British Forces Broadcasting Service

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der British Forces Broadcasting Service (BFBS) ist ein Netzwerk von Radio- und Fernsehsendern, das von der Services Sound & Vision Corporation (SSVC) im Auftrag des Ministry of Defence für die britischen Truppen als Soldatensender betrieben wird.

BFBS weltweit[Bearbeiten]

Gegründet wurde der BFBS als BFN im Dezember 1943 durch einen experimentellen Radiosender in Algier. Erste Sendestation dieser Art war British Forces Network (BFN) Gibraltar, die im Dezember 1943 entstand und bis 1982 sendete. Danach begann BFN sukzessive mit dem Aufbau regionaler Sender in Deutschland (BFN Hamburg ab Juli 1945, ab Februar 1954 in Köln), Kenia (1948-1964), Singapur (Kurzwelle; 1952-1971), Libyen (1953-1970), Zypern (1960-1982), Aden (1962-1967), Malta (1964-1979) und Hong Kong (1971-1982).[1] Die Zusammenarbeit von BFN mit der BBC begann bereits im Oktober 1945 mit BBC's Family Favourites, einem Verbindungs-Programm zwischen lokalen britischen Radiostationen mit den regionalen BFN-Stationen. Das BFN dance orchestra als eigenständiger Klangkörper begann im Mai 1946. Im Januar 1964 nannte sich das dem britischen Verteidigungsministerium unterstellte Sendenetz British Forces Broadcasting Service (BFBS). Nachdem BFBS im April 1982 mit der Services Kinema Corporation verschmolzen wurde, ist neuer Betreiber von BFBS die SSVC. Heute hat BFBS drei Radio- und zwei Fernsehprogramme, die von der Zentrale in Buckinghamshire nahe London aus per Satellit gesendet werden, ergänzt durch mehrere lokale Studios an Orten, wo die britische Armee stationiert ist. Der BFBS erreicht heute ungefähr 130.000 Armeeangehörige und deren Familien, hauptsächlich in Deutschland. Weiterhin hat er zurzeit Studios unter anderem in Afghanistan und im Irak. Im Jahre 2005 konnten britische Soldaten den BFBS in weltweit 23 Ländern empfangen.[2]

BFBS in Deutschland[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

BFBS Germany, Köln, Lindenallee 1 (1972)

Die Senderechte des heutigen BFBS Radio Germany gehen zurück auf allgemeine Stationierungsvereinbarungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und befreundeten Staaten.[3]

Am 29. Juli 1945 nahm in der Hamburger Musikhalle der Sender unter dem Namen British Forces Network (BFN) seinen Betrieb auf. In der Musikhalle trat am 25. August 1945 Lale Andersen mit ihrem Soldatenlied Lili Marleen auf, das unter den noch überwiegend britischen Zuhörern sehr bekannt war. In der Laeiszhalle erinnert eine Gedenktafel an die neun BFN-Jahre in Hamburg.

Am 1. Februar 1954 zog BFN von Hamburg nach Köln-Marienburg in die Villenkolonie Köln-Marienburg, wo er zwei ehemalige Villen belegte:

  • Lindenallee 1: Hier war die Verwaltung und das technische Lager untergebracht. BFN bekam bei seiner Einrichtung in Köln technische Unterstützung durch den WDR.
  • Parkstraße 61: Die etwa 1909 für den Kaufhausbesitzer Leonhard Tietz errichtete Villa Tietz brannte am 24. Oktober 1944 bis auf die Grundmauern nieder. Im Erdgeschoss des wiederaufgebauten Hauses brachte BFN seine umfangreiche Tonträger-Sammlung (Record Library), in der ersten Etage die Studios A (mit einem Steinway-Piano für Studioaufnahmen) und D (für Live-Sendungen) unter.

