerzialisierung der Trinkwasserversorgung von Schülern mit gleichzeitiger Erstellung von Nutzungsprofilen mit dem Big Brother Award in der Kategorie „Wirtschaft“[6] bedacht. Das Unternehmen hatte das so genannte Projekt Schoolwater in manchen öffentlichen Schulen eingeführt. Hierbei konnten Schüler in den jeweiligen Schulen Leitungswasser nur noch mit speziellen RFID-Flaschen zapfen, nachdem eine monatliche Gebühr für die Benutzung entrichtet wurde.[7] Das Unternehmen bezeichnete die 'Auszeichnung' in einer Stellungnahme als „nicht nachvollziehbar[8], da keine personenbezogenen Daten erhoben würden“.[9]

Kritik an der Technologie des Trinkwasserfilters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kartusche entzieht dem Wasser viele ernährungsphysiologisch wichtige Calcium- und Magnesiumionen. Lebensmittelhersteller, die eine gesundheitsbewusste Klientel ansprechen wollen, werben mit einem hohen Gehalt gerade dieser Mineralstoffe in ihren Produkten. Andererseits hat die WHO festgestellt, dass das meiste Calcium und Magnesium über feste Nahrung aufgenommen wird.

Weiter neigen die Kartuschen auch bei sachgemäßem Gebrauch zur Verkeimung.[10] Der Hersteller versucht, diese Verkeimung zu reduzieren; dazu setzt er bei der Herstellung des in den Kartuschen enthaltenen Ionenaustauschers eine Silberverbindung ein. Eine Kontamination des Leitungswassers mit Silber kann daher nicht ausgeschlossen werden, auch wenn die WHO in ihren „Guidelines for Drinking Water Quality“ feststellt, dass es bei der maximal zu erwartenden Silberaufnahme über Wasser und Essen nicht zu kritischen Werten kommen kann. In deutschen Wasserwerken darf nach der Trinkwasserverordnung Silber nicht zur Desinfektion eingesetzt werden. Da das aufbereitete Wasser jedoch nicht mehr der Trinkwasserverordnung, sondern lediglich dem Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch unterliegt, gelten hier andere gesetzliche Grundlagen. Nach einer Veröffentlichung des Umweltbundesamtes werden von Brita 140 kg Silber pro Jahr verarbeitet, „davon werden je nach Kartuschentyp jährlich zwischen 26 und 43 kg ausgewaschen, es gelangt Silber in Konzentrationen von 0,019 bis 0,05 mg/l in das gefilterte Wasser. Der Rest verbleibt in den Kartuschen und wird nach der Rücknahme durch Brita in der firmeneigenen Anlage recycelt“.[11]

Der Hersteller verspricht auch Reduzierung des Bleigehaltes im Leitungswasser. Das ist jedoch nur dort von Bedeutung, wo noch Bleirohre verlegt sind, was zumindest in Deutschland mittlerweile die Ausnahme ist.

Zollstreit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied am 25. Februar 2010, dass auf den Import von in der Siedlung Ma'ale Adumim im Westjordanland hergestellten SodaStream-Waren Zoll zu erheben ist.[12] Im vom Finanzgericht Hamburg vorgelegten Fall hatte der Hersteller SodaStream die in Ma'ale Adumim gefertigten Flaschen als israelische Produkte deklariert und Brita wollte sie so zollfrei einführen. Das Zollamt Hamburg verweigerte dies, Brita zog dagegen vor Gericht. Das Finanzgericht Hamburg legte einige Fragen dem EuGH vor. Aus dem Urteil des EuGH können Rückschlüsse auf die völkerrechtliche Bewertung der israelischen Siedlungspolitik durch die Europäische Union gezogen werden.[13][14] Eine darauf folgende Entscheidung des Finanzgerichts Hamburgs lehnte entsprechend die Gewährung einer Zollpräferenz ab.[15] Der Bundesfinanzhof hat eine Revision als unbegründet zurückgewiesen.[16]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Unternehmensinformationen
  2. [1] Unternehmensinformation, Zugriff am 15.06 2018
  3. VORRICHTUNG ZUR WASSERREINIGUNG (DE7017889 (U) ― 1970-08-06) EP Register Datenbank Patentamt
  4. [2] VendingSpiegel, Zugriff am 15.06.2018
  5. [3] Handelsblatt, Zugriff am 15.06.2018
  6. Kategorie Wirtschaft http://www.bigbrotherawards.de/2012/.biz/
  7. Heise.de (25. August 2012):, BigBrotherAwards 2012 online nachschauen Zugriff am 26. August 2012.
  8. http://www.brita.de/brita/de-de/cms/rfid-technologie-in-trinkwasserspendern-von-brita-ionox/pressrelease_28.grid?nid=gcc_6_1_1
  9. Brita am Pranger: Tochterunternehmen erhält Big Brother Award für Projekt "Schoolwater" (Memento vom 17. April 2012 im Internet Archive)
  10. Ökotest, Sonderheft 21: Essen, Trinken 1997 (S9621) vom 11. November 1996: http://www.oekotest.de/cgi/ot/otgs.cgi?doc=3550@1@2Vorlage:Toter Link/www.oekotest.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  11. Beurteilung der Gesamtumweltexposition von Silberionen aus Biozid-Produkten, Studie des Umweltbundesamtes von 2008, Forschungsbericht 360 04 020 UBA-FB 001212 http://opus.kobv.de/zlb/volltexte/2008/7096/pdf/3673.pdf
  12. Streit um Siedlungsgebiete. Soda-Club-Urteil stellt Israel bloß Der Spiegel, 25. Februar 2010
  13. Außenpolitik. Schwindel mit dem Etikett Der Spiegel, 13. Juli 2009
  14. Julia Amalia Heyer, Nicolas Richter: Beim Sprudel zählt der Druck. in: Süddeutsche Zeitung – Nr. 157, Samstag, den 11. Juli 2009 , Seite 3
  15. Zollrecht: Präferenzbehandlung für Waren aus dem Westjordanland (Az.: VII R 6/12) FG Hamburg 4. Senat, Urteil vom 30. November 2011, 4 K 61/10
  16. BFH Verfahren, VII R 6/12 (Aufnahme in die Datenbank am 20. März 2012), BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.3.2013, VII R 6/12

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 50° 9′ 59,5″ N, 8° 12′ 49,7″ O