Zur Eröffnung am 26. Februar 1954 kam Brigadier Johnstone in Begleitung von Senderchef Dennis Skuse in die Studios auf der Parkstraße 61, wo das Schild „BFN Broadcasting House“ an der Tür hing. Chris Howland legte während der Eröffnungsfeier Schallplatten auf.[4] Die erste Sendung aus den Kölner Studios fand am 26. Februar 1954 statt. BFN stellte für den Sendebetrieb auch deutsche Mitarbeiter wie Toningenieure und die Bibliothekarin für das Plattenarchiv ein. Seit dem 1. Januar 1956 wurden von hier BFN-Sendungen ausschließlich über UKW ausgestrahlt.[5] Hier belegte BFN mehrere teils extrem weit reichende UKW-Frequenzen, die große Teile Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens abdeckten. Die technische UKW-Reichweite belief sich daher in Deutschland auf mehr als 15 Millionen Menschen, von denen 56.000 Rheinarmee-Angehörige in der gesamten früheren britischen Zone und sogar nur 26.000 in Nordrhein-Westfalen stationiert waren.[6] Gleichwohl darf sich das Programm aufgrund des NATO-Truppenstatuts nicht an die überwiegende deutsche Bevölkerung wenden. BFN nannte sich ab dem 4. Januar 1964 BFBS Germany.[7]

Nach dem Ende des Kalten Krieges gab es Kontroversen darüber, ob der britische Militärsender in Deutschland fortgeführt werden sollte. Das britische Verteidigungsministerium entschied sich aufgrund der Stationierung britischer Soldaten im Rahmen der NATO für eine Fortführung der Ausstrahlung und der Zulieferung redaktioneller Inhalte. Das BFBS-Studio in Berlin wurde jedoch am 12. Dezember 1994 mit dem Abzug der Alliierten aus der Stadt geschlossen, die Berliner Frequenzen von BFBS-Radio und SSVC-TV wurden freigegeben.

Im Oktober 1990 wurde der Hauptsitz des BFBS Germany vom Kölner Villenstadtteil Marienburg, wo die Studios in zwei Villen untergebracht waren, auf ein Kasernengelände in Herford verlegt. Hier und in fünf Außenstudios in Gütersloh, Hohne, Mönchengladbach, Osnabrück und Paderborn wurden fortan die Sendungen produziert. Im November 1991 verlegte man den TV-Übernahmepunkt von Rheindahlen zur SSVC-Hauptstelle nach Chalfont St. Peter. Am 31. Juli 2009 wurde der Hauptsitz von Herford nach Bergen-Hohne, an den Rand des dortigen Truppenübungsplatzes verlegt.

Programmformat[Bearbeiten]

Das Programm ist für die Zielgruppe der britischen Soldaten konzipiert, wobei Popmusik seit jeher einen Anteil von mindestens 80 % erreicht.[8] BFBS Radio ist damit ein musikorientiertes Hörfunkprogramm. Die Titelauswahl orientiert sich vorwiegend am aktuellen britischen und amerikanischen Musikmarkt. Die Moderation war stets in einem lockeren Stil gehalten[9] und nicht formal-belehrend wie die meisten Sendungen des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. „Wer bei BFN eine Sendung macht, macht sie ganz, er wählt die Platten, derer es mehr als 70.000 im Hause gibt, schreibt seine eigenen Texte und verkauft auch alles vor dem eigenen Mikrophon. Daher wohl der seltene, aber erfreulich selbstverständliche Kontakt mit den Hörern.“[10] Das Discjockey-Format, erst ab etwa 1970 im öffentlichen deutschen Rundfunk übernommen, wurde durch den Umstand begünstigt, dass die Moderatoren des BFBS keine Soldaten waren wie etwa bei AFN. Die ersten Radio-DJ’s bei BFN/BFBS waren Chris Howland (bis 1957), Keith Fordyce (1950), Keith Skues (1958–1960), David Hamilton (1958) und David Jacobs.

Eine der bekanntesten Musiksendungen und zugleich Ankersendungen in den 1960er Jahren waren „Saturday Club“ (in der BBC seit dem 4. Oktober 1958) und die in London produzierte „Top Twenty Show“ (seit 1958); ab 1963 wurde als Erkennungsmelodie für diese Hitparade der Instrumentaltitel Sandstorm der Gruppe „Johnny & the Hurricanes“ gespielt. Während der „Saturday Club“ mit Brian Matthew einen permanenten Präsentator besaß, gab es in der „Top Twenty Show“ häufig wechselnde Moderatoren wie Don Moss, Colin Hamilton, Barry Alldis, Tony Hall, John Benson (um 1969) oder Tommy Vance. Diese DJ's kamen von oder gingen zu Radio Luxemburg oder den englischen Piratensendern.

Wunschprogrammformate waren sehr häufig vertreten, ermöglichten sie es doch den Soldaten, anstatt Briefen ihre Nachrichten mit einem Musikwunsch zu verbinden (Family Favourites stellte sonntags live-Verbindungen zu lokalen britischen Sendern her). Nur ein sehr geringer Programmanteil wurde für Wortbeiträge verwendet. Die Nachrichten übernahm BFBS von der BBC, von der ebenfalls das Radioplay The Archers stammte. Beliebt unter britischen Zuhörern war auch eine Daily Soap über die fiktive Nordlondoner Straße Waggoner's Walk (1969–1980). Auch die Sportübertragungen (insbesondere Fußball) werden weiterhin von der BBC übernommen.

BFBS Radio Germany ist heute - angelehnt an BBC Radio 1 - ein musikorientiertes Hörfunkprogramm. Die Titelauswahl orientiert sich vorwiegend am aktuellen britischen und amerikanischen Musikmarkt. In den Abendstunden werden Spartensendungen gesendet. Stündlich werden die selbst produzierten Nachrichten aus Chalfont Grove (Sitz des HQ SSVC) übernommen, zu einzelnen Stunden (Montag bis Freitag um 5, 8, 12, 14 und 18 Uhr) eine verlängerte Ausgabe (Newsplus). BFBS Radio Germany sendet auf den UKW-Frequenzen in Deutschland derzeit in der Regel montags bis freitags von 6 bis 14 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr ein lokal produziertes Programm aus Bergen-Hohne oder Gütersloh. In der übrigen Zeit wird das Rahmenprogramm übernommen, das in der Regel live aus Großbritannien oder Afghanistan gesendet wird.

Deutsche Zuhörer[Bearbeiten]

BFBS hat – mit anderen Soldaten- und Piratensendern – an der Rundfunkverbreitung moderner Musikrichtungen im Nachkriegsdeutschland maßgeblich mitgewirkt. Dazu muss man wissen, dass in der Bundesrepublik Deutschland während der 1950er und 1960er Jahre in den Programmen der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender (private Sender gab es noch nicht) insbesondere an den Wochenenden und Feiertagen keine englischsprachige Popmusik gesendet wurde; überhaupt wurden deutsche Schlager und französische Chansons bevorzugt – meist gespielt in Coverversionen von deutschen Tanzorchestern. Auch viele aktuelle englischsprachige Hits wurden von deutschen Orchestern als Instrumentalmusik im Rundfunk präsentiert. Ab etwa 1960 und verstärkt seit Aufkommen der Beatmusik ab 1963 nahm jedoch das Interesse an englischsprachiger Musik in Deutschland enorm zu. Da der öffentliche Rundfunk die neuere Entwicklung ignorierte, blieben für das Interesse an moderner Popmusik im Radio nur Radio Luxemburg – auf UKW nur in der Eifel, im Saarland und bis etwa Köln – in Mittel- oder Kurzwellenqualität, AFN, Piratensender und BFBS. Die deutschen Sender erlebten einen Massenschwund deutscher Beatmusik-Fans zu den pop-freundlicheren Stationen.[11] Die Programmzeitschrift Hörzu stellte 1966 fest, dass „Schüler, Lehrlinge, Arbeiter und Schwestern ausländische Sender bevorzugen, meistens Radio Luxemburg, BFBS und AFN.“ Da BFBS kaum Quotenzwang unterworfen war und die Moderatoren zumeist eigenständig Musik auswählten, wurden die gerade in Großbritannien und den USA veröffentlichten Neuerscheinungen gespielt, so dass Hits bereits mehrere Monate früher zu hören waren, bevor sie – wenn überhaupt – ins deutsche Radioprogramm übernommen wurden oder offiziell erschienen. Täglich schalteten rund 150.000 britische Militärangehörige, zum größten Teil zwischen 18 und 34 Jahre alt, zwischen Rhein und Elbe den BFBS an. BFBS besitzt damit als konkurrenzloser englischsprachiger Sender bei den britischen Zuhörern einen Marktanteil von 90 Prozent. Zivile Hörer sind beim BFBS nur als „Zaungäste“ zugelassen, offiziell darf der Sender sie nicht in seine Programme einbinden. Das NATO-Truppenstatut, die rechtliche Grundlage für den Betrieb, verbietet dies.[12] Die British Broadcasting Corporation schätzte darüber hinaus bis zu 5 Millionen weitere Hörer.[13] Der Sender schätzte die Zahl der Hörer auf bis zu zwei Millionen täglich. Monatlich erhielt BFBS Germany Mitte der 1960er Jahre etwa 3.000 Hörerbriefe, darunter waren auch 600 deutsche Zuhörerbriefe.[14] Etwa 12 % der Hörer schalteten beispielsweise 1977 als Alternative zu den deutschen Programmen in der Nacht Soldatensender wie BFBS oder AFN ein.[15] Im Jahre 1977 gab es bei BFBS Germany unter der Bezeichnung „Format 77” eine Programmreform mit vorproduzierten Sendungen aus der Zentrale in London, seit 1. April 1983 ist BFBS ein Teil der gemeinnützigen „Services Sound and Vision Corporation“ (SSVC).

Einige BFBS-Moderatoren wurden auch unter den deutschen „Zaungästen“ des Senders populär und nutzten ihre Bekanntheit für eine zweite Karriere, teilweise mit eigenen Sendungen bei deutschen Radiosendern. Zu den bekanntesten gehören Dave Lee Travis (Mitmoderator beim Beat-Club), der Pop-Buchautor Alan Bangs, Steve Mason, David Rodigan sowie bis zu ihrem Tode John Peel und Tommy Vance. Einen legendären Ruf machte sich Chris Howland bei der deutschen Bevölkerung, der ab 1948 zunächst in Hamburg und ab 1954 bei BFN Köln als Musik-Moderator tätig war.[16] Die meisten Moderatoren hatten zuvor Erfahrungen bei der BBC, Radio Luxemburg oder Piratensendern gesammelt.

Insgesamt war BFBS „Trendsetter in Sachen Swing, Rhythm and Blues, Pop und Dancefloor. Die Einführung der ARD-Popwellen Mitte der siebziger Jahre war von BFBS vorgemacht worden“.[17] Schwindende Zuhörerzahlen, insbesondere bei Jugendlichen, versuchten die öffentlichen Rundfunksender durch Anpassung ihrer Programmformate und durch Moderatoren wie Chris Howland oder Mal Sondock (ursprünglich Moderator bei AFN München) zu kompensieren.

UKW-Frequenzen[Bearbeiten]

BFBS Radio 1[Bearbeiten]

BFBS Radio 1 (alte Bezeichnung), das über leistungsstarke UKW-Frequenzen verfügt, richtet sich an ein jüngeres Publikum und sendet vorwiegend aktuelle Pop- und Rockmusik, sowie Informationen für die Angehörigen des britischen Militärs. Das Programm besteht aus regional produzierten Sendungen (z. B. The Breakfast Show with Matt and Charlene aus Herford) als auch aus vom BFBS-Network übernommenen Sendungen (Sim’s Show).

Vom 12. Januar 2008 bis 31. März 2008 war das frühere BFBS Radio 1 versuchsweise flächendeckend in ganz Großbritannien digital (DAB) zu empfangen. Eine generelle Ausstrahlung über DAB findet seit dem 20. April 2009 8.00 Uhr CET für Großbritannien statt[18]. Mit dem Start der Ausstrahlung über DAB wurde auch eine designte Webseite gestartet und der Programmablauf verändert. Zusätzlich wird BFBS Radio 1 über Sky (Kanal 0211) und Freesat (Kanal 786) ausgestrahlt. Zur besseren Unterscheidung von BBC Radio 1 wird seitdem auf den Zusatz „1“ verzichtet. Das erste Programm heißt jetzt nur noch BFBS Radio und wird auch im laufenden Programmbetrieb und auf den eigenen Webpräsenzen so bezeichnet. Der Name des zweiten Programms blieb unverändert.

BFBS Radio 1 stehen mehrere reichweitenstarke Frequenzen zur Verfügung, die über mehrere Jahrzehnte lang Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Hamburg und Bremen zu großen Teilen versorgen konnten. Durch den Truppenabzug und Sparmaßnahmen hat sich das Sendegebiet in Deutschland inzwischen verkleinert. Die Aufgabe mehrerer Grundnetzsender hat den Einsatz mehrerer Kleinsender notwendig gemacht, um Truppenstützpunkte und Versorgungswege weiterhin versorgen zu können.

Frequenz 
(MHz)
Sender ERP 
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
Bemerkung
93,0 Braunschweig/Drachenberg 80 ND H
103,0 Bielefeld/Hünenburg 70 D H
106,7 Bergen-Hohne 0,16 ND V Betrieb seit 01.09.2011
100,1 Bad Fallingbostel 0,05 ND V Betrieb seit 01.09.2011
99,3 Hameln-Holtensen 0,1 D H
106,0 Dortmund 3,2 D H Betrieb seit 02.08.2010
104,0 Niederkrüchten/Elmpt 2,4 D H Betrieb seit 02.08.2010
101,9 Wulfen 7,2 D H Betrieb seit 02.08.2010
92,5 Dülmen 8 D H Betrieb seit 02.08.2010
105,1 Rheinberg 0,5 D H Betrieb seit 02.08.2010
107,7 Casteau-Shape (B) 0,04 ND V
90,2 Brunssum (NL) 0,05 D V
87,7 Maastricht (NL) 0,1 D V
BFBS Radio 1 Senderkennung

BFBS Radio 2[Bearbeiten]

BFBS Radio 2, das nur in den Städten mit Truppenstationierungen wie beispielsweise Münster, Paderborn oder Mönchengladbach gesendet wird, übernimmt viele Sport- und Informationssendungen der BBC und spielt eher „ältere“ Musik wie etwa Rock und Popmusik der 1980er-Jahre. Radio 2 verfügt deshalb nicht über reichweitenstarke Grundnetzsender, sondern lediglich über schwächere Stadtsender. Die Versorgung wird damit nur im unmittelbaren Zielgebiet sichergestellt und erreicht im Gegensatz zu Radio 1 nicht große Gebiete. Die ursprüngliche Planung sah zwar eine annähernd gleiche großflächige Versorgung wie beim ersten Programm vor (z.B. 107.5 Bielefeld, 70 kW), jedoch konnte das Vorhaben durch die Einführung von Privatradio und den entstandenen Frequenzmangel nicht mehr umgesetzt werden.

Frequenz 
(MHz)
Sender ERP 
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
Bemerkung
95,4 Celle 0,2 D H Betrieb seit 09.09.2003
95,2 Bad Fallingbostel 0,05 ND V
104,7 Bergen-Hohne 0,16 ND V
102,2 Münster 0,3 ND H
105,0 Paderborn 0,3 ND H
106,8 Hameln-Holtensen 0,02 D H
101,6 Bielefeld/Kaserne 0,3 ND H
91,3 Niederkrüchten-Elmpt 0,09 D H Betrieb seit 30.10.2013
91,7 Gütersloh 0,28 D H Betrieb seit 10.09.2010
88,4 Kiel-Holtenau 0,04 D H zeitweise BFBS Radio 1

Zukunft des Senders[Bearbeiten]

Am 2. August 2010 gab der BFBS die leistungsstarke und weit reichende Langenberger UKW-Frequenz 96,5 MHz ab, welche seither von Deutschlandradio Kultur genutzt wird. Seit diesem Zeitpunkt wird das BFBS-Radio-1-Programm im westlichen und zentralen Nordrhein-Westfalen über eine Reihe von Niedrigleistungssendern (106,0 MHz (Dortmund), 92,5 MHz (Dülmen), 104,0 MHz (Niederkrüchten), 101,9 MHz (Wulfen), 91,3 MHz (Rheindahlen Mönchengladbach) und 105,1 MHz (Rheinberg)) verbreitet. Im Kabelnetz von Unitymedia bleibt er in Nordrhein-Westfalen eingespeist.[19] Ende 2011 trat man dann eine weitere und leistungsstarke Frequenz – die 97,6 MHz in Visselhövede – an den NDR ab, welcher seitdem sein Jugendprogramm N-Joy auf dieser verbreitet. In dieser Gegend ist BFBS Radio 1 über Kleinstsender auf 100,1 MHz (Bad Fallingbostel) und 106,7 (Bergen-Hohne) zu empfangen.

Das Fernsehprogramm von BFBS (BFBS 1 und BFBS 2) verfügt ebenfalls nur über Sender mit kleinerer Sendeleistung. Zum Empfang ist aus technischen Gründen in vor allem älteren Fernsehern ein spezieller Tonadapter zum Empfang der britischen Fernsehnorm I notwendig; ansonsten ist auch der Empfang dieses Programms frei. BFBS 1 versteht sich als Familiensender mit einem entsprechend breiten Angebot. Im Gegensatz dazu ist BFBS 2 ein reiner Unterhaltungskanal, ausgelegt auf die Bedürfnisse von Singles und Soldaten in Einsatzgebieten. Das Programm von BFBS 2 wird als Block in einer Länge von sechs Stunden viermal täglich wiederholt. Von 1985 bis 1997 wurde es unter dem Namen SSVC Television ausgestrahlt. Im Zuge des Projektes DTH (Direct-To-Home) erfolgt eine Umstellung auf digitale verschlüsselte Ausstrahlung von sechs Fernsehsendern. Neben BFBS 1 und BFBS 2 werden dann auch Sky News, Sky Sports 1, Sky Sports 2 und der Musikkanal The Hits ausgestrahlt.

Aufgrund geplanter Truppenabzüge[20] und notwendiger Sparmaßnahmen[21] steht das Sendernetz in Deutschland vor einer Umstrukturierung hin zu einer vermehrten Nutzung von leistungsschwachen Lokalsendern (siehe Frequenztabelle).

Der erste Schritt war im Juli 2010 die Aufgabe der reichweitenstarken Frequenzen 96,5 (Langenberg) und 97,8 MHz (Bonn) in Nordrhein-Westfalen.[22] Im Oktober 2011 folgte die Frequenz 97,6 MHz (Visselhövede). Als Ersatz dienen zwei neue lokale Frequenzen in Bergen-Hohne und Bad Fallingbostel. Über die Aufgabe des Senders Drachenberg auf 93,0 MHz ist bisher noch nichts detailliertes bekannt. Am 11. Oktober 2011 wurde die Frequenz 97,6 MHz (Visselhövede) erneut aufgeschaltet, da es vielerorts zu Empfangsproblemen kam. Mit Wiederaufnahme der vollen Sendeleistung des Senders Drachenberg wurde die Frequenz 97,6 MHz am 16. Dezember 2011 endgültig abgeschaltet.

Durch die bereits vollzogenen und noch anstehenden Frequenzänderungen verringert sich die technische Reichweite des BFBS in vielen Regionen erheblich.

Im Oktober 2010 kündigte der britische Premierminister David Cameron im britischen Unterhaus an, dass die rund 20.000 britischen Soldaten bereits bis 2020 vollständig aus Deutschland abgezogen werden sollen. Dies bedeutet auch das Ende für den BFBS in Deutschland.

Satellitenempfang[Bearbeiten]

In Deutschland sind alle BFBS-Radiostationen und TV-Sender zusätzlich über Eutelsat 10A auf 10,0° Ost[23] zu empfangen. Dabei sind alle TV-Sender (außer einem nepalesischen Sender) und einige Radiostationen (BFBS Radio Germany und Afghanistan sowie BFBS Radio 2 -World, -Cyprus, -Europe) mit Irdeto 2 verschlüsselt.[24]
Zusätzlich werden BFBS-Programme über folgende Satelliten ausgestrahlt:

Vergleich zu anderen Sendern für Soldaten im Auslandseinsatz[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu AFN oder auch dem Bundeswehr-Programm Radio Andernach war und ist BFBS kein Teil der britischen Streitkräfte. Die Mitarbeiter sind keine Soldaten, sondern Angestellte des Betreibers SSVC, auch bereits zu Zeiten der Zuordnung des BFBS zum britischen Verteidigungsministerium.

Literatur[Bearbeiten]

  • The Link with Home – und die Deutschen hörten zu. AlliiertenMuseum Berlin, 2001.
  • Oliver Zöllner: BFBS: „Freund in der Fremde“: British Forces Broadcasting Service (Germany), der britische Militärrundfunk in Deutschland. Cuvillier, Göttingen 1996, ISBN 3-89588-632-7.
  • Alan Grace: This is the British Forces Network. The Story of Forces Broadcasting in Germany. Sutton, Stroud 1996, ISBN 0-7509-1105-0.
  • Wolfgang Rumpf: „Music in the air“ – AFN, BFBS, Ö3, Radio Luxemburg und die Radiokultur in Deutschland. Lit Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-8258-0329-2.
  • Doreen Taylor: A Microphone And A Frequency. Forty Years of Forces Broadcasting. London 1983, ISBN 0-434-75710-1 und ISBN 0-434-75711-X

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Doreen Taylor/Doreen Taylor-Wilkie, A microphone and a frequency: forty years of forces broadcasting, 1983, S. 140 ff.
  2. Seán Street, Historical Dictionary of British Radio, 2015, S. 73
  3. Zunächst auf die Bonner Verträge (BGBl. 1955 II, S. 301, 342, 378) und seit 1. Juli 1963 auf das NATO-Truppenstatut (Art. 60 Abs. 5 des Zusatzabkommens; BGBl. 1963 II, S. 745)
  4. British Pathé, Opening of BFN Studio Cologne 1954
  5. Hans-Bredow-Institut für Rundfunk und Fernsehen an der Universität Hamburg (Hrsg.), Internationales Handbuch für Rundfunk und Fernsehen 1986/87, 1986, S. C 102
  6. Mister Pumpernickel als Pionier, in: Kölner Stadtanzeiger, 28. Juli 2005:
  7. Kurt Koszyk/Karl Hugo Pruys (Hrsg.), Wörterbuch zur Publizistik, 1970, S. 61 f.
  8. Oliver Zöllner, BFBS: Freund in der Fremde, 1996, S. 37
  9. Oliver Zöllner, a.a.O., S. 39
  10. Kölnische Rundschau, 24. September 1955
  11.  Dienst der Nation. In: Der Spiegel. Nr. 42, 1967, S. 218 (online).
  12. Oliver Zöllner, a.a.O., S. 38
  13. British Broadcasting Corporation, The Listener, Band 88, 1972, S. 476
  14. Kölner Stadtanzeiger, 13./14. Mai 1967
  15.  Allerlei Nacht-Wehweh. In: Der Spiegel. Nr. 31, 1977, S. 133 (online).
  16. Wolfgang Rumpf: Music in the Air: AFN, BFBS, Ö3, Radio Luxemburg und die RadioKultur in Deutschland. 2007, ISBN 3-8258-0329-5, S. 119; „Google-Buchsuche“
  17. Oliver Zöllner: Fernseh-Information, 1/2004, S. 27
  18. BFBS on DAB, BFBS.com. 
  19. BFGnet über BFBS Radio Frequency Change
  20. Westfälische Nachrichten vom 20. Oktober 2010, Truppenabzug früher als geplant
  21. Basler Zeitung vom 20. Oktober 2010, Britische Regierung entlässt tausende Soldaten
  22. Radiowoche vom Juli 2010, BFBS gibt Frequenzen ab
  23. Satellite Re-pointing Guide. BFBS Television
  24. Eutelsat 10A at 10.0°E. LyngSat, 4. September 2012, abgerufen am 10. September 2012 (englisch).

51.588203-0.553316Koordinaten: 51° 35′ 18″ N, 0° 33′ 12″ W